Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/saechsische-gemeinde-telekom-und-vodafone-schliessen-funkloch-gleich-zweimal-1912-145566.html    Veröffentlicht: 16.12.2019 12:34    Kurz-URL: https://glm.io/145566

Sächsische Gemeinde

Telekom und Vodafone schließen Funkloch gleich zweimal

In einer kleinen sächsischen Gemeinde bauen Telekom und Vodafone dicht nebeneinander Mobilfunkanlagen, um ein Funkloch zu schließen. Die Absprache hat irgendwie nicht funktioniert.

Die Deutsche Telekom und Vodafone wollen ein Funkloch in der sächsischen Gemeinde Lawalde mit zwei nur 250 Meter voneinander entfernten Antennenstandorten schließen. Das berichtet die Sächsische Zeitung unter Berufung auf die Bürgermeisterin Nadja Kneschke. Die Gemeinde im Landkreis Görlitz hat nur rund 1.850 Einwohner.

"Die beiden Firmen sollen erst einmal klären, ob es geht, dass sie sich auf einem Mast zusammentun", sagte die Bürgermeisterin. Sie habe mehrfach beide Seiten auf die Dopplung hingewiesen und um eine Kooperation gebeten. Der eine Mast wird 45 Meter hoch sein, der andere knapp 31 Meter.

Lea Borgers von der Telekom-Tocher Deutsche Funkturm erklärte der Sächsischen Zeitung: "Wir bieten den Standort allen anderen Mobilfunkanbietern zur Mitnutzung an, so dass keine zusätzlichen Masten errichtet werden müssen."

Vodafone-Sprecher Volker Petendorf sagte der Sächsischen Zeitung, der Mobilfunkbetreiber sei nicht darüber informiert worden, dass hier durch den "größten Wettbewerber ein zweiter Mobilfunkstandort geplant ist, der sich in unmittelbarer Nähe befinden soll". In der öffentlichen Datenbank der Bundesnetzagentur sei der Standort der Telekom nicht verzeichnet gewesen. Vodafone sei mit seinem Standort vertraglich gebunden und schließe "die Mitnutzung des Telekom-Standortes in dieser fortgeschrittenen Phase aus", sagte Petendorf.

Freie Standorte sind laut Angaben der Netzbetreiber schwer zu bekommen. Bundesinfrastrukturminister Andreas Scheuer (CSU) will den Mobilfunkausbau in schlecht versorgten ländlichen Regionen mit Kooperationen von Anbietern beim Ausbau voranbringen, wie der Minister im August 2019 erklärte. Die Telekom hat bei ihrer Aktion Wir jagen Funklöcher 624 Bewerbungen aus 539 Kommunen in 13 Bundesländern erhalten. Doch es gibt es nur 50 freie Plätze.



"Bei neuen Standorten setzen wir grundsätzlich auf die Zusammenarbeit mit den anderen Netzbetreibern. Ziel ist es, die bauliche Infrastruktur - wo immer es möglich und sinnvoll ist - gemeinsam zu nutzen", sagte Petendorf Golem.de. Hierbei bringe natürlich jeder Netzbetreiber seine eigenen Antennen an der gemeinsam genutzten Infrastruktur an. Das könnten Masten, Silos, Aussichtstürme, Kirchtürme, öffentliche Gebäude (wie Rathäuser und Verwaltungssitze), Schlösser, Burgen, Wohngebäude und so weiter sein.

Im Landkreis Görlitz plant Vodafone die Versorgung von weiteren 2.000 Einwohnern und Gästen mit LTE. "Dazu wird Vodafone - nach aktuellem Stand innerhalb der nächsten vier Monate - eine neue LTE-Station im Norden von Lawalde in Betrieb nehmen. Konkret soll auf einem angemieteten Grundstück eine neue Mobilfunkstation gebaut werden, um das noch vorhandene LTE-Funkloch zu schließen", erklärte das Unternehmen. Vodafone investiere in diese Infrastrukturmaßnahme rund 150.000 Euro - inklusive der Anbindung der neuen Station an das Stromnetz und an das Kommunikationsnetz.

Vodafone habe die Gemeinde bereits am 26. März 2019 von dem Bauprojekt in Kenntnis gesetzt. Leider sei man weder von der Gemeinde noch von der Telekom darüber informiert worden, dass die Telekom offenbar einen Mobilfunkstandort plane, der sich in unmittelbarer Nähe befinde.

"In Lawalde hat sich unsere Standortsuche mit der von Vodafone überschnitten. Wir sind in einem guten Dialog über eine sinnvolle Lösung", sagte Deutsche-Funkturm-Sprecher Benedikt Albers Golem.de auf Anfrage. Die Planung eines Mobilfunkstandorts sei ein äußerst komplexer Prozess, angefangen von der Funknetzplanung über die Standortsuche, diverse Genehmigungsverfahren bis hin zum eigentlichen Bau. Das bedeutet, dass in der ersten Planungsphase noch nicht feststeht, ob, wie und wo genau man den Mobilfunkmast letztlich bauen dürfe. Das Angebot an andere Anbieter erfolge, sobald die Deutsche Funkturm dies absehen könne.  (asa)


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