Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/zehntes-jubilaeum-auch-microsoft-hat-das-erste-ipad-ueberrascht-2001-146346.html    Veröffentlicht: 29.01.2020 17:52    Kurz-URL: https://glm.io/146346

Zehntes Jubiläum

Auch Microsoft hat das erste iPad überrascht

In einem ausführlichen Bericht blickt der ehemalige Windows-Chef Steven Sinofsky auf das erste iPad zurück. Die Medien und die Branche selbst ahnten vor zehn Jahren nicht, was für ein Produkt es letztlich sein sollte und dass es überhaupt nicht den damaligen Vorstellungen entsprach.

Bevor der Gründer und ehemalige CEO von Apple, Steve Jobs, vor zehn Jahren das erste iPad (Test) zeigte, konnten sich viele Konkurrenten darunter nicht viel vorstellen. Auch Microsofts ehemaliger Windows-Chef Steven Sinofsky war damals vom Tablet überrascht. Der Ex-Microsoft-Mitarbeiter erinnert sich in einem langen Beitrag auf Medium.

Microsoft hatte erst 2009 sein Windows-7-Betriebssystem vorgestellt. Das Team bezeichnetete sein OS ebenso als "magisch" wie Steve Jobs die eigenen Apple-Geräte. Auch zum Start des iPads fielen solche Marketingbegriffe des Öfteren. Sinofsky war dabei laut eigenen Aussagen wie viele andere Unternehmen der Ansicht, dass Apple im Januar 2010 ein klassisches Tablet mit Stifteingabe vorstellen wird. An solchen Geräten habe die Branche selbst ebenfalls seit einiger Zeit gearbeitet, schreibt Sinofsky. Mit einem im Jahr 2010 bereits großen App-Store mit 140.000 Applikationen und 3 Milliarden Downloads wäre iOS eine gute Ausgangsplattform für Stift-Tablets gewesen.

Die Presse sei hingegen eher der Meinung gewesen, dass Apple ein eigenes Netbook vorstellen werde - als Antwort auf diesen Markt. Denn diese kleinen Notebooks zum Webbrowsing und E-Mail-Schreiben hätten sich mit Erfolg verkauft. Unternehmen wie Asus, Acer und andere verkauften laut Sinofsky etwa 40 Millionen Netbooks.

Jobs selbst erwähnte während der iPad-Keynote die Produktkategorie, allerdings im negativen Sinne. "Das Problem ist: Netbooks sind in nichts wirklich besser", sagte er auf der Bühne. Damit hatte er nicht ganz Unrecht, denn die kleinen Notebooks waren mit Intel-Atom-CPU und maximal 1 GByte RAM zwar sehr preiswert, aber auch recht langsam. Sinofsky selbst gibt an: "Wir wussten, dass Netbooks (und Atom) eigentlich nur eine Art waren, aus den schwierigen Bemühungen, energiesparende und lüfterlose Intel-Chips für Telefone zu bauen, Nutzen zu schlagen".

Letztlich baute Apple ein Tablet - allerdings ohne Stylus und Tastatur. "Wie konnte man Eingaben machen oder produktiv sein?", dachte sich Sinofsky. Für PC-Köpfe sei ein Gerät ohne Maus, Tastatur oder Eingabestift für das produktive Arbeiten unvorstellbar gewesen. Apple hat diese Ansichten widerlegen wollen und deshalb sogar die eigene Bürosoftware iWork für iOS umgeschrieben.

Damals gutes Angebot

Noch im Jahr 2010 verkaufte Apple Sinofsky zufolge 20 Millionen Geräte. Der Preis von 500 US-Dollar war dabei gerade für Netbooks, die etwas günstiger waren, sehr wettbewerbsfähig. Ein großer Vorteil war aus Sicht Sinofskys zudem das vergleichsweise preiswerte 3G-Modul, da das iPad auf der Plattform des iPhone aufbaute. "Wenn man mit dem Gerätetreiber und der Software klargekommen ist, brauchte man ein USB-Modem für mehrere Hundert US-Dollar und im besten Fall eine Monatsgebühr für 50 US-Dollar im Monat. Das iPad hat eine 30-US-Dollar-Option geboten", schreibt Sinofsky.

Obwohl das iPad von Kritikern letztlich als weniger produktiv und mehr für den Konsum von Medien angesehen wurde, setzte sich das Tablet-Konzept durch. Sinofsky bezeichnet Apples Ökosystem im Jahr 2010 als existenzbedrohlich für Microsoft. Zehn Jahre später ist es noch das Vorzeigemodell für die Tablet-Produktsparte, während Netbooks in ihrer Form nicht mehr existieren.  (on)


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