Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/larian-studios-baldur-s-gate-3-rollenspielt-mit-wuerfeln-und-sekunden-2002-146882.html    Veröffentlicht: 27.02.2020 22:00    Kurz-URL: https://glm.io/146882

Larian Studios

Baldur's Gate 3 rollenspielt mit Würfeln und Sekunden

Die Klassiker bekommen endlich eine Fortsetzung: Golem.de konnte sich bei den Entwicklern die Welt und Neuerungen von Baldur's Gate 3 anschauen. Neben dem spektakulären Intro zeigen wir im Video auch, wie schön Fantasywelt und Kampfsystem in der Engine aussehen.

Eigentlich müsste Astarion ein Problem haben. Als Vampir dürfte er auch in der Welt von Dungeons & Dragons in Sonnenlicht eigentlich nicht überleben - tut er aber. Und das hat in Baldur's Gate 3 einen Grund: Ein mysteriöses Wesen hat Astarion einen Wurm implantiert. Eigentlich müsste der weißhaarige Blutsauger darauf seinen eigenen Willen verlieren.

Stattdessen steht Astarion (unser Intro-Trailer zeigt die Vorgänge) aber ebenso unvermittelt wie unverletzt nahe dem Örtchen Moonhaven im Sonnelicht. Moonhaven befindet sich rund 200 Meilen östlich der Fantasymetropole Baldur's Gate - und das Abenteuer nimmt seinen Lauf.

Golem.de konnte sich den dritten Serienteil bei einer Veranstaltung des belgischen Entwicklerstudios Larian ansehen. Dessen Macher haben die beiden vorzüglichen, stark von Baldur's Gate inspirierten Rollenspiele Divinity: Original Sin produziert. Jetzt arbeiten sie im Auftrag von Wizards of the Coast anstelle von Bioware auf Basis des aktuellen D&D-Regelwerks an Baldur's Gate 3.

Dessen Handlung nimmt zwar ein paar Fäden des rund 20 Jahre alten zweiten Serienteils auf, bietet aber eine neue Handlung - Einsteiger sollten also keine Probleme haben, sagt uns Larian-Chef Swen Vincke.

Übrigens: Fast hätten wir auf der Veranstaltung selbst spielen können. Weil die Entwickler aber fanden, dass die aktuelle Version noch ein paar zu viele Fehler enthalte, hat Vincke einfach die ersten drei Stunden selbst gespielt und das Geschehen wie in einem Live-Let's-Play kommentiert.

Das hat er mit viel Begeisterung gemacht: Wenn es nicht Probleme mit einem Savegame gegeben hätte, würde der Chefentwickler vermutlich jetzt noch auf dem Podium stehen und seinen Vampir Astarion durch die Kampagne scheuchen - die übrigens, natürlich stark abhängig von der Spielweise, über 100 Stunden lang sein soll.

Ganz grundsätzlich: Baldur's Gate 3 erscheint auf Basis der von Larian selbst programmierten Divinity-4.0-Engine für Windows-PC und Google Stadia. Ähnlich wie in den Vorgängern treten Spieler in der Vogelperspektive an, allerdings kann die Kamera nun weitgehend frei bewegt werden. Wer mag, kippt die Ansicht und folgt dem jeweils aktiven Helden fast wie in einem Actionspiel aus der Schulterperspektive.

Rundenbasierte Kämpfe statt Leertaste

Beim Spielen hat Swen Vincke die meiste Zeit die Von-Oben-Kamera verwendet und ist mit Astarion so ähnlich wie in den früheren Serienteilen durch die Welt marschiert. Die hat übrigens einen ausnehmend hübschen Eindruck gemacht: Es gibt schön zerklüftete Felstäler, lauschige Wälder, saftige Wiesen und natürlich auch Höhlen und Grabanlagen voller Fallen.

Eine wichtige Änderung gibt es beim Kampfsystem: Statt auf die mittels Leertaste pausierbaren Auseinandersetzungen der Vorgänger setzt Teil 3 konsequent auf rundenbasierte Gefechte. Sobald wir alle Züge mit unseren maximal vier Gruppenmitgliedern durchgeführt haben, reagiert der Gegner mit allen seinen Soldaten, Goblins oder was auch immer.

Einer der Entwickler von Larian hat uns auf Nachfrage gesagt, dass einer der Gründe für die Umstellung schlicht der sei, dass Dungeons & Dragons traditionell rundenbasierte Kämpfe biete.

Ganz obsolet wird die Leertaste aber nicht. Sie ist künftig nötig, um eine neue Sechs-Sekunden-Spezialphase in Baldur's Gate 3 zu pausieren. So lange hat der Spieler nämlich Zeit, um etwa einen Schleichvorgang durchzuführen. Auch hier reagiert die Welt, denn anschließend hat sie ebenfalls sechs Sekunden, uns zu entdecken.

Klingt kompliziert - aber beim Zuschauen hatten wir den Eindruck, dass das System weitgehend intuitiv funktioniert. Schleichphase starten, pausieren, umschauen, weiterschleichen und dann abwarten und bangen, ob Vampir Astarion auffliegt oder weiter das feindliche Lager infiltrieren kann. Das Mitzählen der Sekunden scheint nicht nötig zu sein.

Bei den frühen Baldur's Gate wurden Ergebnisse von Angriffen ebenso wie Antworten in Dialogen im Hintergrund ausgewürfelt, sichtbar war das kaum. Beim dritten Teil ist das anders: Hier werden die polyedrischen Knobel immer wieder deutlich gezeigt und das Ergebnis dann fast wie an einem Glückspielautomaten eingeblendet - zum Glück ist das recht stillvoll und passend zum Szenario gemacht.

Soweit wir gesehen haben, sind die Multiple-Choice-Dialoge komplexer als in den ersten beiden Serienteilen. Ähnlich wie in Pillars of Eternity gibt es viel mehr Antworten, die wir nur mit ausreichend hohen Charakterwerten auswählen können - und dann benötigen wir noch ein Quäntchen Würfelglück.

Mehrere Multiplayermodi

Jede Figur hat die typischen Dungeons-and-Dragons-Werte Stärke, Geschicklichkeit, Gesundheit, Intelligenz, Weisheit und Charisma. Den Hauptcharakter erstellt der Spieler vor dem Start der Kampagne. Dabei hat er die Qual der Wahl zwischen acht Klassen wie Barbar oder Magier und mehr als 15 Völkern aus der Welt von Dungeons & Dragons.

Im Spielverlauf trifft man immer wieder Charaktere, die sich dem Haupthelden anschließen können. Die erste Begleitung von Astarion ist eine junge Priesterin namens Shadowheart, die ebenfalls einen Wurm implantiert bekommen hat - weswegen die beiden per Telepathie plaudern können.

Das hat offenbar weitreichende Konsequenzen - etwa, wenn Vampir Astarion sich voller Blutdurst heimlich an die Kehle von der schlafenden Shadowheart hängen möchte. Was dann passiert, verraten wir hier besser nicht. Jedenfalls sollen die Gruppenmitglieder auch in Baldur's Gate 3 wieder vielschichtige Beziehungen aufbauen können, auch romantische Abenteuer sind möglich.

Eine größere Neuerung ist allerdings, dass Gespräche in vielen Fällen nicht als Text durchlaufen, sondern als relativ aufwendige Zwischensequenz mit Sprachausgabe. Überhaupt soll Baldur's Gate 3 hier sehr viel bieten: Immer wieder sind schick gemachte, per Motion Capture erstellte Szenen zu sehen.

Es gibt noch eine Reihe kleinerer Änderungen gegenüber den ersten Serienteilen. Eine davon ist ein Spezialsprung, der offenbar allen Figuren dabei hilft, schnell mal einen Abgrund zu überwinden, und der die Navigation erleichtern dürfte.

Interessant wirkt das Physiksystem, von dem wir aber erst wenig gesehen haben. Zum einen können wir Kisten auf relativ glaubwürdige Art stapeln, um an bestimmte Stellen zu gelangen. Zum anderen können wir mit Feuerpfeilen größere Gebiete in Brand stecken oder Wasser in Dunst verwandeln sowie mit Elektrozaubern ganze Seen unter Strom setzen, was bestimmte Feinde sehr schnell erledigt.

Im Onlinemodus sollen bis zu vier Spieler gemeinsam antreten und dabei jeweils ein Mitglied der Heldengruppe steuern können. Zusätzlich ist ein lokaler Zwei-Spieler-Koop-Modus (Sofa) geplant. Die Entwickler wollen Baldur's Gate 3 noch 2020 im Early Access veröffentlichen, weitere Informationen darüber haben wir nicht.

 (ps)


Verwandte Artikel:
Test Pillars of Eternity: Neue Welt mit klassischem Vorbild   
(08.04.2015, https://glm.io/113370 )
Test Divinity Original Sin: Schwergewicht mit Charme und Scherzen   
(12.07.2014, https://glm.io/107837 )
IMHO: Stadia will erstmal nur spielen   
(21.11.2019, https://glm.io/145134 )
Spielestreaming: Baldur's Gate 3 und Destiny 2 kommen auf Googles Stadia   
(06.06.2019, https://glm.io/141752 )
Dungeons & Dragons: Dark Alliance schickt Dunkelelf Drizzt nach Icewind Dale   
(13.12.2019, https://glm.io/145537 )

© 1997–2020 Golem.de, https://www.golem.de/