Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/trine-4-im-test-traumhaftes-2-5d-coop-abenteuer-1910-144278.html    Veröffentlicht: 08.10.2019 14:00    Kurz-URL: https://glm.io/144278

Trine 4 im Test

Traumhaftes 2,5D-Coop-Abenteuer

Alleine oder mit Freunden bei wunderschöner Grafik und malerischer Musik rätseln: Trine 4 ist ein kooperativer Platformer mit physikbasierten Puzzles und drei sympathischen Helden. Selten hat es mehr Spaß gemacht, zusammen zu knobeln!

Ein typisches Rätsel in Trine 4 klingt ungefähr so: "Du hebst das hoch und du schiebst das drunter und ich hüpfe dort - das könnte klappen, glaube ich ... doch nicht ... aber vielleicht ... nein ... oh Mann, ja - sind wir blöd." Denn erneut knobeln wir alleine oder mit mehreren Freunden, wie wir den jeweiligen Abschnitt bewältigen. Trine 4 ist wie der erste und der zweite Teil der Serie ein 2,5D-Sidescroller, wir bewegen uns also von links nach rechts. Trine 3 hingegen war dreidimensional, kam wegen der fummeligen Steuerung und des abrupten Endes aber nicht gut bei den Fans an.

Die Story des Vorgängers wird entsprechend ignoriert, stattdessen machen wir uns auf in neue Abenteuer: In Trine 4 - The Nightmare Prince werden unsere Helden von der Astralakademie zur Hilfe gerufen, denn der junge Prinz Selius leidet unter Albträumen. Weil der Adelige über magische Fähigkeiten verfügt, verselbstständigen sich die Monster aus seinen Träumen - klar, dass wir uns um die Auswüchse kümmern müssen. Die Geschichte ist dabei weitgehend vernachlässigbar, sie verknüpft aber die fünf Akte charmant, zumal die (auf Wunsch deutschen) Sprecher der Vorgänger wieder mit dabei sind.

Erneut sind wir mit drei Charakteren unterwegs: Amadeus der Zauberer kann Kisten beschwören und Objekte teleportieren, Pontius der Ritter vermöbelt Feinde und nutzt seinen Schild auf vielfältige Weise, und Zoya die Diebin hat einen Bogen sowie einen Greifhaken. Wer alleine spielt, wechselt per Knopfdruck die Figur, beim gemeinsamen Spielen hingegen übernimmt jeder eine davon. Das macht Trine 4 zu einem der derzeit besten Coop-Platformer, weil es schlicht extrem unterhaltsam ist, zusammen Rätsel zu lösen und Abschnitte zu bewältigen. Das klappt erfreulicherweise lokal und online.

Amadeus, Pontius und Zoya lernen im Verlauf der Story ständig neue Fähigkeiten: Der Zauberer etwa schnappt sich später auch Gegner per Magie und lässt sie in giftige Dämpfe fallen, der Ritter kann mit seinem Schild segeln und Zoya friert per Eispfeil ein Gewässer ein. Generell war Entwickler Frozenbyte bei den Physik-Puzzles wieder sehr einfallsreich, alle Elemente sind vertreten: Wir lenken Lichtstrahlen um, lassen Wasser auf Mühlräder tropfen, elektrifizieren Schaltungen, verschieben Magneten oder müssen schlicht Schalter beschweren. In den meisten Fällen gibt es mehrere Lösungen und üblicherweise fallen diese so aus, dass wir uns sicher sind, die komplizierteste und verrückteste umgesetzt zu haben.

Wunderschöne Optik, malerische Musik

Nur die gelegentlichen Kämpfe - welche eigentlich der Auflockerung dienen sollen - halten wir wie gehabt für einen Schwachpunkt. Faktisch sind nur Pontius und Zoya wackere Recken, wohingegen Amadeus meist nutzlos bleibt. Einzig in den spürbar kniffligeren Bosskämpfen ist er oft eine Hilfe, weil wir seine Zauberkräfte benötigen, um die gegnerische Verteidigung zu durchbrechen. Jeder dicke Brocken hat eine Achillesferse, die es teils erst durch Ausprobieren zu finden gilt. Andere Bosse setzen uns besonders knackige Rätsel vor, etwa die schön fiese, Tante Gretchen genannte Hexe.

Wie die Vorgänger basiert auch Trine 4 auf Frozenbytes Inhouse-Engine, die für wunderschöne Level mit sehr stimmungsvoller und abwechslungsreicher Grafik sorgt: Satte Farben und viele Details machen jede Map einzigartig, etwa das kleine Eichhörnchen im Hintergrund oder ein knuffiger Igel, den wir retten. Die malerische Musikuntermalung stammt erneut von Ari Pulkkinen, einem finnischen Komponisten. Die PC-Version unterstützt bis zu vierfache Supersampling-Kantenglättung, wodurch die Optik noch einen Tick feiner und schärfer wird.

Trine 4 ist seit dem 8. Oktober 2019 erhältlich und vollständig auf Deutsch lokalisiert. Das Spiel eignet sich mit einer USK-6-Freigabe grundlegend für Kinder, einige Rätsel sind jedoch ziemliche Kopfnüsse. Die Spielzeit liegt bei gut zehn Stunden, wobei in jedem Abschnitt viele Erfahrungspunkte-Phiolen und Bonusgegenstände versteckt sind. Wer alle erwischen will, braucht länger - was wir motivierend finden. Trine 4 kostet 30 Euro und ist für Nintendo Switch, Playstation 4, Xbox One und Windows-PC (GoG oder Steam) erhältlich.

Nach dem leider misslungenen dritten Teil hat Frozenbyte mit Trine 4 wieder ein traumhaftes 2,5D-Coop-Abenteuer abgeliefert: Gemeinsam in visuell beeindruckenden Welten unterlegt mit toller Musik gemeinsam Rätsel zu lösen hat selten mehr Spaß gemacht. Besonders klasse ist, dass die Puzzles im Multiplayer fordernder werden und es sich somit lohnt, die Abschnitte statt alleine oder zu zweit auch noch zu dritt auszuprobieren.

 (ms)


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