Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/ep-tender-akkuanhaenger-macht-elektraoutos-langstreckentauglich-2002-146785.html    Veröffentlicht: 21.02.2020 14:35    Kurz-URL: https://glm.io/146785

EP Tender

Akkuanhänger macht Elektroautos langstreckentauglich

Ein Anhänger gegen die Reichweitenangst: Das französische Unternehmen EP Tender will einen Anhänger mit Akkus entwickelt, mit dem Elektroautos mit einem kleinen Akku lange Strecken fahren sollen. Das Unternehmen will die Anhänger vermieten.

Wer früher batteriebetriebene Geräte wie etwa den tragbaren Kassettenspieler einpackte, nahm gern einen Satz Ersatzbatterien mit. Bei einem Elektroauto wäre das auch praktisch. Um ihn in die Tasche zu packen, ist der Ersatzakku etwas groß. Aber hinterherziehen geht: Das französische Unternehmen EP Tender hat einen Akkuhänger für Elektroautos entwickelt.

In dem Anhänger ist ein Akku mit einer Kapazität von 60 Kilowattstunden verbaut. Gedacht ist er für den Renault Zoe, dessen eigener Akku eine Kapazität von 52 Kilowattstunden hat. Damit kommt das Auto etwa 390 Kilometer weit. Mit dem Anhänger würde sich die Reichweite also mehr als verdoppeln - er fungiert wie der Tender einer Dampflokomotive.

Ganz neu ist die Idee nicht: 2011 stellte der Schweizer Autoveredler Rinspeed einen Zusatzakku für den Elektro-Smart vor. Dock & Go war als rollendes Akkupack gedacht, das hinten an das Auto angeklinkt werden sollte. Das US-Unternehmen Electro Motors and Vehicles hatte ein Jahr zuvor einen Anhänger mit einem Verbrennermotor als Range Extender gebaut.

Mit einem Verbrenner im Anhänger hat auch EP Tender vor einigen Jahren angefangen. Rund 20 Stück hat das Unternehmen auch gebaut und an Kunden ausgeliefert, die einen Renault Zoe oder einen elektrischen Renault Kangoo fahren. Inzwischen sind die Preise für die Akkus jedoch so weit gefallen, dass EP Tender sich auf Akkuanhänger konzentriert.

"Wir lösen das Problem, Elektroautos, die erschwinglich sind, auf langen Strecken bequem zu machen", sagte EP-Tender-Chef Jean-Baptiste Segard der US-Automobilzeitschrift Automotive News. Das Unternehmen will die Anhänger jedoch nicht verkaufen, sondern vermieten: Wenn der Elektroautomobilist eine längere Fahrt antritt, bucht er per App einen Anhänger, holt ihn an einem Stellplatz ab, hängt ihn an sein Auto und fährt los.

Am Ziel stellt er ihn wieder an einem Stellplatz ab, wo er geladen wird. Wird der Anhänger nicht benötigt, kann er als Netzspeicher verwendet werden. Als Mietpreis strebt EP Tender knapp 35 Euro an. Das Problem ist, dass derzeit bei meisten Elektroautos ein Anhänger nicht vorgesehen ist. EP Tender verhandelt aber nach eigenen Angaben mit Renault und der Groupe Peugeot Société Anonyme (PSA), zu dem unter anderem die Marken Citroën und Peugeot gehören, darüber, ihre Elektroautos mit einer Anhängerkupplung und einem Stecker auszustatten. 2022 soll die nötige Zulassung erteilt sein.

 (wp)


Verwandte Artikel:
Akkutechnik: In Zukunft kommen Akkus mit weniger seltenen Rohstoffen aus   
(18.02.2020, https://glm.io/146190 )
Elektroauto: Elektrobus stellt neuen Reichweitenrekord auf   
(20.09.2017, https://glm.io/130154 )
Schwedische Metastudie: Klimabilanz von Elektroautos deutlich verbessert   
(04.12.2019, https://glm.io/145360 )
Peugeot 3008: Peugeot testet autonome Autos in Singapur   
(03.05.2017, https://glm.io/127614 )
Grünheide: Tesla darf Wald weiter roden   
(20.02.2020, https://glm.io/146768 )

© 1997–2020 Golem.de, https://www.golem.de/