Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/airpods-pro-im-test-apple-setzt-neue-massstaebe-bei-bluetooth-hoerstoepseln-1911-144733.html    Veröffentlicht: 01.11.2019 12:01    Kurz-URL: https://glm.io/144733

Airpods Pro im Test

Apple setzt neue Maßstäbe bei Bluetooth-Hörstöpseln

Die Hardware der Airpods Pro von Apple ist rundum gelungen. Die Bluetooth-Hörstöpsel begeistern uns, auch weil sie zeigen, was so vielen Konkurrenzgeräten fehlt. Es ist aber schade, dass Apple auch weiterhin Kunden teilweise ausschließt.

Mit den Airpods Pro betritt Apple erstmals den Markt für ANC-Kopfhörer - und der Einstand in den Markt von Geräten mit aktiver Geräuschunterdrückung darf als gelungen bezeichnet werden. Außerdem führt Apple mit dem aktuellen Modell neue Technik sowie neue Ansätze bei True Wireless In-Ears ein, die für diese Geräteklasse eigentlich selbstverständlich sein sollten.

Das Pro-Modell hat nicht mehr viel mit den normalen Airpods zu tun. Zwar sind beide Modelle komplett drahtlos und haben das Design mit dem aus dem Ohr hängenden Stift, aber Apple hat so viele technische Aspekte mit den Airpods Pro verändert, dass es ein komplett anderes Produkt ist. Das fängt bei der ANC-Unterstützung an und geht über das Einstöpseln ins Ohr bis hin zur Bedienung.







Im Unterschied zu fast allen anderen Bluetooth-Hörstöpseln auf dem Markt werden die normalen Airpods lediglich ins Ohr gehängt. Dabei sind diese so gut konstruiert, dass sie in viele Ohren passen. Für den sportlichen Einsatz sind sie allerdings kaum geeignet, weil sie bei abrupten Kopfbewegungen leicht herausfallen können. Außerdem führt die Hängeposition im Ohr dazu, dass deutlich mehr Außengeräusche ins Ohr gelangen als bei anderen Bluetooth-Hörstöpseln. Das alles ändert sich mit den Airpods Pro - ohne dass sich dabei Nachteile ergeben.

Apple legt den Airpods Pro drei unterschiedlich große Silikonaufsätze bei, um eine gute passive Abdichtung gegen Außengeräusche zu erreichen. Der auf den Stöpseln befindliche Aufsatz lässt sich allerdings nur mit sehr viel Kraftaufwand lösen und wir haben Sorge, diesen dabei zu zerstören. Das Aufstecken der Aufsätze ist dann auch mit etwas Fummelarbeit verbunden.

Aber die Aufsätze sitzen umgekehrt sehr fest und sorgen für einen sehr sicheren und schmerzfreien Halt. Es gibt kein unangenehmes Drücken, wir vergessen bald, dass wir etwas im Ohr haben. Selbst bei starken Kopfbewegungen wie etwa beim Sport bleiben die Airpods Pro sicher im Ohr.



Wir können die Airpods Pro auch unter einer Mütze tragen, hier raschelt und schabt nichts. Das ist bei sehr vielen Hörstöpseln anderer Hersteller ein großes Problem, der Musikgenuss wird entsprechend getrübt, weil bei jeder Kopfbewegung störende Geräusche zu hören sind. Außerdem kommt es durch das Mützetragen bei vielen Konkurrenzprodukten dazu, dass diese schmerzhaft ins Ohr gepresst werden. Auch in dieser Disziplin gibt es mit den Airpods Pro keinerlei Probleme - der Tragekomfort ist mit und ohne Mütze identisch.

Belüftungssystem funktioniert vorbildlich

Bei sehr vielen Bluetooth-Hörstöpseln und auch bei Ohrhörern mit üblichen Kunststoffaufsätzen gibt es immer wieder Probleme mit Schritthall. Wenn die Aufsätze zu stark abdichten, erzeugt das einen entsprechend starken Druck im Ohr, der dann wiederum zu Schritthall führt: Wir hören jeden einzelnen Schritt beim Laufen als dumpfes Auftreten im Ohr - das ist unangenehm und mindert den Musikgenuss.

Diese Probleme gibt es mit den Airpods Pro bei allen drei Aufsatzgrößen nicht - wir hören beim Laufen nie diesen Schritthall. Damit das erreicht wird, hat Apple ein spezielles, automatisch arbeitendes Belüftungssystem in die Airpods Pro integriert. Damit wird Schritthall wirksam unterbunden. Alle Hersteller von Ohrhörern sollten sich daran ein Beispiel nehmen und solch ein Belüftungssystem in ihre Produkte integrieren.

Beim Koppeln mit einem Smartphone verhält sich dieses Airpods-Modell ebenfalls anders, wenn ein Apple-Gerät verwendet wird. Dann genügt es, dieses im geöffneten Ladeetui neben ein iPhone zu halten, dann erscheint auf dem Smartphone ein Pop-up zur Einrichtung. Bei Android-Geräten reicht das nicht. Der Nutzer muss den Deckel öffnen und die auf der Rückseite befindliche Pairing-Taste am Etui betätigen.

Die Airpods Pro versprechen zudem eine wirksame aktive Geräuschunterdrückung - wir haben getestet, wie gut sie in der Praxis ist und auch auf die Umsetzung des Transparenzmodus waren wir gespannt.

Gute ANC-Leistung und vorzüglicher Transparenzbetrieb

In die Airpods Pro hat Apple ein Active Noise Cancelling (ANC) eingebaut. Dafür hat Apple in beiden Stöpseln je zwei Mikrofone untergebracht, mit denen die Umgebungsgeräusche gemessen werden, um einen passenden Gegenschall zu erzeugen, mit dem störende Außengeräusche beseitigt werden. Eines der beiden Mikrofone ist nach außen gerichtet, das andere nach innen. Das Innenmikrofon kümmert sich darum, Restrauschen zu erkennen und zu beseitigen.

Wir haben die ANC-Leistung zunächst ganz ohne Musikzuspielung ermittelt - es ging also darum, möglichst viel Stille zu erzeugen. In dieser Disziplin schneiden die Airpods Pro schwächer ab als das grob vergleichbare Konkurrenzprodukt von Bose, die Quiet Control 30. Dabei handelt es sich zwar nicht um True Wireless In-Ears, aber das Bose-Produkt zeigt, wie leistungsfähig ANC-Technik in Hörstöpseln sein kann. Die Airpods Pro verringern etwa den Lärm eines Ventilators recht deutlich, wenn wir danebensitzen. Das surrende Geräusch bleibt jedoch wahrnehmbar. Die Fahrgeräusche in einem U- oder S-Bahn-Zug verringern sich hingegen nur minimal, aber es ist ein Unterschied zu hören, ob wir den ANC an- oder ausgeschaltet haben.

Die Quiet Control 30 können in beiden Disziplinen die entsprechenden Störgeräusche besser verringern als die Airpods Pro. Aber auch die Bose liegen unter den Möglichkeiten der aktuellen Noise Cancelling Headphones 700 von Bose und können es auch nicht mit dem WH1000-XM3 von Sony aufnehmen. Wer also vor allem viel Stille haben will, muss zu ANC-Kopfhörern statt ANC-Ohrstöpseln greifen.

Gute ANC-Leistung bei Musikwiedergabe

Sobald wir aber mit den Airpods Pro in moderater Lautstärke Musik hören, ist die Funktion des ANC deutlich zu merken. Fahren wir in einer U- oder S-Bahn sind keine störenden Fahrgeräusche mehr wahrnehmbar. Wir brauchen die Lautstärke also nicht erhöhen, um die Fahrgeräusche zu übertönen. Wir haben die Airpods Pro mit Aufnahmen aus Flugzeugen beschallt - auch hier ist bei Musikgenuss eine Reduzierung der Außengeräusche erkennbar. Schalten wir die Musik aber aus, hören wir die typischen Fluggeräusche wieder, wenn auch etwas gedämpfter, die mit der ANC-Kopfhörer-Oberklasse auch ohne Musikzuspielung kaum mehr wahrnehmbar sind. Die Airpods Pro kennen keine unterschiedlichen ANC-Stufen, das stört uns aber nicht weiter. Wenn wir ANC-Kopfhörer verwenden, hatten wir nie das Bedürfnis, die maximal mögliche ANC-Leistung zu verringern. Wenn ANC unerwünscht war, haben wir ihn ganz abgeschaltet.

Sehr viele ANC-Kopfhörer haben erheblich mit Windgeräuschen zu kämpfen. Die pfeifenden Windgeräusche werden bei aktiviertem ANC über die nach außen gerichteten Mikrofone direkt in den Kopfhörer übertragen und dabei auch noch verstärkt. Die Quiet Control 30 sind so windempfindlich, dass sie im Grunde draußen überhaupt nicht einsetzbar sind, weil ein leichter Windzug im Ohr schon wie ein Orkan ankommt.



Bisher sind Sony und Jabra in dieser Disziplin führend, die Elite 85h von Jabra eliminieren Windgeräusche ganz automatisch, sie sind einfach immun dagegen. Beim Sony-Modell ist die Funktion zwar ebenfalls sehr leistungsfähig, aber leider maximal unkomfortabel umgesetzt.

Windgeräusche sind für Airpods Pro kein Problem

Apple selbst ging bei der Ankündigung seines neuen Produkts überhaupt nicht auf die Windproblematik ein, daher waren wir gespannt, wie sich die Airpods Pro in dieser Disziplin schlagen. Das Ergebnis ist erfreulich: Die Airpods Pro machen es wie Jabra - sie sind schlich immun gegen Windgeräusch. Selbst wenn wir rennen oder auf einem Fahrrad fahren, merken wir bei aktiviertem ANC keinerlei Windgeräusche - das ist sehr angenehm.

Ein weiteres heikles Thema bei ANC-Kopfhörern ist der Transparenzmodus, oft auch als Hear-Through-Betrieb bezeichnet. Dabei wird der ANC deaktiviert und die Außengeräusche werden in den Kopfhörer gespielt. Der Nutzer muss also die Kopfhörer nicht absetzen, um etwa Ansagen in öffentlichen Verkehrsmitteln hören zu können. Bei vielen ANC-Kopfhörern klingt der Transparenzmodus so schlecht, dass wir ihn nicht nutzen wollen - oftmals werden zusätzlich noch viele Störgeräusche verstärkt, so dass es sehr unnatürlich klingt. Auch bei einigen Bluetooth-Hörstöpseln gibt es einen solchen Modus - mit dem gleichen Ergebnis. Damit können wir dann nichts anfangen.

Sehr gut schneiden in diesem Punkt als Ausnahmen die ANC-Kopfhörer von Jabra und Bose ab - beide klingen sehr natürlich und verstärken auch in öffentlichen Verkehrsmitteln keine Fahr- oder anderen Störgeräusche.

Transparenzmodus bei den Airpods Pro ist gelungen

Auch die Airpods Pro verrichten hier einen guten Dienst und der Transparenzmodus klingt natürlich. Wir können uns in einem Raum problemlos mit jemand anderem unterhalten und verstehen ihn so, als wenn wir keine Stöpsel im Ohr haben. In öffentlichen Verkehrsmitteln schneiden die Airpods Pro aber schlechter ab als die Modelle von Bose und Jabra.

Das Apple-Produkt verstärkt einige Fahrgeräusche minimal - der Transparenzmodus klingt also nicht genau so, als wenn wir keine Stöpsel im Ohr haben. Allerdings sind die Fahrgeräusche bei den Airpods Pro nicht so unangenehm verstärkt wie etwa bei Sonys ANC-Oberklasse-Kopfhörer - das Ergebnis ist also durchaus gut, nur nicht auf dem sehr hohen Niveau, das Bose und Jabra hier erreichen. Bei lauteren Ansagen etwa in der Bahn können wir diese sogar hören, wenn die Musik weiterläuft.

Die Aktivierung des Transparenzmodus dauert ein paar Sekunden, da sind wir eigentlich schneller, wenn wir mal eben einen oder beide Stöpsel aus dem Ohr nehmen.

Gute Sprachqualität bei Telefonaten

Die Sprachqualität bei Telefonaten ist gut, wir werden von der anderen Seite gut und klar verstanden. Bei eingeschaltetem ANC sind wir vom Gesprächspartner auch in öffentlichen Verkehrsmitteln noch gut zu hören. Wir als Träger der Airpods Pro hätten gerne eine stärkere Betonung der Höhe, dann sind Gespräche am Telefon allgemein besser zu verstehen. Einen Equalizer zur Anpassung des Klangs bei der Telefonie gibt es nicht. Wie auch bisher sind Anrufer auf beiden Seiten der Stöpsel zu hören. Bei Bedarf kann auch nur mit einem der beiden Airpods-Pro-Stöpsel telefoniert werden, während der andere im Ladeetui liegt.

Bei der Klangqualität haben uns die Airpods schon immer mit einem starken, intensiven Bass erfreut - und wir erhoffen uns einen mindestens ähnlich guten Klang bei den Airpods Pro.

Airpods Pro haben einen tollen Klang

Bei all dem liefern die Airpods Pro ein gutes Klangbild. Bereits bei den normalen Airpods hat uns wiederholt der intensive Bass gefallen, der nicht zu aufdringlich ist, aber für ein abgerundetes Klangbild sorgt. Das verbessert sich mit den Airpods Pro nochmals. Der Bass ist noch etwas intensiver, ohne aber die übrigen Bereiche zu erdrücken. Der Höhen- und Mittenbereich sind gut herausgearbeitet, Details sind sehr gut wahrnehmbar.

Bei aktiviertem ANC liefern die Airpods Pro einen etwas besseren Klang als ohne. Das liegt daran, dass im ANC-Modus Klanganpassungen an die Ohren des Trägers vorgenommen werden. Im direkten Vergleich gefällt uns der Klang im ANC-Betrieb besser, als wenn dieser deaktiviert ist, aber die Unterschiede fallen moderat aus. Einen manuell änderbaren Equalizer gibt es nicht. Auch ohne ANC spielen die Airpods Pro mit sehr gutem Klang für diese Geräteklasse.

Andere Steuerung als bei den normalen Airpods

Im Vergleich zu den normalen Airpods gibt es bei der Bedienung erhebliche Unterschiede. Die Airpods Pro werden nicht mehr durch eine Berührung gesteuert und das Bedienungselement ist von der Außenseite in den Stiel gewandert. Im Stiel gibt es einen fühlbaren Bereich, über den die Stöpsel mittels eines Drucksensors gesteuert werden. Einfaches Berühren genügt nicht, wir müssen diesen Bereich fest drücken.

Wenn die Stöpsel einen Befehl erkannt haben, hört man zur Bestätigung ein leichtes Klacken. Wir fanden es anfangs gewöhnungsbedürftig, keinen fühlbaren Knopf zu haben und trotzdem fest drücken zu müssen. Aber nach einiger Zeit haben wir uns daran gewöhnt. Diese Art der Steuerung gefällt uns deutlich besser als die Sensorbedienung der Airpods, zumal es dort pro Seite nur einen Befehl gibt - das ist dürftig.

Mit einem einfachen Druck wird ein Anruf angenommen, Musik unterbrochen oder fortgesetzt. Ein Doppeltippen springt ein Lied vor, mit einem dreifachen Tippen geht es ein Musikstück zurück. Drücken wir den Drucksensor etwa länger, können wir standardmäßig zwischen ANC-Betrieb und Transparenzmodus umschalten.

Bei der Konkurrenz ist es üblich, die gerade aktiven Betriebsmodi bei der Umschaltung anzusagen - so einen Komfort gibt es bei den Airpods Pro leider nicht. Eine Hilfe soll es sein, dass jeder Modus mit einem anderen Ton bestätigt wird. Falls der Nutzer sich also merkt, mit welcher Tonfolge welcher Modus bestätigt wird, gibt es eine Rückmeldung. Das erfordert vom Nutzer aber eine erhebliche Eingewöhnung.



Bedauerlicherweise bieten auch die Airpods keine Möglichkeit, mittels Taste die Lautstärke zu verändern, wir müssen erst zum Smartphone greifen, um die Musik lauter oder leiser zu machen. Wir könnten die Lautstärke zwar mit einem Sprachbefehl verändern - gerade in der Öffentlichkeit verzichten wir gerne darauf und in ansonsten ruhigen Umgebungen ist das für andere erst recht störend.

Umbelegung des Drucksensors mit Einschränkungen

Bei Bedarf können Besitzer anderer Apple-Geräte den Knopf so belegen, dass als dritte Option ANC ausgeschaltet wird. Zudem ist es möglich, nur zwischen zwei Modi zu wechseln, also etwa zwischen Transparenz- und Normalbetrieb. Die Einstellungen dafür wirken sich immer auf beide Stöpselseiten aus. Es ist nicht möglich, etwa auf der linken Seite den Transparenzmodus zu aktivieren und auf der rechten Seite ANC.

Es ist hingegen möglich, eine der beiden Stöpselseiten zum Aufruf von Siri zu nutzen. Wie bei den Airpods der zweiten Generation reagieren die Airpods Pro auf Hey Siri, der digitale Assistent kann also auf Zuruf aktiviert werden. Eine Deaktivierung der Funktion gibt es nicht. Siri kann nur auf dem iPhone komplett deaktiviert werden. Das Abschalten ist problemlos möglich, aber jedes erneute Aktivieren ruft den Einrichtungsassistenten auf und wir müssen immer erst mehrere Phrasen vorlesen, bis Siri wieder aktiv ist - das nervt. Apple bietet leider auch keine anderen Belegungen des Drucksensors, das ist sehr schade. Es wäre durchaus praktisch, wenn wir so die Lautstärke steuern könnten - dafür würden wir gerne auf das Springen in Musikstücken verzichten.

Die gleiche nervige Ohrerkennung wie bei den Airpods

Die an sich praktische Ohrerkennung hat Apple bedauerlicherweise nicht nochmals verbessert. Die Ohrerkennung pausiert die Musik, sobald einer oder beide Stöpsel aus dem Ohr genommen werden. Wenn wir einen Stöpsel im Ohr lassen und den anderen wieder in das Ohr stecken, wird die Musikwiedergabe fortgesetzt.

Das gilt aber nur mit Einschränkungen, wenn wir beide Stöpsel rausnehmen. Diese müssen innerhalb von 15 Sekunden wieder im Ohr sein, damit die Musik automatisch fortgesetzt wird. Damit bleibt Apple weiter hinter der besser umgesetzten Ohrerkennung der Elite 65t von Jabra zurück.

Auch in einer anderen Disziplin bleiben die neuen Airpods weiterhin hinter der Jabra-Konkurrenz. Auch mit den Airpods Pro werden keine zwei parallelen Bluetooth-Verbindungen unterstützt. Das Bluetooth-Verhalten ist sogar recht rabiat: Wenn die Apple-Stöpsel mit zwei Geräten gekoppelt sind, aktivieren die Airpods immer die zuletzt aktivierte Bluetooth-Verbindung. Sind also die Airpods Pro mit Smartphone eins verbunden und schalten wir Bluetooth an Smartphone zwei ein, wird die Bluetooth-Verbindung zu Smartphone eins unterbrochen und eine zu Smartphone zwei aufgebaut.

Apple benachteiligt Android-Nutzer

Prinzipiell funktioniert auch dieses Airpods-Modell mit Android-Geräten - aber mit Einschränkungen. Denn Apple bietet keine eigene App für die Airpods Pro an, alle Einstellungen werden direkt in den Bluetooth-Einstellungen vorgenommen. Und diese Einstellungen gibt es nur auf Apple-Geräten. Somit ist die Ohrerkennung auf Android-Geräten funktionslos und wir können den Drucksensor nicht umbelegen. Zudem können Android-Nutzer keine Firmware-Updates einspielen.

Es ist also mit einem gewissen Risiko verbunden, die Airpods Pro anzuschaffen, wenn kein Apple-Gerät vorhanden ist, mit dem sich bei Bedarf die Stöpsel aktualisieren lassen. Erfreulicherweise kann der Google Assistant wie auch Siri einfach auf Zuruf verwendet werden. Sagen wir "Hey Google", "Okay Google" oder die weniger verbreiteten Phrasen "Hey Buubuu" respektive "Okay Buubuu" in die Airpods Pro, stehen alle Funktionen des Google Assistant bereit.

Zudem kann auf einem iPhone die App "Wo ist" verwendet werden, um die Airpods zu lokalisieren und bei Bedarf einen Signalton abzuspielen, wenn sich die Stöpsel in Reichweite des Geräts befinden. Bei der Lokalisierung wird die letzte bekannte Position auf einer Karte angezeigt. Auch diese Komfortfunktion bietet Apple Android-Kunden nicht an.

Gute Akkulaufzeit und kompaktes Ladeetui

Das Ladeetui der Airpods Pro ist etwas größer geworden als das der Airpods. Es wird jetzt im Querformat statt im Hochformat geöffnet. Es ist immer noch sehr gut hosentaschentauglich. Das Entnehmen und Ablegen der Stöpsel ist erneut gut gelöst, die Stöpsel werden mittels Magneten gehalten, um ein versehentliches Herausfallen wirksam zu verhindern. Das Ladeetui kann entweder auf einer Qi-Ladestation ober über den Lightning-Anschluss geladen werden.

Apple verspricht bei aktiviertem ANC eine Akkulaufzeit von 4,5 Stunden. Wir konnten sogar fünf Stunden lang Musik hören, bevor die Airpods Pro verstummt sind. Auch das neue Modell unterstützt wieder einen Schnelllademodus. Wenn die Stöpsel leer sind, genügen bereits fünf Minuten Ladezeit, um nochmals 1 Stunde und 15 Minuten Musik zu hören - die von Apple versprochenen 1,5 Stunden erreichen wir nicht ganz. Ist der Akku im Ladeetui aufgeladen, sollen knapp fünf Nachladungen möglich sein - das ist ein guter Wert für ein so kompaktes Ladeetui. Am Ende sollen bis zu 24 Stunden Gesamtakkulaufzeit möglich sein.

Wie auch bei den normalen Airpods bleibt Apple dabei, Anleitungen beizulegen, die mitunter schwer lesbar sind. Hellgraue, kleine Schrift auf weißem Papier hat einfach einen so geringen Kontrast, dass die Lesbarkeit unnötig erschwert wird. Es wäre wünschenswert, wenn Apple bei einer Anleitung darauf achten würde, dass sie gut lesbar ist.



Verfügbarkeit und Fazit

Die Airpods Pro kosten 280 Euro und sollen eigentlich seit 30. Oktober 2019 verfügbar sein. Derzeit gibt Apple an, Bestellungen Mitte November 2019 auszuliefern. Auch im Online-Handel ist das Modell nicht verfügbar, viele Händler geben ebenfalls eine Verfügbarkeit ab Mitte November an. Zum Lieferumfang gehören ein USB-Lightning-Kabel, drei verschieden große Silikonaufsätze sowie ein Ladeetui, das sich auch drahtlos aufladen lässt.

Fazit

Mit den Airpods Pro treibt Apple die gesamte Konkurrenz im Bereich der Bluetooth-Hörstöpsel vor sich her. Apple baut so viel pfiffige Technik in die Oberklasse-Airpods ein, dass sich die Frage stellt, warum die großen Kopfhörer-Hersteller bisher noch nie darauf gekommen sind. Dazu gehört vor allem das spezielle Belüftungssystem, mit dem wirksam Schritthallprobleme umgangen werden. Und damit haben viele namhafte Hersteller von Ohrhörern zu kämpfen, ohne dafür bislang eine Lösung entwickelt zu haben.

Die Airpods Pro liefern ein beeindruckendes Klangbild mit vielen Details, klar herausgearbeiteten Höhen, einem intensiven Mittenbereich und einem starken Tiefbass. Das Klangbild ist dabei angenehm ausgewogen. Bei der Akkulaufzeit schaffen die Airpods Pro keinen neuen Rekord, aber mit mehr als fünf Stunden bei aktiviertem ANC sind die Werte sehr gut.



Die Airpods Pro sind Apples erster Vorstoß in den Markt von Kopfhörern mit Active Noise Cancelling (ANC). Und das Ergebnis bei der Geräuschreduzierung kann überzeugen. Wenn wir etwa im Flugzeug oder in öffentlichen Verkehrsmitteln Musik in moderater Lautstärke hören, können wir alles sehr gut verstehen, weil die störenden Fahr- oder Fluggeräusche deutlich verringert werden.

Im Vergleich zu großen Kopfhörern mit besonders leistungsfähiger ANC-Technik müssen sich die Apple-Stöpsel geschlagen geben. Sie bekommen Störgeräusche nicht ganz so effektiv weg. Wer mit den Airpods Pro vor allem Stille erzeugen will, schafft es damit nicht.

Viele ANC-Kopfhörer haben erhebliche Probleme mit Windgeräuschen - nicht aber die Airpods Pro. Selbst bei Sturm gibt es keine pfeifenden Windgeräusche zu hören - das ist sehr angenehm. Gut gelungen ist der Transparenzmodus, auch wenn Apples nicht ganz so gut abschneidet wie die darauf optimierten Oberklasse-ANC-Modelle der Konkurrenz.

Sehr positiv: Das Tragen einer Mütze bereitet weder Schmerzen noch führt es zu unangenehmen Schabegeräuschen. Wie auch bei den Airpods bleibt es ein Ärgernis, dass Apple Kunden bestraft, die keine anderen Apple-Geräte kaufen. Denn eine Konfiguration oder eine Software-Aktualisierung der Airpods ist nur mit einem Apple-Gerät möglich. Prinzipiell stehen bei der Nutzung mit einem Android-Gerät aber alle Grundfunktionen bereit.

Gut gelöst ist die neue Steuerung, die sich Apple für das Pro-Modell ausgedacht hat. Etwas einfallslos ist aber Apple bei der Frage nach der Konfiguration des Steuerbereichs gewesen. Wir vermissen eine Lautstärkeregelung durch Berührung und es wäre praktisch, wenn sich die Steuerung entsprechend anpassen ließe. Schön wäre es auch, wenn die Airpods Pro den Parallelbetrieb mit zwei Bluetooth-Geräten erlauben würden.

Abgesehen von diesen Kritikpunkten sind die Airpods Pro vorzügliche Bluetooth-Hörstöpsel mit einem tollen Klang, einem leistungsfähigen ANC, der gegen Windgeräusche immun ist, sowie einem gut gelungenen Transparenzmodus. Dabei sitzen die Airpods Pro viel sicherer im Ohr als die normalen Airpods. Wer die Anschaffung von Airpods erwägt, sollte den Aufpreis von 100 Euro investieren. Aber auch, wer schon Airpods hat, kann bedenkenlos wechseln - er bekommt deutlich bessere Hörstöpsel.

 (ip)


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