Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/gigabyte-aero-15-studio-im-test-oled-notebook-mit-cleverem-nutzer-support-2004-147923.html    Veröffentlicht: 20.04.2020 12:04    Kurz-URL: https://glm.io/147923

Gigabyte Aero 15 Studio im Test

OLED-Notebook mit cleverem Nutzer-Support

Beim Aero 15 OLED von Gigabyte bringt Microsofts Azure-AI tatsächlich etwas, dafür enttäuscht uns die falsch gewählte SSD.

Laut eigener Aussage ist Gigabyte der einzige Hersteller, der Microsofts Azure-AI in einem Notebook einsetzt: Die künstliche Intelligenz soll lokal oder per Cloud die Geschwindigkeit und Akkulaufzeit verbessern. In Kombination mit einem 4K-OLED-Panel, acht CPU-Kernen und Geforce-Super-Grafik für Kreative klang das so interessant, dass wir uns von den Taiwanern ein Muster des aktuellen Aero 15 haben schicken lassen.

Der Laptop ist ein Studiogerät, denn es entspricht den Anforderungen von Nvidia. Dazu gehören die passenden Grafiktreiber, mindestens 16 GByte Arbeitsspeicher und ein kalibriertes Display. Das Aero 15 sieht auch nicht aus wie ein typisches Gaming-Notebook, sondern ist schlicht gehalten - einzig das Zierelement und der weiß beleuchtete Schriftzug wirken ein bisschen aggressiv. Weniger schön: Wir hinterlassen Fingerabdrücke auf dem Deckel.

Mit 356 x 250 x 20 mm bei 2,1 kg fällt das Aero 15 etwas weniger kompakt aus als etwa ein Razer Blade 15 (2020). Dafür gibt es bei Gigabyte eine Tastatur mit Pfeiltasten in voller Größe und vor allem einen Ziffernblock. Den begrüßen wir im Arbeitsalltag als exklusives Ausstattungsdetail, denn er fehlt bei anderen flachen 15-Zöllern.

Das Tippgefühl mit eher weichem Druckpunkt ist anständig, hält allerdings nicht mit einem Thinkpad mit. Gigabyte hat eine zweistufig weiße Beleuchtung voreingestellt, wer will, kann RGB-Farben für jede Taste konfigurieren. Das Precision-Clickpad arbeitet einwandfrei, der Windows-Hello-Fingerabdrucksensor in der oberen linken Ecke stört nicht. Die 720-Webcam sitzt unter dem Display und zentriert hinter dem Power-Button, weshalb uns Teilnehmer einer Videokonferenz aus der Froschperspektive sehen. Immerhin können wir die Kamera per schwergängiger Blende einfach ausknipsen.

Links am Aero 15 gibt es einen HDMI 2.0b und einen Mini-Displayport 1.4, dazu kommen eine USB-3.2-Gen1-Type-A-Buchse (5 GBit/s), eine 3,5-mm-Audio-Klinke und ein RJ-45 für Gigabit-Ethernet von Realtek (Killer E2600). Rechts finden wir den Stromanschluss, einen USB-C-Port für Thunderbolt 3 (intern PCIe Gen3 x4), einen UHS-II-Kartenleser mit halber Bautiefe und zwei weitere USB-3.2-Gen1-Type-A-Buchsen. Die sind so wie links auch weit vorne positioniert und stören daher gegebenenfalls, wenn eine Maus verwendet wird.

Auf der nächsten Seite schauen wir uns das exzellente Display und die Hardware im Inneren an, denn die beschleunigt Anwendungen wie die Adobe-Suite.

4K-OLED ist klasse für Kreative

Beim Display setzt Gigabyte auf ein IPS-Modell mit 1080p-Auflösung und 144 Hz oder auf ein 4K-OLED-Panel von Samsung: Das löst mit 3.840 x 2.160 Pixeln fein auf und wurde Pantone-kalibriert, das entsprechende ICC-Farbprofil ist von Haus aus gesetzt. Wir messen eine Abdeckung von 93 Prozent im Adobe-RGB- und von 99 Prozent im DCI-P3-Farbraum, das Kontrastverhältnis geht OLED-typisch gegen unendlich. Die maximale durchschnittliche Helligkeit bei weißem Desktop-Hintergrund liegt bei 402 cd/m², daher ist das Gerät auch für DisplayHDR 400 True Black zertifiziert. Leider spiegelt das Panel etwas, so dass wir damit nur drinnen oder bei wenig Sonneneinstrahlung arbeiten können.

Im Aero 15 verbaut Gigabyte verschiedene Grafikeinheiten, wobei minimal eine Geforce RTX 2060 (Refresh) verlötet wird, da ein solches Modell die Mindestanforderung für einen Studio-Laptop darstellt. Unser Testmuster hingegen ist mit einer flotten Geforce RTX 2070 Super Max-Q ausgestattet, optional gibt es auch eine noch schnellere Geforce RTX 2080 Super Max-Q.

Die Geforce RTX 2070 Super Max-Q eignet sich einerseits für 1080p- und in vielen Titeln sogar für 4K-Gaming, andererseits unterstützen mittlerweile allerhand Anwendungen die in den Turing-Grafikeinheiten integrierte Hardware zur Beschleunigung bestimmter Workloads: Die RT-Cores übernehmen die Schnittpunktprüfung bei Raytracing und die Tensor-Cores betreiben Inferencing, also das lokale Ausführen eines bereits trainierten neuronalen Netzes.

Exemplarisch für Raytracing sei Blender genannt, welches auf der CPU oder auf der GPU läuft. Bei einer Geforce RTX wird der Cuda-Pfad und somit die Shader-Einheiten verwendet oder Nvidias Optix-Framework, das die RT-Cores einbindet. In der Classroom-Demo-Szene verringert sich so die Render-Zeit von 764 Sekunden (CPU) über 205 Sekunden (Cuda) auf 123 Sekunden (Optix). Der Octane-Renderer von Otoy hat einen RTX-2019-Benchmark, der bald auf Octane 2020.1 aktualisiert werden soll. Per Cuda-Pfad messen wir 173 Punkte, mit Optix steigt der Score auf 575 Punkte - bei gleicher Bildqualität. Weitere Renderer mit RT-Core-Unterstützung sind Adobes Dimension, Luxions Keyshot und Glare Technologies' Indigo.

Für die Tensor-Cores gibt es bisher keine dedizierten Vergleichsmöglichkeiten. Sie finden in Davinci Resolve von Blackmagic eine Verwendung und beschleunigen hier das Color-Grading, eine Zoom- sowie eine Upscaling-Funktion (Superscale 2x/4x) und eine namens Speedwarp für Slow-Motion-Material. Auch in Adobes Lightroom CC Classic (Enhance Details) und in Adobes Premiere Pro (Auto Reframe) werden sie genutzt.

Betrachten wir nun die Leistung des Prozessors und sehen, ob Microsofts Azure-AI mehr als ein Marketing-Gimmick ist. Zudem ärgern wir uns über die SSD.

Künstliche Intelligenz geprüft

Gigabyte verbaut Intels aktuelle Prozessoren, die Comet Lake H, und kombiniert sie mit DDR4-3200-Arbeitsspeicher in zwei SO-DIMM-Steckplätzen. Unser Muster nutzt einen achtkernigen Core i7-10875H (Test), welcher auf eine dauerhafte thermische Verlustleistung (PL1) von 52 Watt eingestellt ist - kurzfristig (PL2) darf er für 56 Sekunden sogar 107 Watt aufnehmen. Wer will, kann den Chip auch auf 38 Watt, 45 Watt, 58 Watt oder 62 Watt konfigurieren. Die Auswirkungen auf Render-Benchmarks haben wir in einer Tabelle zusammengefasst, gerade das höchste PL1 steigert die Performance deutlich.

Neben dem Control Center, in dem wir die Lüftersteuerung regeln - Quiet macht das Gerät im Leerlauf lautlos -, ist die vorinstallierte Azure AI einen Blick wert. Gigabyte ist laut eigener Aussage der einzige Hersteller, der hier mit Microsoft zusammenarbeitet. Die künstliche Intelligenz läuft entweder lokal (Edge) oder teilt Daten per Serververbindung (Azure Cloud). Die Software soll erkennen, welche Anwendung läuft und die Power-Targets von Prozessor und Geforce-Grafik anpassen.

Das klappt einzig im Netzbetrieb, dort aber einwandfrei: Statt 254 Sekunden braucht Blender nur noch 230 Sekunden und der Cinbench-R20-Score steigt von 3.406 Punkten auf 3.614 Punkte. Natürlich könnten wir auch einfach selbst das Power-Target und die Lüftersteuerung anpassen, per Azure AI geschieht das aber automatisch zugunsten eines niedrigeren Betriebsgeräuschs der beiden 80-mm-Lüfter und weniger Wärmeentwicklung.

Zur weiteren Ausstattung des Aero 15 gehören eine Killer AX1650 (Intel AX200) für Wi-Fi 6 (802.11ax) mit 2x2-Antennenkonfiguration und Bluetooth 5. Der Laptop lässt sich leicht öffnen, so erreichen wir die beiden SO-DIMM-Arbeitsspeicher und die beiden M.2280-SSD-Steckplätze. In unserem Gerät steckt eine Optane Memory H10, diese kombiniert 3D-Xpoint- (32 GByte) mit Flash-Speicher (512 GByte).

Arbeiten wir viel mit kleinen Daten und einer niedrigen Befehlsschlangentiefe, überzeugt die SSD - bei großen Datentransfers hingegen bricht die Schreibrate auf unter 100 MByte/s ein, was gerade bei Videos nervt. Immerhin: Bei den Modellen mit RTX 2060/2080 wird eine schnellere Intel 760p oder eine Samsung-SSD verbaut. Der Akku weist generell hohe 94 Wattstunden auf, das reicht immerhin für 6:17 Stunden im Productivity-Test des Powermark. Kommen wir zum Resümee des Laptops.

Verfügbarkeit und Fazit

Gigabyte bietet das Aero 15 in diversen Konfigurationen an: Den Einstieg für 1.800 Euro bildet ein Modell mit 1080p-144-Hz-Display, es rechnen sechs CPU-Kerne (Core i7-10750H) samt 16 GByte RAM und eine Geforce RTX 2060. Auf der 512-GByte-SSD ist Windows 10 Home installiert, wohingegen alle Modelle mit dem 4K-OLED-Panel mit Windows 10 Pro ausgeliefert werden. Bei gleicher Basisausstattung verlangt Gigabyte stolze 300 Euro mehr, also 2.100 Euro.

Unser Testmuster mit acht Kernen (Core i7-10875H), 16 GByte Arbeitsspeicher, Geforce RTX 2070 Super Max-Q und 512 GByte wird für 2.400 Euro angeboten. Nach oben hin offeriert Gigabyte das Aero 15 maximal mit einem schnelleren Core i7-10980HK, 32 GByte RAM, Geforce RTX 2080 Super Max-Q und 1-TByte-SSD für 4.000 Euro.

Fazit

Das Aero 15 ist ein ziemlich einzigartiger Studio-Laptop: Uns gefällt die Kombination aus 4K-OLED-Panel und der Tastatur mit Ziffernblock, hinzu kommt die leistungsstarke Hardware mit acht CPU-Kernen und Geforce RTX 2070 Super. Auch den schnellen SD-Kartenleser sowie den Thunderbolt-3-Anschluss samt USB 3.2 Gen2 empfinden wir für ein Notebook, das sich an Kreative richtet, als sinnvolle Ausstattung. Statt des Intel-Chips hätten wir gerne einen flotteren und effizienteren Ryzen-Chip gesehen, das Aero 15 ist jedoch ein Upgrade des Vorgängermodells und keine Neuentwicklung.

Etwas enttäuscht sind wir hingegen von der SSD, denn die Optane Memory H10 ist das falsche Modell für ein Notebook, auf das wir regelmäßig große Videoprojektdaten kopieren. Immerhin gibt es einen zweiten M.2-Slot, dort können wir eine passende SSD mit hoher dauerhafter Schreibrate montieren. Die Microsoft Azure-AI hat sich im Test als durchaus nützlich erwiesen, da die Software die Power-Targets von Prozessor und Grafik automatisch anhebt, wenn wir beispielsweise in Blender rendern. So erhalten wir (fast) maximale Leistung, müssen aber nicht manuell die Einstellungen für CPU/GPU und die Lüfter selbst justieren. Wer ein schlankes 15,6-Zoll-Gerät sucht, sollte sich das Aero 15 definitiv näher anschauen.  (ms)


Verwandte Artikel:
XPS 17 (9700): Dell baut erstes großes XPS-Notebook seit Jahren   
(28.04.2020, https://glm.io/148126 )
Gaming-Displays: Gigabyte kommt mit neuen Curved-Monitoren in 27 und 32 Zoll   
(24.04.2020, https://glm.io/148080 )
8K/4K-Fernseher: LG schränkt HDMI-2.1-Unterstützung ein   
(05.05.2020, https://glm.io/148269 )
XMG Neo 15 (E20): Schenker erhöht Akkukapazität um 50 Prozent   
(02.04.2020, https://glm.io/147675 )
Envy x360 15: HP baut Ryzen-Convertible mit 4K-OLED-Panel   
(20.04.2020, https://glm.io/147967 )

© 1997–2021 Golem.de, https://www.golem.de/