Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/apple-store-apple-muss-angestellten-zeit-fuer-taschenkontrolle-bezahlen-2002-146662.html    Veröffentlicht: 16.02.2020 11:37    Kurz-URL: https://glm.io/146662

Apple Store

Apple muss Angestellten Zeit für Taschenkontrolle bezahlen

Juristische Niederlage für Apple: Mitarbeiter im Apple Store müssen die Zeit bezahlt bekommen, in der ihre Taschen kontrolliert werden. Das Urteil gilt rückwirkend.

Der Oberste Gerichtshof von Kalifornien hat Apple Einhalt geboten: Jahrelang hat das Unternehmen in den USA die Taschen der Angestellten außerhalb der Arbeitszeit kontrolliert. Nun haben Richter diese Praxis in einem Urteil für unzulässig erklärt. Die Angestellten müssten dafür entschädigt werden, dass Apple ihre Taschen kontrolliert, wenn sie die Arbeitsstelle verlassen. Das bedeutet, die Mitarbeiter müssen für die Zeit entlohnt werden.

Wer in einem Apple Store angestellt ist, muss sich in den USA einer Taschenkontrolle unterziehen. Dabei werden die Rucksäcke oder andere Taschen der Mitarbeiter daraufhin untersucht, ob sie Gegenstände aus dem Geschäft entwenden wollen. Auch der Inhalt der Hosentaschen wird untersucht. Die Taschenuntersuchungen wurden von dem kalifornischen Gericht als Diebstahlabschreckung zwar gebilligt, allerdings düfen sie nicht wie bisher außerhalb der Arbeitszeit erfolgen.

Nach den Schilderungen von Angestellten kam es vor, dass Mitarbeiter fast 45 Minuten auf eine Taschenkontrolle warten müssen, wenn gerade besonders viel los ist. Aber auch im günstigsten Fall dauert eine Taschenkontrolle fünf Minuten. Innerhalb eines Jahres kommen selbst bei einer täglichen Fünf-Minuten-Wartezeit bei einer Sechs-Tage-Woche bereits mehr als drei volle Arbeitstage zusammen, die Apple bislang nicht bezahlt hat. Bevor die Taschen nicht kontrolliert wurden, dürfen die Angestellten ihren Arbeitsplatz nicht verlassen.

Apples Argument

Apple hatte vor Gericht argumentiert, dass die Angestellten Taschen oder ihre privaten Apple-Geräte zu Hause lassen könnten. Dann müsste auch nicht kontrolliert werden. Dabei legt Apple eigentlich großen Wert darauf, dass die Mitarbeiter die eigenen Produkte besitzen und verwenden. Das zeigen Berichte aus dem Innenleben der Apple Stores.

Das Gericht bezeichnete denn das Argument von Apple auch als ironisch und widersprüchlich. Denn Apple selbst sehe das iPhone als "'integralen' Bestandteil des Lebens aller anderen" und betrachte das iPhone ausgerechnet für die eigenen Mitarbeiter als "unnötig", heißt es im Urteil. Für das Gericht sei eindeutig, dass die Taschenkontrollen nur durchgeführt werden, weil es darum geht, Diebstahl zu verhindern. Die Auslasskontrollen sind nach Auffassung des Gerichts eindeutig Bestandteil der Diebstahlregeln.

Das Urteil gilt auch rückwirkend und kam zustande, weil sich eine Gruppe von Apple-Store-Mitarbeitern zu einer Sammelklage zusammengeschlossen hatte. Das Gerichtsurteil betrifft alle in Kalifornien tätigen Apple-Store-Mitarbeiter seit 2009. Am Ende könnte sich eine Millionen-Dollar-Zahlung für Apple ergeben. Der Oberste Gerichtshof in Kalifornien hat den Fall an das zuständige Berufungsgericht zurückverwiesen, damit dieses weiter entscheidet.

 (ip)


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