Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/datenschutz-chinesische-lehrer-ueberwachen-gehirnwellen-ihrer-schueler-1910-144304.html    Veröffentlicht: 08.10.2019 10:46    Kurz-URL: https://glm.io/144304

Datenschutz

Chinesische Lehrer überwachen Gehirnwellen ihrer Schüler

Nicht nur GPS-Tracker und Kameras sind Teil des chinesischen Klassenraumexperiments der Zukunft. Schüler tragen Stirnbänder, die Gehirnaktivitäten messen. Lehrer und Eltern können so immer sehen, wie sich Kinder im Unterricht verhalten. Diese EEG-Messungen sind allerdings fehleranfällig.

Die US-Zeitung Wall Street Journal konnte eine Schule in der Nähe von Schanghai besuchen. Dort werden chinesische Kinder mit GPS-Trackern in ihren Uniformen und Gehirnwellenmessgeräten auf dem Kopf ausgestattet. Zudem sind in Klassenräumen Kameras aufgehängt, die in Zusammenhang mit Gesichtserkennungssoftware das Verhalten der Kinder überwachen - etwa wie oft sie im Unterricht auf ihr Telefon schauen. Das Ziel dieses Projekts soll es sein, die Noten der Schüler zu verbessern.

Die Mutter eines Kindes sieht durchaus Datenschutzprobleme, argumentiert aber: "Wenn es der Forschung und Entwicklung unseres Landes dient, denke ich, ist es kein Problem". Die Eltern begrüßen das Experiment generell wohl mit der Hoffnung, ihre Kinder in der Schule besser dastehen zu lassen. Mehrere Milliarden US-Dollar habe die Regierung bereits darin investiert. Daran beteiligt sind große und kleine chinesische Unternehmen.

EEG ist fehleranfällig

Die Gehirnwellensensoren werden in China selbst hergestellt und sind mit jeweils drei Elektroden ausgestattet. Kinder tragen die Geräte wie Stirnbänder den ganzen Tag lang. Die Daten sendet das System an den Hostcomputer der Lehrkraft. Diese kann damit etwa herausfinden, welche Schüler sich konzentrieren und welche nicht bei der Sache sind. In einer Zusammenfassung wird die Leistung der gesamten Klasse zusammengefasst, inklusive der Konzentrationslevel einzelner Kinder. Einzelne Berichte können dann miteinander verglichen werden. Eltern sehen die Zusammenfassung auf ihren Smartphones und haben immer und überall eine Übersicht, welche Leistungen ihre Kinder in der Klasse erbringen.

Diese verwendete EEG-Technik ist allerdings laut dem Neurowissenschaftler Theodore Zanto anfällig gegenüber kleinen Einflüssen. Sind Träger etwa in Situationen aufgebracht oder unruhig, können Ergebnisse stark verfälscht werden. Die Konsequenzen sind durch die Vernetzung für die Kinder allerdings groß: Ein Schüler sagt dazu: "Stellt euch vor, bei einer Prüfung bekommen alle eine Punktzahl von 95, aber du selbst bekommst eine 85. Würdest du dich nicht als Schlusslicht sehen?". Eine Lehrerin verteidigt das Konzept allerdings. Der psychologische Effekt der Kopfbänder allein sei ein Anreiz für die Schüler, sich mehr anzustrengen. Erste Verbesserungen bei Noten seien bereits erkennbar.  (on)


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