Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/coronakrise-eu-wertet-kontaktsperren-mit-mobilfunkdaten-aus-2003-147547.html    Veröffentlicht: 27.03.2020 15:57    Kurz-URL: https://glm.io/147547

Coronakrise

EU wertet Kontaktsperren mit Mobilfunkdaten aus

Die EU-Kommission will Bewegungsströme in der Coronavirus-Krise analysieren. Jedoch soll nur ein Provider pro Land die Daten liefern.

Die EU-Kommission will europaweit die Bewegungsströme von Bürgern mithilfe von Mobilfunkdaten auswerten. Das sagte ein Sprecher der EU-Kommission am 27. März in Brüssel (Video). Das Ziel sei es, Bewegungsströme während der Coronavirus-Pandemie zu analysieren, einschließlich der Wirkung von Ausgangsbeschränkungen sowie der Intensität von Kontakten und damit der Gefahr von Ansteckungen.

Die Standortdaten der Nutzer sollen Werkzeuge unterstützen, die die Verbreitung des Coronavirus modellieren. Auch sollen sie dabei helfen, die aktuellen Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie einschätzen zu können. Die Ergebnisse sollen mit den EU-Mitgliedstaaten geteilt werden. Bereits am Dienstag hatte sich EU-Digitalkommissar Thierry Breton dazu mit den Spitzen der europäischen Telekommunikationsunternehmen und dem Verband der Mobilfunkbetreiber beraten.

Weitere Details der Initiative stehen laut EU-Kommission noch nicht fest. So ist noch nicht klar, welche Provider die Daten liefern sollen. Die Kommission will jedoch nur mit jeweils einem Mobilfunkanbieter pro Mitgliedstaat kooperieren. Das reiche aus, um einen repräsentativen Einblick zu bekommen, erklärte der Sprecher. Dadurch sei es auch nicht möglich, sämtliche Bewohner zu tracken, da nicht alle denselben Provider nutzten.

Das Tracking individueller Nutzer solle ohnehin nicht möglich sein, da die Daten anonymisiert und aggregiert würden. Die Vorgaben der EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) würden eingehalten. Nach dem Ende der Krise würden die Daten gelöscht.

Telekom will Motionlogic schließen

Entsprechende Daten aus Funkzellenauswertungen hat die Deutsche Telekom bereits dem Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin übermittelt. Auf Anfrage von Golem.de teilte die Telekom mit: "In der Tat werden wir zunächst eine Beschreibung der Daten, die wir bisher auch an das RKI senden, an die EU-Kommission geben." Ob diese die Daten der Telekom oder diejenigen von Vodafone oder Telefónica nutzt, steht noch nicht fest.

Problematisch könnte in diesem Zusammenhang die Entscheidung der Telekom sein, die für die Datenanalyse gegründete Firmentochter Motionlogic zu schließen. Dazu sagte das Unternehmen auf Anfrage: "Die Telekom hat bereits 2019 und damit lange vor Beginn der Coronakrise beschlossen, ihre Tochter Motionlogic zu schließen. Grundlage für diese Entscheidung war die Geschäftsentwicklung des Startups." Die Krise habe nun eine andere Situation geschaffen. "Deshalb prüft die Telekom gemeinsam mit dem RKI und anderen Experten erneut, was die beste Lösung ist, wenn weitere Massendaten übertragen werden sollen", sagte Sprecherin Nicole Schmidt.

 (fg)


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