Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/sony-playstation-5-trifft-ohrenanalyse-2003-147355.html    Veröffentlicht: 19.03.2020 11:26    Kurz-URL: https://glm.io/147355

Sony

Playstation 5 trifft Ohrenanalyse

Fast ein Viertel der PS5-Präsentationen von Chefentwickler Mark Cerny drehte sich um 3D-Audio. Was hat Sony da vor?

"Ich persönlich finde, ein Spiel ohne Audio ist tot", sagte Mark Cerny bei der Präsentation von technischen Details über die Playstation 5. Dann hat der Entwicklungschef lange über die Herausforderungen von Sound gesprochen.

Fast 15 Minuten ging es um das Thema, das normalerweise eher nebenbei rasch abgehakt wird. Die Marketingexperten von Konsolen wissen - oder glauben zu wissen -, dass sich die Kundschaft meist für tolle Grafik, aber nicht für tolle Audioeffekte interessiert.

Trotzdem will Cerny bei der Playstation 5 besseren Raumklang als etwa auf der PS4 bieten - und zwar selbst dann, wenn der Nutzer keine teure Audioanlage besitzt oder einen Kopfhörer trägt.

Sondern wenn er sich vor einem normalen Fernseher mit Stereolautsprechern fläzt. Dort gibt es eine optimale Hörzone, die - das ist offenbar eines der Hauptziele von Cerny und seinem Team - möglichst breit werden soll.

Laut Cerny bietet im aktuellen Ökosystem der Playstation momentan Playstation VR dank eines speziellen Audioprozessors den besten 3D-Klang. Rund 50 Geräuschquellen könne das Headset räumlich korrekt erzeugen, sagte Cerny.

In der gleichen Qualität würde der zuständige Tempest-3D-Chip der PS5 rund 5.000 Geräuschquellen schaffen. "So viele brauchen wir gar nicht, aber dafür benötigen wir komplexere Effekte", sagte der Chefentwickler.

Übrigens setzte Cerny in seinem Vortrag auch eine Spitze gegen die Konkurrenz von Microsoft: Das für die Xbox Series X geplante Dolby Atmos sei für die Playstation 5 nicht infrage gekommen. Das schaffe ja gerade mal 32 Audioquellen, und das auch nur mit lizenzierter Hardware.

Cerny und sein Team hätten stattdessen selbst viele Stunden im Labor verbracht und bei einigen Hundert Probanden die Head-Related Transfer Function (HRTF) gemessen. Das ist - vereinfacht gesagt - so etwas wie ein individuelles Akustikprofil, das sich aus den Details des Innen- und Außenohrs, des Kopfes und sogar des restlichen Körpers zusammensetzt.

Wer ein Profil hat, das dem voreingestellten etwa auf einer Spielkonsole halbwegs ähnelt, hat Glück: Er hört den Sound ungefähr so, wie er von dessen Produzenten gedacht ist. Bei der Playstation 5 soll es fünf unterschiedliche HRTF-Profile geben.

Während der Konsoleneinrichtung soll ein kurzer Test ermitteln, welches dem Spieler am ehesten entspricht. Damit soll zumindest ein Großteil der Spieler in den Genuss von halbwegs passenden Klangeffekten kommen.

Langfrist könne er sich aber auch weitergehende Ansätze vorstellen, sagte Cerny. Denkbar sei etwa, dass der Spieler ein Foto oder ein Video von seinem Ohr und dem Kopf einschicke und dass neuronale Netzwerke bei Sony selbstständig ein individuelles HRTF-Profil ermitteln, das man dann etwa auf die Konsole laden könne.

Denkbar sei aber auch ein spezielles Game, mit dem man durch das Absolvieren von Akustikrätseln nach und nach sein eigens Hörprofil erstellt.  (ps)


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