Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0106/14601.html    Veröffentlicht: 29.06.2001 14:32    Kurz-URL: https://glm.io/14601

Spieletest: Half Life Blue Shift - Legenden sterben nie

Weitere Fortsetzung des legendären Ego-Shooters

Opposing Force, Counterstrike, Gunman Chronicles, Team Fortress - die Liste der Half-Life-Fortsetzungen und -Abwandlungen ist mittlerweile so lang, dass man schon mal leicht den Überblick verliert. Mit Blue Shift erhält der populäre Ego-Shooter nun eine weitere Quasi-Fortsetzung, die einmal mehr die spielerischen Qualitäten der Half-Life-Reihe offenbart.

Inhaltlich ist Blue Shift eng an das erste, originäre Half-Life angelehnt: Wieder einmal kehrt man als Spieler in die Forschungseinrichtung Black Mesa zurück, wieder einmal hat ein misslungenes Experiment verheerende Auswirkungen. Allerdings übernimmt man diesmal nicht die Rolle des Wissenschaftlers Gordon Freeman, sondern schlüpft stattdessen in die Uniform des Sicherheitsbeamten Barney, um so dem bisher eher blass gebliebenen Stand der Security-Leute die ihm gebührende Aufmerksamkeit zukommen zu lassen.

Screenshot #1
Screenshot #1
Natürlich sieht Black Mesa dabei immer noch so aus wie vor etwas mehr als zwei Jahren bei Veröffentlichung von Half-Life, nun sind aber zusätzliche Räume, Schächte und Kanäle zugänglich, die bisher unentdeckt oder versperrt waren. Am prinzipiellen Spielablauf hat sich ebenfalls nichts geändert - die süchtig machende Kombination aus Action und Knobeleien vermag immer noch wie am ersten Tag zu fesseln.

Screenshot #2
Screenshot #2
Und auch die Schock- und Grusel-Momente haben nichts von ihrer Faszination eingebüßt: Wer etwa, nachdem der Strom ausgefallen ist, durch ein komplett finsteres Gewölbe streifen muss und außer dem bedrohlichen Ruf übler Monstren nichts um sich herum erkennt, muss schon über starke Nerven verfügen, um nicht laut aufzuschreien, sobald ein Gegner ihm ins Gesicht springt.

Screenshot #3
Screenshot #3
Hinsichtlich der Präsentation hat der Zahn der Zeit aber deutliche Spuren an der mittlerweile veralteten Half-Life-Engine hinterlassen: Die Modellierung der Charaktere erscheint für heutige Verhältnisse sehr pixelig, und auch die Texturen der Räumlichkeiten lassen zu wünschen übrig. Da vermag auch der mitgelieferte Half-Life HD Pack, der automatisch alle Waffen und Charaktere aller Spiele der Half-Life-Saga mit neuen hochauflösenden Effekten aufwertet, nur wenig auszurichten.

Screenshot #4
Screenshot #4
Und noch ein weiterer Kritikpunkt trübt die ansonsten überschwängliche Begeisterung: Blue Shift ist äußerst kurz geraten, selbst unerfahrene Spieler werden kaum mehr als zehn Stunden für den erfolgreichen Abschluss der Mission benötigen. Dafür ist der Titel allerdings auch zum Mid-Price von etwa 40 DM erhältlich und bietet die üblichen Multiplayer-Optionen, wie den beliebten Capture-The-Flag-Modus.

Fazit:
Half-Life ist und bleibt ein Phänomen: Auch nach all den bereits erschienenen und auf dem ersten Half-Life basierenden Titeln steckt in dieser Reihe immer noch mehr Potenzial als in den meisten anderen Spielen. Allein die Tatsache, dass trotz der nicht mehr zeitgemäßen Präsentation Blue Shift immer noch über alle Maßen begeistert macht deutlich, wie ausgefeilt und raffiniert das Gameplay dieser Reihe war und immer noch ist - auch wenn Sierra wohl dennoch demnächst mit einer neuen Engine aufwarten muss, um die Fans bei der Stange zu halten.  (tw)


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