Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/pocketalk-im-test-der-teure-babelfisch-mit-der-kostenlosen-konkurrenz-1912-145354.html    Veröffentlicht: 05.12.2019 09:04    Kurz-URL: https://glm.io/145354

Pocketalk im Test

Der teure Babelfisch mit der kostenlosen Konkurrenz

Mit Pocketalk lassen sich 74 Sprachen in beliebiger Kombination übersetzen, was besonders im Urlaub praktisch ist. Im Test erkennt der kleine Übersetzer eingesprochene Sätze gut, allerdings braucht das Gerät angesichts der App-Konkurrenz eigentlich niemand.

Mit dem Pocketalk bietet das Unternehmen Sourcenext ein kleines Gerät an, mit dem sich 74 Sprachen übersetzen lassen. Es genügt, in das handflächengroße Gerät zu sprechen, bei 53 Sprachen bekommen wir die Übersetzung auch vorgelesen; bei den verbliebenen 21 Sprachen gibt das Gerät die Übersetzung als Text auf dem Bildschirm aus. Erinnerungen an Science-Fiction-Serien, in denen Kommunikation ohne Sprachbarrieren kein Problem darstellt, werden dabei bei uns wach.

Angesichts zahlreich vorhandener Übersetzungs-Apps für Smartphones macht der Pocketalk allerdings gar nicht so viel neu, wie wir zunächst dachten, und wie unser Vergleich mit den kostenlosen Alternativen zeigt. Im Test macht das Gerät zwar Spaß - mit Preisen von mehr als 200 Euro halten wir den Pocketalk jedoch für zu teuer und zu einfach durch Apps ersetzbar. Dem Traum fehlender Sprachbarrieren bringt uns das Gerät nicht näher als Googles und Microsofts Übersetzungs-Apps.

Handliches Format

Der Pocketalk ist mit gut 110 x 60 x 15,5 mm ein kompaktes Gerät, das dank seiner abgerundeten Form sowohl gut in der Hand liegt als auch gut in die Hosentasche passt. Die Software basiert auf Android 8.1, der Hersteller passte die Benutzeroberfläche allerdings komplett auf die Verwendung als Übersetzer an - und das nicht schlecht: Wir finden uns schnell zurecht. Als SoC ist ein nicht näher benannter Quad-Core-Prozessor mit einer Taktrate von 1,3 GHz verbaut, der für die Nutzung vollkommen ausreicht.

Das Display ist 2,5 Zoll groß und hat eine Auflösung von 320 x 240 Pixeln. Unter dem Bildschirm sind zwei Knöpfe eingebaut: Diese dienen dazu, die Spracherkennung der ausgewählten Sprache zu aktivieren. Stellen wir beispielsweise Deutsch und Englisch ein, können wir mit einem Druck auf den linken Knopf einen deutschen Satz einsprechen; nach der Übersetzung kann unser Gesprächspartner den rechten Knopf drücken und uns auf Englisch antworten. Der Pocketalk kann jeweils bis zu 30 Sekunden Spracheingabe erfassen.

Die Sprachen können wir auf dem Touchscreen auswählen. Der Einfachheit halber steht neben der kompletten Liste aller 74 Sprachen eine Übersicht der zuletzt verwendeten Idiome zur Verfügung. Die Auswahl der Sprachen entspricht exakt der von Googles Übersetzer, was uns erste Hinweise auf die Herkunft der Übersetzungs-Engine gab - dazu später mehr. Eine vollständige Liste der unterstützten Sprachen veröffentlichte Sourcenext auf seiner Homepage; dort ist auch zu sehen, welche 21 Sprachen über keine Sprachausgabe verfügen.

Google und Microsoft bieten vergleichbare Übersetzungen

Bis auf einige Ausnahmen wie Esperanto klingt die Sprachausgabe realistisch und scheint von echten Sprechern zu stammen. Die Übersetzungsqualität ist auf dem Niveau von Googles und Microsofts Übersetzungsdiensten und damit recht hoch: Auch verschachtelte Sätze kann der Pocketalk übersetzen. Wir haben die Übersetzungsqualität in Englisch, Japanisch, Französisch, Spanisch, Tschechisch und Indonesisch überprüfen können. Es ist hilfreich, wenn deutlich gesprochen wird; nuschelt der Sprecher, übersetzt Pocketalk mitunter nicht korrekt.

Beim Vergleich der Übersetzungen fielen uns Parallelen zur Sprachausgabe von Googles und Microsofts Diensten auf. Der Hersteller des Pocketalk verwendet nach eigener Aussage sowohl Googles als auch Microsofts Übersetzungsdienste für sein Produkt, ohne Details mitzuteilen. Wir vermuten, dass Sourcenext die beiden Engines miteinander kombiniert - das implizieren zumindest unsere Vergleiche.

Kombination aus beiden Übersetzungs-Engines

So klingt beispielsweise die kroatische Übersetzung des Pocketalk exakt wie die des Microsoft-Übersetzers, während Google hier nur eine sehr maschinell klingende Stimme anbietet. Übersetzen wir in Esperanto, bekommen wir wie bei Google eine maschinelle Sprachausgabe; Microsofts Translator kann Esperanto hingegen gar nicht übersetzen.

Die Kombination der Vorteile von Googles und Microsofts Übersetzungsengines ist zweifellos eine Stärke des Pocketalk. Wir finden zudem die Bedienung des Gerätes intuitiv, der Pocketalk dürfte auch von technisch weniger versierten Personen leicht zu bedienen sein. Die Qualität der Übersetzungen ist gut genug, um nicht allzu philosophische Konversationen zu führen.

Unser Testgerät ist die Version mit eingebauter eSIM, die dem Hersteller zufolge in 133 Ländern funktioniert. Das ist wichtig, da der Pocketalk nur mit einer Internetverbindung übersetzen kann. Dank der eingebauten SIM-Karte müssen sich Nutzer in vielen Regionen der Welt keine Gedanken über eine Netzwerkverbindung machen. Es gibt das Gerät auch in einer reinen WLAN-Version, in der Nutzer eine eigene Nano-SIM-Karte einlegen können. Mit der eSIM entstehen allerdings keine zusätzlichen Kosten, egal, wo der Nutzer sich aufhält.

Der Akku des Pocketalk hält bei uns bei häufigerer Nutzung mindestens zwei Tage lang durch. Geladen wird das Gerät über einen USB-C-Stecker. Während wir den Pocketalk verwendeten, bekamen wir ein Update, das drahtlos verteilt wurde.

Verfügbarkeit und Fazit

Der Pocketalk ist auf der Webseite des Herstellers erhältlich: Die WLAN-Version ist aktuell für 220 Euro zu bekommen, die eSIM-Variante kostet 250 Euro.

Fazit

In unserem Test funktionierte der Pocketalk gut: Die Übersetzungen der von uns ausprobierten Sprachen waren schlüssig. Zwei Drittel der übersetzten Sprachen werden als Audioausgabe wiedergegeben, was die Kommunikation vereinfacht.

Die Übersetzung ist auch deshalb so gut, weil der Hersteller auf die Engines von Google und Microsoft zurückgreift. Das bedeutet im Umkehrschlussuch, dass wir nahezu identische Ergebnisse mit dem Google- und Microsoft-Translator auf einem Smartphone bekommen.

Dabei müssen wir mitunter nur zwischen den Apps wechseln: Der Microsoft-Übersetzer beherrscht einige Sprachen nicht, die wir hingegen mit dem Google-Translator nutzen können. Andersherum ist die Sprachausgabe des Microsoft-Dienstes bei manchen Sprachen besser.

Insofern stellen wir uns die Frage, inwieweit Nutzer ein Gerät wie den Pocketalk benötigen: Letztlich können wir uns mit unserem Smartphone vergleichbar gut verständigen. Auch die Nutzererfahrung ist besonders beim Microsoft-Translator vergleichbar gut: Dort gibt es etwa einen Konversationsmodus, der ebenfalls für jede der beiden Sprachen eine Schaltfläche anbietet.

Zudem können die Übersetzungs-Apps noch mehr als der Pocketalk. So können wir beispielsweise mit der Kamera unseres Smartphones ein Bild mit uns unverständlicher Schrift abfotografieren und übersetzen lassen. Der Pocketalk hingegen kann nur gesprochene Sprache übersetzen; haben wir beispielsweise eine chinesische Bedienungsanleitung vor uns liegen, hilft uns das Gerät nicht weiter. Sourcenext kündigte für die nächste Version des Pocketalk eine Kamera an, auf der CES 2020 soll das Gerät gezeigt werden.

Angesichts der guten Qualität der vorhandenen Übersetzungs-Apps und weil die sinnvoller nutzbare Version des Pocketalk mit eingebauter eSIM 250 Euro kostet, halten wir die Anschaffung des Übersetzungsgerätes für wenig sinnvoll. Interessant wäre ein Gerät wie der Pocketalk, wenn die Übersetzungsergebnisse qualitativ deutlich besser als die von Google und Microsoft wären - was sie aktuell nicht sind.

 (tk)


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