Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/coronavirus-spanische-regierung-kritisiert-absage-des-mwc-2020-2002-146623.html    Veröffentlicht: 13.02.2020 15:39    Kurz-URL: https://glm.io/146623

Coronavirus

Spanische Regierung kritisiert Absage des MWC 2020

Der MWC 2020 ist offiziell abgesagt, hinter den Kulissen sind sich der Veranstalter GSMA und Regierungsvertreter aber alles andere als einig. Die spanische Regierung vermutet "andere Motive" als die Gesundheit der Besucher, ohne konkret zu werden.

Die Absage der weltweit wichtigsten Mobilfunkmesse MWC (Mobile World Congress) in Barcelona wegen der Coronavirus-Gefahr hat in Spanien für Verwunderung und Ärger gesorgt. Die Handels-, Industrie- und Tourismusministerin Reyes Maroto sagte am 13. Februar 2020 in Madrid, die Firmen des Branche müssten erklären, weshalb sie den Mobile World Congress abgesagt, nicht aber ihre Teilnahme an ähnlichen Events gestrichen hätten.

Die Messe ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für Barcelona - der Effekt für das Gastgewerbe und andere Branchen wird auf nahezu eine halbe Milliarde Euro geschätzt. Am Tag nach der Absage gab es viele Klagen und Kritik von Hotel- und Restaurantbetreibern, von Taxifahrern und Ladenbesitzern. "Eine kalte Dusche", titelte die katalanische Zeitung El Periódico, La Razón sprach von "einem wahren Erdbeben". 110.000 Besucher bleiben weg, von der Absage sind nach Schätzungen 14.000 Jobs betroffen.

Die Mobilfunkanbieter-Vereinigung (GSMA), die die Messe veranstaltet, habe sich "die Entscheidung nicht leicht gemacht", beteuerte unterdessen ihr Chef John Hoffman. "Wir sprechen hier von sehr wichtigen Leuten der Businesswelt", sagte er am 13. Februar 2020 auf einer Pressekonferenz in Barcelona. Man habe eine Verlegung des MWC auf einen späteren Zeitpunkt zwar in Erwägung gezogen. Es sei aber unmöglich vorherzusagen, wann sich die Situation um das Coronavirus ändern werde. In den vergangenen Tagen hatten viele große Aussteller ihre Teilnahme am dem für 24. bis 27. Februar 2020 angesetzten Branchentreffen abgesagt.

Spanische Regierung vermutet "andere Motive" als die Gesundheit der Besucher

Auf die Millionenverluste angesprochen, sagte GSMA-Generaldirektor Mats Granryd in Barcelona: "Es geht nicht um Geld. Es geht um die Sicherheit und um die Gesundheit der Menschen." Obwohl man die GSMA-Entscheidung "respektiert", lässt man dieses Argument aber weder in Barcelona noch in Madrid gelten. Die Vizechefin der sozialistischen Zentralregierung, Carmen Calvo, erklärte, der MWC sei "nicht aus gesundheitlichen Gründen" abgesagt worden. "Es gibt andere Motive", meinte sie, ohne diese aber zu nennen.

Barcelonas Bürgermeisterin Ada Colau betonte auf der gemeinsamen Pressekonferenz mit den GSMA-Vertretern: "Wir waren darauf vorbereitet, die beste Messe aller Zeiten zu organisieren." Der Präsident des Hotelierverbandes von Barcelona, Jordi Mestre, hatte bereits kurz vor der Absage durch die GSMA den Unternehmen der Branche "unbegründete Panikmache" vorgeworfen. Einer der angesehensten Epidemiologie-Experten Spaniens, Antoni Trilla, sagte: "Die Angst hat irgendwie die Wissenschaft besiegt."

 (tk)


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