Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/energiewende-nordlaender-bauen-gemeinsame-wasserstoffwirtschaft-auf-1911-144891.html    Veröffentlicht: 09.11.2019 14:45    Kurz-URL: https://glm.io/144891

Energiewende

Nordländer bauen gemeinsame Wasserstoffwirtschaft auf

Der Norden setzt auf Wasserstoff: Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein haben eine gemeinsame Strategie beschlossen, um die Energiewende voranzutreiben. Dazu gehört auch, dass künftig Häfen nur noch von sauberen Schiffen angelaufen werden dürfen.

Wasserstoff für Norddeutschland: Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein haben eine Maßnahme für den Klimaschutz beschlossen. Sie wollen im kommenden Jahrzehnt gemeinsam eine nachhaltige Wasserstoffwirtschaft aufbauen.

Die Wirtschafts- und Verkehrsminister der norddeutschen Bundesländer haben eine gemeinsame Wasserstoffstrategie beschlossen. Danach sollen die Kapazitäten für die Erzeugung von Wasserstoff durch Elektrolyse ausgebaut werden. Dazu soll Strom aus erneuerbaren Quellen genutzt werden, etwa Windstrom aus Offshore-Anlagen.

Bis 2030 soll die Elektrolyse-Leistung in Norddeutschland bei mindestens 500 Megawatt liegen. Das soll ausreichen, um rund 150.000 Pkw mit grünem Wasserstoff zu betanken. Bis 2035 soll die Elektrolyse-Leistung auf 5 Gigawatt ausgebaut werden. Hamburg kündigte kürzlich den Bau eines Elektrolyseurs im Hafen an, der eine Leistung von 100 Megawatt haben wird. Um den grünen Wasserstoff ins Auto zu bekommen, müssen Wasserstofftankstellen gebaut werden. Rund 250 Wasserstofftankstellen seien in den Nordländern für eine flächendeckende Versorgung notwendig.

Wasserstoff soll unterirdisch gespeichert werden

Die Nordländer sehen sich in einer guten Position für eine solches Projekt: So stünden genug Kapazitäten an On- und Offshore-Windstrom und zudem unterirdische Formationen zur Verfügung, die sich als Speicher für den Wasserstoff eigneten. Es gebe bereits Industriezweige, die Erfahrungen im Umgang mit Wasserstoff hätten. Weiteres Know-how soll in sechs norddeutschen Reallaboren der Energiewende generiert werden. Schließlich könne über die Seehäfen Wasserstoff sowie synthetische Treibstoffe anfangs importiert, aber später auch verschifft werden, heißt es in dem Strategiepapier.

Der Ausbau einer norddeutschen Wasserstoffwirtschaft ist aber nur ein erster Schritt. Die Initiatoren planen schon eine Erweiterung: Im zweiten Schritt sollen die Nachbarländer im Westen und Norden - die Niederlande sowie Dänemark, Norwegen und Schweden - hinzukommen, kündigte der hamburgische Wirtschafts- und Verkehrssenator Michael Westhagemann bei einer Veranstaltung von VW zum autonomen Fahren Mitte der Woche an.

Zudem wollen Hamburg und Schleswig-Holstein in ihren Häfen die Schadstoffemissionen durch Schiffe verringern. Die Schiffe sollen während der Liegezeitenüber entsprechende Einrichtungen Landstrom beziehen, statt sich selbst mit Strom aus Generatoren, die mit fossilen Brennstoffen betrieben werden, zu versorgen.

Die Regelung soll zunächst verpflichtend sein für Schiffe, die bereits mit einem Landstromanschluss ausgestattet sind, was derzeit nur eine recht geringe Zahl ist. Nach einer Übergangszeit sollen dann nur Schiffe Hamburg und die Häfen von Schleswig-Holstein anlaufen dürfen, die Landstrom aufnehmen können oder die sich selbst mit sauberem Strom, etwa über eine Brennstoffzelle, versorgen.

Hamburg und Schleswig-Holstein arbeiten schon seit einiger Zeit zusammen an dem Projekt Norddeutsche Energiewende (NEW 4.0).  (wp)


Verwandte Artikel:
Autonomes Fahren: Wenn der Wagen das Volk nicht versteht   
(08.11.2019, https://glm.io/144867 )
Brennstoffzelle: Deutschland bekommt mehr Wasserstofftankstellen   
(06.11.2019, https://glm.io/144830 )
Energiewende: Hamburg will große Wasserstoff-Elektrolyseanlage bauen   
(05.09.2019, https://glm.io/143674 )
Energiewende: Sonnen vermietet Solaranlagen und Elektroautos   
(08.11.2019, https://glm.io/144889 )
Energie: Tuning fürs Windrad   
(22.09.2019, https://glm.io/143806 )

© 1997–2021 Golem.de, https://www.golem.de/