Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/fitbit-charge-4-im-test-wohlfuehl-wearable-mit-gps-konditionsschwaeche-2004-148060.html    Veröffentlicht: 24.04.2020 09:12    Kurz-URL: https://glm.io/148060

Fitbit Charge 4 im Test

Wohlfühl-Wearable mit GPS-Konditionsschwäche

Schritte, Puls und Kalorien erfassen klappt mit der Fitbit Charge 4 prima. Beim Laufen an der frischen Luft sind aber nur kurze Runden drin.

Bei sportkompatiblen Wearables gibt es zwei gegenläufige Trends: Einerseits klettern die Preise für High-End-Geräte etwa von Garmin. Wer das nötige Kleingeld hat, kann etwa für die Marq Driver bis zu 2.500 Euro ausgeben. Andererseits finden sich inzwischen sogar bei Aldi einfache Fitnesstracker für 30 Euro, die im Normalfall sofort beim Angebotsstart auch schon wieder ausverkauft sind.

Die Charge von Fitbit stellt da so etwas wie die mehr oder weniger goldene Mitte dar. Traditionell mit Preisen um die 150 Euro noch im bezahlbaren Rahmen, optisch nicht weiter auffällig und technisch nicht weiter aufregend. Vor allem in den USA hat der Hersteller viele Millionen Exemplare verkauft.

Jetzt ist die neueste Gerätegeneration da, und tatsächlich gibt es im Inneren der Fitbit Charge 4 eine größere Änderung: Erstmals ist ein GPS-Modul verbaut, so dass der Nutzer die Route beim Jogging oder bei einer Radtour auch ohne mitgenommenes Smartphone aufzeichnen kann.

Weitere wichtige Neuerung: Das Gehäuse ist aus Kunststoff statt aus Aluminium. Das ist schade, war aber wohl auch wegen der GPS-Antenne nötig. Trotzdem fühlt sich der recht breite Tracker wertig an. Bedient wird er mit einer Taste auf der Seite sowie mit Touchgesten am Display.

Das LED-Bildschirmchen bietet kein Always-on, sondern wird mit dem bekannten Kippen des Handgelenks aktiviert. Das klappt nicht immer auf Anhieb, aber wenn es klappt, dann ist die Uhrzeit ohne spürbare Verzögerung sichtbar, was bei Trackern nicht selbstverständlich ist. Das Display ist in Schwarz-Weiß gehalten und bietet eine Diagonale von 39,9 Millimetern.

In der Sonne ist es gerade noch gut ablesbar. Wir haben den Verdacht, dass die Ingenieure von Fitbit hier zugunsten des Energiesparens in mutmaßlich langen Testreihen bis an die Grenze dessen gegangen sind, was man dem normalen Käufer noch zumuten kann.

Davon abgesehen ist die Charge 4 aber ein angenehm unkompliziertes Wearable. Auf dem Display können wir uns neben der Zeit in einer langen und schnörkellosen Liste unsere wichtigsten Vitaldaten wie die Schritte, den geschätzten Kalorienverbrauch und die Herzfrequenz anzeigen lassen.

Ein zweites Menü erlaubt Zugriff auf Benachrichtigungen, das dritte auf Funktionen wie eine Übersicht mit dem Wetter sowie Wecker und Alarme - die übrigens einen angenehm kräftigen Vibrationsmotor verwenden. Die meisten Einstellungen nehmen wir mit dem gekoppelten Smartphone vor, etwa die Auswahl der bis zu sechs gerade aktiv verfügbaren Sportarten.

Nachts lässt sich der Schlafmodus aktivieren, so dass der Bildschirm nur noch durch das Drücken der Taste eingeschaltet wird - eine simple Lösung, die viele andere Fitnesstracker und Sportuhren nicht hinbekommen. Zusätzlich können wir die Charge 4 verwenden, um wie Sporify auf unserem Smartphone wie mit einer Fernbedienung zu steuern. Und es gibt Fitbit Pay, das kontaktloses bezahlen erlaubt (in Deutschland unterstützt das unter anderem die Commerzbank).

Neu im Ökosystem von Fitbit sind die sogenannten Aktivzonenminuten - bei Garmin heißt exakt das Gleiche Intensitätsminuten. Es geht darum, innerhalb einer Woche auf eine bestimmte Zahl von aktiven Momenten zu kommen, etwa indem man 5 Minuten Aufwärmen für 10 Minuten Jogging (zählt doppelt) macht. Das ergibt dann 25 von anvisierten 150 Minuten, was wiederum eine Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist.



Verfügbarkeit und Fazit

Bei Sportarten wie Laufen oder Radfahren ist bei der Charge 4 standardmäßig das GPS aktiviert. Das funktioniert sehr gut, das Signal der Satelliten hat die Uhr bei uns meist innerhalb von 10 bis 15 Sekunden zuverlässig gefunden.

Die Routendaten finden wir für so einen Tracker ausreichend genau, die Abweichungen gegenüber einer mitgeführten teuren GPS- und Glonass-Sportuhr lagen bei mehreren 10-Kilometer-Läufen im völlig akzeptablen Bereich von 20 bis 30 Metern.

Allerdings: GPS leert bei der Charge 4 den Akku stärker, als wir das bei allen anderen Wearables am Handgelenk bisher erlebt haben. In ziemlich genau der einen Stunde Jogging ist der Akkustand um rund 30 Prozentpunkte gefallen.

Sprich: Viel länger als drei Stunden können wir mit dem Gerät nicht unterwegs sein. Das mag bei Spitzensportlern für einen Marathon reichen. Eine normale Wanderung können wir mit der Charge 4 nicht aufzeichnen. Nur wenn wir gar kein GPS verwenden, sondern lediglich Schritte und Puls sowie die anderen Alltagsdaten erfassen, kommt das Wearable nach unserem Eindruck auf die vom Hersteller angegebenen rund sieben Tage Laufzeit.

Übrigens gibt Fitbit selbst für den GPS-Modus rund fünf Stunden an - aber wie gesagt, wir halten das für illusorisch (zumal niemand eine Tour mit dem Gefühl absolvieren möchte, dass der Sportuhr gegen Ende die Puste ausgeht).

Die Fitbit Charge 4 ist in unterschiedlichen Farben erhältlich, der Preis liegt bei rund 150 Euro. In der Packung befindet sich neben dem Ladekabel mit Klemme sowohl ein normlanges und ein extralanges Band, die über einen gut gelösten Mechanismus in wenigen Augenblicken ausgetauscht werden können.

Das Kunststoffband fühlt sich erst etwas steif und wenig hochwertig an, den Tragekomfort fanden wir dann aber völlig in Ordnung. Das Wearable ist laut Hersteller "wasserabweisend bis 50 Meter".

Fazit

Mit der Charge 4 verbindet Fitbit ziemlich geschickt die Vorteile einer klassischen Sportuhr mit denen eines typischen Fitnesstrackers. Dadurch ist das Wearable leicht und angenehm zu tragen, aber das Display ausreichend groß für den Einsatz als Armbanduhr - und ganz gut aussehen tut das Ding auch. Die ermittelten Werte finden wir durchgehend stimmig, besonders loben möchten wir die Schlafanalyse.

In dem Zusammenhang: Ähnlich wichtig wie die Hardware finden wir bei Sport- und Fitnessuhren die Software, also die App auf dem Smartphone und im Browser. Hier spielt Fitbit zusammen mit Garmin und Polar in der ersten Liga - und bietet im Gesamtpaket viel mehr als einige Hersteller, die preisgünstigere Fitnesstracker anbieten.

Bei der Charge 4 sind es das Display bei Sonneneinstrahlung sowie die kurze GPS-Laufzeit, über die man sich besser vor dem Kauf Gedanken macht. Der Bildschirm mag für die meisten Nutzer gerade noch in Ordnung gehen. Aber wer sehr viel in der Sonne unterwegs ist oder nicht mehr ganz so gut sieht, ärgert sich langfristig.

Ähnlich ist die Sache beim Akku: Wer häufig oder länger mit GPS unterwegs ist, greift besser zu einer konditionsstärkeren Sportuhr. Alle anderen Anwender können sich mit der Charge 4 ein gelungenes Alltags- und Trainingsgerät ans Handgelenk schnallen.

 (ps)


Verwandte Artikel:
Fitbit Versa Lite im Test: Eher smartes als sportliches Wearable   
(10.04.2019, https://glm.io/140579 )
Smartwatch: Fitbit kündigt Charge 4 mit GPS und Sieben-Tage-Akku an   
(31.03.2020, https://glm.io/147612 )
Fitnesstracker im Test: Aldi sportlich abgeschlagen hinter Honor und Mi Band 4   
(09.01.2020, https://glm.io/145949 )
Nach Fitbit-Kauf: Was plant Google mit den Gesundheitsdaten?   
(05.12.2019, https://glm.io/145363 )
Grit X: Polar stellt Outdoor-Sportuhr mit Trink- und Ess-Alarm vor   
(22.04.2020, https://glm.io/148036 )

© 1997–2021 Golem.de, https://www.golem.de/