Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/coronavirus-spiele-statt-schule-2003-147336.html    Veröffentlicht: 20.03.2020 12:00    Kurz-URL: https://glm.io/147336

Coronavirus

Spiele statt Schule

Wer wegen des Coronavirus mit Kindern zu Hause ist, braucht einen spannenden Zeitvertreib. Unser Autor - selbst Vater - findet: Computerspiele können ein sinnvolles Angebot sein. Vorausgesetzt, man wählt die richtigen.

Was tun mit Kindern, die nicht raus sollen? Niemand will gerade seinen jüngeren Nachwuchs stundenlang vor Monitor oder Fernseher klemmen. Doch manchmal wird besonders für gestresste Eltern und Kinder der Lockruf der Computerspiele zu laut. Dann sollten es aber nicht irgendwelche Games sein. Grundsätzlich gilt: Kinder unter drei Jahren sollten eher gar nicht vor dem Monitor sitzen, etwas ältere vor allem anfangs nur gemeinsam mit den Eltern und nicht unbegrenzt.

Auf den ersten Blick erschlägt einen das Angebot an Spielen, Lernspielen und sonstigen Programmen. Besonders die vielen kostenlos herunterladbaren Free-to-Play-Titel in den Appstores und am PC locken weniger kundige Eltern leicht in die Falle.

Besser ist es, ein paar Euro zu investieren, um im PC-Onlineshop oder auf Tablet und Smartphone ein vollständiges Spiel zu kaufen, dessen Entwickler nicht alle paar Minuten um Bezahlung betteln oder Werbung einblenden.

Im Folgenden ein paar Vorschläge - nicht für Konsolen, sondern für Endgeräte, die es in dem meisten Haushalten geben sollte und die auch Erwachsenen beim gemeinsamen Spielen Spaß bereiten. Die angegebenen Altersangaben sind übrigens unverbindliche Einschätzungen des Autors - selbst Vater von zwei Kindern im Alter von sieben und drei Jahren.

Und nochmals: Besonders sehr junge Kinder sollten eher weniger Zeit und vor allem nur mit einem Elternteil gemeinsam vor dem Bildschirm verbringen.

Games für sehr junge Kinder

Der Grafikdesigner Patrick Smith programmiert unter dem Namen Vectorpark seit mehr als einem Jahrzehnt kreative, wunderschöne und vor allem humorvolle Spiele, bei denen man auch mit den Allerjüngsten gemeinsam Spaß hat. Ein Paradebeispiel ist Windosill: Das im Web (Flash für die Seite aktivieren) und auf Apple-Geräten (AppStore rund 3,50 Euro - empfehlenswert ab 3 Jahren ) spielbare Rätseladventure ist ein absurd-fantasievoller Ausflug in eine tolle Spielzeugwelt.

Auch das großartige Alphabetspiel Metamorphabet (Android, iOS, Windows-PC und MacOS rund 5 Euro - empfehlenswert ab 3 Jahren) ist eine wahre Wundertüte an die Fantasie anregenden Animationen, bei der Kinder sogar ein kleines bisschen Englisch lernen. Wer das noch nicht kann, hat trotzdem sehr viel Spaß. Wie Metamorphabet sind das Frühwerk Feed the Head (Flash, im Web kostenlos, iOS um 2 Euro - empfehlenswert ab 3 Jahren) ebenso wie die weiteren (Flash- und HTML5-) Games auf der Homepage eher Spielzeuge.

Entspannen und genau schauen

Wer analoge Puzzles, Suchbilder und Wimmelbücher liebt, findet auch am Bildschirm schönen Zeitvertreib: Das wunderbare Hidden Folks (Windows-PC, MacOS, Linux und Nintendo Switch rund 8 Euro; iOS und Android rund 4 Euro - empfehlenswert ab 3 Jahren) ist ein humorvoll-wuseliges Wimmelbildspiel, das aus der Interaktivität mit witzigem Sound noch zusätzlichen Charme herausholt. Gemeinsam mit den Kids findet man hier jede Menge Überraschungen und skurrile Details.



Abenteuer und Aufbauspiele

Genau schauen muss man ebenso im Suchspiel Under Leaves (Windows-PC, MacOS und Linux rund 4,50 Euro; iOS und Android rund 2 Euro - empfehlenswert ab 3 Jahren), das für viele Stunden ein Auge fürs Detail belohnt.

Das ebenso empfehlenswerte wie hübsche Puzzlespiel Patterned (ab 4 Jahren) ist aktuell leider nur für Apple-Arcade-Abonnenten verfügbar. Auf seine virtuelle Art auch haptische Origami-Aufgaben bietet Kami (Windows-PC und MacOS rund 4 Euro; iOS rund 3 Euro - empfehlenswert ab 5 Jahren).

Abenteuer für Groß und Klein gemeinsam

Das unabhängige tschechische Entwicklerstudio Amanita Design ist seit Jahren Garant für bezaubernd gestaltete, humorvolle und wunderschöne Point-and-Click-Adventures, die es auf so gut wie jeder Plattform gibt - inklusive Smartphone und Tablet. Einsteiger rätseln mit ihren Kindern am besten im slapstickhaften Chuchel (Windows-PC, MacOS und Linux rund 10 Euro; iOS und Android rund 5 Euro - empfehlenswert ab 4 Jahren) durch eine tolle Comic-Welt. Auch alle drei Teile der Samorost-Reihe werden Kids und Eltern begeistern. Teil 1 und 2 sind als Flash-Apps im Web kostenlos spielbar (empfehlenswert ab 3 Jahren).

Die Spiele Botanicula (Windows-PC, MacOS und Linux rund 10 Euro; iOS und Android rund 5 Euro - empfehlenswert ab 4 Jahren) und Machinarium (Windows-PC, MacOS, Linux, PS3, PS4 und Switch rund 15 Euro; iOS und Android rund 5 Euro - empfehlenswert ab 5 Jahren) sind etwas kniffliger, aber ebenso toll.

Das aktuelle Pilgrims (Windows-PC, MacOS und Linux rund 5 Euro; iOS bei Apple Arcade enthalten - empfehlenswert ab 5 Jahren) ist ein zauberhafter Märchenspielplatz mit Wiederspielgarantie. Übrigens: Wer irgendwo steckenbleibt, findet zu jedem Spiel auf Youtube umfangreiche Lösungshilfen.

Bauen, bauen, bauen

Aufbauspiele sind hierzulande sehr populär, für jüngere Spieler sind die meisten davon allerdings zu komplex. Umso besser, dass es mit Islanders (Windows-PC, MacOS und Linux rund 2,50 Euro - empfehlenswert ab 4 Jahren) ein minimalistisches, aber besonders hübsches Exemplar gibt. Neben dem Standardmodus, in dem es um Punktegewinn geht, können sich jüngere Spieler auch mit dem Sandkastenmodus im freien Städtebau üben.

Ebenso tiefenentspannt ist Stardew Valley (Windows-PC, MacOS, Linux, PS4, Xbox One und Switch rund 14 Euro; iOS und Android rund 9 Euro - empfehlenswert ab 8 Jahren). Der Millionen-Blockbuster eines einzelnen Entwicklers ist besonders als Familienprojekt ein höchst unterhaltsamer Bauernhofsimulator.

Lernspaß und Games für etwas ältere Kinder

Das minimalistische Mini Metro (Windows-PC, MacOS, Linux, PS4 rund 10 Euro; iOS und Android 4 Euro - empfehlenswert ab 5 Jahren) hingegen ist ein U-Bahn-Planungsspiel mit herrlicher Atmosphäre, besonders im freien Modus.

Lernspaß

Dass lernen Spaß macht, gerät mit zunehmendem Alter oft in Vergessenheit, gerade die Kleinsten lernen schließlich hauptsächlich über spielerische Neugier. Wer seine Kinder ab vier nicht nur unterhalten und beschäftigen will, sondern auch auf Kreativität und Vermittlung von Wissen Wert legt, kann sich mit ihnen gemeinsam die Apps des US-Entwicklers Tinybop ansehen.

Die vielfach preisgekrönten Spiele über Themen wie Physik, Mechanik und Biologie sind in relativ hochpreisigen Kollektionen oder einzeln zu beziehen - leider nur für iOS. Anders der Löwe (iOS und Android rund 4 Euro - ab Grundschulalter): Das ist ein ein gelungenes Lese- und Schreibabenteuer für alle mobilen Plattformen.

Klassische Lernspiele erfreuen sich bei allzu pädagogischem Anstrich bei der Zielgruppe jenseits der Grundschule nicht der größten Beliebtheit. Besser ist es, wenn man quasi neben dem Spaß etwas fürs Leben lernt. Das Physik-Abenteuer Ludwig (Windows-PC rund 10 Euro) versucht recht erfolgreich, trockenen Lernstoff spielerisch aufzubereiten.

Wer seinen (noch älteren) Kids hingegen das großartige Kerbal Space Program (Windows-PC, MacOS und Linux rund 40 Euro - empfehlenswert ab 10 Jahren) schenkt, um sie von Fortnite & Co. wegzulocken, macht übrigens nix verkehrt. Die Nasa empfiehlt schließlich nicht irgendwas!

Weniger offensichtlich ist der pädagogische Wert der Spiele des US-Entwicklerstudios Zachtronics: Im zugänglichsten seiner Titel, dem Alchemiebaukasten Opus Magnum (Windows-PC, MacOS und Linux rund 20 Euro empfehlenswert ab 8 Jahren) hantiert man zwar mit pseudochemischen Fantasiereaktionen, aber dafür bekommt man spielerisch leicht die Grundlagen des sequentiellen Programmierens vor Augen geführt. Mit den anderen Titeln desselben Entwicklers fuchsen sich auch sonst Code-averse Spielefreunde in die Materie ein, ohne es zu bemerken.  (rs)


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