Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/polizei-hunde-die-nach-datenspeichern-schnueffeln-1910-144505.html    Veröffentlicht: 18.10.2019 17:26    Kurz-URL: https://glm.io/144505

Polizei

Hunde, die nach Datenspeichern schnüffeln

Spürhunde können neben Sprengstoff und Drogen auch Datenspeicher oder Smartphones erschnüffeln. Die Polizei in Nordrhein-Westfalen hat kürzlich ihre frisch ausgebildeten Speicherschnüffler vorgestellt.

In Sachsen gibt es sie schon etwas länger, jetzt auch in Nordrhein-Westfalen: Datenspeicher-Spürhunde, wie sie offiziell genannt werden. Die Polizeihunde erschnüffeln Speichermedien und sollen so aufspüren, was Polizisten sonst nicht finden. Im Missbrauchsfall in Lüdge soll mit ihnen beispielsweise noch ein Speichermedium gefunden worden sein, das die Beamten nicht entdeckt hatten. "Wir haben schnell erkannt, so etwas brauchen wir auch, und davon profitiert nun die ganze Polizei in Nordrhein-Westfalen", sagte Innenminister Herbert Reul (CDU).

Die neuen Spürhunde in Nordrhein-Westfalen heißen Ali Baba, Jupp, Odin, Theo und Herr Rossi und haben eine besondere Aufgabe: Sie sollen elektronische Speichermedien wie USB-Sticks, Festplatten, CDs, Smartphones oder SIM-Karten in Sofaritzen oder Verstecken finden. Von Festnetztelefonen oder Fernbedienungen sollen sie sich jedoch nicht ablenken lassen. Damit ist die Polizei in Nordrhein-Westfalen eine der ersten, die über solche Spürhunde verfügt. Zuvor waren die fünf Tiere als Drogenspürhunde im Einsatz. Sie wurden in einem zwanzigtägigen Lehrgang umgeschult. Dabei sei es zunächst darum gegangen, den Hunden die Datenträger aufzukonditionieren, erklärte Ali Babas Hundeführerin Christina Guse im Deutschlandfunk. "Der Hund musste lernen, die Dinge zu suchen und anzuzeigen und der Hundeführer musste entsprechend lernen, den Hund zu lesen und zu führen."

Es sei ein besonderer Anspruch an die Hunde, aber auch an die Hundeführer, weil es viel weniger Duftfeld gebe, erklärt Guse. Anders sei das beispielsweise bei Marihuana: "Das hat einen ganz starken, eigenen Geruch, den selbst Menschen wahrnehmen". Man könne sich vorstellen, dass eine SIM-Karte oder ein USB-Stick nicht so stark rieche, so Guse. Es sei daher eine anspruchsvolle Aufgabe für die Hunde, aber auch für die Hundeführer. Was genau die Tiere bei den Datenträgern erschnüffeln, bleibe ein Betriebsgeheimnis, heißt es von der Polizei. Gehalten werden die Hunde in Köln und Recklinghausen, von dort aus können sie bundesweit angefordert werden.

 (mtr)


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