Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/zu-hohe-gehaltsvorstellungen-124-000-offene-stellen-fuer-it-spezialisten-1911-145261.html    Veröffentlicht: 28.11.2019 13:14    Kurz-URL: https://glm.io/145261

Zu hohe Gehaltsvorstellungen

124.000 offene Stellen für IT-Spezialisten

Ein Anstieg um über 50 Prozent bei den offenen Stellen für IT-Jobs quält die Personalverantwortlichen. Zugleich meckern 72 Prozent über zu hohe Gehaltsforderungen der Bewerber.

In Deutschland gibt es aktuell 124.000 offene Stellen für IT-Spezialisten. Wie der IT-Branchenverband Bitkom am 28. November 2019 mitteilte, entspricht dies einem Anstieg um 51 Prozent im Vergleich zum Vorjahr mit 82.000. Innerhalb von zwei Jahren hat sich damit die Zahl der unbesetzten IT-Stellen mehr als verdoppelt.

Am häufigsten werden mit 72 Prozent zu hohe Gehaltsforderungen der Bewerber beklagt. Jedes dritte Unternehmen vermisst bei Bewerbern die notwendigen Soft-Skills wie Teamfähigkeit, jedes fünfte (20 Prozent) hat Bewerber, die nicht bereit sind, Dienstreisen oder einen Umzug zu machen. "IT-Experten können sich bei entsprechender Qualifikation ihren Job fast schon frei aussuchen", sagte Bitkom-Präsident Achim Berg.

Die Angaben zu den offenen Stellen gehen in der Branche weit auseinander. Der Bitkom stützt sich auf eine Befragung von rund 850 Geschäftsführern und Personalverantwortlichen in Unternehmen ab drei Mitarbeitern aus allen Branchen. 83 Prozent geben an, dass sie einen Mangel an IT-Spezialisten auf dem Arbeitsmarkt erleben, vor zwei Jahren waren es erst 67 Prozent. Die Bundesagentur für Arbeit spricht in ihrem Bericht Blickpunkt Arbeitsmarkt IT-Fachleute mit Stand April 2019 von rund 20.000 offenen Stellen für IT-Personal. Der MINT-Frühjahrsreport vom Institut der deutschen Wirtschaft meldete zum selben Zeitpunkt gut 59.000 fehlende IT-Fachkräfte.

Fluktuation bei 1 Millionen IT-lern ganz normal

"Im Segment der Hochqualifizierten wird der Bundesagentur für Arbeit also etwa jede dritte offene Stelle gemeldet", erklärte Ralf Beckmann aus dem Bereich Statistik und Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit im Oktober 2019. "Eine Zahl über offene Stellen sagt noch lange nichts über einen Fachkräftemangel aus." Die genannte Zahl ist lediglich ein Maß für das Umschlagsverfahren. Mitarbeiter kündigen oder gehen in den Ruhestand, die Stellen werden ausgeschrieben, es finden Bewerbungsgespräche statt - das dauert alles seine Zeit, während der Stellen unbesetzt sind. Die IT ist eine große Beschäftigungsbranche mit inzwischen etwa einer Million Erwerbstätigen. Bei so vielen Beschäftigten sei die Zahl offener Stellen zwangsläufig hoch, weil permanent viele Wechsel stattfinden.

"Der Mangel an IT-Experten betrifft längst nicht mehr nur die IT-Branche, sondern die gesamte Wirtschaft und auch Verwaltung, Behörden und Wissenschaft", sagte Berg.

Aktuell geben 4 von 10 Unternehmen (40 Prozent) an, dass die Besetzung von IT-Stellen länger dauert als die anderer Positionen, vor einem Jahr waren es mit 31 Prozent noch deutlich weniger. Auch die Zeit, wie lange eine offene IT-Stelle im Schnitt unbesetzt bleibt, sei von fünf auf sechs Monate gestiegen. In 18 Prozent der Unternehmen bleiben IT-Stellen in der Regel länger als ein halbes Jahr unbesetzt, vor einem Jahr war das in 10 Prozent der Unternehmen der Fall.

Besonders begehrt seien Software-Entwickler. Jedes dritte Unternehmen mit mindestens einer offenen IT-Stelle (32 Prozent) sucht Programmierer. Dahinter folgen IT-Anwendungsbetreuer (18 Prozent), Data Scientists (13 Prozent), IT-Projektmanager (12 Prozent) sowie IT-Berater und IT-Service-Manager (je 10 Prozent).

 (asa)


Verwandte Artikel:
Männer und Frauen in der IT: Gibt es wirklich Chancengleichheit in Deutschland?   
(25.11.2019, https://glm.io/143094 )
IT-Jobs: Gibt es den Fachkräftemangel wirklich?   
(28.10.2019, https://glm.io/144495 )
HR-Analytics: Weshalb Mitarbeiter kündigen   
(15.11.2019, https://glm.io/144735 )
Softbank: Wework entlässt Tausende Beschäftigte   
(24.10.2019, https://glm.io/144599 )
Softbank: Wework fällt von 47 auf 8 Milliarden US-Dollar   
(22.10.2019, https://glm.io/144552 )

© 1997–2020 Golem.de, https://www.golem.de/