Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/deutsche-post-guenther-schuh-kritisiert-produktionsende-des-streetscooters-2003-146972.html    Veröffentlicht: 02.03.2020 16:50    Kurz-URL: https://glm.io/146972

Deutsche Post

Günther Schuh kritisiert Produktionsende des Streetscooters

Günther Schuh, einer der Erfinder des Streetscooters, kritisiert, dass die Post das Elektroauto nicht mehr bauen will. Neben Managementfehlern sei eine gewisse Mutlosigkeit, die seiner Meinung nach in Deutschland herrsche, der Grund.

Verschleppung, falsche Personalpolitik, keine ausreichende Finanzierung: Günther Schuh kritisiert in einem Gastkommentar in der Wirtschaftszeitung Handelsblatt, dass die Deutsche Post den Elektrolieferwagen Streetscooter nicht mehr baut. Schuh ist einer der Erfinder des Streetscooters sowie Gründer und Chef des Elektroautoherstellers e.Go Mobile.

Schuh warf der Post große Fehler vor. Streetscooter habe Autos an die Deutsche Post AG verkaufen wollen, doch die habe gleich eine Beteiligung und dann sogar das Unternehmen ganz übernehmen wollen - mit der Begründung, schnell zu sein. Doch dann habe der Konzern das Ganze verschleppt.

Schuh spricht von einer "Inkarnation der Langsamkeit". So sei "das Management rausgeschmissen, Amateure eingesetzt, die Bestellungen der eigenen Post-Fleet minimiert, jegliche Verbesserung verboten" worden. Am Ende habe die Post nur noch einen Vorwand für die Einstellung gesucht. Die Schließung wurde zusammen mit einer korrigierten Ergebnisprognose für das aktuelle Geschäftsjahr bekanntgegeben. Das Ergebnis werde wegen des Coronavirus schlechter ausfallen.

Für Schuh ist das nur Ausdruck einer Geisteshaltung, die im ganzen Land vorherrsche: "Warum schaffen wir das Unmögliche nicht mehr wie früher? Was ist aus Erfinder-Deutschland geworden? Wir sind immer noch vorne dabei bei Patenten und Tausenden inkrementellen Innovationen, gerade aus dem Mittelstand. Aber warum überlassen wir die großen Disruptionen anderen?"

An Unvermögen liegt es nicht. Deutsches Know-how stecke in ganz viel Hochtechnologie-Systemen. Den Grund sieht Schuh anderswo: "Wir schaffen das Unmögliche nicht, weil wir es gar nicht erst versuchen. Das Silicon Valley ist uns deshalb so haushoch überlegen, weil dort ein ganzes Ökosystem tagtäglich nach dem Unmöglichen sucht, das Kunden begeistern und die Welt verbessern könnte. Wir suchen eher nach kleinen, machbaren Ideen", lautet sein ernüchterndes Fazit.

Zudem kritisiert er eine zu hohe wirtschaftliche Erwartung: "Investitionen so klein wie möglich, Ertrag muss sicher sein und der Break-even morgen."  (wp)


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