Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/coronavirus-homeoffice-nutzung-von-gratis-teamviewer-wird-toleriert-2003-147260.html    Veröffentlicht: 16.03.2020 15:39    Kurz-URL: https://glm.io/147260

Coronavirus

Homeoffice-Nutzung von Gratis-Teamviewer wird toleriert

Einzelne Privatnutzer, die geschäftlich mit kostenlosem Teamviewer arbeiten, werden nicht mehr gesperrt. Die Kulanz hat aber Grenzen.

Immer mehr Unternehmen schicken ihre Mitarbeiter ins Homeoffice. Daher werden wohl auch die Lizenzregeln der Fernwartungssoftware Teamviewer etwas ausgeweitet. Das Unternehmen duldet derzeit inoffiziell die geschäftliche Nutzung des kostenlosen Programms, obwohl dies normalerweise nicht vorgesehen ist. Das hat allerdings starke Einschränkungen, wie das Unternehmen Golem.de mitteilt: So dürfen einzelne Privatnutzer mit der kostenlosen Version auf ihr Firmennetzwerk zugreifen, was Homeoffice erleichtern soll. "Wir wollen sicherstellen, dass jeder, der irgendwie Homeoffice machen muss - auch wenn es die Firma nicht im großen Stil angeordnet hat -, dies auch tun kann", sagt Teamviewer-PR-Sprecherin Martina Dier im Telefongespräch mit Golem.de.

Sobald dies merklich mehr Personen der gleichen Firma durchführen, greifen die Beschränkungen aber wieder. "Es geht hier wirklich ganz explizit um Einzelpersonen und Kleinstunternehmen", ergänzt Dier. Die Toleranzgrenze sei dabei fließend und nicht genau festgesetzt. Auch gibt es keine Pläne, dieses inoffizielle Verhalten öffentlich auf der Verkaufsplattform zu kommunizieren. Verständlich, will Teamviewer doch weiterhin auch Geld verdienen. Sie verweist dabei auf den erst kürzlich eingeführten Homeoffice-Tarif für 10 Euro monatlich.

Teamviewer nutzt Mustererkennung

Die Unterscheidung zwischen privater und geschäftlicher Nutzung wird von den Entwicklern auf Vertrauensbasis durchgeführt: Es wird den Nutzern vertraut, dass diese das Programm nicht geschäftlich verwenden. Die Entwickler nutzen zudem eine automatisierte Erkennung von Mustern. Verwenden Nutzer die Software etwa von 9:00 Uhr morgens bis 18:00 Uhr abends, dann ist klar: Hier liegt wahrscheinlich eine geschäftliche Nutzung vor. Genau an dieser Stelle setzt die inoffizielle Kulanzregel des Herstellers an.

Teamviewer wird normalerweise oft von Administratoren und Help Desks als Fernwartungssoftware genutzt. Sie eignet sich aber auch, etwa Remote-Verbindungen zu Arbeitsrechnern im Büro aufzubauen, so dass Anwender mit gewohnter Leistung von zu Hause aus arbeiten können. Das könnte bei Quarantänemaßnahmen wegen des Coronavirus hilfreich sein.

Es zeigt sich auch laut Aussagen des Herstellers, dass die Nutzung von Teamviewer stark nach oben gegangen ist. Dieses Verhalten hatte das Unternehmen zunächst in der chinesischen Wuhan-Region beobachtet, dem mutmaßlichen Ausgangspunkt des Coronavirus. Dort haben immer mehr Menschen Teamviewer für Homeoffice-Arbeiten genutzt.

Durch die höhere Toleranz gegenüber der kostenlosen Nutzung von Teamviewer verspricht sich das Unternehmen wohl auch weder höhere, noch niedrigere Einnahmen. "Damit erklären wir auch, dass wir unsere Gewinnprognose nicht angepasst haben", sagt Dier.

Teamviewer im Abo

Seit einiger Zeit wird Teamviewer auch im Abomodell angeboten. Für 10 Euro monatlich kann ein Nutzer auf drei Geräte zugreifen. Dies wäre wohl die kosteneffiziente Alternative für Personen, die die Software nutzen wollen. In diesem Angebot ist allerdings kein technischer Support des Herstellers enthalten.

Den gibt es beim Businessplan für 28 Euro monatlich, der einen Nutzer und eine Verbindung erlaubt. Für 58 Euro monatlich können mehrere Nutzer aktiv sein, allerdings darf nur eine Verbindung gleichzeitig aufgebaut werden. Drei Verbindungen gleichzeitig gibt es für 125 Euro im Monat.

 (on)


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