Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/samsung-crg9-im-test-das-raumschiffcockpit-fuer-den-schreibtisch-1910-144392.html    Veröffentlicht: 14.10.2019 12:00    Kurz-URL: https://glm.io/144392

Samsung CRG9 im Test

Das Raumschiffcockpit für den Schreibtisch

Keine Frage: An das Curved Panel und das 32:9-Format des Samsung CRG9 müssen wir uns erst gewöhnen. Dann aber wollen wir es fast nicht mehr hergeben. Dank der hohen Bildfrequenz und guten Auflösung vermittelt der Monitor ein immersives Gaming-Erlebnis - als wären wir mittendrin.

PC-Nutzer kennen das: Wenn es um Produktivität geht, dann führt oft nichts an zwei Bildschirmen vorbei. Deshalb hat sich das 32:9-Format etabliert. Solch sonderbar aussehende, überbreite Monitore verbinden zwei 16:9-Panels in einem Gerät - ohne nervigen Rand in der Mitte. Der Samsung-QLED-Bildschirm CRG9 (LC49RG90SSNXZA) ist ein Beispiel. Seine 49-Zoll-Bilddiagonale umfasst zwei 27-Zoll-Anzeigen. Er eignet sich damit wunderbar als Multi-Monitor-Ersatz, oder nicht?

Jedoch positioniert Samsung seinen 32:9-Bildschirm nicht nur als reines Produktivgerät auf dem Markt. Die maximale Auflösung von 5.120 x 1.440 Pixeln kann mit schnellen 120 Hz wiedergegeben werden. Dazu kommen Gaming-Funktionen wie Freesync und eine möglichst schnelle Panelreaktionszeit. Klar sollen laut Hersteller auch Spieler vom nischigen Ultra-Wide-Format profitieren. Wir stellen fest: In einigen Spielen sorgt das große Sichtfeld für ein immersives Mittendrin-Gefühl, in anderen ist das Format sogar ein fast unfairer Vorteil gegenüber herkömmlichen Monitoren. Es gibt aber auch Anwendungen, die sich gar nicht dafür eignen.



Nachdem wir eine Weile lang den fast schon karikaturenhaft riesigen Alienware AW5520qf mit 55-Zoll-Diagonale ausprobiert haben, erscheint der Samsung CRG9 fast schon klein. Das täuscht allerdings, denn auf dem Arbeitsplatz nimmt der 49-Zoll-Bildschirm in Breite und Tiefe genauso viel Platz ein. Das liegt auch an dem Curved Panel, das in einem Radius von 1.800r gekrümmt ist. Entsprechend ausladend ist das Gehäuse, denn es ragt an den Seiten fast 40 cm in die Arbeitsfläche hinein. Der Standfuß allein ist 27 cm tief. Vor dem Kauf sollten Nutzer also darauf achten, einen ausreichend großen Schreibtisch zu besitzen.

Nach dem Aufstellen des Panels merken wir, dass wir uns an die Bildkrümmung erst einmal gewöhnen müssen. Bei einem so weiten Bildformat ist diese aber schlussendlich sinnvoll. Anwender, die von zwei einzelnen Monitoren auf den 32:9-Bildschirm wechseln, werden erfreut sein, da die Ränder an der Seite fehlen. In Windows 10 ist allerdings etwas mehr Fensterschieben notwendig, da das Betriebssystem nur noch zwei seitliche Ankerpunkte an der linken und rechten Seite des Desktops bietet statt jeweils zwei Punkte pro Bildschirm.

Das lässt sich allerdings mit Hilfe des Bild-in-Bild-Modus umschalten. Der Samsung-Monitor kann zwei Signalquellen parallel anzeigen. Wenn wir etwa zwei Displayport-Kabel in die Grafikkarte des Desktopssystems stecken, simuliert das Panel zwei 27-Zoll-Bildschirme im 16:9-Format. Der Bild-in-Bild-Modus ist auch praktisch, wenn wir am gleichen Panel zwei verschiedene Geräte betreiben - beispielsweise einen Fileserver mit GUI-Frontend und einen Windows-Client oder eine Playstation 4 und einen Linux-Desktop.

Wir können den Bildschirm in der Höhe und in seiner Neigung zudem nach unseren Wünschen einstellen. Das ist auch dann hilfreich, wenn wir nicht zentriert vor dem Panel sitzen wollen, so wie wir es von zwei einzelnen Monitoren gewohnt sind. Stattdessen neigen wir das Display zur einen Seite und schauen nach links oder rechts auf den zweiten Bildschirmteil - praktisch. Die Höheneinstellung ist bis zur Oberkante von etwa 53 cm möglich.

Der CRG9 hat insgesamt drei Anschlüsse für Bildquellen: zwei Displayport-1.4-Buchsen und HDMI 2.0. Außerdem können wir einen USB-Hub mit zwei USB-2.0-Ports und zwei USB-3.2-Gen1-Anschlüssen auf der Rückseite nutzen. Das reicht, um etwa Maus, Tastatur und Ladekabel für das eigene Smartphone damit zu verbinden.

Ein enormer Vorteil im Büroalltag kann sein, dass der CRG9 nur ein Bildschirmkabel für den Betrieb benötigt, obwohl er die Arbeitsfläche von zwei Bildschirmen bietet. Daran können wir beispielsweise Notebooks anschließen, die über begrenzt viele Anschlüsse verfügen oder selbst an ein Dock mit nur einem Displayport-Ausgang gekoppelt sind.

Doch was ist ein Monitor mit vielen Anschlüssen ohne ein vernünftiges Panel? Samsungs QLED-Display leistet unserer Einschätzung nach gute Arbeit und ist vor allem eines: sehr hell.

Für das Gaming-Zimmer am hellichten Tag

Wie bei vielen seiner Fernseher verwendet Samsung für den CRG9 ein QLED-Panel - in diesem Fall ein herkömmliches VA-Panel mit Quantum-Dot-Beschichtung, das nicht mit dem noch immer experimentellen QD-LED zu verwechseln ist. Das Panel leuchtet in unserem Test überraschend hell. Andererseits sollte uns das nicht wundern, denn der Bildschirm ist für HRD1000 ausgelegt, also lokale Leuchtstärken von 1.000 cd/m². Bei voller Helligkeit messen wir maximal 683 cd/m², wenn wir Local Dimming für HDR aktivieren. Wir könnten das obendrein entspiegelte Panel also theoretisch auch draußen am sonnigen Tag nutzen. Im Büro stellen wir die Helligkeit aber lieber auf knapp 70 Prozent oder noch geringer ein.

Zwar leuchtet das Panel wunderbar stark, allerdings ist die Farbdarstellung mit einem OLED-Display wie dem zuvor getesteten Alienware-Monitor nicht vergleichbar. In Windows ist immer ein leichter weißer Schleier über Desktopelementen wie der Taskbar und dem Startmenü erkennbar. An den Seiten wird dieser Effekt durch das gekrümmte Panel verstärkt. Bei spitzeren Betrachtungswinkeln werden Farben blasser, weshalb wir uns vor den Bildschirm setzen sollten. Invertierte Farben tauchen aber selbst bei extremen Winkeln nicht auf - gut so.

Bei aktiviertem Local Dimming für HDR sind die Kontraste besser, die Helligkeit höher und die Darstellung von weißen Flächen prominenter. Allerdings müssen wir bei starken Kontrastübergängen ein wenig mehr Backlight Bleeding - einen leuchtenden Schein am Rand des Farbübergangs - in Kauf nehmen. Samsung schafft es aber, dieses Problem gering zu halten. Uns stört das zumindest selbst bei weißen Flächen auf schwarzem Hintergrund oder weißem Text auf schwarzer Arbeitsfläche nicht.

Was uns jedoch auffällt, sind die nicht perfekten Farbverläufe, die das QLED-Panel darstellt. Bei einem simplen Schwarz-zu-Weiß-Verlauf können wir beim genauen Hinsehen die einzelnen Graustufen erkennen. Unter anderem deshalb eignet sich der Monitor weniger für professionelle Bildbearbeitung, bei der es auf Farbtreue ankommt.

Zumindest im SRGB-Farbraum kann der Monitor alle Farbwerte im Granger Chart korrekt darstellen. Bei Adobe RGB sieht das etwas anders aus: Hier zeigt uns Photoshop CC Schwächen bei dunklen Blautönen, pinken Tönen und im roten Bereich an.

Gut, dass es in den meisten Games nicht auf penibel genaue Farbdarstellung ankommt.

Für Spiele ein Traum

In vielen Games sind das 32:9-Format und die starke Helligkeit allerdings teilweise ein sehr großer Vorteil. Vor allem in Strategiespielen können wir viel mehr vom Schlachtfeld sehen, während unsere Gegner dafür ihre Spielkamera bewegen müssen. Der Klassiker Age of Empires 2 in der HD-Version ist ein gutes Beispiel dafür. Auf einer kleinen Zweispielerkarte können wir von links nach rechts fast die Hälfte des Spielfeldes überblicken. In den Hack-and-Slay-RPGs Grim Dawn und Diablo 3 sehen wir gegnerische Monster schon, bevor wir überhaupt in Angriffsreichweite sind.

Kompetitive Spiele wie Heroes of the Storm unterstützen die hohe Auflösung von 5.140 x 1.440 Pixeln nicht. Das ist wahrscheinlich Absicht, damit Spieler mit Samsung CRG9 auf dem Tisch keine unfairen Vorteile gegenüber anderen Spielern haben. In Counter-Strike: Global Offensive funktioniert das allerdings: Bei eingeschaltetem Ultrawide-Format sehen wir links und rechts einen größeren Bildausschnitt.

Das Problem: Verzerrungen am Rand des Sichtfeldes sorgen für eine Art Fischaugeneffekt, der bei sensiblen Mägen Übelkeit hervorrufen kann. Objekte und Figuren werden gestreckt und wirken daher unförmig. Außerdem müssen wir unseren Kopf stärker bewegen, wenn wir auf unsere Munitionsanzeige oder die Minikarte schauen. In Age of Empires 2 ist das kleine Baumenü mit noch kleineren Icons an der linken unteren Ecke ohne Tastenkürzel sogar kaum nutzbar.

Die Weltraumsimulation Star Citizen unterstützt schon in der Alphaphase Ultra-Wide-Formate. Allerdings werden auch hier Elemente am Rand etwas verzerrt dargestellt, wenn auch nicht ganz so stark. Gleiches gilt für den Loot-Shooter Borderlands 3. Das erweiterte Sichtfeld sorgt gerade im Cockpit oder bei anderen Simulationsspielen wie Mech Warrior Online, Elite Dangerous oder F1 2019 für ein immersives Mittendrin-Gefühl.

Dabei sollte beachtet werden, dass Hauptmenüs, Zwischensequenzen und andere Elemente in Spielen trotzdem in 16:9 angezeigt werden und schwarze Balken an den Rändern unvermeidlich sind. Daran mussten wir uns erst einmal gewöhnen. Generell eignet sich der Bildschirm für Netflix oder Youtube im Vollbildmodus auch nicht mehr als ein herkömmlicher 27-Zoll-Monitor. Zumindest stellt er aber geeignete Videos im 21:9-Format ohne schwarze Ränder oben und unten dar.

Obwohl die Bildfrequenz des Monitors mit 120 Hz hoch genug ist, sollte die eher unterdurchschnittliche Pixelreaktionszeit beachtet werden. Bei schnellen Bewegungen verschwimmen Texte und Texturen schnell und Schlieren bilden sich. Das wird besonders dann sichtbar, wenn wir das Display in HDR verwenden. Das liegt daran, dass wir die Bildfrequenz in diesem Modus herabsetzen müssen. Der Monitor schafft dann noch etwa 100 Hz in nativer Auflösung und 10 Bit Farbtiefe - Grund ist die Bandbreitenlimitierung von Displayport 1.4.

Wie viele andere VA-Bildschirme erreicht das System den HDR-Effekt durch Frame Rate Control (FRC). Auch hier ist erwähnenswert, dass Windows 10 in High Dynamic Range Farben nicht richtig darstellt und daher nicht sehr ansehnlich ist. Das gilt auch für einige Games. Wir entscheiden uns beim Spielen daher lieber für eine höhere Bildfrequenz und damit bessere Bildlatenzen statt für HDR.

Das On-Screen-Menü des CRG9 ist über den kleinen Joystick unter der Power-LED erreichbar. Drücken wir diesen ein, erscheint zunächst eine Radialauswahl, in der wir schnell die Quelle, den Bild-in-Bild-Modus oder das Einstellungsmenü erreichen können. Die GUI ist übersichtlich gehalten und bietet alle notwendigen Funktionen.

Fortgeschrittene Nutzer werden allerdings etwas ernüchtert sein, da es nur ein Profil gibt, das wir nach Belieben einstellen können. Ansonsten lassen sich verschiedene vorgefertigte Voreinstellungen wählen, die jeweils für bestimmte Zwecke geeignet sind. Der Cinema-Modus zeigt Farben beispielsweise satter an, während die FPS-Einstellung dunkle Farbbereiche auf Kosten der Farbbalance aufhellt.

Etwas nervig ist der Wechsel zwischen verschiedenen Bildquellen. Wir können nicht auf Knopfdruck wählen, welchen Displayausgang wir anzeigen wollen. Stattdessen wechselt der Monitor standardmäßig nach dem Betätigen in Zeitintervallen das Bildsignal, bis er eine Quelle findet. Wenn wir drei Geräte am Bildschirm betreiben, ist das immer mit einem manuellen Suchlauf verbunden.

Verfügbarkeit und Fazit

Samsung bietet seinen CRG9 derzeit für etwa 1.300 Euro an. Der Bildschirm wird in einer passenden Pappbox geliefert. Auch Zubehör ist reichlich dabei, darunter ein HDMI- und ein Displayport-Kabel. Für derzeit 820 Euro gibt es den Vorgänger in gleicher Größe, mit 144 Hz aber nur mit 1080p-Auflösung. Auch Unternehmen wie Dell und LG bieten ihrerseits 49-Zoll-Ultra-Widescreen-Panels an.

Fazit

Haben wir uns erst einmal an das ungewöhnlich weite Format und das gekrümmte Panel gewöhnt, ist der CRG9 von Samsung ein sehr interessanter Monitor. Nicht umsonst wollen viele Redakteure jetzt ihre zwei 16:9-Monitore gegen ihn austauschen. Der Vorteil liegt auf der Hand: Wir können einen durchgehenden Desktop für intensives Multitasking nutzen - ohne nervige Displayränder in der Mitte.

Für die Nutzung im Büro eignet sich das Panel durch den vielen Platz - zwei 27-Zoll-Monitore in einem - und die hohe Auflösung von 5.140 x 1.440 Pixeln. Per Bild-in-Bild-Modus können wir zudem entweder zwei verschiedene Geräte - angeschlossen an die zwei vorhandenen Displayport-1.4-Buchsen oder an HDMI 2.0 - anzeigen lassen oder tatsächlich zwei Monitore simulieren. Das ist für Nutzer sinnvoll, die das Fenster-Snapping an Bildschirmrändern in Windows 10 oft und gerne verwenden.

Wir sollten darauf achten, dass der Bildschirm durch sein Curved Panel mehr Platz als üblich auf dem Schreibtisch einnimmt. Der Standfuß ragt 27 cm tief in die Arbeitsfläche hinein. Dafür lässt er sich ergonomisch in Höhe und Neigung einstellen.

Mit seinen 120 Hz, Freesync und der HDR1000-Zertifizierung ist der CRG9 aber fast schon zu schade, um nur im Büro zu stehen. In Spielen stellt sich das weite 32:9-Format in Verbindung mit der überdurchschnittlich hohen Bildfrequenz oftmals als Vorteil heraus. In der Weltraumsimulation Star Citizen vermittelt der Monitor ein Mittendrin-Gefühl. In Diablo 3 sehen wir Monster schon, bevor sie in Angriffsreichweite sind. In Age of Empires 2 brauchen wir unsere Ansichtskamera kaum zu bewegen, da wir schon so sehr viel von unserer Stadt und der Umgebung sehen.

Auch in Shootern wie Borderlands 3 und CS:GO sehen wir durch das Format in der Theorie mehr zu beiden Seiten. Allerdings werden Objekte zum Rand hin sehr verzerrt angezeigt, was den Eindruck eines Fischaugenobjektivs vermittelt. Einige kompetitive Spiele wie Heroes of the Storm unterstützen die 32:9-Auflösungen nicht einmal, da sie einen starken Vorteil brächten.

Das Display leuchtet mit 683 cd/m² selbst in hellen Räumen sehr stark. Die Pixelreaktionszeiten und Farbtreue sind eher durchschnittlich, was für Spiele in Ordnung ist. Wir würden den Monitor aber nicht für professionelle Print-Bildbearbeitung empfehlen.

Im Büro sind die hohe Bildfrequenz und HDR etwas übertrieben. Wir würden den Samsung CRG9 aber definitiv Leuten empfehlen, die damit hauptsächlich auch spielen wollen. Für 1.300 Euro gibt es derzeit kaum ein immersiveres Spielgefühl.

 (on)


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