Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/mecklenburg-vorpommern-ip-umstellung-der-telekom-ohne-ausbau-legt-anschluesse-lahm-2002-146543.html    Veröffentlicht: 10.02.2020 17:20    Kurz-URL: https://glm.io/146543

Mecklenburg-Vorpommern

IP-Umstellung der Telekom ohne Ausbau legt Anschlüsse lahm

Wenn die Datenrate für IP-Telefonie nicht zur Verfügung steht, bekommen Unternehmen und Privathaushalte mit IP-Telefonie gar keine Telefon- und Internetanschlüsse mehr angeboten. Ein Bundesland wehrt sich gegen die Telekom.

Bei der IP-Umstellung im Netz der Deutschen Telekom kommt es in Mecklenburg-Vorpommern teilweise zu massiven Problemen. Das gab Infrastrukturminister Christian Pegel (SPD) bekannt: Demnach häufen sich in seinem Ministerium Beschwerden von Privatpersonen und Unternehmen über Probleme bei der Umstellung.

Die Telekom habe gerade im ländlichen Raum vielerorts offenbar keine ausreichende Vorsorge beim Ausbau getroffen. "Dies führt jetzt an vielen Stellen dazu, dass Unternehmen und Privathaushalten mit der neuen IP-Telefonie-Technik gar keine Telefon- und Internetanschlüsse mehr angeboten werden können, weil die IP-Telefonie Bandbreiten erfordert, die vor Ort gar nicht vorliegen", erläuterte Pegel die Beschwerden von Kunden.

Er habe dies bei der jüngsten Sitzung des Beirats der Bundesnetzagentur auf die Tagesordnung gesetzt. Der ebenfalls anwesende Vizepräsident der Bundesnetzagentur, Wilhelm Eschweiler, habe sich bereit erklärt, diese Fälle mit dem Telekom-Vorstand zu besprechen und zu helfen, sie nach Möglichkeit zufriedenstellend zu lösen.

Pegel erhielt dabei den Eindruck, dass Mecklenburg-Vorpommern deutlich stärker betroffen sei als andere Bundesländer. "Mich haben allein in den letzten Wochen vor allem diverse Unternehmen angesprochen, weil ihnen durch diese technische Umstellung von der ISDN- auf die IP-Technologie der Verlust ihres gesamten Telefon- und Internetanschlusses droht. Das kann gut funktionierende Unternehmen ruinieren", sagte er.

Durch die Umstellung auf IP-Telefonie könne die für ISDN erforderliche Hard- und Software abgeschaltet werden. Das spare Kosten bei den Netzbetreibern. Der Anbieter will alle Kunden auf IP-Technik umstellen und aus Effizienzgründen nicht parallel zwei Netze betreiben. Lehnt der Kunde eine Umstellung ab oder reagiert gar nicht, schaltet die Telekom den Anschluss nach Ende der Vertragslaufzeit ab.

Im August 2019 wurde aus dem sächsischen Kitzen im Leipziger Umland berichtet, dass die Telekom der Kirchengemeinde, der Arztpraxis und dem Kfz-Betrieb Uwe Bartsch die ISDN-Anschlüsse gekündigt habe, bevor VoIP und die dazu notwendige VDSL-Datenübertragungsrate verfügbar gewesen seien.

Laut Telekom-Sprecher Markus Jodl ist die IP-Umstellung bei Privatkunden fast vollständig abgeschlossen: 24 Millionen Kunden wurden erfolgreich auf die neue Plattform gehoben. Die IP-Plattform ist Grundlage dafür, den Kunden höhere Geschwindigkeiten und ein stabileres Netz anbieten zu können. "Bei einer sehr geringen Anzahl von Kunden können wir aus technischen Gründen nach dem Wechsel auf die IP-Plattform nicht dieselbe Leistung anbieten wie auf der alten ISDN-Plattform. Das bedauern wir außerordentlich", sagte Jodl Golem.de.

Wo es nicht möglich sei, alle Kunden mitzunehmen, habe man alternative Optionen entwickelt, die in Härtefällen die neben der Telefonie von Kunden benötigten Leistungsmerkmale eines ISDN-Anschlusses auffangen sollten. Eine Internetanbindung könne beispielsweise über Satellit hergestellt werden. "Wir haben Expertenteams, die sich jeden Härtefall genau ansehen. Wenn das Ministerium oder die Bundesnetzagentur mit konkreten Fällen auf uns zukommt, so werden wir für jeden Anschluss eine Lösung finden", sagte der Sprecher.

 (asa)


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