Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/disney-im-nachtest-luecken-im-sortiment-und-technische-probleme-2003-147494.html    Veröffentlicht: 26.03.2020 12:05    Kurz-URL: https://glm.io/147494

Disney+ im Nachtest

Lücken im Sortiment und technische Probleme

Disney+ läuft auf Amazons Fire-TV-Geräten nur mit Einschränkungen. Beim Sortiment gibt es Lücken und die Auswahl von Disney+ ist deutlich kleiner als bei Netflix und Prime Video.

Erst mit der Verfügbarkeit von Disney+ ist das Sortiment des Abodienstes in allen Details bekannt geworden. Golem.de hat es analysiert und mit dem verglichen, was Disney+-Kunden in anderen Ländern erhalten. Dabei zeigten sich einige Lücken im Sortiment. Zudem haben wir das Sortiment von Disney+ der Auswahl bei Netflix und Prime Video gegenübergestellt und den Dienst auch auf den beliebten Fire-TV-Modellen von Amazon und einem Android-TV-Gerät getestet.

Wir haben Disney+ auf einem Fire TV Cube und einem Magenta TV Stick getestet. Golem.de konnte Disney+ bereits vor dem Deutschlandstart auf einem Apple TV anschauen und die meisten Erfahrungen gelten so auch für Fire-TV- und Android-TV-Geräte. Es gibt zu zahlreichen Inhalten Bonusmaterialien, die meisten Inhalte sind in mehreren Sprachen verfügbar, es sind bis zu vier Streams pro Konto erlaubt und es stehen bis zu sieben Profile zur Verfügung. Die Kuratierung der Inhalte könnte aber besser sein, die Vermischung von Filmen und Serien und die fehlende optische Unterscheidung stören bei der Nutzung. Nachfolgend beschreiben wir einige Probleme, die nur auf Fire-TV- und Android-TV-Geräten auftreten, und solche, die erst bei intensiverer Nutzung aufgefallen sind.

Auf dem Apple TV lässt sich die Disney+ sehr vorbildlich bedienen, das Springen in 10-Sekunden-Schritten ist direkt über die Fernbedienung möglich. Diese Spulschritte sind sehr praktisch, weil so mal eben bewusst nur ein kurzes Stück gespult werden kann, falls etwa das gerade das Telefon klingelt und der Stream pausiert wird.

Disney+ unterstützt Fernbedienung nicht optimal

In dieser Disziplin schneidet die Disney+-App auf Fire-TV- und Android-TV-Geräten schlechter ab: Bei Fire-TV-Geräten ist es üblich, dass direkt über die Fernbedienung in 10-Sekunden-Schritten zurück- oder auch vorgesprungen werden kann. Im Disney-Dienst geht das nicht, stattdessen müssen wir mit der Fernbedienung die entsprechenden virtuellen Buttons auf der Oberfläche anvisieren und betätigen. Damit verhält sich die Disney+-App auf dem Fire TV so, wie es bei vielen Android-TV-Apps üblich ist: Das Springen in kurzen Zeitintervallen ist damit möglich, aber eben deutlich weniger komfortabel als über einen Direktbefehl auf der Fernbedienung. Disney sollte den gleichen Komfort wie auf dem Apple TV bieten.

Unterschiede gibt es auch beim Zusammenspiel zwischen Smartphone und Streaminggerät. Auf einem iPhone können wir etwas in der Disney+-App heraussuchen, um es von dort direkt auf einem Apple TV abspielen zu können - hier wird auf Apples Airplay gesetzt. Eine vergleichbare Funktion gibt es auf der Android-TV-Plattform über das Cast-Protokoll. Aber das funktioniert nicht bei gemischten Systemen.

Mit Fire-TV-Geräten geht es gar nicht - weder von einem Fire-Tablet aus noch von einem Android-Gerät. Hier sind Netflix und Prime Video Disney+ ein ganzes Stück voraus. Mit beiden Diensten können wir Inhalte über Plattformgrenzen hinaus vom Smartphone aus auf anderen Geräten abspielen. Diese Funktion ist praktisch, wenn der Nutzer auf seinem Smartphone schon den passenden Titel ausgesucht hat und dann ohne weitere Umschweife sofort die Wiedergabe auf dem Streaminggerät anschauen kann.



Wer Disney+ auf einem Fire-TV-Gerät verwendet, bekommt derzeit auch in Deutschland nur Stereoklang. Golem.de fragte beim Hollywoodstudio nach und erhielt die Auskunft, dass es auf fünf der acht verfügbaren Fire-TV-Modelle nur Stereoton gebe. Lediglich auf den drei Modellen Fire TV (2017) alias Fire TV der dritten Generation, Fire TV Stick 4K sowie dem Fire TV Cube erhalten Abonnenten von Disney+ 5.1 Surround Sound. Auf der Hilfeseite zur Nutzung von Disney+ auf Fire-TV-Geräten werden Interessenten nicht auf diese Einschränkung hingewiesen.

In Deutschland gibt es derzeit auch kein Dolby Atmos. Wir haben nachgefragt und von Seiten Disneys folgende Antwort erhalten: "Dolby Atmos wurde als Teil der 25-prozentigen Reduktion der Bandbreite deaktiviert, aber wir bieten weiterhin Inhalte in 5.1 Surround Sound an." Disney+ wurde aufgrund der Coronavirus-Krise mit einer Bitraten-Reduzierung gestartet. In einem Hilfedokument zu Disney+ zu Dolby Atmos wird der Zusammenhang mit der Bitraten-Reduzierung ebenfalls erwähnt.

Gelungene Sprachsuche mit optischem Fehler

Gut gelungen ist dafür die Integration der Inhalte von Disney+ in die Fire-TV-Suche. Wir können bequem mit einem Sprachbefehl Inhalte finden und eine Suche nach Krieg der Sterne zeigt vollkommen korrekt den vierten Teil der Star-Wars-Saga, der unter der Bezeichnung Krieg der Sterne in die Kinos gekommen ist, aber mittlerweile umbenannt wurde.

Wenn ein Film über die Fire-TV-Suche abgespielt wird, landet er auch im Aktuell-Bereich des Fire-TV-Startbildschirms. Der Nutzer muss dafür nicht erst die Disney+-App starten - die Inhalte sind also sehr umfassend in die Fire-TV-Oberfläche integriert. Etwas störend fanden wir aber, dass die Fire-TV-Suche immer mal wieder nur englischsprachige Cover-Icon statt der deutschen Versionen anzeigt, zumal der Titel auf der Startseite ohne zusätzlichen Text erscheint. Dieser Fehler darf gerne korrigiert werden. Auf Android-TV-Geräten gibt es keine vergleichbare Integration, wer hier über die Sprachsuche am Gerät nach Inhalten sucht, findet keine von Disney+.

Merkliste von Disney+ ist limitiert

Im ersten Test waren wir mit der Merkliste von Disney+ zufrieden. Bei intensiverer Nutzung sind wir allerdings auf eine sehr unpraktische Limitierung gestoßen: Wir können in der Merkliste maximal 50 Einträge anzeigen lassen.



Wenn wir mehr als 50 Titel auf die Merkliste setzen, werden zuerst die ersten Einträge nicht mehr angezeigt. In den einzelnen Titeln bleibt die Markierung für den Merklistenstatus zwar erhalten, aber die Liste zeigt immer nur die letzten 50 Einträge an. Die übrigen werden nicht angezeigt. Wenn Einträge aus der Liste entfernt werden, rutschen alte Titel wieder nach. Der Nutzer wird an keiner Stelle auf diesen Mechanismus hingewiesen.

Es mag viele Nutzer geben, die damit in der Praxis kein Problem haben, aber es erscheint uns schlicht unsinnig, an dieser Stelle eine Limitierung vorzunehmen. Wie bereits im ersten Test kritisiert, mischt Disney an vielen Stellen Spielfilme, Serien und Kurzfilme. Wer sich beispielsweise alle Zeichentrick-Kinofilme von Disney in die Merkliste packen will, um diese mal in zeitlicher Reihenfolge anzuschauen, kommt an die ersten Einträge in der Merkliste nicht mehr heran, bevor andere Titel von der Liste entfernt werden.

Kinderprofil ohne PIN-Vergabe

Disney+ erlaubt bis zu sieben Profile pro Konto. Dabei gibt es in den Profilen eine Kinderschaltung. Der Sinn dahinter: Dadurch werden nur noch kindgerechte Inhalte dargestellt. In der App erfährt der Nutzer aber nicht, nach welchen Kriterien gefiltert wird. Der Nutzer kann nichts selbst konfigurieren. Im Hilfebereich zu Disney+ wird das Kinderprofil zwar erklärt, für deutsche Nutzer bleibt aber das meiste unklar. Das "Kinderprofil beschränkt den zugänglichen Inhalt auf Titel, die in den USA mit TV-7FV und G bewertet wurden". Disney hat mitgeteilt, dass dies mit FSK 0 und FSK 6 gleichgesetzt wird. Allerdings stimmt es derzeit nicht immer.

In Stichproben zeigte sich, dass auch Inhalte ohne Altersbeschränkung ausgeblendet werden, wenn das Kinderprofil aktiviert ist. So fehlten im Kinderprofil Titel wie Vaiana, Alles steht Kopf oder Findet Dorie, während Findet Nemo mit aktiviertem Kinderprofil geschaut werden konnte. Disney zieht allerdings derzeit die US-Einstufung heran und daher sind die Titel in Deutschland nicht verfügbar, haben wir von Disney erfahren. Dieser Fehler soll demnächst korrigiert werden.

Es gibt keine Möglichkeit, nur gezielt bestimmte Inhalte für das Kinderprofil freizuschalten. Bei der Auswahl ist der Kunde der Willkür Disneys ausgeliefert. So gibt es bei aktiviertem Kinderprofil auch Titel wie Dumbo oder Bambi, obwohl beide Filme auf kleine Kinder verstörend wirken können, weil sie die Erfahrungen in den Filmen nur schwer verarbeiten können.

Falls Eltern die Kinderprofile dazu verwenden möchten, dass die Kinder nur einen Teil des Disney+-Angebots erhalten, ist das an sich möglich. Aber es gibt keine Schutzmechanismen dagegen, dass Kinder einfach das Profil wechseln und so dann doch wieder an alle Inhalte gelangen. Auch bei der Deaktivierung eines Kinderprofils gibt es keine Sicherheitsmechanismen. Ein Kind könnte also das Kinderprofil jederzeit auch einfach abschalten. Das Wechseln zu einem anderen Profil ist allerdings im Zweifel einfacher.

Nicht alle Titel mit bis zu sechs Sprachspuren

Eigentlich hat Disney Golem.de zugesichert, dass Katalogtitel in mindestens sechs Sprachen verfügbar sein würden. Allerdings finden sich auf Anhieb etliche Titel, die nur deutschen und englischen Ton haben, wie etwa die Star-Wars-Kinofilme, aber auch viele Pixar-Titel und Disney-Streifen. Mit Avatar haben wir sogar einen Titel entdeckt, für den es nur eine deutsche Tonspur gibt. Wir hatten aber auch den umgekehrten Fall: Bei Die Katze aus dem Weltraum fehlt die deutsche Tonspur ganz. Auch hier bietet der Film wie bei Avatar nur eine Sprache. Auch bei Robin Hood und seine tollkühnen Gesellen aus dem Jahr 1952 sowie Herbie dreht durch und dem Kurzfilm Der Honigdieb fehlt eine deutsche Tonspur. Gleiches gilt für die Marvel-Serie X-Men aus dem Jahr 1992.

Leider nutzt Disney die Möglichkeiten der Umschaltung der Sprache nicht dazu, bei Bedarf auch verschiedene Synchronfassungen anzubieten. So gibt es etwa von Arielle, die Meerjungfrau in Deutschland zwei Synchronfassungen, Disney bietet aber nur die neue Fassung von 1998 an. Viele Fans des Films ziehen die erste Version von 1990 vor. Auf Disc bietet Disney den Film mit beiden Synchronfassungen an. Vor allem in Anbetracht der Bereitstellung von viel Bonusmaterial enttäuscht es an dieser Stelle, dass hier nicht auch alles verfügbare Material bereitgestellt wird.



Im Unterschied zu unserem Test der niederländischen Version von Disney+ wurde etwas an der Oberfläche geändert. Die Kollektionen befinden sich nicht mehr auf der Hauptseite, sondern im Suchenbereich. Damit wird die Nutzung der App auf Streaminggeräten und Smartphones vereinheitlicht. Die Kollektionen bieten spezielle Sammlungen der Inhalte von Disney+ - vor allem die sogenannte Zeitreise durch die Jahrzehnte ist praktisch, weil der Nutzer hier alle Inhalte nach Jahrzehnten sortiert bekommt. Leider ist es nicht möglich, sich darin nur Filme oder nur Serien anzeigen zu lassen. In Deutschland fehlt bei Disney+ derzeit auch eine Rubrik auf der Startseite, in der Neuerscheinungen aufgelistet sind. Möglicherweise wartet Disney noch einige Wochen und fügt das dann nach, bis überhaupt neue Inhalte erschienen sind. Auch in der deutschen Version ist es nicht möglich, einzelne Inhalte aus dem Weiterschauen-Bereich auf der Hauptseite zu löschen - es gibt auch keine Möglichkeit, die Liste zu leeren.

Kommende Filme bereits im Katalog von Disney+ enthalten

Wer die Suchfunktion von Disney+ bemüht, wird das eine oder andere Mal enttäuscht. Denn wir sind auf insgesamt vier Titel gestoßen, die zwar von der Suche gefunden werden, dann aber nicht im Abo enthalten sind. Dazu gehören Ant-Man and the Wasp, Christopher Robin, Die Eiskönigin 2, Toy Story 4 sowie Mary Poppins' Rückkehr. Für diese Titel nennt das Hollywoodstudio bereits die Erscheinungsdaten, das ist an sich ein praktischer Service. Es könnten aber auch noch mehr solcher Titel-Ankündigungen bei Disney+ zu finden sein.

Wir fänden es viel sinnvoller, wenn es für künftig erscheinende Titel eine eigene Rubrik gäbe. Dann könnten sich die Abonnenten informieren, was demnächst dazukommt. Derzeit ist es eher Zufall, ob Kunden darauf stoßen. Generell sollte direkt im Suchergebnis erkennbar sein, wenn ein Titel noch nicht verfügbar ist. Wer bei der Suche nach den Toy-Story-Filmen den neuen Teil in den Suchergebnissen findet, ärgert sich natürlich, wenn er ihn nicht anschauen kann. Dann stellt sich das gleiche Gefühl ein wie bei Prime Video, wo auch Titel angezeigt werden, die nicht im Abo enthalten sind.



Von den genannten vier Filmen soll Ant-Man and the Wasp als Erstes erscheinen, er soll am 29. März 2020 bei Disney+ verfügbar sein. Toy Story 4 könnte am 11. April 2020 erscheinen - am 25. März 2020 wurde dieses Datum genannt, aber am 26. März 2020 war der Titel nicht mehr in der Suche enthalten. Der Grund dafür ist nicht bekannt. Christopher Robin soll am 15. April 2020 erscheinen. Die Eiskönigin 2 wird es ab dem 24. Juli 2020 im Abo geben. In den USA und den Niederlanden wurde Die Eiskönigin 2 aufgrund der Coronakrise bereits für Disney+-Abonnenten bereitgestellt, nicht aber für die diese Woche neu hinzugekommenen Länder. Auf Mary Poppins' Rückkehr müssen Abonnenten noch bis zum 18. August 2020 warten.

Bei einigen Titeln dürfte die spätere Verfügbarkeit daran liegen, dass die Lizenzrechte noch bei anderen Anbietern liegen. So gibt es Mary Poppins' Rückkehr derzeit hierzulande bei Sky Ticket. Kunden in Großbritannien sind besser dran, sie haben bereits Zugriff auf die neue Mary-Poppins-Verfilmung. Generell hat Disney wohl noch Probleme mit laufenden Lizenzen, so dass es auch einige ältere Titel derzeit nicht bei Disney+ gibt.

Bei Disney+ fehlen auch ältere Inhalte

Zum Start von Disney+ haben wir uns angeschaut, welche Lücken sich im Sortiment finden lassen. Zum Teil fehlen die betreffenden Titel in Deutschland, sind aber in Großbritannien verfügbar, wo Disney+ diese Woche ebenfalls gestartet ist. An sich hat Disney das Ziel, alle alten Filme des Hollywoodstudios für Disney+-Kunden zur Verfügung zu stellen. Das hatte Bob Iger als damaliger Disney-CEO bereits vor dem Start von Disney+ angekündigt.

Zumindest in Deutschland fehlen einige Disney-Klassiker, die vermutlich nicht dabei sind, weil Netflix derzeit die Streamingrechte daran hat. Wir sind beim Stöbern durch den Katalog auf einige solcher Titel gestoßen. Dazu gehören Die Hexe und der Zauberer, Plötzlich Prinzessin 1 sowie Tron: Legacy. Die Hexe und der Zauberer soll am 9. April 2020 zu Disney+ kommen. Zudem gibt es bei Netflix den Titel Ice Age 5 - Kollision und es ist davon auszugehen, dass der Titel später auch zu Disney+ kommt. Zum Start von Disney+ am 24. März 2020 war auch Mulan noch bei Netflix. Der Film ist aber am 26. März 2020 aus Netflix verschwunden und dann direkt bei Disney+ in den Katalog aufgenommen worden.

Während der erste Teil von Plötzlich Prinzessin bei Disney+ fehlt, gibt es den zweiten Teil im Abo. Wer also beide Teile über Abodienste sehen möchte, müsste derzeit neben einem Disney+-Abo auch eines von Netflix buchen. Aber auch an anderer Stelle klaffen Lücken, die nicht so recht zu erklären sind. So erhalten Kunden von Disney+ in Großbritannien auch X-Men Origins: Wolverine, während Kunden in Deutschland den Streifen nicht erhalten, obwohl er bei keinem anderen Abobetreiber im Sortiment ist. Gerade für Kunden in Deutschland hätten wir uns Mit dem Wind nach Westen im Katalog gewünscht. Der Film handelt von der Ballonflucht aus der DDR aus dem Herbst 1979; der Film ist derzeit bei keinem anderen Abodienst im Sortiment.

Nur die ersten drei Staffeln von Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D.

Von der Marvel-Serie Agents of S.H.I.E.L.D. können Disney+-Abonnenten in Großbritannien immerhin fünf Staffeln ansehen, in Deutschland sind nur die ersten drei Staffeln verfügbar. Auch in diesem Fall ist die Serie in Deutschland bei keinem anderen Abodienst gelistet. Weder in Großbritannien noch in Deutschland ist die Serie Star Wars: Resistance bei Disney+ verfügbar. Ein Grund dafür ist nicht bekannt.

Auch mit dem Start von Disney+ gibt es vorerst nicht alle Disney-Inhalte nur dort. So gibt es unter anderem Ice Age 3 und die beiden Serien Elene sowie Avalor Micky Maus und die flinken Flitzer sowohl bei Disney+ als auch bei Sky Ticket. Das gilt auch für Iron Man 1, Iron Man 2 und Iron Man 3, die es bei Disney+ sowie Netflix im Abo gibt.



Beim Blick auf das Sortiment von Disney+ fällt schnell auf, dass die Inhalte von 21st Century keine eigene Rubrik erhalten haben, während es für Disney, Pixar, Star Wars sowie Marvel eigene Bereiche gibt. Die Inhalte von 21st Century werden einfach so in den Katalog aufgenommen und als einzige Serie des Studios sind die Die Simpsons dabei - mit falschem Seitenverhältnis für einen Großteil der Staffeln.

Eine Folge der Simpsons fehlt

Die Simpsons sind allerdings auch in Deutschland nicht vollständig bei Disney+. Die erste Folge der dritten Staffel fehlt. In der Folge Die Geburtstagsüberraschung (Stark Raving Dad) tritt der Popstar Michael Jackson als Gast auf - das war 1991. Zuletzt wurden erneut Vorwürfe gegen den 2009 verstorbenen Musiker bekannt, er habe Kinder sexuell missbraucht. Als Reaktion darauf wurde die erste Folge der dritten Staffel im Frühjahr 2019 aus allen digitalen Distributionskanälen der Simpsons entfernt, dazu gehört auch Disney+. An anderer Stelle gibt es einen Fehler: Die Staffel 21 hat bei Disney+ 24 statt 23 Folgen, weil die Episoden nicht korrekt durchnummeriert sind.

Unvollständig ist auch die Disney-Serie DuckTales. Es gibt nur die erste Staffel und auch nicht alle 23 Episoden, sondern nur 15 Folgen. Dabei fehlt die erste Folge und zwischendurch sind immer wieder einzelne Episoden nicht dabei.



Das Studio ist auch für viele weitere klassische TV-Serien verantwortlich. Dazu gehören 24, Akte X, Ally McBeal, Futurama, Dr. House, How I Met Your Mother und Prison Break. Zudem stammen von 21st Century Filmklassiker wie Titanic, die Alien-Saga, die Stirb-Langsam-Filmreihe, Predator, Wall Street, Speed sowie Fight Club. Es ist nicht bekannt, ob all diese Inhalte später auch einmal bei Disney+ im Abo landen werden. "Die Inhalte auf Disney+ sind für die ganze Familie konzipiert", beschreibt das Hollywoodstudio das Konzept des Dienstes. Daher wird es nur Inhalte geben, "die für ein bestimmtes Alter freigegeben sind". Welches Alter Disney dabei festlegt, ist nicht bekannt. Bisher gibt es im Sortiment von Disney+ keine Inhalte, die eine FSK-16- oder FSK-18-Einstufung haben.

Disney+ im Vergleich zu Netflix und Prime Video

Vergleicht man das Sortiment von Disney+ mit dem von Netflix und Prime Video, fällt sofort auf, wie vergleichsweise klein es derzeit ist. Für die Zählung der Inhalte greifen wir auf die Streaming-Suchmaschine Justwatch zurück, weil die Anbieter selbst offiziell keine Angaben zur Größe ihrer Kataloge machen.

Im Disney-Abo sind nach Angaben von Justwatch derzeit 714 Filme enthalten, allerdings zählt die Suchmaschine hier auch Kurzfilme mit. Auf Nachfrage von Golem.de teilte uns Justwatch mit, dass zu Disney+ derzeit 125 Kurzfilme mit einer Laufzeit von weniger als 30 Minuten gehören. Ziehen wir die Kurzfilme ab, verbleiben 589 abendfüllende Spielfilme.



Bei Netflix kann der Abonnent nach Justwatch-Angaben derzeit aus knapp 2.750 Spielfilmen auswählen - das ist fast das Fünffache des Disney+-Sortiments. Für Prime Video zählt Justwatch knapp 4.000 Titel - das sind fast siebenmal mehr Filme als bei Disney+. Je größer das Sortiment ist, desto höher ist die Chance, dass man auch mal eine Filmperle entdeckt, die nicht allgemein bekannt ist, aber trotzdem einen angenehmen Filmabend verspricht.

Im Serienbereich schneidet Disney+ mit 118 Serien noch schwächer ab. Netflix-Kunden können derzeit auf knapp 1.340 Serien zugreifen - das ist mehr als das Elffache des Disney-Angebots. Prime Video hat mit derzeit 775 Serien weniger Auswahl, liefert aber immer noch mehr als das Sechsfache von Disney+.



Verfügbarkeit und Fazit

In Europa gibt es Disney+ aufgrund der Coronavirus-Krise mit verringerter Bitrate. Wer mag, kann Disney+ eine Woche lang kostenlos ausprobieren. Erst mit der Buchung eines Abos können Interessenten den Inhalt von Disney+ begutachten. Der Preis für das Monatsabo beträgt 7 Euro, für 70 Euro gibt es ein Jahresabo.

Preisgünstiger gibt es Disney+ für Telekom-Kunden, die einen Magenta-Mobil-, Magenta-Zuhause- oder Magenta-TV-Vertrag besitzen. Diese Nutzer erhalten Disney+ für ein halbes Jahr kostenlos und zahlen danach statt 7 Euro dauerhaft 5 Euro pro Monat.

Über die Telekom kostet Disney+ pro Jahr 60 Euro und ist günstiger als das Jahresabo. Der Telekom-Kunde hat den Vorteil, monatlich kündigen zu können. Wer das Disney+-Angebot für Telekom-Kunden nutzen will, muss es bis zum 19. Mai 2020 buchen. Danach läuft es mit den genannten Konditionen bis zu einer Kündigung.

Disney+ deckt alle wichtigen Plattformen ab. Dazu gehören die Fire-TV-Modelle, allerdings gibt es nur bei den drei neuen Modellen auch 5.1 Surround Sound, alle älteren Fire-TV-Modelle bekommen lediglich Stereoklang. Zudem gibt es Disney+ für Googles Chromecast, Apple TV, Android TV, WebOS, Tizen, Fire TV Edition sowie die Spielekonsolen Playstation 4 und Xbox One. Zudem wird es Disney+ für Android und iOS geben, um die App auf dem Smartphone oder Tablet verwenden zu können. Auch auf den Fire-Tablets von Amazon wird es die App geben.

Fazit

Zum Start von Disney+ kann es der Abodienst bei der Vielfalt längst nicht mit der Konkurrenz aufnehmen. Sowohl Prime Video als auch Netflix haben deutlich mehr Filme und vor allem viel mehr Serien im Sortiment. Zudem sind mehr Inhalte dabei, die nicht ausschließlich in den Bereich Familienunterhaltung zählen. Bei Disney+ gibt es bisher keine Inhalte mit FSK-16- oder FSK-18-Einstufung.

Disney+ bietet viele bekannte Filme und Serien vor allem im Bereich Familienunterhaltung. Für Familien im Grundschulalter ist es perfekt, diese vielen Klassiker jederzeit sehen zu können. Auch wenn so mancher Animationsfilm eher etwas für Erwachsene als für Kinder ist, überwiegt ganz deutlich der Anteil an Inhalten, die sich an ein kindliches Publikum richten. Für Familien mit Kindern ist es besonders einfach, etwas Passendes für die Familienunterhaltung zu finden.

Ansonsten war es bisher vom Zufall abhängig, ob ein Disney-Klassiker mal bei Netflix oder Prime Video ins Sortiment gekommen ist. Und die meisten Disney-Titel waren in den vergangenen Jahren bei keinem der beiden Dienste zu finden, vor allem aus dem Bereich der Klassiker aus den zurückliegenden Jahrzehnten. Langfristig werden sicherlich alle Disney-Inhalte zu Disney+ wechseln, während es derzeit noch einige bei der Konkurrenz gibt.

Während wir in unserem ersten Test mit der Disney+-Umsetzung auf dem Apple TV zufrieden waren, gibt es für Fire-TV-Nutzer derzeit zu gravierende Einschränkungen. Es ist unverständlich, warum Disney seit Monaten nichts dagegen tut, dass diese Kundengruppe Inhalte nur im Stereoton erhält. Bei den Spulfunktionen sollte nachgebessert werden, um einen höheren Komfort zu liefern. Dafür ist die Sprachsuche ein netter Komfortgewinn für Fire-TV-Anwender. Auf Android-TV-Geräten fehlt eine vergleichbare Sprachsuche leider.



Völlig unverständlich finden wir die Limitierung der Merkliste auf maximal 50 Einträge. Diese Beschränkung sollte schnellstmöglich behoben werden. Die Kinderprofil-Nutzung ist an sich eine gute Idee, aber in der Umsetzung doch eher nutzlos. Hier könnte Disney durch Nachbesserungen deutlich mehr erreichen. Auch sollten kommende Inhalte bequem in einer Rubrik gesammelt werden, wenn sie ohnehin im Katalog enthalten sind. Erfreulicherweise bietet Disney+ ansonsten alles, was von einem modernen Streamingdienst zu erwarten ist.

Die Inhalte dürfte Disney gerne besser präsentieren, die ständige Vermischung von Serien und Filmen fanden wir unpraktisch. Wir freuen uns, dass es bei Disney+ anders als bei der Konkurrenz wie Amazon Prime Video, Netflix oder Sky Ticket auch Bonusmaterial gibt. Dazu zählen Trailer, entfernte Szenen, Kommentarspuren oder auch Karaoke-Spuren, um die Songs in einem Disney-Film mitsingen zu können. Das wertet das Angebot für alle auf, die sich intensiver mit den Titeln auseinandersetzen wollen - und macht den Dienst auch für filmbegeisterte Erwachsene reizvoll.

Nachtrag vom 27. März 2020, 7:40 Uhr

Wir haben den Test aktualisiert: Nach Angaben von Disney gibt es 5.1 Surround Sound nur für drei von acht verfügbaren Fire-TV-Modellen. Die Textpassage dazu wurde überarbeitet.

 (ip)


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