Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/coronavirus-china-setzt-drohnen-zur-kontrolle-der-bevoelkerung-ein-2002-146418.html    Veröffentlicht: 03.02.2020 10:48    Kurz-URL: https://glm.io/146418

Coronavirus

China setzt Drohnen zur Kontrolle der Bevölkerung ein

Die chinesische Polizei verfolgt Passanten mit Drohnen und fordert sie auf, einen Mundschutz zu tragen, wie ein Video der Global Times zeigt. Gleichzeitig soll es an eben jenen Masken in China mangeln.

Im Kampf gegen das Coronavirus setzt die chinesische Polizei auch Drohnen zur Kontrolle der Bevölkerung ein. Mit diesen verfolgt sie laut einem Bericht der Global Times Passanten, die keinen Mundschutz tragen. Über Lautsprecher werden sie aufgefordert, eine Atemmaske anzulegen oder nach Hause zu gehen. In dem Bericht heißt es jedoch auch, dass es einen großen Mangel an Atemmasken gibt.

"Sie sollten nicht draußen rumlaufen, ohne eine Maske zu tragen", sagt eine männliche Stimme aus dem Lautsprecher der Drohne zu einer älteren Frau, wie auf einem Video zu sehen ist, das die Global Times auf Twitter veröffentlichte. "Besser, Sie gehen jetzt nach Hause - und Hände waschen nicht vergessen!" Alle seien doch aufgefordert worden, zu Hause zu bleiben. "Jetzt beobachtet Sie eine Drohne."

An einer Straßenkreuzung wurden Passanten von der Drohne aus aufgefordert, einen Mundschutz zu tragen. "Der Typ mit dem pinken Schutz am Motorrad", schallte aus der Luft die Stimme einer Polizistin, die mit Sprechfunk über die Drohne spricht. "Ja, Sie! Bitte tragen Sie eine Maske!"

Dystopisches China

Laut der Global Times kommen die Drohnen in vielen Städten und Dörfern zum Einsatz. Wie viele Drohnen in wie vielen Städten und Orten eingesetzt werden, war aber unklar. Überwachung und Kontrolle sind auch jenseits des Coronavirus in China präsent: Beispielsweise können Internetanschlüsse oder Telefonnummern nur mit einem Gesichtsscan erworben werden.

Derweil arbeitet die chinesische Regierung an einem Rating-System für ihre Bürger. Diese sollen auf Basis ihres Verhaltens einen Score erhalten. Unerwünschte Verhaltensweisen führen zu einem Punktabzug, erwünschte hingegen zu Pluspunkten. Je nach Punktestand könnte der Zugriff auf bestimmte Leistungen vereinfacht oder auch verweigert werden. Das Social-Credit-System genannte Verfahren befindet sich momentan noch in der Entwicklung. Grundlage ist eine umfassende Überwachung der Bevölkerung, um die Verhaltensweisen zu kennen und bepunkten zu können. Mittels Videoüberwachung und Gesichtserkennung werden bereits Verkehrssünder in China an den Pranger gestellt.

Nachtrag vom 3. Februar 2020, 14:45 Uhr

Das von der chinesischen Tageszeitung Global Times veröffentlichte Video hat im Internet für zahlreiche Diskussionen gesorgt. Manche Nutzer wiesen auf die Audio-Qualität und den Humor in dem Video hin. Die Analystin Carol Yin merkt auf Twitter etwa an, dass zwei der von Global Times veröffentlichten Videos von einem Influencer stammen würden. Dieser habe laut Berichten mit dem Ortsvorsteher zusammengearbeitet.

Das dritte Video stamme jedoch von der chinesischen Verkehrspolizei. Diese setzt bereits seit geraumer Zeit Drohnen ein - inklusive individueller Ansprachen von Verkehrsteilnehmern. In Bezug auf den Einsatz im Kampf gegen das Coronavirus schrieb Yin: "Ich möchte nur betonen, dass dies derzeit keine Regierungspraxis im großen Stil ist." Ein deutscher Sinologe, der sich in Shenzhen aufhält, zu Golem.de: "Da es in der Global Times steht und über Ereignisse in China berichtet wird, würde ich davon ausgehen, dass es stimmt. Es scheinen ja Vorgänge in Kleinstädten zu sein."

 (mtr)


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