Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/terminator-dark-fate-die-einzig-wahre-fortsetzung-eines-klassikers-1910-144535.html    Veröffentlicht: 23.10.2019 12:03    Kurz-URL: https://glm.io/144535

Terminator: Dark Fate

Die einzig wahre Fortsetzung eines Klassikers?

Terminator: Dark Fate ist das direkte Sequel zu James Camerons Terminator 2. Es ist der sechste Film der Reihe, geriert sich aber als dritter Teil. Alle Filme, die nach 1991 kamen, werden geflissentlich ignoriert.

Spoiler-Warnung: Achtung! Wir erzählen aus der Handlung von Terminator: Dark Fate so viel, wie für die Rezension nötig ist. Wer absolut nichts über den Film erfahren möchte, bevor er ihn im Kino sieht, sollte hier nicht weiterlesen!

Je umfangreicher und langlebiger ein Franchise wird, desto häufiger wird der Punkt erreicht, an dem ein Filmemacher mit Vision vieles von dem zuvor Geschehenen für obsolet erklärt. Weil man sich in eine Ecke manövriert hat, aus der man nicht mehr rauskommt, oder weil der Wunsch besteht, direkt an einen Klassiker der eigenen Kindheit und Jugend anzuschließen. Unlängst ist das mit Halloween (2018) geschehen, der ein direktes Sequel zum Originalfilm aus dem Jahr 1978 ist.

Terminator: Dark Fate geht denselben Weg - und das mit einiger Legitimation. Denn James Cameron kehrt zum ersten Mal seit dem Jahr 1991 zum Franchise zurück. Der Regisseur äußerte sich zu den Sequels seiner Filme über die Jahre zwar immer wieder freundlich, erklärte jüngst aber, dass er dies in erster Linie aus Freundschaft zu Hauptdarsteller Arnold Schwarzenegger heraus getan habe. Keine dieser Produktionen sei dem nahegekommen, was er selbst in einem neuen Film hätte machen wollen.

Dies ändert sich nun, auch wenn Cameron nicht Regie führte; dafür wurde Tim Miller geholt, der mit Deadpool zeigte, dass er ein Gespür für große Action hat. Cameron entwickelte die Geschichte aber mit und produzierte den Film. Was das Publikum im sechsten Film der Reihe zu sehen bekommt, ist daher der dritte Teil, wie er Cameron vorgeschwebt wäre.

Sein Film setzt von Anfang an auf Rasanz, Bewegung, ein FX-Spektakel und gut choreografierte Action und lässt dabei nicht nur Schwarzenegger, sondern vor allem auch die aus der Serie Halt and Catch Fire bekannte Mackenzie Davis extrem gut aussehen.

Der Tag der Abrechnung kam nicht

In der Filmreihe geht es um den Kampf der Überreste der Menschheit gegen die von der Firma Skynet geschaffene künstliche Intelligenz und ihre Maschinenwesen, die Terminatoren, die einen Atomkrieg gegen die Menschen geführt haben. Mit Zeitreisen versuchen die Maschinen zu verhindern, dass der Anführer des Widerstands, John Connor, seine historische Position einnimmt, wobei seine Mutter Sarah Connor eine zentrale Rolle spielt.

Am Ende von Terminator 2 ist die Zukunft wieder ein unbeschriebenes Blatt. Sarah, John und der Terminator haben es geschafft, die Erschaffung von Skynet zu verhindern. Der Tag der Abrechnung, an dem mehr als drei Milliarden Menschen starben, hat nicht stattgefunden. Das Leben geht weiter, zumindest für Sarah. Denn im Jahr 1998 taucht im neuen Film nun ein weiterer Terminator auf, der von Skynet lange zuvor in die Vergangenheit geschickt wurde. Das Terminator-Modell T-800 führt den Befehl einer Zukunft aus, die es nicht mehr gibt. Danach verschwindet er.

Der Film springt dann 22 Jahre in die Zukunft - ins Jahr 2020. Er zeigt die Ankunft eines neuen Terminators (Gabriel Luna) und der Soldatin Grace (Mackenzie Davis), die technisch modifiziert wurde, um es mit der Killermaschine aufnehmen zu können. Beide landen in Mexiko, beide suchen nach der jungen Frau Dani (Natalia Reyes). Der eine will sie töten, die andere um jeden Preis beschützen. So weit ist das die altbekannte Geschichte, die etwas Würze bekommt, als Sarah Connor (Linda Hamilton) unerwartet auftaucht und Grace und Dani rettet. Sie jagt seit mehr als 20 Jahren Terminatoren. Das ist ihr einziger Lebensinhalt. Für John.

Wie sie davon erfahren hat, gerade in diesem Moment an diesem Ort sein zu müssen? Das ist eine der interessantesten Szenen des Films, weil sie Vergangenheit und Gegenwart, alte Terminator-Filme und den neuen miteinander verbindet. Das ist die Essenz dieses Films. Er ist Abschluss und Neuanfang zugleich.

Grace, Dani und Sarah benötigen die Hilfe eines Terminators der T-800-Modell-Reihe, eines Relikts, das es so nie wieder geben wird. Weil die Zukunft, die ihn erschaffen hat, ausgelöscht wurde.



Eine neue, düstere Zukunft

Terminator: Dark Fate etabliert, dass Terminator 2 Erfolg hatte. Sarah Connor hat die Welt gerettet, ihr Motto "Kein Schicksal", das besagt, dass sich die Zukunft ändern lässt, ist aber nur bedingt korrekt. Denn es kollidiert mit dem, was man als menschliche Dummheit, vielleicht auch Hybris, bezeichnen könnte. Skynet mag nicht erschaffen worden sein, an seine Stelle trat jedoch eine andere künstliche Intelligenz, die für die Cyberkriegsführung entwickelt wurde und ihre Fähigkeiten gegen den Menschen einsetzte. Die Geschichte wiederholt sich, der Schrecken einer postapokalyptischen Zukunft wird wieder wahr. Es ist Schicksal, es führt kein Weg daran vorbei, alle Bemühungen von Sarah Connor erreichten nur einen Zeitaufschub und eine Veränderung der Umstände, das Ergebnis ist jedoch das Gleiche.

Der Film spielt mit dem Element der Staffelstabübergabe. Sarah sieht in Dani sich selbst: Eine unbedarfte, normale junge Frau, die angesichts einer mörderischen Gefahr über sich selbst hinauswachsen muss. Das ist eine große Rolle für Linda Hamilton, die hier deutlich mehr zu tun hat als Arnold Schwarzenegger. Dessen Figur ist ein geläuterter Terminator und taucht erst etwa zur Hälfte des Films auf. Aber es ist eine gute Altersrolle, die zugleich auch den Abschied bedeutet, denn nach Terminator: Dark Fate kann es keinen Terminator mit Arnold Schwarzeneggers Konterfei mehr geben.

Ein neuer Terminator

Die Zukunft ist anders, was mit Veränderungen einhergeht. Das zeigt sich nirgendwo besser als im aktuellen Terminator, dem Modell Rev-9, das das Beste zweier Welten miteinander verbindet. Er ist Endoskelett und flüssiges Metall zugleich, die Kulmination dessen, was man in Terminator 2 gesehen hat. Das ist technisch beeindruckend umgesetzt. Die Computeranimationen geben sich hier keine Blöße. Der Terminator hat in seiner Endoskelettform Schwere - der Boden bebt, wenn er auf ihm aufkommt.

Wirklich schlecht ist in diesem Film rein technisch gesehen nur eine Szene. Ganz am Anfang sieht man, wie die klassischen Terminator-Modelle an einem Strand aus dem Wasser auftauchen. Das wirkt seltsam schwerelos, die Wasserverdrängung erscheint nicht akkurat, die 200 Kilogramm schweren Robotergestalten scheinen der Schwerkraft zu trotzen.

Exzellent ist die Verjüngungstechnologie, die man schon in Filmen wie Logan: the Wolverine oder unlängst in Gemini Man eingesetzt sah. Hier ist sie nur für eine Szene notwendig, in der man die jungen Versionen von Linda Hamilton und Arnold Schwarzenegger sieht. Sogar der elfjährige Edward Furlong ist dabei. Sowohl beim T-800 als auch bei John Connor wurde auf Body-Doubles zurückgegriffen. Brett Azar, der diesen Job schon in Terminator: Genysis übernahm, spielt den T-800, während Jude Collie den jungen John Connor gibt. Die Gesichter sind aber die von Arnold Schwarzenegger und Edward Furlong - nur deutlich jünger.

Jedes Ende ist auch ein Anfang

Vor einiger Zeit sagte James Cameron, dass Terminator: Dark Fate das Ende der Reihe sei. Später hieß es dann, der Film sei, so er erfolgreich genug ist, der Auftakt einer neuen Trilogie. Tatsächlich ist beides wahr, schließt er doch ab, was mit Terminator und Terminator 2 begonnen wurde, bereitet aber die Bühne für eine ganz neue Saga mit ganz neuen Figuren und einem ganz neuen Hintergrund.

Der neue Film etabliert ohne einen Zweifel, dass es die Zukunft, aus der der T-800 kommt, nie gegeben hat. Entsprechend kann es dieses Terminator-Modell auch nie gegeben haben. Damit wird etwas möglich, was in der bisherigen Terminator-Saga praktisch undenkbar war: dass diese Filme ohne Arnold Schwarzenegger funktionieren.

Terminator: Dark Fate ist der Schwanengesang für Schwarzenegger, eine große Altersrolle, die zu den Wurzeln seines Erfolgs als Schauspieler zurückführt und einen Höhepunkt darstellt. Während Schwarzenegger für ein mögliches Sequel also außen vor ist, könnte Linda Hamilton wieder dabei sein. Das macht diesen sechsten Film der Reihe zum Äquivalent dessen, was Das Erwachen der Macht für die Star-Wars-Saga gewesen ist: eine Verbeugung vor der Vergangenheit und ein Flottmachen für die Zukunft.

 (peo)


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