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Vision 5 und Epos 2 im Hands on

Tolinos neue E-Book-Reader-Oberklasse ist gelungen

Die Tolino-Allianz bringt zwei neue E-Book-Reader der Oberklasse auf den Markt. Der Vision 5 hat ein 7 Zoll großes Display, beim besonders dünnen Epos 2 ist es ein 8-Zoll-Display. Es gibt typische Oberklasse-Ausstattung - und noch etwas mehr.

Der Epos 2 ist das Nachfolgemodell des Epos und der Vision 5 folgt dem Vision 4 HD. Beide Vorgängermodelle hatten noch keine Blättertasten, das Umblättern erfolgt hier ausschließlich über den Touchscreen. Die neuen Modelle haben nun Blättertasten und somit auch eine Griffleiste sowie eine kluge Display-Rotations-Automatik.

Beim Vision 5 hat Tolino das Display nochmals deutlich größer gemacht. Statt der 6 Zoll des Vorgängers erhält der Käufer nun ein 7 Zoll großes Display. Das Gerät ist 158,6 x 144,2 mm groß. Auch der Epos 2 erhielt ein nochmals leicht vergrößertes Display. Statt 7,8 Zoll gibt es eine Displaydiagonale von 8 Zoll, die Maße sind 177,5 x 159 mm. Beide Modelle liefern auf dem matten Display eine Punktdichte von 300 dpi, Inhalte erscheinen wie auf Papier gedruckt. Beim Vision 5 gibt es noch Kanten zwischen Gehäuserand und Display, beim Epos 2 ist die Oberfläche komplett plan.

Bei beiden Modellen freuen wir uns über eine gleichmäßige Ausleuchtung des Displays, das Lesen darauf ist angenehm. Tolino hat sich nach eigenen Angaben ganz bewusst gegen eine automatische Helligkeitseinstellung entschieden, weil diese meist ohnehin nicht die Helligkeit liefert, die der Nutzer benötigt. Daher lässt sich die Displaybeleuchtung manuell schalten - bei Bedarf kann eine extra hohe Helligkeit dazu geschaltet werden.



Der Gehäuseaufbau ist bei beiden Modellen identisch - auf der einen Seite befindet sich eine Griffleiste mit Blättertasten. Die Blättertasten sind sehr gut erfühlbar und das Blättern ist damit deutlich angenehmer als über einen Touchscreen. Tolino greift damit das drei Jahre alte Design von Amazons E-Book-Reader Kindle Oasis auf, verzichtet aber auf Akkuhüllen. Wie bei neueren Kindle-Oasis-Modellen ist ein ausreichend dimensionierter Akku im E-Book-Reader selbst verbaut.

Während der Vision 5 einen klassischen E-Paper-Display-Aufbau mit Glasschicht hat, wurde beim Epos 2 auf eine Glasschicht verzichtet. Das erlaubt es, den E-Book-Reader besonders dünn zu bauen. Zudem ist es hier gefahrlos möglich, das Display zu biegen. Die Gewichtsreduzierung ist enorm: Trotz des größeren Displays wiegt der Epos 2 mit 195 Gramm 75 Gramm weniger. Durch diese Maßnahmen ist das Gehäuse am Display 3,9 mm dünn, am Griff sind es 6,7 mm. Der Vision 5 ist am Display 5,2 mm dünn, am Griff sind es 7,7 mm.

Gute Gewichtsverteilung

Da der Akku vor allem im Griffbereich eingebaut ist, scheint der Epos 2 sogar leichter zu sein, als es das tatsächlich Gewicht erwarten lässt. Den gleichen Effekt gibt es beim Vision 5 HD, der ebenfalls 195 Gramm wiegt. Beide Modelle bieten eine halbautomatische Displaydrehung, die in der Praxis sinnvoller ist als eine automatische Variante.

Der Ansatz von Tolino umgeht die typischen Probleme einer automatischen Displaydrehung, ohne auf entscheidenden Komfort verzichten zu müssen. Wird das Gerät gedreht, erscheint in der Nähe der Blättertaste ein Rotationssymbol. Erst wenn der Nutzer dieses betätigt, wird das Buch gedreht.

Damit wird wirkungsvoll verhindert, dass das Display ständig hin- und herspringt, wenn wir etwa im Liegen lesen. Der Kindle Oasis hat genau mit diesem Problem zu kämpfen, weil es hier eine herkömmliche Automatik zur Displayrotation gibt. Haben wir ein Buch auf einem der Tolino-Geräte geöffnet, können wir es sogar im Querformat lesen - die übrige Oberfläche ist daran aber leider nicht angepasst.

Beide Tolino-Modelle bieten eine automatische Anpassung der Farbtemperatur der Displaybeleuchtung. Morgens gibt es kaltweißes Licht, abends warmweißes. Das soll den Biorhythmus besser unterstützen. Wer die Automatik nicht mag, kann diese deaktivieren.

Tolino hat die Oberklassegeräte mit einem speziellen Modus für Menschen mit großer Sehschwäche ausgerüstet.

Für Menschen mit großer Sehschwäche

Speziell für die beiden Oberklasse-E-Book-Reader hat Tolino einen Modus implementiert, in dem alle Steuerelemente auf dem Display vergrößert dargestellt werden. Das ist vor allem für Nutzer mit einer Sehschwäche gedacht. Dieser Modus setzt nach Angaben von Tolino ein entsprechend großes Display voraus, so dass es diese Funktion nur für die Oberklassegeräte gibt. Zwar ist es bei E-Book-Readern üblich, dass die Schriftgröße verändert werden kann. Aber üblicherweise wird die übrige Oberfläche nicht mit angepasst.

Mit dem Schritt will Tolino für Kunden mit starker Sehschwäche die Nutzung der Geräte einfacher machen oder aber auch erst ermöglichen, indem sie überhaupt erst in die Lage versetzt werden, noch Bücher zu lesen. Zudem gibt es für diese Zielgruppe einen Dunkelmodus, der noch im Betastadium ist. Texte erscheinen dann auf schwarzem Hintergrund. Tolino verspricht, dass Menschen, die etwa störende Flecken sehen, so Inhalte besser lesen können.

Beide E-Book-Reader erfüllen die Schutzklasse IPX 8 und können damit auch mal ins Wasser getaucht werden. Vor allem beim Einsatz etwa in der Badewanne sind die Blättertasten eine Hilfe, weil das Umblättern mit nassen Fingern auf einem Touchscreen sehr mühsam sein kann. Der Hersteller gibt an, dass beide Geräte auch mal bis zu einer Stunde zwei Meter tief im Süßwasser sein können, ohne dass das Gerät Schaden nehmen soll.



Die Tolino-Modelle unterstützen Single-Band-WLAN, um darüber E-Books bei den verschiedenen Tolino-Partnern über das Internet beziehen zu können. Neben der Unterstützung von ePub-Formaten mit und ohne DRM können PDF- und TXT-Dateien mit dem Gerät gelesen werden. Dabei wird auch die Online-Ausleihe in öffentlichen Bibliotheken in Deutschland unterstützt. Zudem gibt es einen Browser, um darüber beliebige Webseiten besuchen zu können.

Beide Modelle haben 512 MByte Arbeitsspeicher sowie 8 GByte Flash-Speicher. Dieser soll für etwa 6.000 digitale Bücher genügen. Wie bei den Tolino-Geräten üblich gibt es 25 GByte Kapazität in der Tolino-Cloud. Beide Modelle haben einen Lithium-Polymer-Akku mit 1.200 mAh. Damit soll es möglich sein, mehrere Wochen zu lesen, ohne den Akku aufladen zu müssen.

Keine USB-C-Buchse

Zum Aufladen gibt es am Gerät einen Micro-USB-Anschluss. Nach Aussage von Tolino ist USB-C noch nicht so weit bei der Zielgruppe der Geräte verbreitet, daher habe man sich dagegen entschieden. Somit kann die Kundengruppe auf Reisen das gleiche Kabel für Smartphone und E-Book-Reader nutzen. Allerdings werden E-Book-Reader meist längere Zeit verwendet als Smartphones, so dass die Besitzer der Geräte dann in einigen Jahren doch wieder zwei Kabel auf Reisen mitnehmen müssen.

Beiden Tolino-Modellen liegt ein spezielles Micro-USB-Kabel bei, das in beide Richtungen in eine Micro-USB-Buchse gesteckt werden kann. Zumindest die Probleme beim Einstöpseln des Kabels, die mit USB-C korrigiert werden, gibt es mit den E-Book-Readern nicht, sofern der Kunde die Kabel der Geräte nutzt.

Der Vision 5 sowie der Epos 2 sollen ab sofort bei den Tolino-Partnern verfügbar sein. Dazu gehören Hugendubel, Libri, Mayersche Buchhandlung, Osiander, Thalia sowie Weltbild. Der Vision 5 kostet 180 Euro, der Epos 2 300 Euro.

Fazit

Die Tolino-Allianz wertet die E-Book-Reader-Oberklasse deutlich auf. Ein besonderes Highlight ist der Epos 2 mit seinem besonders dünnen Display und dem vergleichsweise leichten Gehäuse. Beide Modelle profitieren von den Blättertasten und auch die besondere Umsetzung der halbautomatischen Displayrotation hat uns sehr gut gefallen. Eine normale Automatik liegt hier einfach zu oft daneben und schmälert den Lesegenuss zu sehr.

Für den Vision 5 hätten wir uns ebenfalls ein komplett planes Display gewünscht - ohne Kanten vom Gehäuserand zum Display. Hier gefällt uns der Epos 2 deutlich besser. Die typischen Oberklasse-Funktionen wie Farbtemperatur, Wasserschutz und ordentliche Displaybeleuchtung sind vorhanden.

Trotz des praktischen Micro-USB-Kabels hätten wir uns einen USB-C-Anschluss an den E-Book-Readern gewünscht. Denn USB-C wird in immer mehr Geräten eingebaut, so dass Smartphone-Nutzer auf Reisen dann eher ein USB-C-Kabel dabei haben und dann für den E-Book-Reader ein Micro-USB-Kabel zusätzlich mitnehmen müssen.

Der spezielle Vergrößerungsmodus sowie der Dunkelmodus können für Menschen mit entsprechenden Sehschwächen ein großer Gewinn sein. Es ist erfreulich, dass Tolino an diese Zielgruppe denkt, für die das Lesen mit E-Book-Readern dadurch möglicherweise erst wieder möglich wird.

 (ip)


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