Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/carbon-1-mk-ii-im-hands-on-das-federleichte-kohlenstofffaser-smartphone-aus-berlin-2002-146757.html    Veröffentlicht: 26.02.2020 11:00    Kurz-URL: https://glm.io/146757

Carbon 1 Mk II im Hands-on

Das federleichte Kohlenstofffaser-Smartphone aus Berlin

Das Carbon 1 Mk II ist ein Smartphone aus echter Kohlenstofffaser und entsprechend leicht sowie robust. Der Hersteller Carbon Mobile aus Berlin will das Gerät behutsam auf den Markt bringen und langfristig in Deutschland produzieren. Der erste Eindruck ist gut, sowohl vom Smartphone als auch vom Geschäftskonzept.

Das Berliner Unternehmen Carbon Mobile hat mit dem Carbon 1 Mk II sein erstes kommerziell erhältliches Smartphone vorgestellt. Der Mk-II-Version ging eine Studie voraus, die allerdings nie zur Marktreife entwickelt wurde. Das Carbon 1 Mk II hat ein Gehäuse aus echter Kohlenstofffaser, was bei einem Smartphone sehr ungewöhnlich ist. Golem.de konnte sich das ungewöhnliche Gerät vor dem Marktstart bereits anschauen - und ist sowohl von der Konstruktion als auch vom Geschäftsansatz positiv überrascht.

Aufgrund der Materialwahl wiegt das Smartphone mit seinem 6 Zoll großen AMOLED-Display nur 125 Gramm. Zudem ist es mit nur 6,3 mm sehr dünn. Besonders im direkten Vergleich zu größeren Smartphones mit Mehrfachkamerasystemen ist das Carbon 1 Mk II geradezu federleicht. Das geringe Gewicht bedeutet dem Hersteller zufolge aber nicht, dass das Gerät besonders empfindlich sei - im Gegenteil: Kohlenstofffaserverbundstoffe sind sehr widerstandsfähig und stabil, weshalb sie unter anderem auch in der Automobilbranche verwendet werden.

Das Gehäuse besteht aus einem Teil und wird entsprechend in einem Stück aus Kohlenstofffaser gebacken. Die Komponenten werden von vorne eingesetzt, das Display schließt das Smartphone ab. Entsprechend muss bei einem technischen Defekt auch immer der Bildschirm entfernt werden, dafür ist das Gehäuse stabiler, als wenn es aus mehreren Einzelteilen zusammengesetzt würde. Carbon Mobile will beim Carbon 1 Mk II dennoch eine einfache Reparierbarkeit umsetzen und strebt einen iFixit-Score mit 9 von 10 Punkten an.

Empfang trotz Kohlenstofffaser

Kohlenstofffasern schirmen elektromagnetische Strahlen ab, weshalb ein herkömmlicher Antenneneinbau für Carbon Mobile nicht in Frage kam. Die Konnektivität wird durch eingewobene Fasern sichergestellt, die als Antennen fungieren. Das Carbon 1 Mk II unterstützt LTE, WLAN, Bluetooth und GPS wie andere Smartphones auch.

Das AMOLED-Display ist 6 Zoll groß - verglichen mit anderen aktuellen Top-Smartphones ist das Gerät also eher kompakt. Die Auflösung liegt bei 2.160 x 1.080 Pixeln, die Schärfe ist gut. Auf der Rückseite ist ein Dualkamerasystem mit 16-Megapixel-Sensoren eingebaut, zu dem es noch keine weiteren technischen Informationen gibt. Bei den uns gezeigten Geräten handelte es sich um Prototypen, deren Kameras noch nicht korrekt funktionierten - entsprechend konnten wir uns keinen Eindruck von deren Qualität verschaffen.

Als SoC verwendet Carbon Mobile Mediateks Helio P90, einen Chipsatz aus dem Mittelklassebereich. Der Arbeitsspeicher ist 8 GByte groß, der eingebaute Flash-Speicher hat eine Größe von 128 GByte; ein Steckplatz für Micro-SD-Karten ist vorhanden. Carbon Mobile spricht angesichts der verbauten Hardware von "High End", treffender ist jedoch eine Einordnung in die obere Mittelklasse. Für alltägliche Anforderungen sowie auch die meisten Spiele dürfte das Carbon 1 Mk II allerdings gut geeignet sein.

Arbeit an der Hardware ist abgeschlossen

Die Arbeit an der Hardware des Carbon 1 Mk II ist dem Hersteller zufolge weitgehend abgeschlossen, die Software muss allerdings noch angepasst werden - wie wir anhand der Prototypen gemerkt haben. Dies betrifft vor allem die Kameras. Das Android-System selbst soll nah an Stock Android sein, ausgeliefert werden soll das Smartphone mit Android 10. Der Akku hat eine Nennladung von 3.050 mAh.

Insgesamt macht das Carbon 1 Mk II auf uns einen guten ersten Eindruck, auch wenn wir nur einen Prototyp gesehen haben. Das Kohlenstofffasergehäuse wirkt gut verarbeitet und stabil, zudem gefällt uns die Textur. Das Smartphone ist tatsächlich sehr leicht und liegt gut in der Hand. Der Hersteller hat als kleine Spielerei in den Schriftzug auf der Rückseite weiße LEDs eingebaut, die bei Ankunft einer Benachrichtigung aufleuchten können.

Interessant ist auch das Geschäftskonzept von Carbon Mobile: Das Startup ist sich bewusst, dass es auf dem aktuellen, stark gesättigten Smartphone-Markt als kleiner Hersteller kaum eine Chance habe, wohl aber als Nischenanbieter. Das Carbon 1 Mk II soll Technik-Nerds und Liebhaber von Produkten aus Kohlenstofffasern ansprechen; Carbon Mobile sieht einen Markt von ungefähr zehn Prozent der Android-Nutzer in Westeuropa.

Verkauf soll sich auf Europa beschränken

Im Jahr 2020 will Carbon Mobile einige Zehntausend Smartphones verkaufen. Den Markt beschränkt das Unternehmen auf Europa: Der Marktstart soll in Deutschland, Österreich und der Schweiz erfolgen, danach soll Nordeuropa erschlossen werden. Aktuell sei man bereits in Gesprächen mit Netzanbietern, wie der Hersteller uns erklärt. Asien, Nordamerika und andere Regionen seien als Absatzgebiete nicht eingeplant, was logistische Gründe haben dürfte: Eine Abdeckung Europas ist für ein Unternehmen dieser Größe realistischer und leichter zu handhaben. Neben klassischem Funding durch private Investoren wird Carbon Mobile auch durch Berlin Partner unterstützt, der Wirtschaftsförderung des Landes Berlin.

Langfristig will Carbon Mobile das Smartphone zudem in Deutschland zusammenbauen; Teile wie das SoC würden weiterhin aus Asien kommen. Das Konzept erinnert an das, was Gigaset bei seinen Smartphones betreibt. Carbon Mobile hat eigenen Angaben zufolge bereits einen Produktionspartner in Flensburg gefunden, wann der Zusammenbau dort erfolgen wird, ist aktuell aber noch nicht klar. Bis 2022 will Carbon Mobile zudem einige Fairtrade-Kriterien erfüllen und orientiert sich dabei an dem niederländischen Hersteller Fairphone und dessen Smartphones.

Das Carbon 1 Mk II kann in limitierter Stückzahl vorbestellt werden. Das Smartphone kostet 800 Euro. Die Auslieferung soll im späten Frühling oder frühen Sommer 2020 erfolgen.  (tk)


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