Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/elektromobilitaet-volkswagen-und-northvolt-bauen-batteriefabrik-1909-144035.html    Veröffentlicht: 24.09.2019 07:00    Kurz-URL: https://glm.io/144035

Elektromobilität

Volkswagen und Northvolt bauen Batteriefabrik

Volkswagen steigt zusammen mit einem Partner in die Produktion von Batteriezellen ein. In Salzgitter eröffnet der Konzern eine Pilotanlage für die Kleinserienfertigung. Neben der Herstellung und einem zweiten Leben der Batterie deckt das Konzept auch das Recycling ab.

Volkswagen ist der erste deutsche Autohersteller, der in die Fertigung von Batteriezellen einsteigt. Um das wirtschaftliche Risiko zu reduzieren und auch zusätzliches Know-how ins Unternehmen zu holen, wird die Fertigung als 50-50-Joint-Venture mit Northvolt betrieben. Das schwedische Unternehmen, gegründet von ehemaligen Tesla-Managern, baut derzeit eigene Fertigungskapazitäten in seinem Heimatland auf. Die geplante Fabrik in Skelleftea gilt als Vorbild für die VW-Fertigung in Salzgitter.

Gigafabrik mit 16 Gigawattstunden

An dem niedersächsischen Standort werden Verbrennungsmotoren für alle Konzernmarken gefertigt. In einer leeren Halle eröffnete Volkswagen heute das sogenannte Center of Excellence. Es betreibt eine Pilotanlage, die in Kleinserienfertigung Pouchzellen für Testfahrzeuge herstellt. "Die gewonnenen Erfahrungen helfen auch, in Zukunft die gesamte Wertschöpfungskette von Lithium-Ionen-Batterien - von den Rohstoffen über die Produktion bis zum Recycling - zu beherrschen", sagte Frank Blome, Leiter Batterie- und Energiesysteme bei Volkswagen.

Bis zum Jahreswechsel 2023/24 entsteht neben der Pilotanlage eine Gigafabrik. Dazu wird eine neue Halle mit 200.000 Quadratmetern Produktionsfläche gebaut. Die jährliche Produktion ist auf 16 Gigawattstunden Speicherkapazität ausgelegt. Diese Fabrik wird gemeinsam mit Northvolt betrieben. Die benötigte Energie kommt ausschließlich aus erneuerbaren Quellen. Alle Zulieferer müssen die Nachhaltigkeit beim Abbau der Rohstoffe nachweisen. "Schließlich wollen wir die grünste Batterie der Welt bauen", sagte Frederik Hedlund, Strategiechef von Northvolt.

Zellen wiederverwerten

In Salzgitter nimmt im kommenden Jahr eine Recycling-Anlage ihren Testbetrieb auf. Die Zellen werden nicht eingeschmolzen, sondern geschreddert und so wiedergewonnen. Es wird eine Recycling-Quote von 90 Prozent bei den Zellen angestrebt.

Doch bevor Zellen hier landen, haben sie ein zweites Leben vor sich. Volkswagen wird die Energiespeicher in seinen flexiblen Ladesäulen einsetzen. Die Schnellladesäulen sind transportabel und können beispielsweise bei Großveranstaltungen eingesetzt werden. Im Regelbetrieb haben diese Ladesäulen allerdings feste Plätze, an denen sie nur einen Anschluss an das Niederspannungsstromnetz benötigen. Die Batterien werden langsam über Wechselstrom geladen, geben ihre Energie aber deutlich schneller per Gleichstrom ab.

Milliarden-Investition

Volkswagen investiert 100 Millionen Euro in das Center of Excellence. Weitere 900 Millionen Euro planen VW und Northvolt für die Batteriefabrik in Salzgitter ein. In der Fabrik entstehen bis zu 700 neue Arbeitsplätze, im Entwicklungszentrum noch mal 300. Doch die Kapazität von 16 Gigawattstunden genügt nicht für den Bedarf des weltweit größten Autoherstellers. Bis 2030 will der Konzern 70 neue Modelle mit elektrischem Antrieb auf den Markt bringen. Das entspricht rund 22 Millionen Elektroautos. Bis 2025 wird der Bedarf auf 150 Gigawattstunden geschätzt. Somit muss Volkswagen noch weitere Zellfabriken aufbauen. Wo und mit welchen Partnern das geschieht, wurde in Salzgitter noch nicht beantwortet.

Die Energiedichte soll bis zum Produktionsstart bei 300 Wattstunden pro Kilogramm liegen. Das wäre eine Steigerung von rund zehn Prozent zum heutigen Stand. Viel mehr sei technisch kaum realistisch, so Frank Blome. Zudem habe man mittelfristig die Festkörper-Technik im Blick. Rund 50 Prozent der Maschinen, die nun bei der Lithium-Ionen-Zelle zum Einsatz kommen, könnten auch bei der neuen Technik verwendet werden. "Auf diese evolutionäre Entwicklung sind wir gut vorbereitet", sagte Blome.  (dku)


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