Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/galaxy-z-flip-im-hands-on-endlich-klappt-es-bei-samsung-2002-146577.html    Veröffentlicht: 12.02.2020 12:03    Kurz-URL: https://glm.io/146577

Galaxy Z Flip im Hands-on

Endlich klappt es bei Samsung

Beim zweiten Versuch hat Samsung aus seinen Fehlern gelernt: Das Smartphone Galaxy Z Flip mit faltbarem Display ist alltagstauglicher und stabiler als der Vorgänger. Motorolas Razr kann da nicht mithalten.

Bisher hat Samsung keine allzu guten Erfahrungen mit faltbaren Displays gemacht: Das erste Modell, das Galaxy Fold, musste kurz vor dem Start zurückgezogen werden und konnte erst nach gründlichen Verbesserungen veröffentlicht werden. Beim Galaxy Z Flip scheint Samsung aus den Fehlern gelernt zu haben: Das Smartphone wirkt stabiler, zudem ist die neue Form wesentlich praktischer.

Dank des Folder-Formats ist das Galaxy Z Flip aufgeklappt so groß wie ein herkömmliches Smartphone, zusammengeklappt aber wesentlich kleiner und passt besser in die Hosentasche. Golem.de konnte sich den Falter bereits etwas genauer anschauen - und findet das Galaxy Z Flip besonders im Vergleich mit Motorolas Razr sehr vielversprechend.

Das Galaxy Z Flip lässt sich wie ein klassisches Handy aufklappen. Im unteren Bereich ist allerdings keine Tastatur eingebaut, stattdessen hat das Smartphone ein faltbares Display. Anders als der Vorgänger wird es horizontal gefaltet. Die Gelenkkonstruktion ähnelt der des Galax Fold, Samsung hat eigenen Angaben zufolge aber einige Verbesserungen vorgenommen.

Verschiedene Aufstellungswinkel möglich

So lässt sich das Galaxy Z Flip nicht nur komplett auf- und zuklappen, sondern auch in Zwischenpositionen nutzen. Das Scharnier ist zwar leichtgängig, bietet aber genügend Widerstand, um die gewählte Position zu halten. Dann kann das Smartphone beispielsweise auf einen Tisch gestellt werden, um Videotelefonie zu nutzen. Das Galaxy Z Flip hat wie das Galaxy Fold einen sehr geringen Faltradius.

Das Scharnier des Galaxy Z Flip soll besser gegen Schmutz abgeschirmt sein als bei Samsungs erstem Smartphone mit faltbarem Display. Neben den Kunststoffnasen, die Samsung auch beim überarbeiteten Fold verbaut hat, hat das Z Flip im Inneren des Scharniers zwei Reihen an winzigen Fasern, die Staub fernhalten sollen. Ob das wirklich funktioniert, können wir nach unserem Kurztest natürlich noch nicht sagen.

Insgesamt wirkt der Klappmechanismus wesentlich widerstandsfähiger als der des Motorola Razr, das ebenfalls im klassischen Folder-Design gebaut wird. Beim Razr liegen die Zahnräder des Scharniers teilweise offen, zudem kann Staub ungehindert hinter das Display gelangen. Beim Galaxy Z Flip ist das Scharnier weitgehend verschlossen, die Kunststoffnasen sorgen dafür, dass das Display-Panel beim Klappvorgang mit dem Gehäuse verbunden bleibt.

Mindestfaltbarkeitsdatum 02/2025

Das Galaxy Z Flip soll sich 200.000-mal ohne Schaden auf- und zuklappen lassen - das würde bei 100 Aufklappvorgängen am Tag eine Nutzungsdauer von fünf Jahren ermöglichen. Zur Haltbarkeit des Smartphones soll auch die neue Beschichtung des Displays beitragen: Samsung hat erstmals eine dünne Glasschicht auf das Kunststoffpanel aufgetragen, die dieses vor Umwelteinflüssen schützen soll.

So sollen Kratzer verhindert werden, die bei den bisherigen faltbaren Smartphones ein heikles Thema sind: Die biegbaren Displays sind aus Kunststoff und bei den bisherigen Modellen von Samsung, Huawei und Motorola empfindlich gegenüber Fingernägeln oder Staub. Eine Glasschicht sollte zumindest leichte Kratzer verhindern - so widerstandsfähig wie Gorilla-Glas dürfte die Schicht aber nicht sein. Samsung hat das hauchdünne Glas zusammen mit dem deutschen Hersteller Schott entwickelt.

Die Glasoberfläche macht sich auch in der Haptik bemerkbar: Das Display des Galaxy Z Flip fühlt sich eher wie das eines herkömmlichen Smartphones an als etwa das des Galaxy Fold. Den Falz in der Mitte des Displays über dem Gelenk kann die neue Beschichtung aber nicht verhindern: Auch beim Galaxy Z Flip ist die Stelle, an der der Bildschirm gefaltet wird, deutlich zu sehen und zu spüren. Dies dürfte sich nur dadurch verhindern lassen, dass Samsung den Faltradius vergrößert - was das Gerät im zusammengeklappten Zustand dicker machen würde.

Zusammengeklappt nur halb so groß wie ein normales Smartphone

Dadurch würde der Vorteil geschmälert werden, den das Galaxy Z Flip beim Formfaktor hat: Zusammengeklappt ist das Smartphone weitaus kleiner als herkömmliche Geräte. Mit 17,3 mm ist es zudem noch dünn genug, um nicht in der Hosentasche zu stören. Samsungs erstes faltbares Smartphone ist dagegen auch zusammengeklappt verhältnismäßig groß.

Das Galaxy Z Flip lässt sich eingeschränkt auch im zusammengeklappten Zustand verwenden, dafür hat es einen 1,1 Zoll kleinen Bildschirm auf der Außenseite. Dieser dient hauptsächlich dazu, Benachrichtigungen abzulesen und die Musikwiedergabe zu steuern. Er lässt sich aber auch als Vorschaubildschirm für die Hauptkamera verwenden, um Fotos aufzunehmen. Das Galaxy Z Flip hat eine Dualkamera, die aus einem Weitwinkelobjektiv mit 12-Megapixel-Sensor und einem Superweitwinkelobjektiv mit einem 12-Megapixel-Sensor besteht. Die Fotos machen auf den ersten Blick einen guten Eindruck, Genaueres lässt sich erst nach einem ausführlicheren Test sagen.

Top-Smartphone mit Snapdragon 855 Plus

Die Frontkamera hat 10 Megapixel und ist direkt im Amoled-Display auf der Innenseite verbaut, das dafür ein Loch hat. Der Hauptbildschirm des Galaxy Z Flip ist 6,7 Zoll groß, hat ein langgezogenes Format von 21:9 und eine Auflösung von 2.636 x 1.080 Pixeln. Die Auflösung reicht, um Inhalte scharf darzustellen, bei genauem Hinschauen sind aber Treppeneffekte zu erkennen. Die Farben sind natürlich, die Blickwinkelstabilität ist gut.

Das ist auch notwendig, da das Scharnier des Galaxy Z Flip es dem Nutzer ermöglicht, den Bildschirm in verschiedenen Winkeln zu positionieren. So können wir das Smartphone beispielsweise auf einen Tisch legen und das Display so anwinkeln, dass wir bequem ein Videotelefonat führen können. Samsung zufolge sollen sich Apps in diesem angewinkelten Zustand in einem oberen und unteren Teil trennen: Der obere Teil stellt den Inhalt dar, der untere die Bedienelemente. Das funktioniert aktuell beispielsweise bei der Video-Chat-App Google Duo und bei Samsungs Mediaplayer. Samsung will ein SDK veröffentlichen, was es Entwicklern ermöglicht, die Funktion in ihre App einzubinden.

Von der restlichen Hardware her ist das Galaxy Z Flip ein Top-Smartphone: Als SoC kommt Qualcomms Snapdragon 855 Plus zum Einsatz, der Arbeitsspeicher ist 8 GByte groß, der Flash-Speicher 256 GByte. Das Smartphone unterstützt LTE und WLAN nach 802.11ac.

Fazit

Das Galaxy Z Flip finden wir wesentlich interessanter als Samsungs erstes Smartphone mit faltbarem Display, das Galaxy Fold. Aufgeklappt ist das Gerät so groß wie ein herkömmliches Smartphone, zusammengeklappt passt es bequem in die Hosentasche.

Außerdem dürfte das Galaxy Z Flip dank des verbesserten Scharniers und der Glasbeschichtung des Displays widerstandsfähiger als das Galaxy Fold sein. Es macht zudem einen wesentlich stabileren und hochwertigeren Eindruck als das Motorola Razr, das ein vergleichbares Design hat.

Beim Razr ist der Bildschirm im Scharnierbereich überhaupt nicht mit dem Gehäuse verbunden, was zum technischen Konzept gehört. Die beim Auf- und Zuklappen entstehende Lücke dürfte aber ein Einfallstor für Staub und Schmutz sein - was Motorola auch zugibt. Das Galaxy Z Flip dürfte wesentlich langlebiger sein.

Trotz der hochwertigeren Bauweise und der besseren technischen Ausstattung ist das Galaxy Z Flip preiswerter als das Razr: Samsung verlangt 1.480 Euro für das Smartphone. Das ist natürlich für ein Smartphone nicht wenig - das neue Galaxy S20 Ultra ist mit 128 GByte Speicher bereits für weniger zu haben -, Käufer bezahlen beim Galaxy Z Flip aber die verhältnismäßig neue Technologie der faltbaren Displays mit.

Offenlegung: Golem.de war auf Einladung von Samsung auf einer Vorschauveranstaltung. Unsere Berichterstattung ist davon nicht beeinflusst und bleibt gewohnt neutral und kritisch. Der Artikel ist, wie alle anderen auf unserem Portal, unabhängig verfasst und unterliegt keinerlei Vorgaben Dritter; diese Offenlegung dient der Transparenz.  (tk)


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