Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/surface-pro-x-im-hands-on-arm-macht-arm-1910-144536.html    Veröffentlicht: 22.10.2019 12:08    Kurz-URL: https://glm.io/144536

Surface Pro X im Hands on

ARM macht arm

Das Surface Pro X könnte als neues Vorzeigegerät der Plattform Windows-10-on-ARM herhalten. Das Display ist groß und hochauflösend. Der Stift wurde verglichen mit dem herkömmlichen Surface Pen merklich verbessert. Allerdings gehen Zielgruppe und Preisvorstellung weit auseinander.

Wenn das Surface Pro X eines ist, dann vergleichsweise dünn, zumindest wenn wir uns die Geräte Surface Pro 6 und 7 anschauen: Es misst 287 x 208 x 7,3 mm statt 292 mm x 201 mm x 8,5 mm. Beide Tablets wiegen mit 774 und 775 Gramm allerdings ähnlich viel. Trotz der Abmessungen schafft es Microsoft, ein größeres 13-Zoll-Panel einzubauen. Die Auflösung ist mit 2.880 x 1.920 Pixeln etwas höher, um die Pixeldichte von 267 ppi beibehalten zu können. Das 3-zu-2-Format bleibt ebenfalls erhalten.

Trotzdem ist klar, dass 1.150 Euro für ein Windows-10-on-ARM-Gerät ziemlich viel Geld sind. Auf einem Vorstellungsevent konnten wir uns das Tablet etwas näher anschauen und einschätzen, ob der Preis gerechtfertigt ist.

Für das größere Panel spart das Pro X an der linken und rechten Bildschirmkante Ränder ein. Wir finden diese optische Neuerung passend. Sie vermittelt den Eindruck, dass auch die Surface-Serie eine aktuelle Designsprache imitieren will - und die verwendet schmale Displayränder auch bei Tablets. Ein Nachteil ist jedoch, dass wir das Tablet dadurch nicht mehr ganz so komfortabel im Landscape-Modus halten können. Dafür benutzen wir lieber den integrierten Standfuß, dessen Mechanik direkt vom Surface Pro 7 übernommen wurde und noch immer stufenlos eingestellt werden kann - hier leistet der Hersteller weiterhin sehr gute Arbeit.

Als reines Tablet mit Stift halten wir das Surface Pro X lieber hochkant als eine Art Schreib- und Skizzenblock. Der schmalere Slim Pen fühlt sich dabei sogar ergonomisch besser an als der herkömmliche Surface Pen. Er hat eine gummierte Spitze, die auf der Glasoberfläche des Displays einen guten Halt hat. Dadurch können präzisere Striche gezogen werden. Den Stift laden Nutzer induktiv über das optionale Type-Cover des Surface Pro X auf.

Dort ist eine Einkerbung integriert, in die er gelegt werden kann. Der Vorteil daran: Wir dürften den Eingabestift nicht mehr so oft suchen. Das ist beim Surface Pro 7 noch immer der Fall. Der Slim Pen ist auch mit anderen Surface-Geräten kompatibel. Nutzern, die noch keinen Stift für ihr Gerät haben, würden wir daher beim Kauf zu diesem Zubehör raten.

Neben dem Type Cover mit Stiftsockel gibt es auch eine Variante ohne Dock - für Nutzer, die keinen Stift haben wollen. Beide Tastaturen sind nicht kompatibel mit den anderen Surface-Pro-Geräten, da der magnetische Dock-Verbinder sich bereits unterscheidet. Das ist schade, denn auf den etwas größeren Tasten des Type Covers schreiben wir gerne. Wir vertippen uns seltener als auf der kompakteren Tastatur des Surface Pro 6, das wir im direkten Vergleich nutzen können.

Das Cover gibt aber weiterhin relativ leicht nach, was das Tippen noch immer etwas schwammig macht - zumindest verglichen mit einer herkömmlichen Laptoptastatur. Zudem ist das Touchpad nahezu kümmerlich klein und lässt selbst das kleine Trackpad des Surface Pro 6 groß aussehen - schade eigentlich.

Sicher nichts für jeden Anwender ist auch die verbaute CPU, mit der einige Einschränkungen auf der einen und Vorteile auf der anderen Seite einhergehen.

Das Geheimnis der Surface-ARM-CPU

Das installierte Windows 10 gibt nicht viele Informationen über die CPU des Surface Pro X preis. Wir wissen allerdings, dass darin ein von Microsoft umbenannter und wohl höher taktender Qualcomm Snapdragon 8cx steckt. Den nennt der Hersteller Surface SQ1. Der Chip soll laut dem Task Manager mit maximal 3 GHz takten und setzt auf eine ebenfalls angepasste integrierte Adreno-685-GPU. Davon können wir erwarten, dass etwa mobile Spiele aus dem Microsoft Store gut funktionieren.

Auch eine im Vergleich zu x86-Chips höhere Akkulaufzeit kann erwartet werden, wenn wir uns innerhalb des Microsoft-Ökosystems, also im Chromium-Browser, in Office 365 und UWP-Applikationen bewegen. Die Windows-10-on-Arm-Plattform emuliert allerdings viele x86-Programme - einige Applikationen funktionieren darauf nicht. Ein Beispiel ist Adobe Photoshop Elements. Hier sehen viele Anwender sicher einen Vorteil des parallel vorgestellten Surface Pro 7 mit Intel-CPU.

Auf einen Micro-SD-Kartenleser verzichtet das Surface Pro X. Aber Microsoft hat eine abnehmbare Klappe unter dem Klappständer versteckt, unter der eine austauschbare NVMe-SSD verborgen ist. Das könnte dem Grundmodell zugutekommen, das standardmäßig mit 128-GByte-SSD ausgeliefert wird. Mehr Massenspeicher wird schnell unverhältnismäßig teuer: Für 256 GByte Massenspeicher will Microsoft bereits 300 Euro mehr haben. Stattdessen ließe sich das Geld in eine separate SSD stecken.



16 GByte RAM sind eigentlich nicht notwendig

Der Arbeitsspeicher ist mit 8 oder 16 GByte allerdings fest vorgegeben. Hier müssen sich Nutzer vor dem Kauf entscheiden. Wir sehen keinen richtigen Grund, ein ARM-Tablet mit 16 GByte Speicher zu kaufen. Die Zielmöglichkeiten sind hier wohl eher Schreibarbeiten und Zeichnen statt Bild- und Videobearbeitung oder Multitasking.

Das Surface Pro X hat ein X24-Modem von Qualcomm verbaut, damit kann es im LTE-Netz funken. Ein entsprechender Nano-SIM-Kartenslot ist vorhanden. Auch WLAN nach Wi-Fi 5 und Bluetooth 5.0 sind möglich.

Auf die Frage hin, warum nicht auch das mittlerweile etwas alt aussehende Chassis des Surface Pro 7 überholt wurde, nannte uns Microsoft schlicht den USB-A-Port als Grund. Dieser passe in ein so dünnes Chassis nicht hinein. Stattdessen setzt das Pro X auf zwei USB-C-Buchsen und den typischen Surface-Ladeport, der auch mit proprietärem Microsoft-Zubehör kompatibel ist.

Sicherlich ist der optische Unterschied auch eine Methode, das neue Gerät der Surface-Serie als eigenständiges Produkt zu etablieren, das obendrein, wie schon erwähnt, bei 1.150 Euro startet. Im Preis sind Stift und Tastaturdock nicht enthalten. Wir halten das für zu hoch angesetzt - vor allem, weil es sich um ein Windows-10-on-Arm-Gerät handelt.

Bereits erhältliche Geräte wie das Lenovo Yoga C630 zeigen, dass die Platform in emulierten x86-Programmen teilweise sehr hakelig arbeitet und vor allem die Akkulaufzeit merklich verringert. Trotzdem bleibt das Surface Pro X für seine Zwecke auf den ersten kurzen Blick ein sehr gutes Gerät. Nur den Preis sollte Microsoft noch senken - eventuell zum geplanten Deutschlandstart am 19. November 2019.

 (on)


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