Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/doom-eternal-im-test-super-mario-hoert-death-metal-2003-147286.html    Veröffentlicht: 17.03.2020 15:00    Kurz-URL: https://glm.io/147286

Doom Eternal im Test

Super Mario hört Death Metal

Wenn knallige Gitarrenriffs ertönen und die Schüsse knallen, ist der Doomguy wieder am Werk. In solchen Momenten ist Doom Eternal ein adrenalingeladenes Ballerfest. Alte Serienstärken bringen aber auch alte Schwächen - und einige neue.

Springen, rennen, schießen, sägen - und nebenbei schrummelt ein heftiger Death-Metal-Track. Die 2016 erschienene Neuauflage des Ego-Shooters Doom (Test) war ein voller Erfolg. Das hektische Gunplay und die vielen Möglichkeiten, Dämonen wieder in die Hölle zu schicken, haben vielen Spielern Freude bereitet. Umso größer sind die Erwartungen an den Nachfolger Doom Eternal.

Nach unserem Test können wir sagen: Das Entwicklerstudio id Software liefert wieder ein furioses Dämonengemetzel ab, das aber ein wenig überladen und stellenweise sehr träge wirkt. Das liegt daran, dass der Doom Guy seinen Zweitjob als Super Mario mit Schrotflinte ernst nimmt und mehr denn je auf Plattformen und an Stangen umherspringt.

Bevor wir mit dem Spielen anfangen, sei gesagt: Unsere Testversion auf Steam benötigt zusätzlich einen Bethesda-Account, der zum Spielen zwingend notwendig ist. Den verbinden wir mit dem Spiel auf Steam, einen weiteren Launcher benötigen wir nicht. Das ist trotzdem recht nervig. Zumindest können wir bei deaktivierten Errungenschaften danach auch offline spielen.

Doom Guy springt auf Plattformen herum

In Doom Eternal kämpfen wir auf diversen Planeten, die mit Monstern und Dämonen befallen sind. Das gute daran: Im Vergleich zum Vorgänger wirkt der neue Teil nicht so rot, braun und schwarz, da uns die Reise auch auf eisige Welten, in Höhlen, durch Dschungel und auch auf die Erde führt. Die Level sind einmal mehr sehr detailliert und optisch interessant. Dabei büßt Eternal etwas von der Klaustrophobie und Düsternis des Mars-Settings ein. Wir finden auch, dass die vielen neuen Sprungeinlagen eigentlich ein vertikaleres Gameplay gerechtfertigt hätten. Allerdings kämpfen wir meist auf einer oder zwei Ebenen gegen die Höllenarmeen.

Bei den vielen Sprungparts in Levels haben wir gemischte Gefühle: Mal sind sie interessant gestaltet, wenn wir etwa im Flug noch auf einen Knopf schießen müssen, um die Wand vor uns zu öffnen. Ein anderes Mal sind sie einfach frustrierend schwer - vor allem wenn wir einige Upgrades wie bessere Flugkontrolle nicht verwenden. Das ewige Sterben und Respawnen nervt bereits nach zehn Versuchen gewaltig und wir wünschen uns schnell einfach die nächste Dämonenhorde, die wir besiegen können.

Denn die hektischen Ballereien sind einmal mehr exzellent umgesetzt. Wir springen, schießen und schneiden uns mit der Kettensäge durch garstige Viecher, Gargoyles, Zombies und flammenwerfende Biester. Mit etwas Übung wird auch hier schnell jeder Kampf zu einem fließenden adrenalingeladenen Blutrausch, bei dem wir unsere Munition, Gesundheit und Rüstung im Auge behalten müssen. Unsere Spielfigur bewegt sich in Doom Eternal dabei langsamer als zuvor, kann dafür am Boden und in der Luft auf Knopfdruck ausweichen. Das wird auch in Sprungpassagen oft gebraucht.

Wieder erstklassig ist der Death-Metal-Soundtrack vom Komponist Mick Gordon, der auch Songs für den Vorgänger geschrieben hat - der Doom Guy hat einfach einen guten Musikgeschmack!

Bei den immer gleichen Glory Kills braucht er aber eigentlich Nachhilfe.

Verfügbarkeit und Fazit

Jeder Gegner hat seine eigenen Stärken und Schwächen. Ein fliegender Cacodemon ist etwa betäubt, wenn wir ihm eine Granate ins Maul schießen. Einem fetten Mancubus können wir die Waffen abschießen, sodass er fast wehrlos ist. Größere Gegner haben zudem eine Art Schadensmodell. Wenn wir etwa lang genug auf einen anstürmenden Hell Knight schießen, dann fallen seine Körperteile ab. Generell geizt auch Doom Eternal nicht mit Blut und Gedärmen. In den sogenannten Glory-Kill-Sequenzen sehen wir, wie unsere Kontrahenten regelrecht in Teile geschnitten werden.

Das mag die ersten zehn Male noch ganz unterhaltsam sein, wird aber - wie schon beim Vorgänger - schnell zu einer kleinen Spaßbremse. Ständig wird der Spielfluss unterbrochen, wenn wir zum hundersten Mal einen Imp in zwei Hälften zersägen. Insgesamt gibt es für jeden Gegnertyp nur ein paar Animationen, die schnell langweilig werden. Wir denken, Doom Eternal wäre kein schlechteres Spiel ohne Glory Kills - im Gegenteil, es wäre sogar rasanter und noch actiongeladener.

Waffen, Upgrades und Sammelzeug

Die Waffenauswahl kommt Doom-Veteranen sicherlich bekannt vor: Schrotflinte, Sturmgewehr, Minigun und BFG sind wieder mit dabei. Auch können wir wieder jeweils zwei Waffenaufsätze für unsere Schießeisen freischalten, die überall in der Spielwelt verteilt sind. Wir finden die Waffenmodelle gelungen und das Schussgefühl ist wuchtig und spaßig. Die verschiedenen Aufsätze geben den einzelnen Waffen noch einmal eine taktische Note. Wir können uns etwa mit der doppelläufigen Super-Shotgun an Gegner heranziehen, indem wir einen Enterhaken verschießen. Übrigens ist die Kettensäge nun keine separate Waffe mehr, sondern ein alternativer Nahkampfangriff. Munition bringt sie noch immer.

Doom Eternal stopft die Weltkarten noch mehr bis zum Kartenrand mit sammelbaren Gegenständen voll. Wir finden hier Geheimnisse, Stoffpuppen, aber auch viele Upgrades. Die werden schnell unübersichtlich: So sammeln wir Marken für Waffenmods, deren Verbesserungen, Anzugupgrades und Runen. Die Upgrades wählen wir in einem verschachtelten Menü aus, das sich wohl mit Controller besser bedienen lässt.

Für hartgesottene Doom-Slayer bietet das Spiel zudem diverse Herausforderungen, die wir im Lauf des Spiels freischalten. Die sind selbst auf dem mittleren Schwierigkeitsgrad kein Urlaub. Hier kämpfen wir gegen eine festgelegte Anzahl an Feinden und haben ein Zeitlimit, Munitionslimit oder Lebenspunkte Limit. Die Scharmützel sind eine interessante Abwechslung zum herkömmlichen Gameplay.

Das Spiel soll auch einen Multiplayer-Modus bieten. Statt einem klassischen Deathmatch treten im Battlemode zwei von Spielern gesteuerte Dämonen gegen einen weiteren Spieler an, der als Doom-Slayer allein kämpft. Das ist eine interessante Idee, könnte aber auf Dauer nicht alle Spieler dabeibehalten. Es wird sich zeigen, wie sich der Modus schlägt.

Das Spiel unterstützt mehrere Sprachen, auch englische und deutsche Sprachausgabe. In unserer englischsprachigen Testversion klingen die Stimmen überzeugend, auch wenn unser Protagonist weiterhin schweigsam ist. Zumeist sind es unsere Kontrahenten oder es ist unsere KI im Kopf, die mit uns reden.

Doom Eternal erscheint am 20. März 2020 für Windows-PC, Playstation 4, Xbox One und Nintendo Switch. Auch für Googles Cloud-Gaming-Diebst Stadia soll es das Spiel geben. Durch die hohe Gewaltdarstellung ist das Spiel von der USK ab 18 Jahren freigegeben.

Fazit

Doom Eternal ist eine adrenalingetriebene Shooter-Orgie, die in den Kämpfen gegen fiese Dämonen ihre Stärken ausspielt. Das fließende Gunplay, die vielen coolen Waffen und der martialische Death-Metal-Sound als Untermalung sorgen zuweilen für Blutrauschmomente beim Spieler. Unser Doom-Slayer bewegt sich im Sequel etwas langsamer zu Fuß, ist aber durch Ausweichschritte noch agiler in der Luft, sodass wir regelrecht von einem Dämonen zum anderen fliegen und sie in die Hölle zurückschicken.

Unterbrochen wird das rasante Shooter-Gameplay sehr oft von teilweise viel zu langen Sprungeinlagen, in denen wir wie Super Mario auf Plattformen herumhüpfen, Wände erklimmen und regelrecht drehenden Feuerschwertern ausweichen. Einige dieser Passagen sind kreativ und interessant, andere frustrieren einfach nur. Insgesamt will das aber nicht so ganz in das Dämonentöter-Setting passen.

Auch ist das Konzept der Glory-Kills beibehalten worden, bei dem wir unsere Gegner auf teilweise ziemlich brutale Weise hinrichten, um Lebensenergie, Munition und Rüstungsteile zu bekommen. Die Variationen der Kills können wir an einer Hand abzählen und das in Szene gesetzte Schlachten wird schnell nervig. Auch wird dadurch der exzellente Shooterpart immer wieder unterbrochen.

Doom Eternal bietet noch mehr Sammelgegenstände, Geheimnisse und Upgrades als der Vorgänger. Die vielen verschiedenen Ebenen, in denen wir neue Fähigkeiten freischalten, sind aber ein wenig unübersichtlich. So sammeln wir Runensteine, Münzen, Pakete und Anzugpunkte, die jeweils andere Effekte freischalten. In Herausforderungsaufgaben dürfen wir zudem unser Können unter Beweis stellen, denn diese sind extrem schwer.

Das gute für Fans des ersten Teils: Doom Eternal bietet mehr vom gewohnten Gameplay. Die gewohnten Waffen, die gewohnten Glory-Kills und die gewohnten Gegnertypen - garniert mit dem gewohnten exzellenten Metal-Soundtrack von Mick Gordon. Anfängern würden wir zunächst den Vorgänger aus dem Jahr 2016 empfehlen. Der ist nicht ganz so vollgestopft und teilweise sogar etwas konsequenter, wenn es um schnelle Action geht.

Nachtrag vom 17. März 2020, 15:17 Uhr

Wir haben den Test um das Testvideo ergänzt.  (on)


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