Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/telekom-smart-speaker-im-test-der-smarte-lautsprecher-der-mit-zwei-zungen-spricht-1910-144156.html    Veröffentlicht: 01.10.2019 09:07    Kurz-URL: https://glm.io/144156

Telekom Smart Speaker im Test

Der smarte Lautsprecher, der mit zwei Zungen spricht

Die Deutsche Telekom bietet derzeit den einzigen smarten Lautsprecher an, mit dem sich parallel zwei digitale Assistenten nutzen lassen. Der Magenta-Assistent lässt einiges zu wünschen übrig, aber die Parallelnutzung von Alexa funktioniert schon fast zu gut.

Die Telekom verfolgt ein ambitioniertes Ziel: Sie will einen eigenen digitalen Assistenten als Konkurrenz zu Amazon Alexa, Google Assistant sowie Apple Siri anbieten. Nach etlichen Verzögerungen hat das Unternehmen zur Ifa den ersten eigenen smarten Lautsprecher mit einem selbst entwickelten digitalen Assistenten veröffentlicht. Der besondere Clou: Parallel kann Amazons Alexa genutzt werden.

Bose und Sonos gewähren Kunden seit einiger Zeit die Möglichkeit, ihre smarten Lautsprecher wahlweise mit Alexa oder Google Assistant zu nutzen. Aber keiner der beiden Hersteller ermöglicht es, die beiden digitalen Assistenten parallel auf einem Lautsprecher zu verwenden. Sonos begründet das damit, dass dies für Nutzer verwirrend sei. So müssten sie sich merken, welcher digitale Helfer etwa für Timer oder Alarme genutzt wurde, um sie mit dem entsprechenden Assistenten ausgeschaltet bekommen.

Wir haben uns daraufhin den Telekom-Lautsprecher angeschaut und dabei auch getestet, wie leistungsfähig die Konkurrenz zu Alexa, Google Assistant und Siri ist. Die Telekom hat nach eigener Aussage mit Magenta nicht das Ziel, einen vollwertigen Ersatz für Alexa und Co. zu liefern. Der eigene Assistent ist vor allem darauf optimiert, mit Telekom-Diensten zu verwenden. Dazu gehören Telefonie, Smart-Home-Steuerung und die Bedienung von Entertain TV über Sprachbefehle.











Zunächst einiges zur Hardware: Der Smart Speaker ist in einem vergleichsweise kleinen Gehäuse untergebracht - er ist kleiner als etwa der Echo Plus von Amazon. Es gibt als einzige sichtbare Taste eine zur Deaktivierung der eingebauten Mikrofone, die sich auf der Rückseite befindet. Ansonsten erfolgt die Steuerung über ein Sensorfeld auf der Oberseite des Geräts.

Steuerung mit Tippgesten

Die Lautstärke wird verändert, indem im Außenbereich mit dem Finger kreisförmige Bewegungen gemacht werden. In der Mitte des Sensorfelds kann mittels Tippen ein Anruf angenommen und abgelehnt oder Magenta manuell aktiviert werden. Alexa lässt sich nicht über eine Geste aktivieren, das geht immer nur auf Zuruf. Zudem kann durch Doppeltippen Musik angehalten und mit Einschränkungen fortgesetzt werden.

Auf der Oberseite ist ähnlich wie bei den Echo-Lautsprechern ein LED-Ring, der leuchtet, sobald der digitale Assistent mithört oder ein Anruf eingeht. Der Telekom-Lautsprecher hat auf der Rückseite eine 3,5-mm-Klinkenbuchse, mit der er an einer Musikanlage oder höherwertigen Lautsprechern betrieben werden kann, die keine Sprachsteuerung bieten. Einen Ein-Aus-Schalter hat der Smart Speaker nicht. Wer ihn nicht ständig eingeschaltet haben will, muss den Stecker ziehen.

Welche Funktionen werden wir beim Magenta-Assistenten der Telekom in der Praxis wirklich vermissen?

Der digitale Assistent der Telekom hat wenige Funktionen

Die weibliche Stimme des Magenta-Assistenten klingt ganz angenehm, die Sprechweise ist aber deutlich schwächer als bei Alexa. Die Aussprache von Magenta ist sehr künstlich und hat etwas Maschinelles. Immer wieder werden Wörter nicht korrekt betont. Während Amazon und Google mittlerweile so weit sind, dass Nutzer den Eindruck gewinnen, mit einem Menschen zu sprechen, stellt sich dieses Gefühl beim Magenta-Assistenten nicht ein.

Kommen wir zum Funktionsumfang von Magenta. Wir können damit einen Timer stellen, uns den Wetterbericht oder Sportergebnisse ansagen lassen, Dinge auf eine Einkaufsliste oder eine Aufgabenliste setzen. Beim Stellen eines Timers wird eine Ansage wie "Stelle einen Timer auf dreieinhalb Minuten" nicht verstanden. Wir müssen dann sagen "Stelle einen Timer auf drei Minuten und dreißig Sekunden". Hier sind Alexa und Google Assistant deutlich weiter, die mit Halbminuten-Ansagen gut klarkommen.

Keine Erinnerungen, keine Wecker

Weckerfunktionen oder Erinnerungen fehlen dem Telekom-Produkt ganz. Wollen wir eine Erinnerung stellen, passiert einfach nichts - es gibt nicht einmal eine Rückmeldung, dass der Befehl nicht verstanden wird. Das passierte im Test öfter mal. In solchen Situationen reagiert die Konkurrenz meist mit einer Ansage, dass eine Funktion nicht zur Verfügung stehe.



Als einzige Newsquelle gibt es bei Magenta die Tagesschau der ARD, weitere Quellen werden nicht geboten. Hier haben Alexa und Google Assistant deutlich mehr Auswahl. Zudem gibt es in Magenta einen Übersetzer, aber nur vom deutschen ins Englische, nicht umgekehrt. Weitere Sprachen sind nicht verfügbar.

Aufgaben- und Einkaufsliste gut umgesetzt

Gut gelöst ist das Führen einer Einkaufsliste oder einer Aufgabenliste. Beide werden in der Magenta-App gespeichert und stehen auch bereit, wenn das Smartphone keine Internetverbindung hat - mit dem Stand, als die App das letzte Mal mit dem Internet verbunden war. Andere Cloud-Einkaufs- oder Aufgabenlisten werden nicht unterstützt, der Nutzer muss die Telekom-Lösung verwenden. Für den Telekom-Lautsprecher gibt es derzeit nichts Vergleichbares zu den Skills für Alexa, um den Funktionsumfang des digitalen Assistenten erweitern zu können.

Zudem kann Magenta einfache Wissensfragen beantworten, indem auf Wikipedia zugegriffen wird. Dabei wird immer der gesamte Text vor dem Inhaltsverzeichnis eines Wikipedia-Artikels vorgelesen. Das kann je nach Umfang ermüdend sein. Fragen wir nach Angela Merkel, werden uns drei lange Absätze stockend und holpernd vorgelesen. Es ist kaum möglich, das Vorgelesene aufgrund der schlechten Aussprache und der vielen falschen Betonungen überhaupt zu verstehen. Gut gelöst ist hingegen, dass am Ende die Quelle genannt wird.

Die Konkurrenz nutzt auch Wikipedia, aber anders

Zum direkten Vergleich: Alexa liest einen Großteil des ersten Absatzes vor, der Nutzer erfährt, dass sie Politikerin und amtierende Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland ist. Dabei wird flüssig und angenehm vorgelesen. Nachteil: Amazon verschweigt die Quelle.

Google Assistant macht es noch einmal anders: Hier wird gleich am Anfang die Quelle angegeben. Aber der Google Assistant hört bereits nach dem ersten Satz auf. Nachteil: Der Nutzer erfährt dadurch nicht, dass Merkel derzeit Bundeskanzlerin ist. Somit liefert der Google Assistant dadurch das schwächste Ergebnis, weil zu wenig Informationen geliefert werden.

Dafür punktet der Google Assistant oftmals damit, dass mehr Wissensfragen korrekt verstanden werden. Fragen wir alle drei Assistenten, wie der Fachbegriff für Platzangst lautet, scheitern Magenta und Alexa. Sie kennen keine Antwort. Google Assistant liest als einziger die passende Passage aus Wikipedia vor und beantwortet die Frage somit.

Vor allem bei der Beantwortung von Wissensfragen liest Magenta noch viel zu schlecht vor. Leider fehlen auch Selbstverständlichkeiten wie Wecker und Erinnerungen, denn gerade Letztere sind enorm praktisch, sich mal eben auf Zuruf an etwas erinnern zu lassen. Doch das ist noch nicht das größte Manko.

Keine Sprachsteuerung bei der Musikwiedergabe

Wirklich peinlich wird es, wenn es um Musik geht. Wir können mit Magenta auf Zuruf Radio hören. Die beworbene Spotify-Integration beschränkt sich hingegen auf die Anbindung von Spotify Connect; es ist keine Sprachsteuerung für Spotify vorhanden, wie sie für Alexa und Google Assistant selbstverständlich ist. Wir können über den Magenta-Assistenten lediglich die Musik auf Zuruf anhalten, fortsetzen oder in einer Playlist oder einem Album springen.

Wollen wir eine andere Playlist wiedergeben oder zu einem anderen Album wechseln, müssen wir immer zum Smartphone greifen. Für einen smarten Lautsprecher ist das ein Armutszeugnis. Während Echo, Google Home und Co von mehreren Familienmitgliedern für die Musikwiedergabe verwendet werden können, ist das beim Telekom-Lautsprecher nicht ohne weiteres möglich. Immer muss ein passendes Smartphone als Zuspielgerät in der Nähe sein. Eine solche gravierende Einschränkung gibt es bei keiner anderen Plattform eines digitalen Assistenten für smarte Lautsprecher.

Magenta kann außerdem zur Steuerung von Smart-Home-Geräten genutzt werden - aber nur, wenn der Telekom-Dienst Magenta Smart Home gebucht wird. Hier geben sich Alexa und Google Assistant deutlich offener: Etliche Hersteller von Smart-Home-Komponenten bieten eine passende Anbindung, um etwa Lampen auf Zuruf zu steuern.



Des Weiteren lässt sich ein Entertain-TV-Empfänger mit der Stimme steuern, um etwa eine Wiedergabe anzuhalten oder den Sender zu wechseln. Diese beiden Komponenten haben wir in diesem Test nicht weiter beleuchtet, weil es uns darum ging zu zeigen, was mit dem Telekom-Lautsprecher möglich ist, ohne weitere Telekom-Dienste buchen zu müssen.

Telefoniefunktionen nur mit wenigen DECT-Basisstationen verfügbar

Als weitere Besonderheit kann Magenta für Telefonie verwendet werden - so wird der Lautsprecher immer wieder von der Telekom beworben. Der Smart Speaker benötigt dafür allerdings zwingend einen Telekom-Router oder eines der beiden AVM-Modelle Fritzbox 7490 oder Fritzbox 7590.

Diese Information findet sich weder auf der Produktseite noch auf der Bestellseite und auch nicht im Handbuch, das im Internet zur Verfügung steht. Auch im FAQ-Bereich fehlt jeder Hinweis dazu.

Im schlimmsten Fall erfährt der Kunde also erst nach dem Kauf, dass er nicht die passende Ausrüstung hat, um eine vielbeworbene Funktion nutzen zu können. Selbst bei der Einrichtung der Telefoniefunktion in der Magenta-App bekamen wir keinen Hinweis darauf, dass dies nur mit wenigen ausgewählten DECT-Basisstationen funktioniert. Laut Telekom wird darauf ausschließlich in den AGB der Telekom hingewiesen, aber die AGB zum Smart Speaker finden sich auf der Telekom-Webseite nicht.

Es wird die richtige DECT-Basis benötigt

Wir betrieben den Smart Speaker zunächst an einer Gigaset-DECT-Station SL450A Go. Damit waren keine ausgehenden Telefonate möglich, wir konnten nur Anrufe annehmen. Und sobald wir erfolglos jemand anderen über den Lautsprecher angerufen haben, klingelten alle übrigen DECT-Mobilteile nicht mehr, bis wir die DECT-Station neu gestartet hatten.

Nachdem wir bei der Telekom-Hotline erfahren hatten, dass unsere DECT-Basis nicht unterstützt wird, haben wir den Smart Speaker mit einer Fritzbox 7490 verbunden - dann funktionierte alles, wie es sollte. Der Lautsprecher greift dazu auf das Adressbuch im E-Mail-Postfach des Telekom-Zugangs zu. Wir können hier auch gezielt nur die Rufnummern eingeben, die für die Nutzung des smarten Lautsprechers gewünscht sind. Ein Telefonbuch aus einem anderen DECT-Telefon kann nicht direkt in das Adressbuch des Smart Speakers übertragen werden. Alternativ kann das Smartphone-Adressbuchs komplett oder teilweise importiert werden.

Nicht immer werden wir richtig verstanden

Beim Telefonieren begegnen uns die gleichen Probleme wie bei anderen digitalen Assistenten. Bei den Anruffunktionen muss sich der Nutzer eng an die vorgegebene Befehlsstruktur halten - vor allem, wenn ein Kontakt mehrere Rufnummern hat. Wollen wir Mathilda anrufen und sagen "Ruf Mathildas Privatnummer an", wird das nicht verstanden. Wir müssen - etwas unnatürlich - sagen: "Ruf Mathilda privat an." Alternativ können wir "privat" durch "zu Hause" ersetzen, "daheim" wird wieder nicht verstanden.

Sagen wir bei Kontakten mit Rufnummern nicht die passende Rubrik an, erfolgt eine Rückfrage. Wer das umgehen will, legt für jede Rufnummer einen eigenen Kontakt an. Dann gibt es deutlich weniger Probleme. Wenn der Lautsprecher gerade mit dem Abspielen von Musik beschäftigt ist, wird die Musik vom Lautsprecher leiser gestellt, alle Ansagen von Alexa oder Magenta werden gestoppt. Wir bekommen den eingehenden Anruf angesagt und sehen den LED-Ring grün leuchten - das ist gut gelöst.

Wie bei allen anderen smarten Lautsprecherlösungen mit Telefoniefunktionen hat auch die Telekom bei ihrem Produkt eine wichtige Funktion vergessen: Wenn wir einen Anruf verpasst haben, gibt es keinen Hinweis am Lautsprecher. Der Nutzer muss also immer selbst daran denken, in der Anrufliste nachzusehen, ob Anrufe verpasst wurden. Immerhin werden verpasste Anrufe in der Lautsprecher-App angezeigt, das ist praktisch.

Telefonqualität am anderen Ende ist bescheiden

Wie schon bei unseren Tests des Echo Connect und des Gigaset LH800HX waren wir mit der Gesprächsqualität der Telefonate nur bedingt zufrieden. Der Anrufer am anderen Ende der Leitung hört das Telefonat so, als ob mit einem klassischen DECT-Telefon im Freisprechbetrieb telefoniert wird. Je weiter weg wir uns vom Telekom-Lautsprecher bewegen, desto schlechter werden wir verstanden. Hier ist der Lautsprecher einem klassischen DECT-Telefon unterlegen, das wir bei Bedarf mit uns herumtragen können und durch Nähe zum Telefonmikrofon für eine bessere Sprachqualität sorgen können.

Vor allem waren wir gespannt, wie es sich anfühlt, zwei digitale Assistenten direkt auf einem Lautsprecher nutzen zu können.

Alexa auf dem Telekom-Lautsprecher

Die Telekom hat Alexa auf vorbildliche Weise in den Smart Speaker integriert. Wir können nahtlos auf beide digitale Assistenten zugreifen. Sagen wir "Hallo Magenta" meldet sich der Telekom-Assistant, bei Zuruf mit "Alexa" kommt Amazons Pendant zum Einsatz. Sowohl Bose als auch Sonos bieten zwar auf ihren smarten Lautsprechern seit einiger Zeit die Option, wahlweise Alexa oder Google Assistant zu nutzen, aber eine parallele Nutzung gestatten sie nicht.

Der Wechsel zwischen den Assistenten ist bei beiden Anbietern besonders mühsam, wie unser Test des Sonos Move zeigt. Beide Anbieter sind der Meinung, dass zwei parallel laufende digitale Assistenten den Nutzer verwirren würden.

Einer für alles

Für uns gibt es hier in der Praxis auf dem Telekom-Lautsprecher keine Probleme. Wir müssen uns dabei nicht einmal merken, mit welchem digitalen Assistenten ein Timer, eine Erinnerung oder ein Wecker gestellt wurde. Wenn also ein Alexa-Timer endet, genügt ein "Hallo Magenta, stopp" und er verstummt. Das funktioniert auch bei Alexa-Erinnerungen und Alexa-Weckern.

Umgekehrt können wir zwar keinen Magenta-Timer mit "Alexa, stopp" beenden, aber wir finden es durchaus logisch und nachvollziehbar, dass einer der beiden Assistenten alle solche Aktionen beenden kann. Die Lösung zeigt, wie es auch Bose oder Sonos hinbekommen könnten: Die Nutzer bestimmen einfach einen primären digitalen Assistenten, der dann alle Alarme, Timer, Wecker oder Erinnerungen beenden kann.

Leuchtring informiert über gewählten Assistenten

Bei all dem ist der LED-Leuchtring eine große Hilfe. Reden wir mit Magenta, leuchtet er in der Telekom-Farbe, bei der Aktivierung von Alexa ist er blau. Wir können also auf einen Blick erkennen, welcher der beiden digitalen Assistenten gerade läuft. Vorausgesetzt wir denken daran, den Lautsprecher nicht zu weit oben hinzustellen. Denn die Telekom hat den Leuchtring nicht an den Gehäuserand gelegt. Wenn sich der Lautsprecher leicht oberhalb der Augenhöhe des Nutzers befindet, kann der LED-Ring nicht mehr erkannt werden. Das ist leider eine glatte Fehlkonstruktion, weil schon eine etwas höhere Kommode genügt, um den Leuchtring beim Sitzen auf einer Couch nicht mehr erkennen zu können.



Was uns überhaupt nicht gefällt: Der Telekom-Lautsprecher gibt kein akustisches Signal, wenn ein digitaler Assistent aktiviert wurde. Die Konkurrenz kann meist so eingestellt werden, dass ein Signalton ertönt, sobald der digitale Assistent lauscht. Das ist vor allem praktisch, um ungewollte Aktivierungen zu bemerken. Im Fall des Telekom-Lautsprechers ist es aber auch aus einem anderen Grund notwendig.

Schwache Mikrofone

Denn die Mikrofonleistung des Telekom-Lautsprechers hat uns im Test nicht zufriedengestellt. Dabei sind uns Unterschiede zwischen Magenta und Alexa aufgefallen. Die Beliebtheit smarter Lautsprecher rührt auch daher, dass anfangs Amazon und später auch andere Hersteller besonders hochempfindliche Mikrofone in die Geräte eingebaut haben. Wir brauchen nur in irgendeine Richtung in einen Raum zu sprechen und werden verstanden. Diesen Komfort gibt es mit dem Telekom-Lautsprecher nur eingeschränkt.

Wenn er in einem etwa 15 qm großen Zimmer direkt hinter uns steht und wir das Magenta-Aktivierungswort sagen, bemerkt der Lautsprecher das meist nicht, auch wenn es dabei ruhig ist und es keine Störgeräusche gibt. Je größer der Raum ist, desto größer ist das Risiko, dass Magenta nicht reagiert.

Telekom-Lautsprecher mag keine Kinder

Nutzen wir hingegen Alexa, springt der Lautsprecher zuverlässiger an. Wir können in einem 40 qm großen Raum an beliebiger Stelle und Richtung Alexa sagen und der Lautsprecher empfängt Befehle auf Zuruf. Befinden wir uns an der gleichen Stelle möglichst weit weg vom Lautsprecher, aktiviert sich Magenta nicht. Die schlechtere Reaktion auf das Aufwachwort schmälert den Komfort des Assistenten. Hier muss die Telekom nachbessern.

Wer mit Grundschulkindern im Haushalt wohnt, wird mit dem Telekom-Lautsprecher nicht zufrieden sein. Wir haben festgestellt, dass Kinderstimmen vom Telekom-Gerät noch schlechter verstanden werden. Während Erwachsene in Zimmerlautstärke Magenta oder Alexa aktivieren konnten, misslang das Schulkindern bei gleicher Lautstärke und identischem räumlichen Abstand wiederholt. Manchmal half es nicht einmal, wenn der Lautsprecher angebrüllt wurde. Vergleichbare Schwierigkeiten sind uns bei Alexa- oder Google-Assistant-Geräten bislang nicht begegnet. Die Geräte der Konkurrenz können Kinderstimmen genauso gut verstehen wie die von Erwachsenen.

Magenta reagiert langsamer als Alexa

Dabei reagiert Magenta allgemein träger als Alexa. Bis wir von Magenta eine Antwort erhalten, dauert es so zwei bis drei Sekunden. Das klingt nach einer kurzen Wartezeit, aber es reicht uns zu verunsichern, ob unser Befehl überhaupt verstanden wurde. Dazu gesellt sich die unzureichende Reaktion auf das Aufwachwort, der fehlende Signalton und das nicht optimal postierte LED-Licht. Bei Alexa sind Antworten immer sofort da. Wir haben nie das Gefühl, dass wir warten müssen. Nicht nur in dieser Disziplin muss die Telekom Magenta substanziell verbessern.

Anders als mit Magenta können wir über Alexa auf Zuruf Musikstreamingdienste nutzen. Der Kunde kann hier zwischen den Amazon-Diensten Prime Music, Music Unlimited oder dem neuen Music HD wählen. Zudem stehen Spotify, Deezer sowie der Neuzugang Apple Music bereit. In allen Diensten können wir Titel, Alben oder Playlisten ansagen, die daraufhin abgespielt werden. Wenn wir Musik über Alexa hören, können wir die Wiedergabe auf Zuruf unterbrechen oder durch Berühren des Sensorfelds am Lautsprecher. Eine Fortsetzung der Wiedergabe gelingt über das Sensorfeld hingegen nicht.

Wie auch bei anderen Alexa-Lautsprechern von Drittanbietern gibt es beim Telekom-Modell nicht den vollen Alexa-Funktionsumfang. Wir können das Alexa-Signalwort nicht ändern, das gestattet Amazon ausschließlich für die eigenen Echo-Geräte. Auch die Alexa-Multiroom-Funktionen stehen nicht zur Verfügung und auch alle Anruffunktionen bleiben weiterhin den Echo-Geräten vorbehalten. Ansonsten sind die meisten anderen Funktionen verfügbar.

Wir können mit Hilfe von Alexa Hue-Lampen auf Zuruf steuern, wir können auf alle Skills zugreifen und so etwa auch externe Einkaufslisten einbinden und auch Musikwecker werden unterstützt. So können wir den Lautsprecher nutzen, um uns über Alexa mit passender Musik wecken zu lassen.

Wie gut ein Musikwecker auf dem Telekom-Lautsprecher erklingt, haben wir auch ermittelt.

Klangqualität ist bescheiden

Als der Telekom-Lautsprecher im Herbst 2017 vorgestellt wurde, gab es überwiegend einfache Lautsprecher mit aus heutiger Sicht bescheidener Klangqualität, erst langsam kamen Ende 2017 erste höherwertige Geräte auf den Markt. Seitdem haben die Kunden aber deutlich mehr Auswahl und erhalten für ihr Geld auch zumeist eine wesentlich bessere Klangqualität als noch vor zwei Jahren. Auf dieses veränderte Marktumfeld ist der Telekom-Lautsprecher nicht vorbereitet.

Wir haben den Smart Speaker mit Amazons genauso teurem Echo Plus im Klangtest verglichen. Dabei zeigten sich eklatante Unterschiede. Amazon liefert mit dem aktuellen Echo Plus einen Lautsprecher mit einem guten Höhenbereich, einem kräftigen Bass, ohne jedoch einen echten Tiefbass zu erreichen. Insgesamt bringt der Bass aber ein deutlich besseres Klangbild als beim Vorgängermodell, ohne dass die Verständlichkeit der Gesangsstimmen darunter leiden.



Der Smart Speaker der Telekom spielt klanglich in einer ganz anderen Liga. Sofort fallen der fehlende Bass und der schwache Mittenbereich des Telekom-Modells auf. Dem Klangbild fehlt etwas und die Dominanz des Höhenbereichs ist übertrieben. Man hat den Eindruck, dass der Lautsprecher bei vielen Liedern schlicht überfordert ist. Der Echo Plus bietet in allen Disziplinen den eindeutig besseren Klang.

Hohe Leistungsaufnahme des Telekom-Lautsprechers

Das Telekom-Modell fällt unangenehm mit einer vergleichsweise hohen Leistungsaufnahme auf. Mit aktiviertem DECT-Modul liegt der Verbrauch im Standby bei 3,7 Watt, während der Echo Plus mit eingebautem Smart Home Hub bei 2,4 Watt liegt. Bei der Nutzung von Magenta gibt es eine höhere Leistungsaufnahme als bei Verwendung von Alexa - bei gleicher Lautstärke. Mit dem Magenta-Assistenten kommen wir bei Ansagen auf ungefähr 5,5 Watt, während Alexa-Antworten und auch eine Musikwiedergabe bei etwa 4,2 Watt liegt. Letzteren Wert haben wir im Betrieb beim Echo Plus ebenfalls.

Die Telekom bewirbt den eigenen Lautsprecher auch damit, dass für den eigenen digitalen Assistenten europäische Gesetzgebung gelte und dies Kunden einen besseren Datenschutz liefen solle. Allerdings ist das zum Großteil Augenwischerei, denn auch Amazon und Google müssen sich an europäische Datenschutzvorgaben halten, wenn sie ihre Dienste hierzulande anbieten.

Die Telekom agiert immerhin minimal offener mit der Problematik, dass Sprachmitschnitte nachträglich von Menschen angehört werden - sofern sich der Nutzer in die Datenschutzeinstellungen verirrt. Im Rahmen des Einrichtungsprozesses werden wir nicht explizit darauf hingewiesen. Aber in den Datenschutzeinstellungen der App können wir die Funktion deaktivieren. Noch transparenter wäre die Telekom, wenn die Option einfach in den Geräteeinstellungen verändert werden könnte.

Verfügbarkeit und Fazit

Die Deutsche Telekom bietet den Smart Speaker derzeit zum Vorzugspreis von 100 Euro an. Dieses Angebot gilt noch bis Ende Oktober, danach steigt der Preis auf 150 Euro.

Fazit

Bei der Integration zweier digitaler Assistenten hat die Telekom fast alles richtig gemacht. Wir können Timer, Erinnerungen und Wecker von Alexa auch mit dem Telekom-Assistenten beenden. Nutzer müssen sich nicht mühsam merken, mit welchem der beiden Assistenten ein Timer gestellt wurde. Damit werden Komplikationen bei der Nutzung beider digitaler Assistenten wirksam unterbunden. Noch schöner wäre es, wenn wir auch einen Magenta-Timer mit einem Alexa-Befehl beenden könnten.

Der Magenta-Assistent wirkt in allen Belangen nicht wettbewerbsfähig. Die Stimme klingt künstlich, sie liest stockend vor und bei längeren Textpassagen ist es eine Tortur, dem Gesagten zu folgen. Vieles ist aufgrund falscher Aussprache auch inhaltlich nicht zu verstehen. Der Funktionsumfang ist ebenfalls enttäuschend. Dass die Telekom kein Skills-System á la Alexa aufbaut, ist hinnehmbar. Aber dass wir nicht einmal Erinnerungen anlegen können oder uns mit dem Magenta-Assistenten wecken lassen können, ist enttäuschend.

Besonders fehlt uns die Möglichkeit, einen Musikstreamingdienst umfangreich mit der Stimme bedienen zu können. Der Telekom-Lautsprecher kann abseits der von Alexa unterstützten Dienste nur mit Spotify betrieben werden - und das vollständig nur vom Smartphone aus. Wenn es schon keine Sprachsteuerung gibt, hätten wir uns gewünscht, dass mehr Musikstreamingdienste unterstützt werden.

Allein aufgrund der kürzeren Reaktionszeit, der zuverlässigeren Aktivierung und der deutlich besseren Aussprache ziehen wir Alexa in jedem Fall dem Magenta-Assistenten vor. Auch aufgrund des vergleichsweise geringen Funktionsumfangs des Magenta-Assistenten bleibt derzeit kaum ein Anreiz, den Telekom-Assistenten zu verwenden.

Wir können Magenta zwar für Telefonate nutzen, aber mit Echo Connect als Zubehör können wir jeden Echo-Lautsprecher ebenfalls für die Telefonfunktionen nutzen - die Telekom bietet hier keinen Wettbewerbsvorteil. Bei der Telefonie gibt es die üblichen Probleme und Schwierigkeiten klassischer Freisprechlösungen. Der Smart Speaker ist derzeit am ehesten für Telekom-Kunden eine Hilfe, die das Smart-Home-System der Telekom verwenden und intensiv Entertain TV über einen passenden Empfänger nutzen. Bei der Klangqualität hat uns der Telekom-Lautsprecher enttäuscht, hier liefert die Konkurrenz für den gleichen Preis deutlich mehr.

Die Telekom hat viel Arbeit vor sich, um Magenta halbwegs auf Augenhöhe mit dem Wettbewerb zu bekommen. Es ist verzeihbar, wenn der Funktionsumfang etwas geringer ausfällt, aber Selbstverständlichkeiten wie Erinnerungen, Wecker sowie eine Musikauswahl auf Zuruf dürfen dabei nicht auf der Strecke bleiben. Außerdem muss die Reaktionszeit verkürzt und die Ansprechbarkeit verbessert werden. Zu oft reagiert Magenta nicht auf das Signalwort. Und bei der Aussprache muss auch noch viel passieren, hier haben Amazon und Google in den letzten zwei Jahren so stark aufgeholt, dass der Vorsprung uneinholbar erscheint.

 (ip)


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