Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/foerderung-spielentwickler-sollen-2020-nur-einen-ausgaberest-erhalten-1910-144625.html    Veröffentlicht: 24.10.2019 16:41    Kurz-URL: https://glm.io/144625

Förderung

Spielentwickler sollen 2020 nur einen "Ausgaberest" bekommen

Jetzt steht wohl endgültig fest: Trotz gegenteiliger Absichtserklärungen von Politikern wie Andreas Scheuer und Dorothee Bär erhalten Spielentwickler 2020 vom Bund keine neue Förderung - sondern lediglich "nicht abgeflossene Haushaltsmittel" aus 2019.

Es ist schon seit Monaten abzusehen, aber nun ist mehr oder weniger klar: Für die Förderung der deutschen Spielentwickler ist im Bundeshaushalt 2020 kein einziger Euro vorgesehen. Das hat das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur von Andreas Scheuer (CSU) in einem offiziellen Bericht an den Grünen-Bundestagsabgeordneten Sven-Christian Kindler gesagt, wie der Berliner Tagesspiegel schreibt.

Der Zeitung zufolge stellen nun die Grünen einen Antrag auf die Fortführung der Förderung: "Die Games-Entwickler brauchen Verlässlichkeit und keinen Minister, der heute ja und morgen nein sagt", kommentiert Kindler. Die Aussichten, dass sich die Grünen mit ihrem Antrag bei den abschließenden Haushaltsberatungen durchsetzen, gelten als äußerst gering.

Spielentwickler können somit 2020 wohl nur auf den "Ausgaberest" aus dem Haushalt 2019 hoffen. Dabei geht es immerhin um relevante Mittel: Insgesamt stehen 2019 für die Förderung rund 50 Millionen Euro bereit. Von dieser Summe wurden - soweit bekannt - bislang nur ein paar Hunderttausend Euro für Projekte verteilt. Allerdings ist unklar, inwieweit über die Verwendung weiterer Gelder bereits entschieden wurde, ohne dass dies öffentlich mitgeteilt wurde.

In den Jahren vor 2018 hatte der Bund keine Spiele gefördert. Die 50 Millionen Euro sollten eigentlich nur der Auftakt für eine jedes Jahr ähnliche Förderung sein, damit deutsche Spielentwickler langfristig mit der internationalen Konkurrenz mithalten können, die in Ländern wie Kanada und Großbritannien recht großzügig unterstützt wird.

Erst im Sommer 2019 hatten der zuständige Minister Andreas Scheuer ebenso wie Dorothee Bär, Staatsministerin für Digitalisierung, der Branche versprochen, sich mit aller Kraft für eine Fortführung der Förderung einzusetzen. Ähnliche Absichtserklärungen hatte es auf der Gamescom von den Generalsekretären von CDU und SPD, Paul Ziemiak und Lars Klingbeil, gegeben.

Für Spielentwickler war schon die Planungsunsicherheit der letzten Monate ein Problem. Das sagte der Branchenverband Game, aber auch Entwickler waren frustriert: "Startups laufen jetzt mit Ansage in ein hohes Insolvenzrisiko", schrieb Carsten Fichtelmann, Chef von Daedalic Entertainment, im Juni 2019 auf Facebook.

Die Branche ist weiterhin der Auffassung, dass die Förderung dringend nötig ist - unter anderem, weil die Spieleindustrie als Schlüsseltechnologie gilt. In Deutschland sinkt der Marktanteil deutscher Produktionen seit Jahren, obwohl der Spielemarkt an sich wächst.

 (ps)


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