Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/star-citizen-mit-der-carrack-ins-neue-sonnensystem-1911-145187.html    Veröffentlicht: 25.11.2019 16:59    Kurz-URL: https://glm.io/145187

Star Citizen

Mit der Carrack ins neue Sonnensystem

Für Fans hätte die Citizencon 2949 in Manchester kaum besser laufen können: Bald können sie die Anvil Carrack fliegen. Der Saal tobte allerdings nicht für das Schiff am lautesten, denn Star Citizen wagt den Sprung in das erste neue Sonnensystem nach Stanton: Pyro.

Als zu Beginn der Citizencon die Lichter ausgehen, wird es still im Saal. Aus den riesigen Lautsprechern dröhnt eine knochenerschütternde Musik, während ein Trailer auf der Bühne läuft. "Was ist zu Hause?", fragt sich der Erzähler. Dann erscheint sie, die Antwort - und die Anvil Carrack fliegt durchs All. Der Saal jubelt und tobt minutenlang. Das von Fans geliebte Raumschiff ist endlich zum Greifen nah - ab Februar 2020 und für mindestens 540 Euro.

Die Carrack soll zum Zentrum der diesjährigen Citizencon 2949 in Manchester werden. Auf dieser jährlichen Veranstaltung zeigen Chris Roberts und sein Team Neues und Kommendes in Star Citizen. Wie immer wird auch dieses Jahr eine kurze Demonstration in Form einer Erzählung gegeben - live und im Spiel.

Keine Citizencon ohne technische Probleme

Dieses Mal wachen unsere Protagonisten in der Koje der neuen Carrack auf. Erst einmal wird eine Tasse Kaffee getrunken. Ja, in Star Citizen gibt es voll animierte virtuelle Kaffeemaschinen. Dann geht es in Richtung Cockpit. Der Weg führt durch lange stählerne Gänge an einem Billardtisch vorbei und durch den integrierten Hangar. Dort steht ein zweites neues Schiff, die C8X Pisces, welches mit eigenständigem Quantum-Antrieb als Shuttle taugt. Nach einem kurzen Stopp im Maschinenraum geht es in das Cockpit, in dem drei Personen Platz finden. Die Carrack ist klar als Mehrpersonenschiff ausgelegt.



Auf der Brücke treffen beide Protagonisten aufeinander und wollen miteinander reden. Allerdings bleibt es still. Der schiffsweite Voice-over-IP-Chat ist wieder einmal ausgefallen. "Zuvor hat das noch funktioniert!", versichert Roberts, während sein Gesichtsausdruck nervöser wird. Quittiert wird diese Panne von der Community mit einem humorvollen Gelächter. Das ist schon fast eine Tradition auf der Citizencon: Star Citizen ist nicht Star Citizen ohne Bugs und Probleme.

Planeten sehen künftig schöner aus

Davon lassen sich die Entwickler nicht ablenken und starten ihre Mission: Informationen von einem Server zu stehlen. Dazu geht es auf die eisig kalte Welt Microtech, die mit der Alpha 3.8 Ende des Jahres implementiert werden soll. Im Anflug an den Planeten zeigt das Team gleich eine weitere neue Technik: Mit Planettech V4 sollen künftig alle prozedural generierten Himmelskörper im Spiel erstellt werden.

Das Besondere daran ist, dass diese Vegetation und Biome nicht mehr anhand vorgefertigter Texturen - für jeden Planeten waren das laut Cloud Imperium Games immerhin etwa 500 Dateien -, sondern von physikalischen Effekten, von der Temperatur und der Luftfeuchtigkeit automatisch generiert werden sollen. Microtech und dessen Hauptstadt New Babbage sind optisch beeindruckende Beispiele für die neue Technik.

Hier wechseln sich schneebedeckte Gipfel mit grünen Tundraebenen, zugefrorenen Ozeanen oder obsidianübersäten Ödlanden ab. Vom Weltall aus gesehen werden Objekte mit V4 zudem künftig genauer gerendert und einzelne Detailstufen tauchen beim Anflug nicht mehr ganz so sichtbar aus dem Nichts auf.

Kalte Stürme machen Spielern das Leben schwer

Nach dem Landen in der Hauptstadt geht es durch die Kälte zum nächsten Shuttle-Transport. Die Spielfigur atmet schwer und zittert sichtbar. Ein neues System simuliert die Körpertemperatur und den Gesundheitszustand und kann tödliche Nebeneffekte haben. Chris Roberts ist auch besonders stolz darauf, dass in etwas weiter entfernter Zukunft das Essen, Trinken und Schlafen zum Überleben wichtig sein werden.

In New Babbage treffen die Protagonisten auf einen neuen Missionsagenten, der uns eine falsche ID-Karte und einen Laborkittel zur Verfügung stellt. Was ist das? Der Kittel kann aufgehoben werden und weht im Wind? Es folgt großer Jubel und Beifall. Chris Roberts ist sichtlich erfreut. Diese kleinen Details sorgen während der Präsentation immer wieder für Staunen in der Community - die Stimmung im Saal ist faszinierend und animiert zum Miteifern.

Von KI gesteuerte Schiffe und Wirtschaftssystem

Um zum Missionsziel zu gelangen, buchen die Protagonisten einen Flug auf einem Shuttle-Transport zum Außenposten. Das Schiff wird dabei von computergesteuerten Figuren geflogen. Das ist ein kleiner Einblick in die Aufgaben, die im fertigen Spiel Bots übernehmen werden. Ebenfalls interessant war zu diesem Thema eine Präsentation, welche die Wirtschaft im Spiel zeigt.



Die Entwickler nutzen dazu virtuelle Identitäten, Quanten genannt, die mit einem jeweiligen Verhalten agieren. Diese Quanten agieren als computergesteuerte Bevölkerung, die Güter transportiert, in Fabriken arbeitet oder Erz abbaut. Je nachdem, wie die Nachfrage und das Angebot bestimmter Güter und Rohmaterialien im jeweiligen Sonnensystem sind, werden entsprechend Preise angepasst.

Sehr interessant wurde dies, als die Entwickler Piraten und Gesetzeshüter in die Simulation injiziert haben. Diese wirken sich wiederum auf Handelsrouten und Güterpreise aus. Die Spieler sollen in diesem System genauso Einfluss nehmen können wie die KI-Figuren. Baut eine spielergesteuerte Organisation etwa eine große Menge Erz auf einem Planeten ab und verkauft dieses, dann beeinflusst das dynamisch Preise und Verhalten von Bots.

Spieler, die sich als Piraten verdingen wollen, können dabei auch im Gefängnis landen.



Was mit Kriminellen passieren wird

Auf der Veranstaltung konnten Spieler einen kurzen ersten Blick darauf gewinnen, was mit kriminellen Personen in Star Citizen passiert. Sie werden in ein automatisiertes Gefängnis geworfen und müssen dort ihre Strafe abarbeiten. Das Konzept sieht vor, dass vorbildliches Verhalten die noch abzusitzende Zeit verringert, während auf besonders gewalttätige Insassen auch ein Kopfgeld in Form von Strafverringerung ausgesetzt werden kann. Auch die Option zum Flüchten wird Spielern gelassen. Dies müssen sie allerdings in irgendeiner Weise organisieren, etwa durch Gehilfen in einem Schiff.

Cloud Imperium Games gibt selbst zu: Das Gefängnissystem ist derzeit noch in einem sehr frühen Stadium und wird noch eine Weile auf sich warten lassen. Es sei allerdings eine gute Methode, Aufgaben an Mitarbeiter zu verteilen, die nicht unbedingt mit Quellcode umgehen können. Derzeit entstehen also vorwiegend der Gefängniskomplex selbst und dessen Innenausstattung. Die Mechaniken an sich werden später ergänzt.

Schleichen statt schießen

Zurück auf Microtech schleichen sich die Protagonisten im Labormantel in das Rechenzentrum ein. In Zukunft soll es Schleichmissionen geben. Einen Einblick darin sehen die Zuschauer, als die Spielfigur in der Präsentation eine Wache von hinten leise ausschaltet. Zuvor hielten aber alle den Atem an, als sich das noch unfertige kommende Spielerinventar ungewollt öffnete. Es sah so aus, als müsse die Demo neugestartet werden, als sich die Spielfigur nicht mehr bewegen konnte. Das Öffnen des Mobiglas - des Spielermenüs in Star Citizen - konnte das Schlimmste abwenden. Der Applaus war den Entwicklern sicher.

Unauffällig schnappt sich der Spieler die Datenkarte und flieht durch Lüftungsschächte nach draußen. Doch Vorsicht: Draußen tobt ein eisiger Sturm und die Sicht geht gegen null. Bäume beugen sich zur Seite und die Spielfigur lehnt sich in den Wind. Das sieht alles bereits recht realistisch, wenn auch noch etwas holprig aus. Im Sturm kommt zudem wieder einmal die Körpertemperatur zum Tragen. Diese fällt bei -120 Grad Celsius schnell. Die Sicht wird weiß und der Spieler zittert am ganzen Körper.

Nach ein paar Hundert Metern durch die eisigen Berge schafft es der Protagonist in eine Höhle. Dort wartet ein neuer Umweltanzug auf seinen Besitzer. Rüstungen sollen sich in Star Citizen künftig nicht mehr nur rein optisch unterscheiden. Sie sollen auch einen jeweiligen Zweck erfüllen - schneller laufen, mehr Tragkraft oder in diesem Fall: Wetterbeständigkeit.

Mit beschlagenem Visier rennt der Protagonist weiter durch den Schneesturm. Der wird mit abnehmender Terrainhöhe immer schwächer. An einer Stelle steht ein von einer Plane verdeckter Ursa Rover, den der Protagonist wieder einmal mit Unterstützung durch tosenden Applaus abzieht. Den Rest des Weges geht es im gemütlichen Rover nach unten, wo die Komplizin in der Anvil Carrack wartet.

Auffällig: Beim ersten Anlauf konnte der Rover die Rampe hinauf in den Laderaum fahren. Cloud Imperium Games hat merklich an diesem System gearbeitet. Der Fortschritt ist sichtbar - wenn auch im Detail.

Ein kleiner Schritt für die Carrack, ein großer Sprung für das Spiel

Zurück im Weltall und bei einem schönen Blick auf den Planeten Microtech geht es zum ersten Sprungpunkt im Spiel. Der Saal ist komplett still, als der riesige leuchtende Ring aktiviert wird. Wird das Spiel abstürzen? Gibt es einen Sprung ins neue Sonnensystem? Langsam und behäbig nähert sich die Carrack der Weltraumstruktur. Der Ring bildet eine blau leuchtende Oberfläche - Stargate lässt grüßen - und der Sprung wird eingeleitet.

Ein lauter Knall schickt das Schiff in eine Art Wurmloch, durch das die Pilotin am Steuer mit sichtlich nervösem Blick navigieren muss. 60 Sekunden lang bleibt die Spannung groß, jede kleine Bewegung kann zum Tod führen. Dann ist es geschafft: Die Menge tobt, brüllt, applaudiert und die Entwickler sind sichtlich erleichtert. Star Citizen bekommt sein zweites Sonnensystem Pyro. Ein Schritt näher zu diesem "verrückten Traum", wie ihn Chris Roberts auf der Bühne selbst nennt.

Mit der Carrack in das erste neue Sternensystem zu reisen - mehr hätten sich die vielen Fans auf dem Event nicht wünschen können. Enttäuscht wurden sie nicht. Im Gegenteil: Sie waren begeistert. Dabei ist klar, dass es noch ein weiter Weg für Star Citizen ist. Das zeigen die noch immer vielen Bugs und Probleme und die lange Liste an Dingen, die Spieler noch erwarten und die weit über das Gezeigte hinausgehen.  (on)


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