Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/smarter-akku-lautsprecher-im-praxistest-bose-zeigt-sonos-wie-es-geht-1911-145219.html    Veröffentlicht: 29.11.2019 09:03    Kurz-URL: https://glm.io/145219

Smarter Akku-Lautsprecher im Praxistest

Bose zeigt Sonos, wie es geht

Der Portable Home Speaker ist Boses erster smarter Lautsprecher mit Akkubetrieb. Aus dem kompakten Gehäuse wird ein toller Klang und eine lange Akkulaufzeit geholt. Er kann anders als der Sonos Move sinnvoll als smarter Lautsprecher verwendet werden. Ganz ohne Schwächen ist er aber nicht.

Bose gegen Sonos. So sieht derzeit der Markt gehobener smarter Lautsprecher mit Akkubetrieb aus. Dabei macht Bose alles Wichtige viel besser als Sonos, der Move hatte uns enttäuscht. Wir haben den Bose-Lautsprecher Portable Home Speaker direkt mit dem Sonos-Konkurrenzprodukt verglichen. Denn der Sonos-Lautsprecher ist im Akkubetrieb nicht sinnvoll als smarter Lautsprecher nutzbar. Das ist bei der Bose-Konkurrenz anders, hier funktioniert alles wie erwartet. Besonders beeindruckt waren wir, was Bose klanglich und bei der Akkulaufzeit aus dem kleinen Lautsprechergehäuse herausholt.











Alle Bedienelemente befinden sich auf der Oberseite des Portable Home Speaker. Neben einem Ein/Aus-Schalter gibt es Lautstärketasten, einen Button zum Pausieren oder Fortsetzen der Wiedergabe sowie eine Taste zum manuellen Aktivieren eines digitalen Assistenten. Zudem finden sich ein Bluetooth-Button sowie eine Taste zur Deaktivierung des Mikrofons am Lautsprecher. Alle Tasten liegen unter einer Gummierung und haben einen guten Druckpunkt.



Wenn wir Musik auf Zuruf abspielen, diese unterbrechen und wieder fortsetzen, reagiert das neue Modell jetzt so schnell wie andere Alexa-Lautsprecher. Das war beim Home Speaker 500 nicht so. Hier hat Bose einiges optimiert. Das gilt allerdings nicht, wenn wir die Musik am Lautsprecher per Knopfdruck unterbrechen oder fortsetzen. Dann dauert es noch immer um die zwei Sekunden, bis die Musik pausiert ist - das ist einfach zu langsam.

Um das Bedienfeld herum gibt es einen LED-Ring, der Statusinformationen anzeigt. Da sich der Ring nicht am Gehäuserand befindet, ist dieser nur zu sehen, wenn der Lautsprecher unterhalb der Augenhöhe aufgestellt wird. Hier bleibt Amazons Ansatz bei den meisten Echo-Lautsprechern vorbildhaft, weil der außen liegende LED-Ring immer gut sichtbar ist, ganz gleich, wie der Lautsprecher aufgestellt wird.

Wenn die Musik angehalten ist, wird das durch vier Leuchtpunkte innerhalb des Rings angezeigt - eine pfiffige Idee, die für andere smarte Lautsprecher ebenfalls praktisch wäre. Das alles ist im Handbuch gut erklärt, das der Kunde über die Bose-Homepage herunterladen muss oder über die Bose-App erreicht.

Mobile Nutzung

Der Bose-Lautsprecher ist merklich kleiner und zierlicher als der vergleichsweise große und schwere Move von Sonos. Das Bose-Modell hat eine praktische Trageschlaufe, um das Gerät bequem herumtragen zu können. Die Schlaufe ist viel praktischer als die Griffmulde beim Move. Außerdem trägt sich das Bose-Modell wesentlich angenehmer, weil es lediglich 1,06 kg wiegt und keine 3 kg wie der Move, den wir einfach nicht lange tragen wollen.



Bose und Sonos versichern gleichermaßen, dass ihre Lautsprecher problemlos Stürze überstehen. Beide Modelle wirken sehr stabil und solide und sind gegen Spritzwasser geschützt - sie können also draußen auch mal nass werden, ohne Schaden zu nehmen. Auf der Rückseite befindet sich eine gut erreichbare USB-C-Buchse, um darüber den Lautsprecherakku zu laden.

Für das kleine Gehäuse liefert der Bose-Lautsprecher einen besonders beeindruckenden Klang.

Gehäuse klein, Klang groß

Wir haben den Portable Home Speaker beim Klangvergleich gegen den Move von Sonos antreten lassen. Außerdem haben wir den neuen Bose-Lautsprecher mit dem Home Speaker 500 von Bose und dem Echo Studio von Amazon verglichen. Sowohl der Home Speaker 500 als auch der Echo Studio sind zwar kabelbetrieben, wir wollten aber herausfinden, wie groß die klanglichen Unterschiede zu unserer Klangreferenz sind.

Wir haben alle vier Lautsprecher im Blindtest angehört und sie mit verschiedenen Musikstilen verglichen. Alle vier Probanden liegen bei der Klangqualität ziemlich dicht beieinander. Im Tiefbassbereich müssen sich der Portable Home Speaker und auch der Move geschlagen geben, weil sie diesen Bereich nicht abdecken. Das fällt im direkten Unterschied zum Home Speaker 500 und Echo Studio besonders deutlich auf, wenn viel moderne Popmusik gehört wird, die nach einem intensiven Tiefbass verlangt.

Sowohl der Move als auch der Portable Home Speaker versuchen, mehr Bass vorzugeben, als sie eigentlich leisten können. Allerdings kaschiert Bose das im Ergebnis etwas besser als Sonos. Beide Lautsprecher sind im Höhenbereich sehr gut, Gesang ist schön klar zu verstehen. Der Move schneidet im Mittenbereich besser ab als die Bose-Konkurrenz, aber das bessere Gesamt-Klangbild schafft am Ende der Portable Home Speaker, der vor allem im Jazz-Bereich ausgewogener ist als der Move.



Es bleibt aber beeindruckend, welch guten Klang Bose aus dem kompakten Gehäuse des Portable Home Speaker herausholt. Wer auf einen Akkubetrieb verzichten kann, bekommt mit dem Home Speaker 500 und dem Echo Studio den etwas besseren Klang. Beide Produkte müssen aber auch nicht die speziellen Anforderungen eines mobilen, akkubetriebenen Lautsprechers erfüllen - wie etwa gegen Stürze oder Spritzwasser geschützt zu sein.

Im Akkubetrieb gibt es immer Sprachsteuerung

Der Bose-Lautsprecher lässt sich auch im Akkubetrieb jederzeit als smarter Lautsprecher benutzen. In dieser Disziplin hat uns die Sonos-Umsetzung beim Move enttäuscht, hier wird nach einer halben Stunde Inaktivität ein Standby-Modus aktiviert, bei dem die Mikrofone im Lautsprecher ebenfalls abgeschaltet werden. Mittels Sonos-App kann der Lautsprecher so zwar geweckt werden, aber eine immer verfügbare Sprachsteuerung gibt es eben nicht.

Der Portable Home Speaker kann durch längeres Drücken der Power-Taste auch ganz ausgeschaltet werden. Wenn der Bose-Lautsprecher auf diese Weise ausgeschaltet wird, ist er nach 11 Sekunden wieder einsatzbereit - das ist eine durchaus akzeptable Wartezeit. Zum Vergleich: Wenn wir den Move ganz ausschalten, können wir ihn erst nach knapp 25 Sekunden wieder nutzen - das empfinden wir als viel zu lang.

Bose-Lautsprecher hat eine gute Akkulaufzeit

Bei den Akkulaufzeiten hat uns der Portable Home Speaker überrascht. Der Hersteller gibt für die Musikwiedergabe eine Laufzeit von 12 Stunden an. Diesen Wert konnten wir in unseren Tests ganz erheblich überschreiten. Wie der Sonos Move schafft auch der Bose-Lautsprecher im Bluetooth-Betrieb eine längere Akkulaufzeit als im WLAN-Modus.



Im WLAN-Betrieb konnten wir mit dem Portable Home Speaker bei Zimmerlautstärke 17 Stunden ununterbrochen Musik hören, bevor der Akku wieder geladen werden musste. Mühelos können wir den Lautsprecher den lieben langen Tag beliebig im Haus oder der Wohnung umhertragen, ohne ihn zwischendurch aufladen zu müssen.

Wir haben auch gemessen, wie lange der Lautsprecherakku durchhält, wenn nicht andauernd Musik gehört wird, aber gelegentlich Sprachbefehle erteilt werden. Dann kamen wir auf einen Wert von 26 Stunden. Im Bluetooth-Betrieb schafften wir mit deaktiviertem WLAN knapp 21 Stunden. Wer also mal einen Sommertag im Park oder am Strand Musik hören will, muss keine Sorge haben, dass der Akku zu früh schlapp macht. In allen Belangen schneidet der Sonos Move hier deutlich schlechter ab: Im WLAN-Betrieb sind knapp 11 Stunden möglich, im Bluetooth-Modus sind es lediglich 14 Stunden.

Der Bose-Lautsprecher ist nach drei Stunden wieder aufgeladen - die vom Hersteller angegebenen vier Stunden benötigten wir nicht. Aufgrund der angenehm langen Akkulaufzeit fehlt uns keine Möglichkeit, den Lautsprecher-Akku noch schneller aufzuladen. Der Move-Akku braucht zum Aufladen nur 1,5 Stunden.

Der Bose-Lautsprecher kann entweder mit Alexa oder Google Assistant verwendet werden.

Kein Parallelbetrieb der beiden digitalen Assistenten

Als Besonderheit unterstützen die smarten Lautsprecher von Bose beide führenden digitalen Assistenten Amazon Alexa sowie Google Assistant. Sowohl Bose und Sonos haben die gleichen Beschränkungen: Es lässt sich immer nur ein digitaler Assistent auf einem Lautsprecher betreiben. Hier vergeudet auch Bose viel Potenzial: Es wäre außerordentlich praktisch, beide digitale Assistenten auf einem Gerät nutzen zu können. Das macht in der Praxis auch keine Probleme, wenn dies entsprechend berücksichtigt wird, wie der Test des Magenta-Lautsprechers der Telekom zeigt, auf dem parallel zwei digitale Assistenten nutzbar sind. Für die Nutzung des Bose-Lautsprechers muss bei Bose ein eigenes Konto in der entsprechenden App angelegt werden.

Sowohl Bose als auch Sonos machen den Wechsel des digitalen Assistenten besonders unkomfortabel. Es fehlt ein einfacher Schalter zum Wechseln; jedes Mal ist eine komplette Neuanmeldung nötig. Eigentlich müsste es bei einem smarten Lautsprecher noch einfacher sein: Der Nutzer sollte den digitalen Assistenten auf Zuruf wechseln können - aber das gibt es erst recht nicht. Auf jedem Bose- oder Sonos-Lautsprecher kann hingegen ein anderer digitaler Assistent verwendet werden. Wer also bereits einen smarten Lautsprecher von Bose besitzt und den Portable Home Speaker in demselben Raum benutzt, kann beide digitale Assistenten auf Zuruf verwenden.

Bose unterstützt nicht alle Alexa-Funktionen

Seit dem Test des Home Speaker 500 vor knapp einem Jahr hat Bose den Alexa-Funktionsumfang etwas erweitert. Der reduzierte Alexa-Funktionsumfang ist an sich keine Bose-Besonderheit, weil Amazon einige Alexa-Fähigkeiten nur für die eigenen Geräte anbietet. Dazu gehört weiterhin alles rund um die Alexa-Telefoniefunktionen. Telefonate zu anderen Echo-Lautsprechern sind generell nicht möglich.

Auch die Alexa-Multiroom-Fähigkeiten stehen für die Bose-Lautsprecher nicht bereit. Mittlerweile werden aber die praktischen Alexa-Erinnerungen unterstützt, Alexa-Musikwecker sind hingegen weiterhin nicht möglich. In der Bose-App kann der Bass- oder Höhenbereich verändert werden, aber nicht auf Zuruf, wie es bei Echo-Lautsprechern möglich ist.

Die Bose-Lautsprecher lassen sich mittlerweile in Alexa-Gruppen einbinden, um etwa die in einem Raum befindlichen Lampen bequemer auf Zuruf steuern zu können. Dann genügt ein simples "Alexa, schalte das Licht an" und alle dem Raum zugewiesenen Lampen schalten sich ein. Das Signalwort kann bei allen Alexa-Geräten von Drittanbietern generell nicht verändert werden, die Funktion behält Amazon ganz bewusst den eigenen Echo-Geräten vor.



Bose weist auf der Produktseite zum Lautsprecher nur darauf hin, dass bestimmte Funktionen von Alexa und Google Assistant nicht zur Verfügung stehen könnten. Welche Fähigkeiten fehlen, wird aber verschwiegen. Es wäre für den Kunden sehr hilfreich vor einem Kauf umfassend über solche Beschränkungen informiert zu werden. Auch in der ansonsten sehr ausführlichen Anleitung gibt es keinen Hinweis darauf.

Google Assistant ließ sich zunächst nicht einrichten

Im Rahmen unseres Tests wollten wir uns auch die Nutzung mit dem Google Assistant anschauen. Aber das war zunächst nicht möglich, weil eine Anmeldung auf zwei Bose-Lautsprechern mit verschiedenen Smartphones wiederholt scheiterte. Mit Hilfe des Bose-Kundendienstes haben wir es nach zwei Stunden hinbekommen, den Google Assistant zum Laufen zu bringen. Wir setzten auf Rat des Kundendienstes den Lautsprecher zurück, installierten die Music-App neu und richteten ein neues Google-Assistant-Konto ein - nichts davon hatte zunächst geholfen.

Schließlich lag es am verwendeten Bose-Konto. Der genaue Grund dafür ließ sich durch Bose nicht ermitteln. Nachdem wir ein neues Konto eingerichtet hatten, konnten wir den Google Assistant aktivieren. Falls diese Probleme auch bei anderen Kunden auftreten, bedeutet dies, dass bei Bedarf alle übrigen Bose-Produkte in das neue Konto integriert werden müssen. Hier sollte Bose unbedingt nachbessern. Zum Vergleich dazu hatten wir mit Sonos-Lautsprechern noch nie ein Problem bei der Einrichtung des digitalen Assistenten.

Youtube Music und Deezer werden nicht unterstützt

Bei Nutzung des Google Assistant gibt es vergleichbare Einschränkungen wie bei Alexa und eine besonders lästige zusätzliche Beschränkung: Der Bose-Lautsprecher kann wie auch Sonos nicht mit Youtube Music verwendet werden. Auch Deezer ist auf Zuruf mit dem Bose-Lautsprecher nicht nutzbar. Diese bei anderen Google-Assistant-Geräten enthaltenen Standardfunktionen sollten zügig nachgeliefert werden. Somit stehen lediglich Spotify sowie Tunein als Musikstreamingdienste zur Verfügung, die auf Zuruf mit dem Google Assistant verwendet werden können.

Zudem unterstützt auch der Google Assistant keine Musikwecker und es fehlt die Unterstützung von Google Cast. Beides ist ansonsten in den meisten Google-Assistant-Lautsprechern vorhanden. Letzteres macht einen Multiroom-Betrieb mit anderen Google-Assistant-Lautsprechern unmöglich.



Wie auch Sonos übernimmt Bose eine nervige Eigenart des Google Assistant, auf die wir gerne verzichtet hätten: Beim Umschalten des Mikrofons gibt es jedes Mal eine Ansage zum aktuellen Status. Hier würde uns ein kurzer Signalton zur Bestätigung genügen, wie wir ihn auf der Link Bar von JBL hören.

Kein Signalton, wenn der digitale Assistent lauscht

Beim Bose-Lautsprecher fehlt uns generell ein Signalton, sobald einer der beiden digitalen Assistenten lauscht. Damit könnte besser verhindert werden, dass Gespräche ungewollt an die Server von Amazon oder Google gesendet und möglicherweise dann später von Menschen ausgewertet werden. Es passiert immer noch gelegentlich, dass sich ein digitaler Assistent versehentlich aktiviert. Dann hilft ein akustisches Signal, das auch mitzubekommen. Die Mikrofone im Bose-Lautsprecher reagieren gut, so dass wir auch aus größerer Entfernung nur in Zimmerlautstärke zum Gerät zu sprechen brauchen.

Wenn die Mikrofone am Bose-Lautsprecher abgeschaltet sind, wird das mit einer kleinen, rot leuchtenden LED signalisiert. Würde stattdessen der ganze LED-Ring rot leuchten, wäre dies deutlich auffälliger. Im Unterschied zu Geräten von Amazon oder Google direkt, können smarte Lautsprecher von Drittanbietern bei Bedarf auch ohne Anmeldung bei einem digitalen Assistenten verwendet werden - das ist auch bei Bose der Fall.

Im Multiroom-Betrieb werden langjährige Bose-Kunden enttäuscht.

Multiroom-Nutzung nicht mit allen Bose-Produkten möglich

Kurz nach dem Verkaufsstart des Portable Home Speaker hat Bose mit einem Update der Music-App die Multiroom-Unterstützung erweitert. Bisher gibt es die neue Music-App jedoch nur für iOS-Geräte, Android-Nutzer müssen weiter warten. Bose hat Golem.de auf Nachfrage mitgeteilt, dass die Android-Version erst mit einer Verzögerung von mehr als einer Woche am 2. Dezember 2019 erscheinen soll. Bisher war es so, dass sich nur die neueren Bose-Home-Produkte zu einer Multiroom-Gruppe verbinden ließen. Dazu gehören der neue Portable Home Speakers, die Home Speaker 300 und 500 sowie die Soundbar 500 und 700.

Als Neuerung können auch die Bluetooth-Lautsprecher der Soundlink-Produktgruppe im Multiroom-Betrieb mit den Home-Produkten verwendet werden. Das bedeutet, dass sich die Soundlink-Lautsprecher in Bluetooth-Reichweite des Home-Produkts befinden muss - echtes Multiroom ist damit also nur eingeschränkt möglich. Auch der ANC-Kopfhörer Noise Cancelling Headphones 700 von Bose kann über Bluetooth mit einem Home-Lautsprecher verbunden werden.

Wer bereits lange Bose-Kunde ist und sich ein System aus WLAN-Lautsprechern der Soundtouch-Produktreihe aufgebaut hat, wird weiterhin vom Hersteller enttäuscht. Er kann diese nach wie vor nicht mit den aktuellen Bose-Home-Produkten im Multiroom-Betrieb nutzen. Bose wollte sich auf Nachfrage nicht dazu äußern, ob es Pläne gibt, diese Funktion nachzurüsten.



Das Anlegen einer Multiroom-Gruppe aus verschiedenen Lautsprechern ist nach wenigen Sekunden erledigt, kommt aber nicht an den Bedienkomfort eines Sonos-Systems heran. Es ist schade, dass die Bose-Produkte im Multiroom-Bereich ansonsten die gleichen Beschränkungen wie die Sonos-Lautsprecher haben und sich weder mit Echo-Lautsprechern noch mit anderen Google-Assistant-Lautsprechern im Multiroom-Betrieb nutzen lassen. Sowohl Bose als auch Sonos unterstützen immerhin Apples Airplay 2.

Airplay 2 ist mit dabei

Über Airplay 2 kann der Portable Home Speaker mit anderen kompatiblen Lautsprechern im Multiroom-Betrieb bespielt werden. So können etwa ein Homepod von Apple oder ein Sonos-Lautsprecher im Verbund mit einem Bose-Lautsprecher im Multiroom-Modus verwendet werden. Wie bei Airplay 2 üblich, ist all das nur mit Apple-Produkten möglich. Wer ein Android-Gerät besitzt, kann Airplay 2 nicht nutzen.

Generell reagiert die Airplay-Steuerung merklich träger als die Bedienung über die Bose-App. Wenn wir in der Bose-App etwa die Wiedergabe pausieren, verstummt die Wiedergabe sofort. Wenn wir das Gleiche über Airplay 2 erledigen, dauert es immer ein bis zwei Sekunden, bis der Lautsprecher reagiert. Die träge Reaktion von Airplay 2 liegt aber nicht am Bose-Produkt. Diese Probleme treten auch mit Apples Homepod oder anderen Airplay-2-fähigen Lautsprechern auf.

Streaming via Apple TV

Wir haben den Bose-Lautsprecher auch mittels Airplay 2 mit einem Apple TV 4K getestet. Dabei zeigten sich einige Schwächen in der Airplay-2-Implementierung. Wir hatten zwischendurch immer wieder einen Versatz zwischen Bild und Ton - und zwar von mehreren Sekunden. Das Problem trat immer dann auf, wenn wir in einer Serie zur nächsten Folge wechselten. Das Bild lief schon, der Lautsprecher blieb stumm. Erst nach ein paar Sekunden kam der Ton dazu, der dann entsprechend hinterherhinkte.

Ähnliche Probleme gab es auch beim Einsatz mit Apples Homepod, aber sie traten weniger häufig auf. Der Homepod kam bei uns gelegentlich durcheinander, wenn wir in einem Stream gespult haben. Danach gab es auch hier einen Versatz zwischen Bild und Ton von mehreren Sekunden. Beim Einsatz einer Sonos Beam traten in unseren Tests bei wiederholter mehrstündiger Nutzung keine vergleichbaren Probleme auf.

Bluetooth ohne Multiroom-Anbindung

Als weiteren Übertragungsweg bietet der Bose-Lautsprecher Bluetooth an. Es ist aber nicht möglich, ein über Bluetooth angebundenes Gerät im Multiroom-Betrieb auf mehr als einem Lautsprecher auszugeben. Sobald der Multiroom-Modus gestartet wird, trennt sich die Bluetooth-Verbindung zum Smartphone

Bei mobiler Nutzung ohne vorhandenes WLAN wird der Portable Home Speaker über Bluetooth verwendet. Dann ist aber kein Zugriff mehr über die Bose-App möglich. Wer also unterwegs etwa die Intensität von Bass oder Höhen verändern möchte, kann dies erst tun, wenn sich der Lautsprecher wieder in einem WLAN befindet. Es ist ärgerlich, dass Bose nicht daran gedacht hat, die Änderung des Klangbilds auch im Bluetooth-Betrieb zu erlauben.



Ein etwas nerviges Verhalten zeigt der Bose-Lautsprecher, wenn wir ihn im Bluetooth-Betrieb verwendet haben. Sobald der Lautsprecher zuletzt mit einem Bluetooth-Gerät verbunden wurde und dann eingeschaltet wird, sucht er immer nach den zuletzt verbundenen Bluetooth-Geräten und nervt mit Ansagen. Auf Anhieb erschließt sich nicht, wie sich das abschalten lässt. Bose sagte auf Nachfrage von Golem.de, dass die Bluetooth-Verbindung nicht mehr aufgebaut wird, sobald Musik über den eingerichteten digitalen Assistenten abgespielt wird. Auch eine bestehende Bluetooth-Verbindung wird gnadenlos getrennt, sobald wir Musik auf Zuruf wiedergeben - beides können wir so bestätigen.

Bose mit Schwächen bei der Software

Boses Music-App ist zur Nutzung mit einem Lautsprecher noch halbwegs funktional, aber der Einsatz als Multiroom-System ist unpraktisch umgesetzt. Das Anlegen einer neuen Gruppe dauert nur ein paar Sekunden, aber schon die Erweiterung einer bestehenden Gruppe um weitere Lautsprecher ist schlicht nicht möglich. Wir müssen eine Gruppe erst auflösen, um dann eine neue zu erzeugen. Hier ist das Sonos-System um einiges flexibler.

Bei der Anzahl der unterstützten Musikstreamingdienste kann es Bose überhaupt nicht mit den mehr als 100 unterstützten Musikstreamingdiensten von Sonos aufnehmen. Bose kennt gerade mal vier Anbieter: Amazon Music, Spotify, Deezer sowie Sirius XM. Andere Musikstreamingdienste wie etwa Apple Music, Google Play Music oder Youtube Premium stehen in der Bose-App nicht zur Verfügung.



Das Grundprinzip der Bose-App ist komplett anders als bei Sonos. In der Sonos-App ist es sehr bequem möglich, herausgesuchte Playlisten mal eben auf einem anderen Lautsprecher abzuspielen. Im Fall der Bose-App muss die betreffende Playliste für jeden Lautsprecher neu herausgesucht werden. Wir haben die Bose-App mit einem Amazon-Music-Abo genutzt und fanden keine Möglichkeit, innerhalb der Bose-App in Musikstücken spulen zu können - das ist nervig. Einen Musikwecker kennt die Bose-App ebenfalls nicht.

Ladeschale nur mit einer Funktion und nur als Zubehör

Bose liefert den Portable Home Speaker mit einem USB-Netzteil mit USB-C-Buchse aus. Passend dazu gibt es ein Kabel mit zwei USB-Steckern - wer also noch nicht so viele solcher Kabel besitzt, sollte damit sorgsam umgehen, falls das mitgelieferte Netzteil verwendet werden soll. Ansonsten kann der Akku im Lautsprecher auch mit einem handelsüblichen USB-Ladegerät und einem USB-C-Kabel aufgeladen werden.



Anders als beim Sonos Move gehört keine Ladestation zum Lieferumfang des Bose-Lautsprechers. Wir finden es keine gute Entscheidung, die Ladestation nur als Zubehör zu verkaufen. Denn damit brauchen wir den Lautsprecher nur auf die Station zu stellen und schon lädt der Akku. Das ist angenehmer als Kabel umzustöpseln.

Vor allem, wenn die Ladestation extra bezahlt werden muss, hätten wir uns weitere Funktionen gewünscht: Dann hätte es einen AUX-Eingang, eine USB-Buchse und einen LAN-Anschluss geben können, um all das bei stationärer Nutzung verwenden zu können. Aber die Ladestation hat nur einen USB-C-Anschluss und kann lediglich den Akku im Lautsprecher laden. Die Ladestation kann mittels USB-C auch mit anderen Netzteilen verbunden werden, zur Ladestation gehört kein Kabel und kein Netzteil.

Der Akku ist im Lautsprecher fest verbaut und kann vom Kunden nicht getauscht werden. Falls dieser gewechselt werden muss, geht das nur über den Bose-Kundendienst. Was ein Akkutausch kosten wird, hat Bose noch nicht bekanntgegeben.

Verfügbarkeit und Fazit

Boses Portable Home Speaker kostet 370 Euro und ist in den Farben Schwarz oder Silber verfügbar. Zum Lieferumfang gehören ein Netzteil und ein Kabel mit zwei USB-C-Buchsen. Die praktische Ladestation gehört nicht zum Lieferumfang und kostet 30 Euro zusätzlich. Wer also den gesamten Komfort des Lautsprechers nutzen will, zahlt für den Portable Home Speaker zusammen mit der Ladeschale 400 Euro. Bose bietet kein spezielles Paket aus Lautsprecher und Ladeschale an.

Fazit

Mit dem Portable Home Speaker ist Bose ein sehr guter smarter Lautsprecher mit Akkubetrieb gelungen. Er schneidet in allen entscheidenden Punkten deutlich besser ab als das Konkurrenzprodukt von Sonos. Der Bose-Lautsprecher liefert vor allem für das kompakte Gehäuse seinen sehr beeindruckenden Klang und glänzt dabei mit einer langen Akkulaufzeit.

Anders als die Sonos-Konkurrenz kann der Portable Home Speaker auch im Akkubetrieb jederzeit als smarter Lautsprecher mit der Stimme bedient werden. Wir können den Bose-Lautsprecher einen langen Tag über nutzen, ohne ihn zwischendurch aufladen zu müssen. Der Lautsprecher ist also vor allem dann ideal, wenn dieser öfter in verschiedenen Räumen genutzt werden soll oder eben für den Außeneinsatz benötigt wird.



Schwächen zeigt Bose abermals bei der Software zum Gerät. In dieser Disziplin weiß das Sonos-System zu überzeugen. Besonders ärgerlich bleibt, dass Boses aktuelle Home-Produkte nicht kompatibel mit dem bestehenden Multiroom-System der Soundlink-Modellreihe sind. Hier werden vor allem langjährige Bose-Kunden vernachlässigt. Bei der Airplay-2-Unterstützung sollte Bose noch einmal Hand anlegen, damit es mit dem Apple TV zuverlässiger funktioniert. Ärgerlich ist auch, dass die Konfiguration des Lautsprechers nur im WLAN-Betrieb möglich ist und nicht auch im Bluetooth-Modus.

Beim Blick auf die Fähigkeiten der Sprachsteuerung ergibt sich ein durchwachsenes Bild. Wir finden es schade, dass auch Bose die Chance nicht nutzt, einen smarten Lautsprecher mit zwei parallel nutzbaren digitalen Assistenten anzubieten. Außerdem gibt es weder bei Alexa noch bei Google Assistant den vollen Funktionsumfang. Vor allem das Fehlen von Youtube Music ist ärgerlich und sollte schnell korrigiert werden.



Für uns ist es nicht nachvollziehbar, dass Bose den Portable Home Speaker nicht gleich mit der Ladeschale ausliefert. Der alltägliche Umgang wird damit erleichtert und es wäre wünschenswert, wenn Kunden hier ein möglichst gutes Rundumpaket erhalten würden. Dennoch: Wer derzeit einen smarten Lautsprecher mit einem möglichst guten Klang, vernünftiger Alltagsnutzung und einer langen Akkulaufzeit sucht, kommt am Portable Home Speaker nicht vorbei.

 (ip)


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