Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/coronakrise-hardware-industrie-auf-dem-weg-der-besserung-2003-147232.html    Veröffentlicht: 30.03.2020 09:03    Kurz-URL: https://glm.io/147232

Coronakrise

Hardware-Industrie auf dem Weg der Besserung

Fast alle Fabriken für Hardware laufen wieder - trotz verlängertem Chinese New Year. Bei Launches und Lieferengpässen sieht es anders aus.

Während in Europa und den USA die Covid-19-Pandemie ihren Höhepunkt noch nicht erreicht hat, vermeldete die chinesische Regierung die ersten Tage ohne Neuinfizierungen im Inland. Wir haben große Hardwarehersteller gefragt, welche Auswirkungen das Sars-CoV-2-Virus auf die Produktion hat und hatte.

Alle betonen dabei, dass die Gesundheit und Sicherheit der Mitarbeiter das Wichtigste ist. Die Unternehmen haben Reisebeschränkungen eingeführt und an Standorten weltweit vorbeugende Maßnahmen ergriffen. In Europa und den USA bedeutet das Homeoffice für viele Angestellten, bei der Fertigung gibt es häufig Schichtarbeit, um das Ansteckungsrisiko zu minimieren. In Deutschland sind Belegschaften oft dezentral organisiert, bei Lenovo etwa arbeitet die Hälfte der Angestellten von zu Hause aus.

Was die eigentliche Produktion anbelangt, verwiesen alle Unternehmen auf die komplexe Lage. Wo möglich, wurde bei den Lieferketten der Fokus auf Regionen gelegt, die weniger stark von Covid-19 betroffen waren als China. Einige der großen Hersteller wie Lenovo haben 30 Fertigungsstandorte weltweit, auch Dell und HP sind global aufgestellt. Mit Blick auf chinesische Provinzen wie Hubei und Städte wie Wuhan ist die Aussage dieselbe: Derzeit wird die Produktionsleistung langsam hochgefahren, auch die meisten Fabriken in den betroffenen Regionen sind bis auf Ausnahmen wieder aktiv.

Problematischer als Covid-19 selbst erweist sich dabei wie so oft das Neujahrsfest (Chinese New Year), das 2020 überdies deutlich verlängert wurde. Viele Mitarbeiter oder Wanderarbeiter müssen daher erst einmal zu den jeweiligen Standorten gelangen. Vor einigen Wochen lag die Auslastung mancher Fabriken nur bei etwa einem Drittel, mittlerweile sind einige Fabriken bereits bei 50 Prozent und bis Ende April 2020 wird eine Steigerung auf zwei Drittel erwartet.

Die produzierten Komponenten oder Geräte werden teilweise per Seeweg und anteilig per Luftfracht verschickt, was in der momentanen Situation zu unterschiedlichen Vor- und Nachteilen führt: Wer per Seeweg bestellt hatte, der konnte zwischenzeitlich günstiger transportieren lassen.

Mittlerweile muss aber mit Verzögerungen gerechnet werden und die nächsten Schiffsladungen sind teurer, weil sich Ware durch die wieder angelaufene Produktion in den Häfen staut. Wer per Luftfracht kauft, kann durch weggefallene Passagiermaschinen zwar zusätzliche Kapazitäten buchen, oft jedoch zu höheren Preisen.

Überdies steigen die Kosten für Hersteller, weil es bedingt durch die ebenfalls betroffene Zuliefererindustrie noch zu Engpässen kommt und daher Komponenten wie Arbeitsspeicher und Displays teurer werden.

Einige Produkte verschieben sich

Bei einigen Herstellern sorgt das am Ende dafür, dass der Verkauf von PCs und Notebooks eingeschränkt wird, weil die Lieferzeit steigt. Problematisch ist das vor allem für kleinere Unternehmen wie Schenker, die all ihre Geräte anpassbar statt in Festkonfigurationen anbieten.

Erschwerend kommt hinzu, dass Unternehmen am Anfang der Kette in den vergangenen Wochen und Monaten nicht im geplanten Maße produzieren konnten: Bei AMD führt das zu einer Verspätung der Ryzen-4000-Mobile-Chips (Renoir) für Notebooks, bei Intel sind es die 45-Watt-Versionen der 10th Core Generation (Comet Lake H) und bei Nvidia betrifft es die Geforce RTX Super Mobile sowie aktualisierte Modelle der Geforce GTX.

Die Liefersituation bei ohnehin schon schlecht verfügbaren Prozessoren wie Intels Atom-basierten Celeron/Pentium oder den sechskernigen 15-Watt-Modellen (Comet Lake U) für Ultrabooks wird überdies nicht besser. Intel selbst sagt, die Fabriken würden "relativ" normal arbeiten.

Eine wichtige Information in diesem Kontext: Beim weltweit größten Halbleiter-Auftragsfertiger der Welt, der unter anderem für Apple, AMD und Nvidia produzierenden TSMC, wurde ein Mitarbeiter positiv auf Sars-CoV-2 getestet. Taiwan gilt jedoch als vorbildlich bei der Eindämmung von Covid-19.

Wie stark sich das Coronavirus auf die Industrie schlussendlich finanziell auswirkt, bleibt vorerst noch offen. Einige Unternehmen wie Razer befinden sich in der Handelssperrzeit (Quiet Period) und wollten sich nicht äußern. Andere hingegen, wie Apple und Microsoft, haben öffentlich eine Umsatzwarnung herausgegeben, so wurde seitens Cupertino zeitweise eine Begrenzung der zu verkaufenden iPhones pro Kopf festgelegt und Länder in Europa sowie den USA bleiben bis auf weiteres geschlossen.

In Zeiten von Homeoffice brechen die Verkäufe von PCs und Notebooks offenbar weniger stark oder sogar kaum ein, die von Smartphones dafür umso mehr. Hier erwarten Analysten einen Rückgang der Verkäufe von einem Drittel im ersten Quartal 2020 verglichen mit dem Vorjahr. Aus Zuliefererkreisen ist zudem zu hören, dass beispielsweise Apple das iPhone 12 mit 5G verschieben will.  (ms)


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