Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/streaming-zehn-besondere-serien-fuer-die-zeit-der-isolation-2003-147290.html    Veröffentlicht: 25.03.2020 07:43    Kurz-URL: https://glm.io/147290

Streaming

Zehn besondere Serien für die Zeit der Isolation

Kein Kino, kein Fitnessstudio, kein Theater, keine Bars, kein gar nix. Das Coronavirus hat das Land (und die Welt) lahmgelegt, so dass viele nun zu Hause sitzen: Zeit für Serien-Streaming.

Die Streaming-Dienste, allen voran Netflix, haben in den vergangenen Jahren Unmengen an Content aufgebaut. Vieles davon ist Mittelmaß, einiges ist absoluter Schrott, echte Highlights gibt es aber auch. Wir sprechen nicht von Stranger Things oder Locke & Key, die fast jeder kennt oder von denen fast jeder zumindest schon mal gehört hat. Wir haben für euch Trüffelschwein gespielt und ein paar Serien ausgegraben, die vielleicht eher unter dem Radar durchfliegen, aber die Zeit angenehm verkürzen können. Über weitere Empfehlungen unserer Leser freuen wir uns im Artikelforum.

Messiah (Netflix): Der Messias kehrt zurück

Dass Michael Petroni die Idee für Messiah hatte, ist im Grunde nur passend. Schließlich hat er vor Jahren eine Serie namens Miracles entwickelt, in der ein Mann der katholischen Kirche versucht, Wunder zu bestätigen oder sie zu entkräften. Wunder gibt es auch in Messiah, denn die Serie befasst sich mit nichts weniger als der Wiederkehr des Heilands. Falls er es denn ist.

Im Nahen Osten taucht ein Prediger namens Al-Masih auf, der sehr schnell Anhänger um sich schart und mit ihnen die Wüste zur israelischen Grenze durchquert. Al-Masih wird verhaftet und erschüttert den Geheimdienstagenten Aviram (Tomer Sisley, Largo Winch 2), als er ihm klarmacht, was er über ihn weiß. Wenig später verschwindet der Mann und taucht in Texas wieder auf - inmitten eines Tornados, der eine Stadt auslöscht und nur die örtliche Kirche stehen lässt. Immer mehr Menschen glauben, dass Al-Masih der wiedergekehrte Messias ist.

Messiah ist eine großartige Serie, die den verschiedenen Religionen gerecht wird, aber auch eine starke Geschichte zu erzählen hat. Als Zuschauer ist man nie sicher, ob man nun der Wiederkehr des Messias beiwohnt oder nicht. Daraus ergibt sich einige Spannung, ebenso aus der Frage, ob das wirklich relevant ist - oder eher die Botschaft, die er verbreitet. Sowohl die Hauptfigur als auch die Serie leben von einem ausgeprägten Humanismus. Sie fordern den Zuschauer heraus zu hinterfragen, ob es nicht an der Zeit ist, mit alten Gewohnheiten zu brechen und die Welt Stück für Stück lebenswerter zu machen.



Servant (Apple TV): immer wieder überraschend

Servant ist eine der wenigen dramatischen Serien, die nicht auf ein 45- oder 60-Minuten-Format ausgelegt sind, sondern ihre Geschichten in etwa 30-minütigen Episoden erzählen.

Die Handlung: Sechs Wochen nach dem Tod des nur wenige Monate alten Sohnes heuert das in Philadelphia wohnende Paar Dorothy und Sean Turner eine junge Nanny an. Denn Dorothy kommt mit dem Tod des kleinen Jerichos nicht zurecht. Deswegen hat ihre Psychologin ihrem Mann geraten, ihr eine Re-Born-Doll zu besorgen - eine Puppe, die wie ein echtes Baby aussieht. Für Dorothy ist das ihr kleiner Jericho - die Puppe bringt sie aus ihrem katatonischen Zustand heraus.

Aber Sean macht sich Sorgen, dass seine Frau nun in einer anderen Psychose festhängt. Da hilft es nicht, dass die junge Nanny Leanne sich ebenfalls so benimmt, als hätte sie ein ganz normales Baby vor sich. Tatsächlich verhält sie sich immer eigenartiger, weswegen Sean ihr immer weniger traut.

Das Ehepaar wird von Toby Kebbell (Fantastic Four) und Lauren Ambrose (Six Feet Under) gespielt. Die Nanny wird von Nell Tiger Free dargestellt, die man als Cerseis Tochter in Game of Thrones kennt; sie war aber auch in Nicolas Winding Refns Too Old to Die Young mit dabei. Dorothys Bruder wird von Rupert Grint (Harry Potter) gespielt.

Die Serie ist immens effektiv. Sie arbeitet sehr gut mit dem Mysterium, das im Verlauf der Staffel weiter aufgefächert wird, vermittelt aber auch ein durchgehendes Gefühl der Unbehaglichkeit. Die Schauspieler gehen in den psychologisch vielschichtigen Rollen auf, die Serie selbst lebt von einer klaustrophobischen, bedrückenden Stimmung, der man sich nicht entziehen kann. Zudem überrascht sie immer wieder, was angesichts der Prämisse nicht zu erwarten gewesen wäre. Was man in diesen ersten Folgen sieht, ist der Auftakt für etwas weit Größeres.

Apple hat die Serie schon vor ihrem Debüt um eine Staffel verlängert und Produzent M. Night Shyamalan erklärte, dass er sechs Staffeln mit 60 Folgen als ideal ansehe, um die von Tony Basgallop entwickelte Geschichte erzählen zu können.



Spielzeug - Das war unsere Kindheit (Netflix)



Hier darf man sich wieder als Kind fühlen: Spielzeug - Das war unsere Kindheit befasst sich mit einem anderen Themenkomplex aus unserer Vergangenheit. Die erste Staffel mit vier Folgen ist unter anderem Star Wars, Transformers und Masters of the Universe gewidmet. In den weiteren Staffeln kommen auch die Teenage Mutant Ninja Turtles, Barbie, G.I. Joe, Mighty Morphin' Power Rangers, Lego und Helly Kitty zu Ehren.

Natürlich wird nicht jedes dieser Themen jeden gleichermaßen interessieren. Es hängt sicherlich auch damit zusammen, womit man als Kind selbst gerne gespielt hat. Aber jede Folge ist grundsätzlich interessant, informativ und reich an Anekdoten. So erfährt man etwa, wie wenig Geld für die Spielzeuglizenz von Star Wars geflossen ist oder aus welcher anderen Spielzeugreihe He-Mans Tiger Battle Cat stammt.

Das größte Kompliment, das man dieser Serie machen kann: Die einzelnen Folgen sind so informativ und amüsant, dass man sich auch gerne jene ansieht, zu denen man keine eigene nostalgische Verbundenheit spürt.



Cobra Kai (Youtube Red): eine grandiose Fortsetzung

Mittlerweile will fast jeder ins Streaming-Geschäft einsteigen, so auch Youtube. Dafür wurde Youtube Red gegründet - ein Service, für den man bezahlen muss, der dafür aber auch mit der Serie Cobra Kai aufwartet. Mittlerweile hat Youtube die Folgen auch kostenfrei zugänglich gemacht.

Als Youtube die Show bekanntgab, hielt so mancher es zunächst für einen Scherz. Aber nein, Cobra Kai ist eine direkte Fortsetzung der Karate-Kid-Saga mit Ralph Macchio - und zwar insbesondere des ersten Teils aus dem Jahr 1984.

In der ersten Staffel wird erzählt, wie es Daniel LaRusso ergangen ist, aber anders als in George G. Avildsens Film wird hier der Fokus sehr stark auf Johnny Lawrence gelegt. Der war damals die Nemesis des kleinen LaRusso und wurde bei den Karate-Meisterschaften von diesem besiegt. Seitdem verlief ihr Leben sehr unterschiedlich. Daniel ist ein vermögender Autohändler mit verschiedenen Dependancen, Johnny arbeitet als Handwerker. Der eine hat eine tolle Familie, der andere ist seinem Sohn entfremdet.

Johnny weiß nicht, was er mit seinem Leben anfangen soll - bis er eine Eingebung hat. Er eröffnet das Cobra-Kai-Dojo, in dem er einst selbst Karate lernte, neu und hat mit dem Nachbarsjungen Miguel, der in der Schule von Bullys drangsaliert wird, den ersten Schüler. Daniel wiederum sieht rot, als er hört, dass es Cobra Kai wieder gibt. Zwischen den beiden alten Kontrahenten kommt es erneut zum Konflikt - und das nicht nur wegen Cobra Kai, sondern auch ihrer Kinder wegen.

Es gab einige Diskussionen, ob Daniel LaRussos Tritt in Johnnys Gesicht beim letzten Kampf nicht ein unerlaubter Kontakt war. Er hätte entsprechend disqualifiziert werden müssen.

Zudem hat man in dieser neuen Serie eine Szene, in der Johnny seinem Schüler erzählt, wie es LaRusso damals auf ihn abgesehen hatte. Und ja, wenn man es aus dieser Perspektive sieht, dann war nicht Johnny der Schurke. Das macht Cobra Kai interessant - auch und gerade, weil Johnny kein durch und durch anständiger Kerl ist. Er säuft, er behandelt seine Schüler recht grob, aber er hat durchaus ein moralisches Zentrum, was sich im Finale dieser Staffel besonders zeigt.

Ralph Macchio und William Zabka sind wieder dabei, Pat Morita wird wiederum mit Rückblicken gedacht. Manchmal hat man das Gefühl, seine Präsenz in der Serie zu spüren, weil seine Figur für Daniel LaRusso auch so wichtig war.



Die Conners (Amazon Prime): Roseanne ist tot

Bei Amazon Video gibt es die Sitcom Die Conners, die Fortsetzung der Wiederauflage von Roseanne. Die wiederum gab es mit ihrer aus zehn Folgen bestehenden Staffel in Deutschland nicht zu sehen, was an einem komplizierten Rechtekonstrukt liegt, das die Lizenzierung ins Ausland schwer macht. Bei der Folgeserie Die Conners konnte man hier offenkundig einen anderen Vertrag zurren.

Ein bisschen komisch ist es schon, dass man als Zuschauer hier einfach so einsteigen soll, denn in der Wiederauflage hatte sich schon einiges getan, nicht zuletzt wurde der aktuelle Status quo etabliert.

Eigentlich hätte es mit der Serie ja auch weitergehen sollen, aber Roseanne Barr, eine glühende Donald-Trump-Anhängerin, ließ sich zu einem Twitter-Posting hinreißen, in dem sie eine Afroamerikanerin mit einem Affen verglich. Der Sender ABC setzte daraufhin die Erfolgsserie ab. Da aber bereits Verträge mit allen Beteiligten für eine zweite Staffel geschlossen worden waren, versuchte man in Windeseile, eine Nachfolgeserie zu entwickeln. Die Möglichkeiten waren vielseitig, man entschied sich dann aber dafür, das Leben der Conners weiterzuerzählen - nach Roseannes überraschendem Tod.

Die Nachwirkungen des Verlusts sind zu spüren und das nicht nur in einer Folge, sondern in der ganzen Staffel. Aber das Leben muss weitergehen. Jackie hat einen neuen Freund, der sie ausnutzt. Dan versucht, seine Trauer zu bewältigen. Darlene hat einen neuen Job, ihre Kinder leben sich mehr oder weniger in Lanford ein und Becky versucht, ihre Alkoholsucht zu überwinden. Muss sie auch, da sie schwanger ist.

Die Stärke der Mutterserie ist auch hier vorhanden. Es gibt reichlich Humor, aber die Situationen sind real. Es geht um echte Probleme: um miese Jobs, alleinerziehende Eltern, den Tod eines geliebten Menschen, Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit, aber auch um den Esprit, all diese Probleme meistern und sich nicht von ihnen unterkriegen zu lassen.



Ultraman (Netflix): japanischer Held

Der Superheld Ultraman hat mehr als 50 Jahre auf dem Buckel. Er begann seine Karriere in Form einer Live-Action-Serie, die 1966 von Godzilla-FX-Spezialist Eiji Tsuburaya entwickelt wurde. Seitdem ist Ultraman nie ganz verschwunden. Im Jahr 1979 gab es eine Anime-Serie, von der in Zusammenschnitten ein paar Folgen hierzulande in Form von zwei Filmen ausgewertet wurden. Weitere Produktionen folgten, was nicht verwundert. Schließlich war Ultraman allein in seinen ersten 20 Jahren ein Merchandising-Gigant und brachte einen Umsatz von mehr als 7 Milliarden Dollar. In jüngster Zeit ist eine neue Anime-Serie dazugekommen.

Ultraman wurde schon seit vielen Jahren nicht mehr gesehen, doch als sein Erzfeind wieder auftaucht, muss auch der alt gewordene Held noch einmal aktiv werden. Der weiß allerdings, dass es nur eine Staffelstabübergabe an seinen Sohn sein kann, der seine Kräfte geerbt hat. Und so wird Shinjiro zum neuen Ultraman, der erst lernen muss, ein Held zu sein, während er gegen außerirdische Gefahren kämpft.

Anders als bei den früheren Serien - egal, ob Live-Action oder Anime - setzen die Macher nicht auf eine Ansammlung in sich abgeschlossener Geschichten. Stattdessen gibt es eine fortlaufende Handlung, die sich über 13 Folgen erstreckt, so dass die Serie wie ein gigantischer Film anmutet.

Ultraman adaptiert vor allem den Manga, behält aber genügend Material übrig, um bei einer zweiten Staffel weiterhin aus dem Vollen schöpfen zu können. Die Serie ist typische Superhelden-Unterhaltung und zielt auf ein jugendliches Publikum ab, bietet aber auch älteren Zuschauern genug Cooles, um bei der Stange zu bleiben.



It's Bruno (Netflix): auf den Hund gekommen

It's Bruno ist eine ungewöhnliche Serie. Solvan Naim hat sie fast allein gemacht: Er schrieb, er inszenierte, er spielt die Hauptrolle - an der Seite seines eigenen Hundes.

Die Serie ist schon wegen ihres Formats ungewöhnlich. Es sind acht Folgen, die jeweils eine Laufzeit von etwa 15 Minuten haben. So können schnelle, amüsante Geschichten erzählt werden, Naim spinnt aber auch ein größeres Garn und endet sogar mit einem Epilog, der eine weitere Staffel vorbereitet.

Die Handlung: Malcolm lebt in Brooklyn. Sein ganzer Stolz ist sein Hund Bruno, dem er nur das beste Futter gibt und den er mit Freuden ausführt. Aber er gerät immer wieder mit anderen aneinander: einem anderen Hundebesitzer, dessen Tier so etwas wie ein Star ist; Hundebesitzern, die ihre Tiere einfach auf die Straße kacken lassen; mit einer Freundin, die weniger an ihm als an Bruno interessiert ist.

Die Serie wurde für einen Emmy in der Kategorie Outstanding Short Form Comedy or Drama Series nominiert. Auch wenn sie nicht gewonnen hat, zeigt sich doch, dass It's Bruno etwas Ungewöhnliches ist. Die Serie ist einerseits lieb und angenehm, andererseits schräg und krass. Dazu kommt, dass die übertriebene Fürsorglichkeit von Hundemenschen sehr schön karikiert und liebevoll durch den Kakao gezogen wird.

Wer sich nicht mit Malcolm identifizieren kann, der kennt zumindest jemanden, der so ist wie er.



Maniac (Netflix): unter dem Radar

Maniac mit Jonah Hill und Emma Stone basiert auf der gleichnamigen norwegischen Show, die von Espen PA Lervaag, Håakon Bast Mossige, Kjetil Indregard und Ole Marius Araldsen entwickelt wurde. Für die amerikanische Version ist Patrick Somerville verantwortlich. Er ist vor allem Schriftsteller und hatte ein paar Erfolge, schreibt aber auch Drehbücher für Serien wie The Bridge - America.

Die Geschichte: Owen Milgrim ist das schwarze Schaf seiner Familie. Er leidet an Psychosen, redet mit Menschen, die nicht da sind, und ist sicher, dass er die Welt retten wird - wenn er erst mal Annie Landsberg getroffen hat, die beziehungsgestört ist. Beide treffen sich bei Neberdine Pharmaceutical und Biotech, wo sie als Probanden einer neuen Studie teilnehmen, mit der alle mentalen Probleme bereinigt werden sollen. Was diese Droge jedoch macht: Sie führt die Probanden in ihr Unterbewusstsein.

Die Serie ist nicht nur ein Remake. Vielmehr hat es Somerville geschafft, auf der Grundlage noch mehr daraus zu machen. Er fächert die Figuren auf und arbeitet das Abdriften in das Unterbewusstsein stärker aus und lässt dabei die beiden Hauptfiguren zusammen durch verschiedene Leben stolpern, die hätten sein können, aber eben nie waren.

Das ist interessant, weil Maniac psychologisch tiefsinnig ist. Es dauert, bis man reinkommt, aber sobald sich die Figuren von Emma Stone und Jonah Hill auf den Probandenliegen wiederfinden, nimmt die Handlung Fahrt auf. Zuschauer werden hineingeworfen in eine Hyperrealität, die viel über die Figuren aussagt. Maniac ist praktisch ein überlanger Film, einer der anfangs Sitzfleisch erfordert, dann aber reinhaut.



Undone (Amazon Prime): mehr als Zeichentrick

Undone ist die erste komplett im Rotoskop-Verfahren gefertigte Serie. Diese Technik, bei der alle Szenen mit Schauspielern gedreht werden und dann das Material überzeichnet wird, wurde nie besonders populär. Ralph Bakshi hat sie aber bei einigen seiner Fantasy-Filmen effektiv eingesetzt. In (relativ) jüngster Zeit fällt vor allem die Philip-K.-Dick-Verfilmung A Scanner Darkly ein. Undone weitet das nun auf eine gesamte Serie mit acht Episoden aus.

Alma ist 28 Jahre alt und fühlt sich in ihrem Leben gelangweilt, weil alles immer gleich ist. Sie macht mit ihrem Freund Schluss, ihre Schwester steht kurz vor der Hochzeit und dann gerät Alma in einen Autounfall, bei dem sie fast stirbt.

Als sie wieder aufwacht, ist nichts, wie es war. Sam ist wieder mit ihr zusammen und sie erlebt dasselbe Gespräch mit ihrer Mutter gleich mehrmals. Dann taucht ihr toter Vater auf, der ihr erklärt, dass sie wie ihre Großmutter über Fähigkeiten verfüge, die es ihr erlaubten, die Realität flexibel und fließend zu erleben. Zuerst erlebt sie unkontrollierte Zeitsprünge, dann erhält sie einen immer größeren Zugriff auf ihre Fähigkeiten und beginnt herauszufinden, wieso ihr Vater vor etwa 20 Jahren umgebracht wurde.

Verantwortlich für die Serie sind Kate Purdy und Raphael Bob-Waksberg, der für Netflix die Zeichentrickserie Bojack Horseman entwickelte. Beide stellten das Projekt Amazon vor, das die Serie orderte. Die Zeichnungen wurden in den Niederlanden gemacht, die Besetzung kann sich sehen lassen.

Als Alma agiert Rosa Salazar, die man zuletzt auch nicht in ihrer realen Form sehen konnte - als Alita: Battle Angel. Weiterhin sind Bob Odenkirk (Better Call Saul) als ihr Vater und John Corbett und Jeanne Tripplehorn in Gastrollen dabei.

Undone ist eine beeindruckende Serie, die von einer existenziellen Krise erzählt und über Genregrenzen hinausgeht: Drama und Komödie gehen nicht nur mit Science-Fiktion einher, sondern werden von einem starken philosophischen Kontext getragen. Der technische Ansatz ist perfekt, weil er eine Surrealität erlaubt, die bei einer reinen Live-Action-Inszenierung nicht gegeben wäre. Das macht Undone fantastisch, die Serie punktet aber auch, weil die Figuren so lebendig sind und den Zuschauern echte Identifikation ermöglichen. Dabei ist die Serie ausgesprochen komplex, weil Zeit- und Erzählebenen ständig wechseln, sich aber auch ändern. Eine ungewöhnliche Serie, die ausgesprochen erfrischend, menschlich, glaubwürdig und sehr intelligent ist.



Ghul (Netflix): indischer Horror

Ghul ist die zweite indische Netflix-Produktion. Die Idee für die Geschichte hatte der in Indien lebende Brite Patrick Graham. Er hatte einen Albtraum, in dem ein Gefangener in ein Gefängnis kommt und die Wachen vor ihm Angst haben. Weil er ein Monster suchte, das weniger bekannt als Vampire oder Zombies ist, beschäftigte sich Graham mit arabischer Folklore. Dabei stieß er auf den Ghul.

Das Indien dieser Serie ist ein totalitärer Staat der nahen Zukunft, in der Andersdenkende inhaftiert und als Terroristen so lange gefoltert werden, bis entsprechende Geständnisse vorhanden sind. Graham wollte eine dystopische Zukunft erschaffen und mit klaustrophobischem Gefühl überzeugen. Auf Jump-Scares verzichtete er weitestgehend, weil er sie nicht effektiv findet.

Die junge Nida Rahim ist so sehr der Ideologie des Landes und dem eigenen Patriotismus verfallen, dass sie sogar ihren eigenen Vater verrät. Als ein großer Terroristenführer verhaftet und ins Foltergefängnis gebracht wird, holt man Rahim dazu, ohne dass sie ahnt, warum. In diesem Gefängnis ist nun alles anders als je zuvor. Denn der Gefangene hat keine Angst. Im Gegenteil, er löst bei seinen Folterern Angst aus, weil er all ihre Geheimnisse kennt.

Graham schrieb das Skript in englischer Sprache. Danach wurde es ins Hindi übersetzt. Die Dreharbeiten waren für ihn herausfordernd, da er selbst die Sprache nicht spricht, wohl aber alle Crew-Mitglieder.

Graham gibt der Serie Zeit, sich zu entwickeln. Der übernatürliche Aspekt der Geschichte tritt erst zum Ende der ersten von drei Folgen auf, nimmt dann aber immer größeren Raum ein. Ghul setzt dabei vor allem auf Atmosphäre und erschafft ein Gefühl der Bedrohung, das sich bis zum Ende durchzieht. Die Serie funktioniert aber nicht nur als Horrorstoff, sondern hat interessante Untertöne, wenn von einer Gesellschaft berichtet wird, in der soziale Veränderungen auf gelebte Religion treffen und geradezu aufeinanderprallen.

 (peo)


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