Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/alien-im-weltall-hoert-dich-keiner-schreien-1910-144594.html    Veröffentlicht: 25.10.2019 08:26    Kurz-URL: https://glm.io/144594

Alien

Im Weltall hört dich keiner schreien

Vor genau 40 Jahren kam am 25. Oktober Alien - Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt in Deutschland in die Kinos. Damals war der Film überaus erschreckend und wahnsinnig spannend. Er ist es heute immer noch, weil er aus technischer Sicht zeitlos schön ist.

Alien ist ein Klassiker des Science-Fiction-Films, der wie kaum ein anderer dem Genre neue Impulse gegeben hat. Bis zu seinem Debüt im Jahr 1979 war die Science-Fiction noch sauber. Zwar gab es schon in George Lucas' Star Wars abgehalfterte Raumschiffe, die nicht mehr leuchtend und glänzend waren, sondern vielmehr zeigten, dass sie benutzt wurden und dementsprechend auch abgenutzt waren. Aber selbst dieser Gebraucht-Look konnte den strahlenden Welten des Star-Wars-Universums nur wenig anhaben.

Vielleicht ist es gerade dieser Gebraucht-Look, der die hier gezeigte Technik zeitlos erscheinen lässt - weil eh schon alles alt und benutzt ist. Das wird noch greifbarer durch die handgemachten Effekte jener Ära, die ohne computergenerierte Bilder auskommen musste. Denen mag zwar auch eine Art Unwirklichkeit beiwohnen, der fotorealistische Ansatz moderner Blockbuster zeigt aber, wozu die Effekt-Technik heute in der Lage ist.

Zum Ende der 1970er Jahre musste man da noch anders tätig werden. Die handgemachten Effekte leben jedoch gerade von ihrer Wahrhaftigkeit - und das anders als etwa die Stop-Motion-Technik mit Bild-für-Bild-Animation, die im Bewegungsablauf schon immer eher unwirklich erschien. Die Effekte von Alien sind jedoch makellos. Die Texturen des Schiffes - sowohl das Äußere des Modells als auch die Wände und Paneele im Inneren des Sets - strahlen einen Realismus aus, der ganz und gar vergessen lässt, dass es sich um Science-Fiction handelt. Man akzeptiert den Handlungsort als real.

Allerdings gibt es einen entscheidenden Unterschied zu Star Wars: Denn bei Alien - Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt sind die Welten alles andere als strahlend. Das Raumschiff mit dem düsteren Namen Nostromo ist ein gewaltiger Moloch aus Metall, dessen Inneres beinahe so dunkel ist wie der umgebende Weltraum. Anders als das Alien, das sich seiner Umgebung bestens anpasst, wirken die Menschen an Bord der Nostromo wie eigenartige Fremdkörper, die hier nicht das Geringste zu suchen haben.

Erst sieht man das Schiff von außen, dann wandert die Kamera langsam durch die Gänge - ein eindrucksvoller Einstieg, den auch die Fortsetzungen ähnlich einsetzen und der heute noch immer funktioniert, weil er ein beklemmendes Gefühl erzeugt. Genauso verhält es sich mit der Geschichte, den Effekten und den Protagonisten des Filmes: Sie haben in den 40 Jahren, seit er in die Kinos kam, nichts von ihrer Anziehungskraft verloren.



In Alien ist das gewaltige Raumschiff nichts anderes als die futuristische Version eines landläufigen Trucks und die Besatzung das Äquivalent des Fahrers. Alien wirkt auch deshalb so realistisch und erschreckend, weil die sieben Menschen, die Regisseur Ridley Scott vorführt, absolut glaubwürdig sind.

Sie mögen sich im Weltraum befinden, mögen die Reisen im Kälteschlaf verbringen, aber sie sind dennoch normale Leute. Die Besatzung der Nostromo besteht aus Individuen, die sich zwar in unserer Zukunft befinden, für die aber selbst das aufregende Element des Flugs zu fremden Welten ein alter Hut ist, der in ihrer Gesellschaft längst gang und gäbe geworden ist. Insofern sind sie normale Arbeiter, die diesen Job gewählt haben, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

Schon ihr Äußeres, die bewusst gewählte legere Kleidung, deutet darauf hin, dass man es hier nicht mit Weltraumhelden wie in anderen Filmen zu tun hat. Zudem versteht es das Drehbuch, die Charaktere dem Publikum näher zu bringen. Parkers und Bretts ständige Anfragen, wie es denn mit ihren Prämien und etwaigen Erhöhungen aussähe, sind nicht nur ein wiederkehrendes, humoriges Motiv, sondern auch ein bewusstes Stilmittel, um dem Zuschauer die Identifikation mit den beiden zu erleichtern.

Auf ähnliche Weise wird beim gemeinsamen Essen der Raumfahrer verfahren. In der futuristischen Kulisse eines beinahe antiseptisch wirkenden Speiseraums führen die sieben Menschen belanglose Gespräche über den Kaffee oder das eher lausige Essen - alles einzig und allein, um sie als normale Menschen mit normalen Sorgen und Nöten zu etablieren.

Alles scheint normal, dabei ist nichts normal

Darum ist der Schrecken, der in ihre Welt einbricht, auch umso durchdringender. Die Crew der Nostromo reagiert auf einen Notruf und besucht einen Planeten, auf dem ein außerirdisches Raumschiff entdeckt wird. In dessen Innerem befinden sich Eier. Aus einem von ihnen springt eine Kreatur, ein Facehugger, der sich an das Gesicht des von John Hurt gespielten Kane klammert. Kane wird zurück aufs Schiff gebracht, helfen kann man ihm aber nicht.

Der Facehugger fällt schließlich von selbst herunter - alles scheint wieder normal. Bis Kane bei einem gemeinsamen Essen von Krämpfen geschüttelt wird und eine Kreatur aus seiner Brust herausbricht. Das Alien flieht, die Crew setzt ihm nach, um es zur Strecke zu bringen, doch es wächst rasant und schon bald dreht es den Spieß um: Nun sind es die Menschen, die gejagt werden.

Wie das Alien in die Welt kam

Über die Geschichte und die Produktion von Alien wurden bereits zahlreiche Bücher verfasst, unter anderem Alien Vault, Alien - Das Archiv und Dissecting Aliens. Demnach nahm der Film 1972 seinen Ursprung im Gehirn des Autors und Regisseurs Dan O'Bannon. Das Projekt trug den Titel Starbeast. Die Grundgeschichte war hier schon erkennbar, aber noch weit vom fertigen Produkt entfernt. O'Bannon erzählte seine Geschichte mit sechs Männern, die, einem Signal folgend, auf einem fremden Planeten erst ein außerirdisches Raumschiff und später eine eigenartige, uralte Pyramide finden.

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Einer der Männer begibt sich in das Innere der Pyramide und sucht nach den Überbleibseln einer längst vergangenen Kultur. Dabei stößt er auf Hieroglyphen, die hässliche Monster zeigen. Er findet schließlich auch einige Eier, die er zuerst nicht als solche wahrnimmt. Als sich jedoch eines öffnet, ihn ein Wesen anspringt und sich an seinem Gesicht festsetzt, wird ihm klar, dass ihm nun derselbe grausige Tod blüht, wie es die Hieroglyphen an den Wänden beschreiben. Mit Pyramiden und Hieroglyphen war das Grundgerüst für den Film noch ein gänzlich anderes. Beides wurde später übrigens in Paul W.S. Andersons Alien vs. Predator integriert, auch wenn die Geschichte andere Wege ging.

O'Bannon hatte also die Grundgeschichte, wusste aber nicht so recht, wie er weitermachen sollte. Hier kam ihm sein Freund Ronald Shusett zu Hilfe. Er empfahl O'Bannon, die weitere Handlung in das Raumschiff zu verlegen, in dem die Crew nun gegen den außerirdischen Organismus kämpfen sollte. Dem Rat seines Freundes folgend, schrieb O'Bannon das Drehbuch mit dieser Idee weiter und stellte es 1975 fertig. Damals schwebte ihm noch ein Film mit bescheidenem Budget vor, bei dem er selbst die Regie übernehmen konnte. Aber diese Pläne zerplatzten recht schnell.

O'Bannon und Shusett boten das Skript praktisch jedem Studio an, aber keines zeigte auch nur das geringste Interesse an dem Stoff. Frustriert über dieses Desinteresse, entschied sich O'Bannon schließlich für eine Guerilla-Taktik, um sein Drehbuch an den Mann zu bringen. Da er wusste, in welchem Büro der Regisseur Walter Hill seiner Arbeit nachging, warf er sein Drehbuch einfach durch das Fenster und hoffte, dass er Hills Interesse wecken konnte.

Der sah sich das Skript an, schon alleine wegen der ungewöhnlichen Art, wie er es bekommen hatte. Er erkannte in Starbeast etwas, das ideal war für seine neue Produktionsfirma Brandywine, die er zusammen mit Gordon Carroll und David Giler gegründet hatte. Gleichzeitig war Hill aber auch klar, dass O'Bannons Drehbuch noch etwas unausgegoren war und der junge Autor seinen Stil noch nicht gefunden hatte.

Hill und seine Freunde Carroll und Giler kauften eine Option an dem Stoff und sahen sich nach einem finanzkräftigen Partner um, da sie erkannten, dass dieser Stoff nur funktionierte, wenn er auch in erstklassiger Weise umgesetzt wurde. Die logische Wahl war 20th Century Fox, da Brandywine mit diesem Studio in engem Kontakt stand und Hill schon dafür gearbeitet hatte.

Fox-Boss Alan Ladd Jr. gefiel die Idee und so entschied er, dass sich 20th Century Fox an dem Projekt beteiligen würde. Zuvor waren jedoch noch massive Arbeiten am Drehbuch nötig, die Walter Hill und David Giler selbst vornahmen. Die Geschichte erhielt zahlreiche Veränderungen, wobei schon die Personenkonstellation aufgebrochen wurde und durch die Hinzunahme von Frauen einen anderen Akzent erhielt.

Eine Frau als starke Heldin

Besonders ungewöhnlich war für die damalige Zeit eine Frau als starke Heldin - und das zu einem Zeitpunkt, als das Stereotyp des Final Girls, das in Horrorfilmen am Ende gegen das Böse siegt, noch nicht etabliert war. Sigourney Weaver, damals noch weitgehend unbekannt, überzeugte als Ellen Ripley und fand die Rolle ihres Lebens, die sie insgesamt viermal spielte. Mehr noch als im ersten Film avancierte sie in den Sequels zur echten Action-Ikone.

Die Idee der Pyramide wurde lange Zeit in der Geschichte gehalten. Deshalb existieren hierzu auch zahlreiche Designzeichnungen. Mit dem Voranschreiten der Produktion wurde aber allen Beteiligten klar, dass der Teil mit der Pyramide nur von der Haupthandlung ablenkte und den Film an sich verlangsamte. Mit ihrem Verschwinden wurden aber auch ganz bewusst alle Hintergrundinformationen zu den Aliens eliminiert, wodurch diese Kreatur noch geheimnisvoller wurde und im Endeffekt die Spannung des Films wuchs.

H.R. Giger kommt hinzu

Als die Produktion aufgenommen wurde, hieß es, nach einem geeigneten Regisseur Ausschau zu halten. Diesen fand man in Ridley Scott, der sich bislang vor allem mit Werbespots hervorgetan hatte. Jedem, der an diesem Film arbeitete, war natürlich klar, dass der Erfolg mit dem Alien stand und fiel. Insofern war es wichtig, dass es ein Design erhielt, das unvergleichlich und alleine in der Lage war, den Film zu tragen.

Während sich Scott noch den Kopf zerbrach, wer wohl in der Lage war, eine solche Kreatur zu schaffen, stolperte er über das Buch Necronomicon des Schweizer Künstlers H.R. Giger. In diesem Buch sind viele von Gigers besten Zeichnungen biomechanischer Alpträume versammelt. Als Scott es durchblätterte, war er von der Klarheit und der Präzision, die Gigers Visionen heraufbeschworen, beeindruckt. Schlagartig wurde dem Regisseur klar, dass dieser Mann geradezu prädestiniert war, das Design des Aliens zu übernehmen.

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Ohne große Umschweife wurde Giger engagiert und begann 1978 in London mit seiner Arbeit. Dabei entwarf er nicht nur Designs für die drei Alien-Arten, sondern auch für das Raumschiff und die nie verwendete Pyramide. Seine Designs wurden größtenteils in die Realität umgesetzt, aber der Kanes Brust sprengende Chestburster, den sich Giger vorstellte, traf nicht ganz Scotts Geschmack, da er auf ihn wie "ein gerupfter Puter" wirkte.

Nachdem Giger eine Skulptur des Aliens nach seinen Entwürfen gefertigt hatte, begann Carlo Rambaldi mit dem Bau des Anzugs, den ein Schauspieler später tragen sollte. Die Kosten für diesen Anzug betrugen stolze 250.000 Dollar, wobei hierfür unterschiedlichste Materialien wie Polyester, Gummi und Latex benutzt wurden. Hinzu kam ein voll mechanisierter Kopf, dessen Äußeres aus Fiberglas hergestellt wurde. Ferngesteuert konnte der Alienkopf das Maul öffnen, die Lippen nach hinten ziehen und die angsteinflößende Zunge hervorstoßen lassen.

Obwohl der große Kopf mit jeder Menge Mechanik vollgestopft war, wog er mit knapp fünf Kilo gar nicht mal so viel, so dass der Schauspieler ihn zwar nicht bequem, aber immerhin ohne ein allzu erdrückendes Gefühl tragen konnte. Natürlich war die Bewegung eingeschränkt, was auch ein Grund war, weswegen Scott den Xenomorph, wie das Alien auch genannt wird, nur sehr zurückhaltend eingesetzt hat. Aus der Not wurde eine Tugend, da das die Spannung immens steigerte.

Für die Darstellung des Aliens wurde Bolaji Badejo verpflichtet. Der aus einem Massai-Stamm kommende Badejo ist mit seinen 2,10 Metern eine eindrucksvolle Erscheinung und befand sich damals als Student in London. Die Rolle des Aliens erhielt er, nachdem Tests mit Stuntmen, Pantomimen und Tänzern nicht funktioniert hatten.

Für das Aussehen des Cockpits des außerirdischen Space-Jockeys war Giger zuständig, der sich hierfür Unmengen von Knochen liefern ließ, aus denen er dann diese gespenstische Erscheinung schuf. Zusätzlich nutzte er Stoffe wie Plastik oder Glasfasern, um dem Ganzen die richtige Atmosphäre zu verpassen.

Das Set hatte gewaltige Ausmaße und nahm die Halle A der britischen Shepperton-Studios in Anspruch. Da es allerdings nur für wenige Szenen genutzt wurde, fand man einen Weg, die hohen Ausgaben zu rechtfertigen, indem die Cockpitwände auch gleich für die Halle, in der die Eier gefunden werden, herhalten mussten. Der Platz des Piloten wurde dabei durch einen Mittelgang und die zahlreichen Alien-Eier ersetzt.

Neben Giger waren noch andere Leute für die Designs zuständig und schufen Produktionszeichnungen, die zum Teil auch verwendet wurden. Neben Chris Foss und dem französischen Comic-Künstler Moebius, die beide das Projekt relativ schnell verließen, ist hier vor allem Ron Cobb zu nennen, der später auch für James Camerons Sequel Aliens tätig wurde.

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Wie John Hurts Brust in Stücke gerissen wurde

Um den eindringlichsten Effekt, der sich in das Gehirn jedes Zuschauers gebrannt hat, entstand über die Jahre eine eigene Legende, deren Wahrheit aber mehr als angezweifelt werden darf und muss. Gemeint ist die Chestburster-Szene, in der die Raumfahrer am Tisch sitzen und das Alien aus Kanes Brust hervorbricht. In vielen Berichten und Kritiken zu Alien wurde immer wieder berichtet, dass Scott diese Szene drehte, ohne seinen Schauspielern zu sagen, was eigentlich genau passieren sollte. Er wollte, dass alles live ist, dass der Schrecken und der Ekel, den die Schauspieler ob des spritzenden Blutes und der kleinen Fleischteile empfanden, aus ihrer tiefsten Seele kommen sollte.

Das ist zwar ein schönes Märchen, aber die Art, wie dieser Effekt aussieht und wie viel Arbeit er erforderte, straft die Geschichte Lügen. Angesichts der nötigen Vorbereitungen ist es schlicht unmöglich, dass die Schauspieler über die Szene im Unklaren gelassen wurden. Zumal sie nicht in einer einzigen Aufnahme gedreht wurde, sondern Schnitte erforderte. Wenn überhaupt, mag es die Schauspieler überrascht haben, wie schockierend dieser Effekt am Ende wirkte. Übrigens auch heute noch, nach 40 Jahren. Denn diese Szene hat nichts von ihrer albtraumhaften Schockwirkung verloren.

Für den Chestburster waren drei Versionen nötig. Die erste konnte die falsche Brust des Schauspielers durchstoßen, während die zweite, mit Luftdruck gesteuert, das Maul öffnen und ihre hässlichen Zähne entblößen konnte. Die dritte Kreatur schließlich war mit einem Schwanz ausgestattet und wurde per Fernsteuerung bewegt, als sie über den Tisch lief und verschwand.

In der Szene, in der das Alien aus Kanes Brust kommt, ist lediglich John Hurts Kopf echt. Wie in einem Liegestuhl saß er unter dem Tisch, wodurch sein echter Körper aus dem Blickfeld des Zuschauers verschwand. Dieser nahm nur noch den falschen Torso wahr, der nach einem Abdruck von Hurts Körper entstanden war. Zwei Techniker lagen unter dem falschen Körper und machten sich für ihren großen Auftritt bereit. Der Übergang von Hurts Kopf zu seinem falschen Körper wurde durch dessen T-Shirt kaschiert.

Das beim Austritt des Chestbursters hervorspritzende Blut wurde durch für den Zuschauer unsichtbare Schläuche bewerkstelligt. Um das Durchstoßen der Brust noch grausiger zu gestalten, wurden hier auch Schweineblut und Tiereingeweide benutzt. Auf ein Signal von Scott hin begannen die Special-Effects-Künstler damit, den Chestburster durch Kanes Brust brechen zu lassen.

Sowohl das Alien - im Design und der Art der Bewegung - als auch die Nostromo, ihr Interieur und das außerirdische Raumschiff sind Meisterleistungen der Effektkunst. Und das lange, bevor es einen Computer gab, der bei der Umsetzung hätte helfen können.

Das Budget von Alien war von Alan Ladd Jr. zunächst auf 4,5 Millionen Dollar angesetzt worden, wurde im Verlauf der Produktion aber auf zehn Millionen aufgestockt, womit der Film genauso viel wie George Lucas' Star Wars kostete. Die für damalige Verhältnisse hohen Kosten konnte der Film, der bei der Oscar-Verleihung mit einer Auszeichnung für die besten Special Effects bedacht wurde, aber problemlos innerhalb recht kurzer Zeit überall auf der Welt wieder einspielen.

Ein Monster so ganz und gar nicht wie in den 1950ern

Alien ist natürlich ein Film, dessen Geschichte schon 1979 nicht mehr ganz taufrisch war. Außerirdische Monster und Invasoren, die sich in Raumschiffe einschlichen oder an anderen Orten unschuldigen Menschen auflauerten, gab es immer wieder. Von daher sollte man meinen, die Geschichte von Alien sei alles andere als revolutionär, aber dem ist keineswegs so.

Anders als andere Science-Fiction-Filme greift Alien auf einen sehr plastischen Schrecken zurück. Dazu kommt die ungeheure Spannung, die Ridley Scott in diesem Film geschaffen hat. Dass die Besatzung nach und nach dem Zehn-kleine-Kinderlein-Prinzip zum Opfer fällt, ist nach dem Ausbruch des Aliens aus Kanes Brust klar. Aber wie diese Tour de Force von Scott inszeniert wird, macht selbst das Vorhersehbare zu einer ungeheuer spannenden Angelegenheit.

Alien etabliert von Anfang an eine bedrohliche Atmosphäre. Zu sehen ist die Nostromo, die sich (scheinbar) gemächlich durch den Weltraum quält. Einem Blick auf das Schiff folgt eine Kamerafahrt durch ihr Inneres und gibt einen Blick auf die dunklen, gewundenen Gänge des Schiffes frei. Erst nach dieser Einführung erlebt man mit, wie die Helden aus ihrem Kälteschlaf erwachen. Der Film brilliert durch sein noch heute beeindruckendes Set-Design. Alien wirkt in keiner Sekunde altmodisch oder angestaubt. Im Gegenteil, das Design hat sich als zeitlos erwiesen.

Scott lässt Kane zuerst erwachen. Minuten vor den anderen ist er auf den Beinen. Diese Einführung des Charakters alleine reicht aus, um den Zuschauer unbewusst annehmen zu lassen, dass er die Hauptfigur der Geschichte ist, dass er es ist, mit dem man sich identifizieren soll.

Diese Art des manipulativen Spiels setzt sich lange fort. Seine Spannung bezieht der Film anfangs alleine aus der beinahe bedrückenden Eingangssequenz. Nachdem die Charaktere eingeführt sind und auch Kane, der Hauptfigur, genug Platz eingeräumt wurde, erfährt das Publikum, dass die Crew der Nostromo einem geheimnisvollen Signal nachgehen muss.

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Unwillkürlich fragt man sich hier, worauf die sieben Menschen wohl stoßen werden, woraus sich eine innere Spannung ergibt, die sich nicht aus oberflächlicher Action zusammensetzt. Das hält bis zur Landung auf dem Planeten vor, wobei Scott hier zusätzlich noch eine durch äußere Umstände aufgebaute Spannung aufbaut, als das Schiff Probleme bei der Landung hat.

Daraufhin beginnt die Expedition zu dem fremden Raumschiff, die die Erwartungen ob des wundervoll gestalteten fremden Schiffes nach oben schraubt. Ist der Film bis dahin recht ruhig und verlässt sich hauptsächlich auf die Erwartungshaltung des Zuschauers, dringt er mit dem fremden Raumschiff in eine gänzlich andere Welt ein, die für die Raumfahrer wie für den Zuschauer ein neues und beängstigendes Seherlebnis bietet.

Der Blick auf den Außerirdischen, der offenbar eines brutalen Todes gestorben ist, lässt gewisse Vorahnungen aufkommen. Diese erhärten sich, als Kane, der in diesem Teil des Films der aktive Part ist und die Aufmerksamkeit auf sich zieht, die Eier entdeckt. Bereits der Anblick des Eis, in dem sich etwas bewegt, ist abstoßend und wird zum gelungenen Schockeffekt, als der Facehugger Kane anspringt.

Alle könnten jederzeit sterben

Da man Kane bis dato für den Protagonisten hält, ist der Schock nicht nur ein schneller, der sich einfach durch das Hochschnellen des Facehuggers erklärt. Es ist ein nachhaltiger, da der Zuschauer wirklich verunsichert ist, was mit Kane geschieht. Die Handlung an Bord des Raumschiffs ist alleine aufgrund der Tatsache, dass man weder weiß, was dieses Ding auf Kanes Gesicht ist, noch was es tut, enorm spannend. Nachdem der Facehugger abgefallen ist und Kane scheinbar wieder normal ist, konzentriert man sich als Zuschauer wieder auf ihn, da er nun wieder - neben Dallas und Ripley - eine Hauptfigur zu sein scheint.

Als dann Kane stirbt, erreicht Scott eine Wirkung, die der in Psycho gleicht, wenn Hitchcock Janet Leigh unerwartet sterben lässt. Durch den plötzlichen, zudem sehr harten und aufwühlenden Tod von Kane wird dem Zuschauer der Boden unter den Füßen weggerissen.

Der Film bezieht seine Spannung aus dem Wissen darum, dass alle Figuren jederzeit sterben können, und den verzweifelten Versuchen der Besatzung, das Alien zu jagen. Scheint dies anfangs aufgrund der relativ mickrigen Größe des Aliens noch leicht durchführbar zu sein, so revidiert sich dieser Eindruck, als das ausgewachsene Alien Brett erledigt.

Zuvor gibt es eine beinahe obligatorische Szene, in der die Katze mit dem kleinen Alien verwechselt wird, was dem unbedarften Zuschauer, unterstützt durch die Anhebung der Musik, natürlich wieder einen leichten Schreck versetzt. Der wahre Schrecken kommt jedoch erst, als das Alien in voller Größe auftaucht.

Gigers sexuell aufgeladene Designs

Dabei nutzt Ridley Scott das Weniger-ist-mehr-Prinzip und zeigt das außerirdische Wesen bis zum Schluss nur aus der Ferne oder in extremen Großaufnahmen. Zusammen mit den Charakteren, die es jagen und doch selbst nicht mehr als Gejagte sind, sucht man als Zuschauer nach dem Alien, das es perfekt versteht, mit den Hintergründen der Raumschiffwände zu verschmelzen und von daher jederzeit und von überall zuschlagen kann.

Der Showdown verdient besondere Beachtung, da es gelingt, eine Sequenz von annähernd zwanzig Minuten praktisch ohne Dialoge zu vollenden. Natürlich hört man immer wieder den Computer Mutter oder Ripley, die in ihrer Angst flucht oder sich selbst zu beruhigen versucht. Aber diese gesprochenen Worte gehen in der Rasanz des Finales mehr oder minder unter.

Die Riege der Schauspieler wurde von Ridley Scott handverlesen, wobei sich zeigt, welch gutes Händchen er hier hatte. Praktisch jeder der sieben Darsteller wurde später sehr erfolgreich, einige sind heute noch aktiv im Geschäft. Waren Tom Skerritt und Yaphet Kotto zuvor schon etabliert, so funktionierte Alien für alle anderen, vor allem natürlich für Sigourney Weaver, als exzellente Startrampe für eine Karriere in Hollywood.

Der heimliche Star des Films ist aber zweifelsohne das titelgebende Alien. Auf den ganzen Film gerechnet, sieht man diese Kreatur nur wenige Minuten. Aber jede Aufnahme, die es ganz oder teilweise zeigt, gehört zu den Highlights. Ein Grund dafür ist sicherlich das außergewöhnliche Aussehen der Kreatur. Das Design dieser Lebensform ähnelt den biomechanischen Albträumen, die Giger immer wieder in seinen Büchern vorstellte. Das Alien ist aber nicht nur ein fleischgewordener Albtraum, sondern auch Sinnbild für eine außer Kontrolle geratene Sexualität.

Über die Lauflänge des Films verteilt, tauchen immer wieder sexuell aufgeladene Sinnbilder auf, wobei das Alien mit seiner aus dem Maul stoßenden, erigierten Zunge die Schädel seiner Opfer penetriert und damit auch Freud'schen Symbolismus heraufbeschwört. Auffällig ist auch die Form des Eingangs zum außerirdischen Raumschiff. Die neue Dokumentation Memory: The Origins of Alien befasst sich auch damit.

Von dieser unterschwelligen Bedeutung des Films abgesehen, ist das Alien aber natürlich auch ein Kunstwerk unter den vielen Filmmonstern. Anders als die Vertreter der 1950er Jahre kam es eben nicht massig und plump daher, sondern elegant und geschmeidig.

Dieser Eindruck wird gerade dadurch verstärkt, dass man das Wesen nur in wenigen Einstellungen zu sehen bekommt. Das Kostüm ist gut gelungen, allerdings erkennt man bei farblich einwandfreien Kontrasten (wie am Ende des Films, als das Alien aus der Luftschleuse fliegt) nur zu gut, dass auch hier nur ein Mensch darin steckt.

Trotz dieses kleinen Makels am Ende bleibt das Alien ein Filmmonster, das wohl ohne Zweifel zu den bedrohlichsten Gestalten des Science-Fiction- und auch Horror-Films, in dessen Nähe Alien immer wieder gerückt wird, gehört. Dass man es nur selten sieht, erhöht zwar auch heute noch die Spannung. Das funktioniert aber zugegebenermaßen nicht mehr ganz so gut wie damals, weil der Zuschauer mittlerweile mit der Morphologie des Aliens vertraut ist. Gigers Designs sind nach wie vor unübertroffen. Er hat zahlreiche weitere Filme und Games beeinflusst. An einigen Projekten, wie Species, war er auch selbst direkt beteiligt.

Technologische Bedrohung wirkt heute noch realistischer als damals

Auch vier Jahrzehnte nach seiner Entstehung ist Alien noch immer ein perfekter Film, der auf den unbedarften Zuschauer absolut erschreckend wirken muss. Aufgrund der Exzellenz bei der Symbiose von Bild und Ton lässt er aber auch jene auf der Couch hin und her rutschen, die wissen, wie der Xenomorph aussieht. Zumal der Film eine zusätzliche Spannungsebene erzeugt, indem er den Androiden Ash zur Gefahr werden lässt und den Computer Mutter zum omnipräsenten Beobachter macht, der Entscheidungen gegen das Leben und für das Kapital trifft. Diese Ebene der technologischen Gefahr wirkt heute sogar prägnanter als damals, weil die technische Entwicklung dem näher gekommen ist - auch wenn synthetische Menschen noch nicht unter uns weilen, soweit man weiß.

Mag die Erzählweise anfangs auch betont langsam sein - insbesondere, wenn man heutige Sehgewohnheiten als Vergleich heranzieht - so ist es insbesondere die Stimmung, die den Film noch immer trägt. So wie das auch bei anderen Klassikern der 1970er Jahre ist, wie bei Der weiße Hai oder Der Exorzist.

Alien ist es zu verdanken, dass der Horror in wirklich greifbarer Form in die Science-Fiction eingezogen ist, wobei man den Film mit dem großen geheimnisvollen Raumschiff auch in der Tradition einer Art Spukhaus im Weltraum ansehen kann. Das von Ridley Scott aufbereitete Thema fiel beim Publikum auf fruchtbaren Boden und wurde für die Produktionsfirma 20th Century Fox zum großen Erfolg.

Drei direkte Fortsetzungen folgten, darunter der grandiose Action-Horrorfilm Aliens, mit dem James Cameron nach Terminator erneut brillierte. Danach gab es das Monster-Happening mit den Predators (zuvor trafen Aliens und Predators schon in Comics und Games aufeinander) und schließlich kehrte Ridley Scott mit Prometheus und Alien: Covenant zum Franchise zurück. Die unheimliche Wirkung des Originalfilms konnte jedoch keiner der Nachfolger in dieser Form je wieder einfangen - auch heute noch ist Alien ein Meisterwerk in Sachen Horror.

 (peo)


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