Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/videostreaming-das-sollte-ein-perfekter-abodienst-bieten-2004-147795.html    Veröffentlicht: 15.04.2020 12:01    Kurz-URL: https://glm.io/147795

Videostreaming

Das sollte ein perfekter Abodienst bieten

Nach dem Start von Disney+ gibt es zwar für Netflix und Prime Video mehr Wettbewerb, aber weiterhin erfüllt kein Videostreamingabo all unsere Anforderungen - eine Wunschliste.

Apple, Amazon, Disney, Netflix und Sky bieten Filme und Serien im Abo, setzen auf eigene Oberflächen und haben jeweils ihre Besonderheiten. Leider bieten weder Apple TV+ noch Disney+, Prime Video, Netflix oder Sky Ticket alles, was wir für maximalen Komfort benötigen. Wir haben zusammengetragen, welche Funktionen es geben müsste, damit Kunden die Dienste möglichst optimal nutzen können.

Tagesaktuelle Informationen über neue Inhalte

Bei den meisten Streamingdiensten kommen nahezu täglich neue Filme und Serien dazu, bei Apple+ und Disney+ in der Regel wöchentlich. Die Kunden werden meist nicht optimal darüber informiert, was sich am Katalog verändert. Wir möchten von den Anbietern als zahlende Kunden tagesaktuell informiert werden, welche Inhalte dazukommen - auch nach Tagen sortiert.

Kunden informieren, wenn Inhalte verschwinden

Auch sollte es auf allen Geräten einen zentralen Bereich geben, in dem wir nachschauen können, welche Inhalte in den kommenden Wochen aus dem Abo entfernt werden. So können wir entscheiden, ob wir etwa einen Film anschauen, bevor er aus dem Abo verschwindet. Diesen Hinweis sollte es zusätzlich auch frühzeitig bei jedem Film und vor allem jeder Serie geben. Das gibt es bei den Anbietern stellenweise zwar schon, aber dies ist so miserabel umgesetzt, dass es eher Zufall ist, ob Abokunden die Information zu Gesicht bekommen.

Bei Serien sollte diese Information mehrere Monate im Voraus erfolgen, denn bei mehreren Staffeln kann es schon einige Zeit dauern, alle Folgen anzuschauen und daher ist eine frühzeitige Information unabdingbar. Das bietet derzeit kein Anbieter.

Generell sollte es bei allen Inhalten auf der Merkliste E-Mail-Hinweise und Push-Benachrichtigungen geben, sobald bekannt ist, dass Einträge aus dem Katalog genommen werden, also im Idealfall mit mehreren Tagen oder Wochen Vorlauf. Diese Selbstverständlichkeiten bietet derzeit keiner der Anbieter an.

Merkliste mit Filter und Sortieroptionen

Auf einer Merkliste können Kunden die Inhalte speichern, die sie sich noch anschauen wollen. Diese Grundfunktion bieten alle Anbieter zwar, aber weiterer Komfort fehlt vielfach. So wollen wir eine Möglichkeit haben, uns dort nur Filme oder nur Serien anzeigen zu lassen. Das bietet derzeit nur Prime Video, aber hier werden Abo- und Bezahlinhalte wild gemischt. Zudem wären verschiedene Sortiermöglichkeiten sinnvoll, die bisher kein Anbieter zur Verfügung stellt, wie etwa Laufzeit, verfügbare Sprachen, Altersbeschränkung oder Ähnliches. Wenn wir einen Film für die Kinder suchen, finden wir diesen so schneller. Und wenn mal nur begrenzt Zeit zur Verfügung steht, darf es gerne gezielt ein kürzerer Film anstatt eines 2,5-Stunden-Streifens sein.

Generell halten wir nichts davon, die Merkliste ständig umzusortieren, wie es etwa Netflix tut. Auch eine Mengenbegrenzung der Merkliste wie bei Disney+ sollte es nicht geben.

Editierbarer Weiterschauen-Bereich

Zu einem idealen Streamingdienst gehört auch ein Bereich mit den bereits begonnenen Inhalten. Den haben die meisten Anbieter zwar, aber er lässt sich nicht immer optimal pflegen. Fire-TV-Nutzer können Prime Video so einstellen, dass auf ihrem Fire-TV-Gerät nur die Inhalte erscheinen, die darauf abgespielt wurden. Wer diese Liste über alle Geräte synchronisiert haben möchte, kann dies einstellen. Das wünschen wir uns für alle Gerätegattungen.

Außerdem sollte eine Liste in jedem Fall manuell editierbar sein. Nutzer sollten angefangene Filme oder Serien entfernen können, die sie nicht weiterschauen wollen. Das fehlt etwa bei Disney+ (Test) und auch bei Sky Ticket (Test) weiterhin. Wenn bei Sky Ticket etwa eine nicht zu Ende geschaute Serie oder ein unterbrochener Film aus dem Sortiment genommen wird, bleibt ein leerer Eintrag zurück, der von Kunden auch mit Tricks nicht mehr entfernt werden kann.

Optische Unterscheidung zwischen Serien und Filmen

Überall auf der Oberfläche sollte sofort erkennbar sein, ob es sich um einen Film oder eine Serie handelt. Das gab es früher mal bei Prime Video, wurde aber abgeschafft, so dass diese Funktion bei allen fehlt. Wir wollen aber nicht ersatzweise eine Serie anschauen, wenn wir gerade einen Film suchen und umgekehrt. Die meisten Anbieter haben zwar Rubriken für Filme und Serien, das hilft in der Praxis aber nur eingeschränkt. Praktisch wäre es außerdem, wenn wir so filtern könnten, dass nur Serien oder nur Filme angezeigt werden - in allen Bereichen der Oberfläche.

Wenn der Abodienst auch Dokumentationen und Kurzfilme im Sortiment hat, sollte es dafür auch eigene Filter geben, um diese wahlweise ausblenden oder sie gezielt anzeigen zu können. Eigene Hauptrubriken dafür kennt derzeit keiner der etablierten Anbieter. Generell sollten die Cover-Icons auch nicht verändert werden, wie es Netflix ständig macht. Das mindert den Überblick, wenn der gleiche Film oder die gleiche Serie immer wieder durch ein anderes Bild dargestellt wird.

Empfehlungen auf Basis eigener Parameter

Aufgrund der Erfahrungen mit den bestehenden Streaminganbietern können wir auf Empfehlungen durch die Anbieter verzichten, wenn sie nicht besser von Nutzern konfiguriert werden können. Alle Anbieter vermitteln den Eindruck, dass vor allem Eigenproduktionen beworben werden, das Nutzerinteresse scheint dabei entweder eine untergeordnete oder gar keine Rolle zu spielen.

Viel praktischer wäre es für uns, wenn wir etwa bevorzugte Genres, Regisseure oder Schauspieler bestimmen könnten und diese Daten für Empfehlungen herangezogen würden. Nützlich wäre es auch, wenn eine Auswahl an Filmen oder Serien, die einem gut gefallen haben, für Empfehlungen gezielt herangezogen würden. Das alles erlaubt kein Anbieter.



Gesehene Inhalte ausblenden

Generell vermissen wir bei allen derzeitigen Streaminganbietern etliche Filteroptionen. So finden wir es überflüssig, dass bereits angeschaute Inhalte immer weiter sichtbar bleiben. Stattdessen wollen wir standardmäßig keine Filme und Serien mehr im Katalog sehen, die wir bereits angeschaut haben. Natürlich darf es gerne einen Schalter geben, um die bereits konsumierten Inhalte bei Bedarf trotzdem anzuzeigen.

Zudem sollte es einen Schalter geben, um gezielt Filme oder Serien auszublenden, die einen partout nicht interessieren. Aber auch bestimmte Genres sollten sich ausblenden lassen. Damit kann die Übersichtlichkeit im Katalog deutlich erhöht werden und Abonnenten finden leichter die Inhalte, die sie tatsächlich interessieren. Eine solche Option fehlt bei allen Anbietern.

Einstellungen in der App sind Pflicht

Alle wichtigen Einstellungen sollten in der App des Dienstes vorgenommen werden können. Leider ist es eine Unsitte geworden, dass sich manche weiterführenden Einstellungen für ein Abo nur im Browser vornehmen lassen. Das senkt den Komfort bei der Nutzung eines Dienstes, weil immer erst in den Browser gewechselt werden muss, auch wenn sonst meist die App genutzt wird.

Originaltonspur muss verfügbar sein

Generell sollten alle Inhalte wahlweise außer in Deutsch auch in der Originalsprache samt Untertitel verfügbar sein. Das ist zwar vielfach bereits schon der Fall, hier zeigen sich aber immer wieder Lücken bei den Anbietern. Das könnte auch an lizenzrechtlichen Fragen liegen. Dabei stellt sich aber prinzipiell die Frage, warum die Anbieter eine Originaltonspur nicht zur Bedingung machen, wenn sie neue Inhalte aufnehmen.

Alle Synchronfassungen zum Umschalten

Und falls es für einen Film mehrere Synchronfassungen gibt, sollten Abonnenten die Wahl haben, mit welcher sie den Film sehen wollen. Besonders bei alten Filmen gibt es immer wieder den Fall, dass ein Streifen viele Jahre später eine neue Synchronisation erhalten hat und dann ist es praktisch, wenn alle Fassungen zur Verfügung stehen. Hier ist besonders Disney gefordert, das bei Disney+ besonders viele solcher Kandidaten im Katalog hat.

Apps für alle wichtigen Geräte

Generell sollte ein Abodienst auf allen wichtigen Plattformen und Geräten verfügbar sein. Hier schneiden vor allem Apple TV+ und Sky Ticket besonders miserabel ab, weil beide Anbieter wichtige Geräteplattformen komplett meiden. Dabei sollte der entsprechende Dienst auf allen Geräten den gleichen Funktionsumfang haben, hier schneidet Prime Video besonders schlecht ab.

Bewertungen auf allen Geräten lesbar

Wir finden Bewertungen anderer Zuschauer hilfreich und greifen gerne darauf zurück. Diese Bewertungen sollten dann aber auch auf allen Geräten zur Verfügung stehen und nicht so umgesetzt sein wie etwa bei Prime Video. Nutzer des Amazon-Dienstes können Bewertungen auf Smartphone oder Tablets und im Browser lesen, nicht aber auf Smart-TVs oder externen Streaminggeräten wie den Fire-TV-Modellen. Das ist eine unnötige Beschränkung.

Ordentliche Spulen-Funktion

Lästig kann es auch sein, wenn das Spulen in Filmen und Serien nicht gut funktioniert. Wir finden es praktisch, wenn wir in 10-Sekunden-Schritten in beide Richtungen spulen können - und das bitte gerne auch direkt mit einer Taste an der Fernbedienung und nicht nur, indem erst der passende Befehl mit der Fernbedienung angesteuert werden muss. Hier hängt es bei den Anbietern teilweise von den verwendeten Geräten ab, wie das realisiert ist - das ist unpraktisch.

Szenengenaue Zusatzinformationen

Bei einem perfekten Streamingdienst wünschen wir uns Einblendungen, wie sie es bisher nur bei Prime Video gibt. Die von Amazon als X-Ray bezeichnete Funktion soll abhängig von der jeweiligen Szene die gerade zu sehenden Schauspieler anzeigen - samt Zusatzinformationen zu den jeweiligen Akteuren. Das klappt meist gut, aber in der Praxis passiert es auch oft, dass die Informationen nicht zur gerade gezeigten Szene passen. Für eine optimale Nutzung sollte hier mehr Sorgfalt geübt werden.

Bonusmaterial sollte vollständig sein

Uns gefällt die Idee von Disney, Abonnenten auch Bonusmaterial wie entfernte Szenen, Making-ofs oder Audiokommentare zur Verfügung zu stellen. Allerdings dürfen es dann gerne alle Bonusmaterialien sein, die auf DVD oder Blu-ray erschienen sind. Bei Disney+ gibt es bei Filmen oft nur einen Teil des an sich verfügbaren Bonusmaterials. Bei der Konkurrenz fehlen vergleichbare Inhalte ganz.

Alle Inhalte zum Herunterladen

Mittlerweile bieten die meisten Anbieter die Möglichkeit, Inhalte für die Offline-Nutzung auf dem Smartphone oder Tablet schauen zu können. Dabei sollte es keine Beschränkung geben - etwa bei Netflix können einige Inhalte nicht heruntergeladen werden. Nicht nur auf Reisen kann es praktisch sein, wenn diese Downloadfunktion auch für externe Streaminggeräte wie Fire TV, Apple TV oder Ähnliches zur Verfügung steht. Bislang werden diese Geräte aber von allen Anbietern außen vor gelassen.

Keine Werbung

Wer für ein Videostreamingabo zahlt, sollte sich darauf verlassen können, dass er keine Werbung vorgesetzt bekommt. Wir möchten nicht ungefragt Trailer vorgespielt bekommen, wie es bei Prime Video immer wieder vorkommt. So werden vor Filmen, vor Serienepisoden oder auch beim Start der Prime-Video-App entsprechende Trailer zu Amazon-Eigenproduktionen abgespielt. Anbieter wie Netflix oder Disney+ verzichten auf solche Belästigungen.

Vernünftig umgesetzter Jugendschutzfilter

Für Abonnenten mit Kindern sind vernünftige Kinderprofile besonders wichtig. Zumindest sie sollten mit einem Kennwort oder einer PIN geschützt sein, damit Kinder nicht einfach zu einem anderen Profil wechseln können. Einen PIN-Schutz hat Netflix erst kürzlich nachträglich zur Verfügung gestellt, bei Disney+ haben wir in unserem Test einen PIN-Schutz vermisst. Prime Video, Sky Ticket und Apple TV+ kennen gar keine solchen Profile.

Außerdem sollten Eltern festlegen können, welche Inhalte im Kinderprofil vorhanden sein dürfen. Disney erlaubt hier keinerlei eigene Einstellungen. Bei Netflix können wir die FSK-Stufe selbst wählen und einzelne Inhalte bei Bedarf ausblenden, es gibt aber keine Möglichkeit, gezielt nur bestimmte Inhalte freizugeben. Für Eltern ist es aber eigentlich viel einfacher, nur gezielt ausgewählte Inhalte freizugeben, anstatt mühsam den Katalog nach nicht passenden Inhalten durchforsten zu müssen.

Es wäre schön, wenn sich Anbieter wie Amazon, Apple, Disney, Netflix und Sky diese Wunschliste zu Herzen nehmen und umsetzen würden. So erhielten Abokunden mehr Komfort und könnten besser gehalten werden. Gerade bei der großen Konkurrenz am Markt sollte allen Streaminganbietern daran gelegen sein. Also, wer will der Erste sein, der die Wünsche seiner Kunden endlich erfüllt?

 (ip)


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