Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/the-mandalorian-spiel-mir-das-lied-von-star-wars-1912-145666.html    Veröffentlicht: 27.12.2019 12:00    Kurz-URL: https://glm.io/145666

The Mandalorian

Spiel mir das Lied von Star Wars

Noch ist The Mandalorian in Deutschland nicht zu sehen, doch die Realfilm-Serie im Western-Stil aus dem Star-Wars-Universum bricht schon Rekorde: Sie ist die am häufigsten heruntergeladene Show überhaupt und verändert, wie Film und Fernsehen künftig gemacht werden.

Spoilerwarnung: Wir arbeiten mit so wenig Spoilern wie möglich. Wer die Serie noch nicht gesehen hat und auch nichts über sie erfahren will, sollte hier aber nicht weiterlesen.

Dass der Streamingdienst Disney+ nicht weltweit zugleich gestartet ist, ist besonders ärgerlich für alle, die auf The Mandalorian gewartet haben. Natürlich ist das Interesse an der ersten Real-Serie zu Star Wars riesig. Entsprechend sind die großen Überraschungen auch schon weit über die Grenzen der USA hinaus bekannt - selbst wenn viele hierzulande die Serie noch gar nicht gesehen haben.

Offiziell wird es sie erst mit dem deutschen Disney+-Start am 31. März 2020 geben. Wer etwas Mühe aufwendet, kann The Mandalorian allerdings jetzt schon auf Deutsch sehen. Passionierte Fans können eine Reise in die benachbarten Niederlande unternehmen. Dort ist Disney+ nämlich schon gestartet und man kann offenkundig verschiedene Sprachfassungen auswählen.

Die erste Staffel von The Mandalorian besteht nur aus acht Folgen und ist damit relativ kurz und straff. Das gilt auch für die einzelnen Episoden, die mehrheitlich eine Laufzeit von etwa 30 Minuten haben. Ein ungewöhnliches Format für eine dramatische Serie, aber das ist nicht von Nachteil. Denn die einzelnen Folgen sind nicht nur exzellent produziert, sondern auch spannend und actionreich.

The Mandalorian ist das beste Stück Star Wars seit einigen Jahren, was vielleicht auch daran liegt, dass erstmals eine Geschichte erzählt wird, die keine direkten Verbindungen zur Skywalker-Saga hat, sondern vielmehr versucht, etwas Eigenes und Neues innerhalb dieses Universums zu machen.

Der Helm bleibt drauf

Boba Fett hat seinen Helm nie abgenommen, Jango Fett schon. Ein Mandalorianer, der etwas auf sich hält, zeigt sein Gesicht jedoch nicht. Das macht den Mandalorianer in der Serie, der keinen Namen hat, aber von seinem Auftraggeber gerne Mando genannt wird, zu einer ungewöhnlichen Figur.

Man sollte meinen, der Helm wäre schauspielerisch betrachtet eine Behinderung, aber die Inszenierung ist perfekt und Pedro Pascals Schauspiel in Sachen Stimme, aber auch Bewegung so gut, dass man als Zuschauer tatsächlich emotional abgeholt wird.

Rette das Baby!

Als Schauspieler kennt man Pedro Pascal aus Narcos, vor allem aber als Oberyn Martell in Game of Thrones. Als Mandalorianer strahlt er pure Coolness aus. Mittlerweile wurde aber auch bekannt, dass nicht immer er in der Rüstung des Mandalorianers steckt. In der vierten Folge, die von Bryce Dallas Howard inszeniert wurde, war er gar nicht am Set. Ein Double übernahm seinen Part, er sprach seine Passagen später ein.

Als Mandos Auftraggeber ist Carl Weathers (Rocky) zu sehen, als sein Kunde agiert der Regisseur Werner Herzog. Dabei sind außerdem in einigen Folgen Gina Carano als Kämpferin Cara Dune und Nick Nolte als hilfreicher Kuill, dessen Standardspruch "I have spoken" schon zum geflügelten Wort unter Star-Wars-Fans geworden ist.

Die Serie spielt nach dem Zusammenbruch des Imperiums. Der Mandalorianer ist ein Kopfgeldjäger. Er soll für einen Klienten, der offenkundig einst für das Imperium tätig war und Sturmtruppler zu seiner Verfügung hat, ein wichtiges Ziel finden - bevorzugt lebend.

Eigentlich eine leichte Aufgabe für Mando, der zu den besten seiner Zunft gehört. Aber als er schließlich das Ziel aufgespürt hat, zeigt sich: Er hat nur ein kleines Kind vor sich.

Kopfgeldjäger mit Gewissensbissen

Mando hat Gewissensbisse, das Baby zu übergeben, weiß aber auch, dass er den Regeln der Kopfgeldjäger-Gilde folgen muss. Als er sich diesen widersetzt, wird er zum Ausgestoßenen. Der Mandalorianer ist hier im Grunde wie John Wick. Seine weiteren Abenteuer erinnern hingegen an den japanischen Manga Lone Wolf & Cub (deutsch: Der Wolf mit dem Kind), der als Okami verfilmt wurde. Darin reist ein herrenloser Samurai, ein Ronin, mit seinem kleinen Sohn durch die Lande, immer gejagt, immer am Kämpfen. Bei Mando verhält es sich nicht sehr viel anders.

Serien-Schöpfer Jon Favreau (Iron Man) hat sich wohl von diesem japanischen Kultklassiker inspirieren lassen. Überhaupt hat er eine Serie erschaffen, die sich ganz stark nach Star Wars anfühlt, zugleich aber auch klare Western-Elemente einsetzt, wenn der Kopfgeldjäger in den äußersten Bereichen der Galaxie, sozusagen dem Wilden Westen, unterwegs ist.



Stagecraft verändert das Filmemachen

Dass The Mandalorian so teuer wie ein Star-Wars-Kinofilm aussieht, ist beeindruckend, weil das Budget zwar mit 15 Millionen US-Dollar pro Folge imposant ist, für eine Show mit einer Laufzeit von vier Stunden aber natürlich nicht so hoch wie bei einem großen Kinofilm. Die außerirdischen Welten der Serie sehen beeindruckend aus. Erschaffen wurden sie mit einer neuen Technik namens Stagecraft.

Hier wird auf riesigen High-Resolution-Leinwänden ein virtueller Hintergrund erschaffen, vor dem die Schauspieler agieren. Sie können ihn auch direkt sehen und sich darin bewegen - anders als beim Green Screen, wo die Schauspieler vor grünem Hintergrund agieren.

"John Favreau und ich sind zu Disney gegangen und haben gesagt: Das würden wir gern ausprobieren. Sie haben gefragt: Was ist das genau? Und wir sagten, wir wissen es nicht genau. Wir haben keine Ahnung, wie viel es kosten wird und wir hatten die Technik bei ILM noch nicht ausprobiert, die wir jetzt Stagecraft nennen", erzählt Kathleen Kennedy, die Präsidentin von Lucasfilm. "Im Grunde ist es ein Projektionssystem mit Bildschirmen. Das Neue daran ist, dass man bei einer Bewegung der Kamera innerhalb dieses Raums auch eine Parallax-Veränderung hat. Man befindet sich also in einer Umgebung, die sich genauso verhält, wie es bei einer echten Location der Fall wäre."

Bei dem in Los Angeles im Porsche Experience Center abgehaltenen Panel "Women of Lucasfilm - What Drives You?" erzählte Kennedy auch, wie ein Manager der Walt Disney Company das Set von The Mandalorian besucht und für real gehalten habe. "Die Wirkung dieser Technologie zu erklären, ist schwierig. Man muss es erleben. Der Manager kam zum Set, sah sich um und meinte zu Jon: Ich dachte, Sie wollten keine physischen Sets errichten. Er hatte keine Ahnung, dass er sich in einem virtuellen Set befand."

Diese neue Technik verändert die Art, wie Fernsehen, aber auch wie Film künftig gemacht werden. Denn wenn man einen Establishing Shot vor isländischer Kulisse machen möchte, muss man nun nicht mehr die ganze Crew dorthin bringen und das Budget dadurch strapazieren. Stagecraft macht es möglich, vor Ort zu sein, aber in der sicheren und kontrollierbaren Umgebung eines Studios zu arbeiten. Man könnte also sagen, dass The Mandalorian in Island gedreht wurde, obwohl nur ein Kameramann dort war, der die Umgebungsaufnahmen machte.

Dass die Technik bei einer - zwar teuren - Fernsehserie getestet wurde, zeigt auch, wie gerade dieses Medium davon profitieren kann. Das Risiko, das Lucasfilm mit dem erstmaligen Einsatz dieser Technik einging, ist hier auch geringer als es bei einer großen Kino-Produktion der Fall gewesen wäre.

Stagecraft ist das, was man einen Game Changer nennt, weil damit für große und kleine Produktionen ganz neue Möglichkeiten eröffnet werden. Für Lucasfilm ist dabei die eigene Effektschmiede Industrial Light & Magic von Vorteil, die mit den Geschichten, die die Autoren erzählen wollen, kontinuierlich die technologischen Grenzen ausweiten und neue Wege finden muss, um diese Geschichten auf die Leinwand oder den Fernseher zu bringen. Damit einher geht auch, dass die Storys immer fantasievoller werden können, da mit jeder neuen Technologie mehr real umgesetzt werden kann.

Bald geht es weiter

The Mandalorian kam so gut an, dass die Produktion der zweiten Staffel schon begonnen hat. Starten soll sie ein Jahr nach der ersten Staffel, also im November 2020. Für die deutschen Nutzer von Disney+ ergibt sich so zumindest der Vorteil, dass man in einem Jahr gleich zwei Staffeln hat.

Zudem wird an Kenobi gearbeitet, einer Miniserie, in der Ewan McGregor wieder als Obi-Wan Kenobi zu sehen sein wird. Auch hierfür wird Stagecraft ausgiebig genutzt. Die Dreharbeiten finden 2020 statt, ob die Show zum Ende des Jahres auch schon ausgestrahlt wird oder man sich bis 2021 gedulden muss, ist aber noch unklar.

Eines ist aber sicher: Die Zukunft des Star-Wars-Universums ist leuchtend und prächtig - und auf der Mattscheibe wohl noch aufregender als im Kino.  (peo)


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