Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/elektroautos-rund-360-einwendungen-gegen-teslas-gigafactory-2003-147136.html    Veröffentlicht: 09.03.2020 21:34    Kurz-URL: https://glm.io/147136

Elektroautos

Rund 360 Einwendungen gegen Teslas Gigafactory

Es geht um Wasser, Verkehr und Naturschutz: Nicht nur Bewohner aus der Umgebung haben etwas gegen die Pläne für Teslas Gigafactory in Grünheide .

Genau 361 Kritiker haben sich offiziell gegen die geplante Elektroautofabrik des US-Herstellers Tesla in Brandenburg gewendet. Dabei gehe es vor allem um die Themen Wasser, Wald, Verkehr und Naturschutz, sagte eine Sprecherin des Umweltministeriums Brandenburg am Montag der Nachrichtenagentur dpa in Potsdam. Vom 6. Januar bis 5. Februar 2020 lagen der Genehmigungsantrag für die Fabrik und die dazugehörigen Unterlagen an vier öffentlichen Stellen aus. Auch im Internet wurden die Unterlagen veröffentlicht. Einwendungen waren bis zum 5. März möglich. Tesla will vom kommenden Jahr an in Grünheide bei Berlin bis zu 500.000 Elektrofahrzeuge im Jahr bauen.

Die Einwendungen von Bürgern oder Verbänden sollen am 18. März öffentlich erörtert werden. Danach werden sie laut Ministerium noch einmal von der zuständigen Genehmigungsbehörde geprüft. Zu fast zwei Dritteln kamen den Angaben zufolge die Einwendungen aus Grünheide und Umgebung, zu knapp einem Drittel aus dem übrigen Brandenburg und Berlin. Nur wenige stammten demnach aus anderen Bundesländern oder dem Ausland.

Wann der erste Spatenstich erfolgt, ist offen. Die endgültigen Genehmigungen sollen im Sommer vorliegen. Tesla kann auf eigenes Risiko aber früher mit dem Bau beginnen. Ein Waldstück ist schon gerodet. Eilanträge von zwei Verbänden gegen die Rodungen waren vor Gericht gescheitert.

Sorge um Grundwasserspiegel

In den vergangenen Wochen hat es mehrfach Proteste und Demonstrationen gegen den geplanten Bau der Fabrik gegeben. Viele Bewohner fürchten, dass Tesla für die Wasserversorgung eigene Brunnen bohren könnte und dadurch der Grundwasserspiegel weiter sinkt. Auch der zuständige Wasserverband Strausberg-Erkner (WSE) hatte Mitte Januar erklärt (PDF): "Gegenwärtig kann weder die Trinkwasserversorgung noch die Schmutzwasserentsorgung in dem von Tesla gewünschten Zeitrahmen gewährleistet werden."

Diese Bedenken will die Landesregierung aber inzwischen ausgeräumt haben. Zudem kündigte Tesla an, den Wasserverbrauch auf 238 Kubikmeter pro Stunde zu senken. Das soll beispielsweise durch Wiederverwertung von Abwasser und durch andere Kühlsysteme geschehen. In der Umweltverträglichkeitsprüfung (PDF, S. 29) ging Tesla noch von einem Wasserbedarf in Höhe von 372 Kubikmetern pro Stunde aus.

Dem inzwischen gerodeten Kiefernwald wurde allerdings auch in der Bevölkerung nur eine geringe ökologische Bedeutung beigemessen. Die etwa 60 Jahre alte Monokultur galt als "erntereif". Zudem hat sich Tesla verpflichtet, die dreifache Fläche mit ökologisch wertvollerem Mischwald aufzuforsten. Grundsätzlich begrüßt sogar Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) die Ansiedlung des Tesla-Werks in Grünheide, "weil auf jeden Fall Elektroautos klimafreundlicher sind als Autos mit Verbrennungsmotor". Dennoch müssten alle Naturschutzauflagen erfüllt werden.

Darüber hinaus befürchten Anwohner, dass der Verkehr durch Lkw und Mitarbeiterfahrzeuge in der Gegend stark zunehmen könnte. Das Fabrikgelände liegt direkt an der Autobahn 10 und unweit des Bahnhofs Fangschleuse. Zudem durchquert eine Stichstrecke der Bahn das Gelände.

Im November 2019 hatte Tesla-Chef Elon Musk bekanntgegeben, dass er seine Gigafactory Berlin in Grünheide in Brandenburg bauen will. Die ersten Kontakte zwischen der Brandenburger Landesregierung und dem US-Elektroautobauer Tesla zu einer möglichen Fabrik gab es schon im Juli 2018, wie am Montag bekanntwurde.  (fg)


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