Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/golem-de-hobbys-fuers-homeoffice-screenshots-vom-sport-2004-147978.html    Veröffentlicht: 21.04.2020 09:00    Kurz-URL: https://glm.io/147978

Golem.de-Hobbys fürs Social Distancing

Screenshots vom Sport

Bis zu 2.000 Fotos mit der Gopro mache ich bei jedem Lauf, jeder Wanderung, jeder Radfahrt. Seit der Coronakrise kommt gründliche Vorbereitung dazu.

Vermutlich habe ich in meinen etwas mehr als 20 Jahren als Spieleredakteur schon über eine Million Screenshots aufgenommen. Von denen ist allerdings der weitaus größte Teil im Papierkorb gelandet, und nur einige wenige ausgesuchte haben es in die Bildergalerien etwa hier auf Golem.de geschafft.

Ich wundere mich selbst, aber seit ein paar Jahren mache ich die Sache mit den Screenshots zusätzlich auch als Hobby in der Freizeit - beim Laufen, Radfahren und beim Wandern. In der Coronakrise kann ich mir sogar mehr Zeit dafür nehmen.

Mit "Screenshots beim Sport" meine ich, dass ich mit einer Gopro (siehe Special auf Golem.de) quasi aus dem Lauf eigene Fotos für soziale Netzwerke und das private Archiv mache, etwa um irgendwann Bildbände zu basteln und so etwas wie ein Tagebuch zu haben. Mit 90 oder 100 Jahren sitze ich dann hoffentlich im Schaukelstuhl in der Sonne und gucke mir die Abenteuer von damals an.

Ich finde, dass das Fotografieren mit der Gopro dem Anfertigen von Screenshots verblüffend ähnlich ist. So gibt es bei der Actionkamera - eben wie bei Screenshots in Spielen - keine variable Blende. Auch Brennweite und Verschlusszeit sind prinzipiell egal.

Stattdessen klebe ich die kleine Knipse beim Laufen per Magnetbefestigung an einen Laternenpfahl, an ein geparktes Auto oder einen Verteilerkasten. Oder ich stelle sie mit einem Mini-Stativ auf den Boden, was dank der großen Blende oft super Bilder ergibt.

Der Zeitraffer schießt alle halbe Sekunde ein Foto. Währenddessen kann ich vor der Linse rumturnen und mich selbst in Szene setzen, wahlweise den Hund Gino oder andere Begleiter (beim Jogging ist meist der Hund mit dabei). Nach einem typischen Lauf habe ich an drei oder vier Stellen 500 bis 2.000 Fotos aufgenommen, von denen ich - ebenfalls wie bei den Screenshots - eines oder mehrere auswähle.

Allein damit kann man schon locker eine Stunde nach dem Homeoffice am Abend füllen. Dazu kommt natürlich noch die mehr oder weniger starke Bildbearbeitung - was nicht ganz einfach ist, weil ich bei der Gopro besonders Gegenlichtaufnahmen gut finde, und da finde ich das Verändern von Farb- und Lichtwerten echt schwierig.

Aber mit den bestehenden Ausgangsbeschränkungen muss ich etwas umdenken. Sport kann ich zum Glück noch so ähnlich wie vorher machen. Allerdings möchte ich aus Rücksicht auf andere Menschen ungern längere Zeit mit der Kamera an einer schönen Stelle verbringen, sondern nach Möglichkeit an einem Ort eine kleine Serie aufnehmen und dann sofort weiterlaufen oder fahren (der Hund findet das übrigens auch besser).

Jetzt auch Sport mit echten Screenshots

Deswegen bereite ich mich nun wesentlich intensiver auf die Fotosessions vor - die Zeit dazu ist ja meist da. Das bedeutet: Mit Google Street View und anderen Karten suche ich die geplante Route nach Bildgelegenheiten ab, so gut das halt geht.

Eine der größeren Herausforderungen dabei ist, dass es da nicht nur irgendwie schön oder interessant aussehen muss, sondern dass ich die Kamera sinnvoll positionieren kann.

Wenn ich etwa eine schöne Brücke über einen Fluss gefunden habe, kann ich die Kamera zwar auf den Boden stellen. Aber mit lauter Bodenbildern fehlt es an Abwechslung. Deswegen will ich es genauer wissen: Ist die Brücke aus Stahl, so dass ich die Magnetbefestigung verwenden kann? Falls nicht, wie ist das Geländer geformt? Erstaunlich viele Brücken haben runde Geländer, auf die man kein Stativ stellen kann - und so weiter.

Vor Ort sieht die Sache dann allerdings oft noch mal ganz anders aus. Vor kurzem hatte ich eine tolle Brücke in einer schönen Umgebung gefunden - aber als ich dort ankam, hat gerad ein Vater mit seinen Kindern das Fahrradfahren geübt. Da hätte ich nicht mal ohne Corona stören wollen. In gefühlt etwa der Hälfte der Fälle klappt die Vorbereitung aber.

Ein großer Vorteil des vorausschauenden Location Scouting ist übrigens, dass ich beim Herumscrollen auf den Onlinekarten schon viele neue Strecken entdeckt habe, erstaunlicherweise sogar in nächster Nachbarschaft.

Es gibt noch ein zweite Idee, die sich aber erst so langsam entwickelt. Ich finde seit jeher das spielerische Verbinden von echter und virtueller Welt ganz spannend. Statt nun echte Bilder zu schießen, probiere ich ab und zu, echte Screenshots aus echten Games etwa in der Timeline zu verwenden.

Vor ein paar Tagen stand ganz in der Nähe ein stark heruntergekommenes Auto, das mich ein bisschen an apokalyptische Zombiefilme erinnert hat. Also habe ich den Abend damit verbracht, im Playstation-4-Actionspiel Days Gone eine Stelle zu suchen, die vage an den echten Ort erinnert.

Dann habe ich im Spiel noch die ungefähre Uhrzeit abgewartet, zu der ich am nächsten Tag laufen wolle. Da habe ich dann ein Bild geschossen, es mit den echten GPS-Daten versehen - und fertig war mein "Screenshot vom Sport".



Weitere Hobbys der Golem.de-Redakteure fürs Social Distancing zum Nachlesen:

Segeln auf dem Trockenen
Basteln mit Big-Jim-Figuren
Schiffsmodelle bauen
Nerf-Gun-Basteleien
Klettern am Biertisch

 (ps)


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