Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/nasa-maulwurf-auf-dem-mars-hat-sich-wieder-ausgegraben-1910-144659.html    Veröffentlicht: 28.10.2019 10:15    Kurz-URL: https://glm.io/144659

Nasa

Maulwurf auf dem Mars hat sich wieder ausgegraben

Seit Monaten steckte der sogenannte Maulwurf des Mars Insight Landers im Boden fest, ohne sich weiter einzugraben. Nach einigen Zentimetern Fortschritt in den vergangenen Wochen kam es nun zu einem schweren Rückschlag.

Elf Monate nach der Landung sah es aus, als würde doch noch alles gut werden. An Bord des Marslanders Mars Insight befindet sich das HP3 Instrument. Es ist eine Wärmesonde, die sich nach der Landung im vergangenen November bis zu fünf Meter tief in den Marsboden eingraben sollte. Sie sollte den Wärmefluss aus dem Marsinneren zur Oberfläche messen. Aber der sogenannte Maulwurf funktionierte nicht wie geplant. Über Monate steckte der Maulwurf in 30 Zentimeter Tiefe fest. Nach einigen Zentimetern Fortschritt in den vergangenen Wochen zeigen aktuelle Bilder vom Wochenende, wie sich der Maulwurf wieder zur Hälfte ausgegraben hat.

Der Maulwurf muss sich mithilfe eines Gewichts an einer Feder im Inneren selbst in den Boden hämmern. Jeder Hammerschlag sollte ihn um Millimeterbruchteile vorwärts in den Boden treiben. Gleichzeitig sollte die Reibung am Gehäuse verhindern, dass der Rückschlag den Maulwurf wieder hinaustreibt. Aber nachdem der Maulwurf in seiner Halterung auf der Marsoberfläche abgesetzt wurde, stoppte der Vortrieb schon in rund 30 Zentimeter Tiefe.

Um die Situation zu untersuchen, wurde die Halterung entfernt. Tatsächlich hatte der Maulwurf die Halterung verlassen und ragte noch etwa fünf Zentimeter aus dem Boden heraus. Aber der Maulwurf hatte ein kegelförmiges Loch um sich herum gegraben, in dem sein Gehäuse keinen Kontakt mehr zum Marsboden hatte und somit die nötige Reibung fehlte. Zuvor gab eine Feder in der Halterung dem Maulwurf diese Reibung, bis er die Halterung verlassen hatte.

Baggerschaufel sollte helfen

Um dem Mechanismus des Maulwurfs zu helfen, verwendete die Nasa eine kleine Baggerschaufel an Bord des Marslanders, um das Loch um den Maulwurf wieder zu füllen. Anschließend übte sie Druck auf den Boden aus, um die Reibungskraft auf den Maulwurf noch weiter zu erhöhen. Dennoch grub sich der Maulwurf nicht weiter ein.

Aber am 8. Oktober schien die Wende geschafft. Die Baggerschaufel drückte nun direkt gegen die Seite des Maulwurfs. Der zusätzliche Druck gegen den Marsboden an der Seite des Lochs erzeugte die notwendige Reibung. Kamerabilder zeigten, wie sich der Maulwurf langsam weiter eingrub, zunächst in drei Versuchen mit je 20 Hammerschlägen und zwei weiteren mit 100 Schlägen. Schließlich konnte die Schaufel nicht mehr gegen den Maulwurf drücken, weil er fast vollständig im Boden verschwunden war und sonst das Datenkabel beschädigt worden wäre. Die Schaufel konnte wieder nur auf den Boden neben dem Maulwurf drücken.

Da die Methode weniger Reibung verursacht und so weniger Fortschritte erwartet wurden, sollten zweimal 150 Hammerschläge durchgeführt werden. Aber das beobachtete Ergebnis war unerwartet: Der Maulwurf hat sich zur Hälfte wieder aus dem Loch herausgegraben. Laut Nasa sollen unerwartete Eigenschaften des Marsbodens zu dem Verhalten geführt haben. Spekulationen gehen dahin, dass beim Hämmern lockeres Bodenmaterial von der Seite des Lochs unter die Spitze des Maulwurfs rieselte und ihn so mit jedem Schlag weiter hinaustrieb.

Das DLR-Team, das das HP3 Experiment betreut, hat sich derzeit noch nicht zur aktuellen Entwicklung geäußert.

Nachtrag vom 28. Oktober 2019, 18:18 Uhr

Inzwischen hat sich das DLR-Team zur aktuellen Entwicklung geäußert.

Demnach wurde ein solches Verhalten des Maulwurfs auch im Labor bei niedrigem Luftdruck beobachtet, aber die Geschwindigkeit der Rückwärtsbewegung war völlig unerwartet. Der Maulwurf bewegte sich innerhalb von 30 bis 50 Schlägen aus dem Loch heraus. Bei irdischem Luftdruck entsteht nach dem Schlag unter der Spitze des Maulwurfs ein Unterdruck, so dass der gesamte Apparat vom Luftdruck wieder zurück ins Loch gedrückt wird. Auch die 2,5-mal so große Schwerkraft auf der Erde ist dabei hilfreich. Auf dem Mars ist der Maulwurf dagegen komplett auf die Reibung angewiesen.

Das Team des DLR will nun die Situation analysieren und sicherstellen, dass der Maulwurf nicht umkippt und ganz aus dem Loch herausfällt. Anschließend soll das Loch um den Maulwurf abermals verfüllt werden und ein neuer Bohrversuch unternommen werden.  (fwp)


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