Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/webserver-russische-polizei-durchsucht-nginx-bueros-1912-145530.html    Veröffentlicht: 13.12.2019 10:33    Kurz-URL: https://glm.io/145530

Webserver

Russische Polizei durchsucht Nginx-Büros

Russische Ermittler haben offenbar wegen angeblicher Urheberrechtsverletzungen durch den Gründer die Büros der Nginx-Entwickler durchsucht. Offizielle Informationen dazu gibt es derzeit aber nur wenige.

Die russische Polizei hat offenbar die Moskauer Büros der Entwickler des Webservers Nginx durchsucht. Grund dafür sollen angebliche Urheberrechtsverletzungen durch den Nginx-Gründer Igor Sysoev sein: Die Rechte an dem ursprünglichen Code lägen nicht nur bei Sysoev. Nginx gehört seit diesem Jahr zu dem Unternehmen F5, das vor allem für seine Netzwerkhardware bekannt ist.

Eine Pressesprecherin von F5 bestätigte Golem.de die Durchsuchung durch die russische Polizei. Weitere Details waren von dem Unternehmen nicht zu erfahren. "Wir sammeln immer noch die Fakten und können somit zum jetzigen Zeitpunkt keinen weiteren Kommentar abgeben", heißt es in der Pressemitteilung.

Ein Nutzer auf Twitter veröffentlichte angeblich unter Berufung auf Angestellte von Nginx den Durchsuchungsbeschluss. Demnach wurden auch die Gründer des Unternehmens, Igor Sysoev and Maxim Konovalov, vorübergehend festgenommen und durch die Polizei befragt.

Vermeintliche Urheberrechtsverletzung

Auch die russische Nachrichtenagentur Ria Novosti berichtete über den Urheberrechtsstreit. Demnach macht der russische Suchmaschinenanbieter Rambler Rechte an Nginx geltend und trat die Durchsetzung dieser Rechte an Lynwood Investments auf Zypern ab. Der Rambler-Miteigentümer Alexander Mamut habe Verbindungen zu Lynwood Investments.

Der Webserver Nginx wurde ab 2002 von Sysoev geschrieben und wenig später als Open-Source-Software veröffentlicht. Während dieser Zeit arbeitete der Entwickler bei Rambler, die auch die ersten großen Nutzer des Servers waren. Im Jahr 2011 gründete Sysoev zusammen mit Konovalov das Nginx-Unternehmen. Rechtlicher Sitz sind die britischen Jungferninseln, die Hauptniederlassung des Unternehmens befindet sich jedoch in San Francisco im US-Bundesstaat Kalifornien. F5 übernahm Nginx für 670 Millionen US-Dollar.

Mit Blick auf die Ereignisse bei Nginx schreibt der russische Suchmaschinenanbieter Yandex, wie wichtig Open-Source-Software für das moderne Internet und darauf aufbauende Geschäfte sei. Die strafrechtliche Verfolgung von Open-Source-Software sei ein sehr schlechtes Signal an die gesamte Entwickler-Community.

Nachtrag vom 16. Dezember 2019, 12:41 Uhr

F5 hat uns inzwischen eine ausführlichere Stellungnahme zu der Durchsuchung zukommen lassen. Darin heißt es: "Die Beamten hatten einen Durchsuchungsbeschluss und wir arbeiten immer noch daran, den vollen Umfang der Ermittlungen zu bestätigen. Es wurden keine Mitarbeiter festgenommen oder befinden sich derzeit in Gewahrsam. F5 unterstützt unsere Mitarbeiter voll und ganz und wir glauben, dass die Beschuldigungen gegen sie unbegründet sind."

Weiter heißt es: "Nginx und F5 haben keine höhere Priorität als die Sicherheit unserer Produkte und unseres Codes. Unmittelbar nach den Ereignissen haben wir Maßnahmen ergriffen, um die Sicherheit unserer Master-Software-Builds für Nginx, Nginx Plus, Nginx WAF und Nginx Unit zu gewährleisten, die alle auf Servern außerhalb Russlands gespeichert werden. In Russland werden keine anderen Produkte entwickelt."  (sg)


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