Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/nintendo-switch-lite-im-test-liebling-ich-habe-die-switch-geschrumpft-1909-144026.html    Veröffentlicht: 24.09.2019 11:58    Kurz-URL: https://glm.io/144026

Nintendo Switch Lite im Test

Liebling, ich habe die Switch geschrumpft

Kleiner, leichter, ausdauernder: Die Switch Lite überzeugt als mobile Version der Konsole. Dabei hat Nintendo gar nicht so viel am System geändert und teilweise sogar Funktionen gestrichen. Allerdings hat sich Mario im Flieger noch nie so gut angefühlt.

Früher war es einfach: Wollten wir auf dem heimischen Röhrenfernseher spielen, haben wir uns einen Super NES zugelegt und dort mit Mario Goombas geplättet. Unterwegs gab es dann Anfang der 90er-Jahre den Game Boy, den wir mit auf Klassenausflug nahmen - die vielen AA-Batterien nicht vergessen. Die neue Nintendo Switch Lite macht diese Unterscheidung schwerer, eignet sich Ur-Switch doch schon als mobiles Spielgerät.

Für 100 Euro weniger streicht die pastellfarbene Nintendo-Konsole zudem einiges ein. Sie kann nicht an einen Fernseher angeschlossen und als Standkonsole verwendet werden. Außerdem sind die Joy-Cons nicht entfernbar. Trotzdem hat Nintendo genug an der Lite gefeilt, um sie für einige Spieler interessant zu machen. Sie ist vor allem kompakter und ausdauernder als das größere Pendant. Auch die sehr guten Tasten überraschen uns.



Grundsätzlich können wir alle Spiele, die den Handheld-Modus auf der Switch unterstützen, auch auf unserer Switch Lite spielen. Das Panel ist dabei nahezu identisch. Es handelt sich um ein LC-Display mit einer kleineren Diagonale von 5,5 Zoll im Vergleich zu den 6,2 Zoll der herkömmlichen Switch. Die Auflösung ist mit 1.280 x 720 Pixeln gleich geblieben, wodurch sich auch die Pixeldichte etwas verbessert. Trotzdem sind gerade etwa schwarze Schriften auf weißem Hintergrund beim näheren Hinsehen etwas unscharf. Störend ist das zwar nicht. Wir hätten aber lieber einen gleich großen oder größeren Touchscreen, da Spiele wie Legend of Zelda: Breath of the Wild mit teils kleinteiligen Menüs davon spürbar profitieren.

Kompakt und leicht

Generell ist die Switch Lite überraschend kompakt gehalten - vor allem, wenn wir die Ur-Switch daneben legen. Das gesamte Chassis ist mit 21 x 9 cm etwas größer als der bekannte Tablet-Teil (17,5 x 10,2 cm) mit getrennten Joy-Cons. Auch ist die Lite leichter. Sie wiegt mit 272 zu 408 Gramm merklich weniger und kommt mit diesem Gewicht an ältere Handhelds wie die Sony PS Vita oder den Nintendo DS heran, die 260 Gramm und 275 Gramm wiegen.

Zwar sind bei der Nintendo Switch Lite die beiden Joy-Con-Teile integraler Bestandteil, doch scheint die gesamte Konstruktion dadurch stabiler und wackelt nicht mehr so herum. Die Konstruktion wirkt durchdacht und trotz vielem Kunststoff gut verarbeitet. Statt des dünnen Standfußes ist zudem eine herkömmliche Klappe für die Micro-SD-Karte vorhanden. Der Klinkenanschluss und Spielkarteneinschub befinden sich an den Stellen, an denen wir sie auch bei der normalen Switch finden. Gleiches gilt für den Power-Schalter und die Lautstärkeregler. Das Gehäuse ist mit einem gummiähnlichen Kunststoff überzogen. Das Gerät liegt daher etwas angenehmer und fester in der Hand, was für eine tragbare Konsole von Vorteil ist.

Nintendo selbst betont, dass sich die Switch Lite nicht für den TV-Modus eigne. Um Spieler nicht auf Gedanken zu bringen, änderte der Hersteller zur Sicherheit den USB-Typ-C-Verbinder etwas ab. Dieser passt nicht in das Dock hinein, da die daneben liegenden Einkerbungen dafür an unterschiedlichen Stellen eingelassen sind, und die Konsole selbst nicht einmal in den Sockel passt. Durch die eingebauten Eingabetasten unterstützt die Konsole nur Spiele, die für den Handheld-Modus der Switch geeignet sind. Super Mario Party funktioniert mit der mobilen Switch nicht ohne Zubehör, da die Joy-Cons fest verbaut sind. Der Titel 1-2-Switch ist ebenfalls nicht nutzbar, da Nintendo die Neigungssensoren bei der Switch Lite weglässt. Erwähnen sollten wir auch, dass die Vibrationsmotoren fehlen.

Externe Controller wie zusätzliche Joy-Cons oder der Nintendo Switch Pro Controller sind weiterhin problemlos mit der Switch Lite kompatibel. Notwendig ist das Zubehör aber nicht dringend. Das liegt an den besseren Tasten an der neuen Switch-Konsole. Im Vergleich zur Ur-Version ist der Druckpunkt der Aktionstasten A, B, X und Y etwas weicher und der Schaltweg höher. Das haptische Feedback gefällt uns insgesamt besser. Das gilt auch für die vier Schultertasten: Diese fühlen sich bei der Switch Lite weniger wie Maustasten und mehr wie echte Controllerbuttons an - gut so. Zudem befindet sich auf der linken Seite des Gerätes ein traditionelles Steuerkreuz statt der weniger präzisen vier Tasten.

Doch was ist eine gute mobile Plattform ohne solide Akkulaufzeit? Auch hier kann die Switch Lite das größere Vorbild überholen - trotz kleinerem Akku.

Bessere Ausdauer bei gleicher Leistung

Eines vorweg: Auch die Switch Lite ist nicht unbedingt ein Dauerläufer für lange Interkontinentalflüge. Nintendo hat aber durch die B-Revision des Tegra-X1-Chips etwas Energieeffizienz herausholen können - obwohl wegen der geringeren Größe weniger Platz für einen Akku vorhanden ist. Statt etwa 16,2 Wattstunden hat dieser nur noch 13,6 Wattstunden.

Für den Praxistest haben wir auf beiden Systemen vier Computergegner in Super Smash. Bros ohne Zeitlimit gegeneinander kämpfen lassen. Das Vergleichsmodell ist die Ur-Switch mit älterem Tegra-X1, die bereits durch ein aktualisiertes und ausdauernderes Modell ersetzt wurde. Bei voller Helligkeit und deaktiviertem WLAN hält die Switch Lite etwa 3:40 Stunden durch. Das Vergleichsmodell kommt im identischen Szenario auf 3:10 Stunden. Wir merken also: Das energieefizientere SoC sorgt bei ansonsten gleicher Ausstattung für einen merklichen Unterschied.

Display muss fast immer auf 100 Prozent leuchten

Das verwendete 720p-Panel stammt von Innolux, weshalb es sich nicht um ein bei gleicher Helligkeit sparsameres Igzo-basiertes Modell von Sharp handelt. Die maximale Helligkeit ist bei beiden Switch-Modellen übrigens ähnlich. Wir messen maximal 307 cd/m² beim Standardmodell und 303 cd/m² bei der Switch Lite. Es ist daher fast immer notwendig, bei voller Helligkeit zu zocken.

Leistungstechnisch können wir hingegen keine merklichen Unterschiede feststellen. Sobald viel auf dem Bildschirm passiert, etwa wenn wir gegen sieben Gegner in Smash Bros. antreten, ruckelt es auf beiden Geräten an einigen Stellen. Das hat uns aber nicht stark gestört. Es zeigt allerdings, dass sowohl die Switch als auch die Switch Lite am Limit arbeiten. In The Legend of Zelda: Breath of the Wild beobachten wir bei beiden Modellen knapp 30 fps beim Blick über Hyrule. Diese Bildraten sinken bei Rennen und Kämpfen sichtbar.

Das merken wir auch, wenn wir die Lite länger verwenden. Schnell wird das System an der Rückseite warm - gefühlt wärmer als das Vergleichsmodell. Das kleinere und dünnere Chassis führt Hitze anscheinend schneller nach außen ab. Das kann in hektischen und aufregenden Spielen manchmal zu schwitzigen Händen führen.

Der neue Tegra-Chip macht den Unterschied

Im Inneren der Switch Lite verbaut Nintendo wie bei der neuen regulären Switch teilweise aktualisierte Komponenten: Der Tegra-X1-Chip wird in der B-Revision eingesetzt, hinzu kommt LPDDR4X- statt LPDDR4-Speicher. Das von seinen Maßen her nun kleinere SoC entsteht offenbar im ausgereiften 16-nm-Finfet- von TSMC statt im weniger optimierten planaren 20-nm-Verfahren, was den Energiebedarf deutlich drückt. Der überarbeitete RAM hat eine mit 0,6 Volt statt 1,1 Volt deutlich geringere I/O-Versorgungsspannung, was die Leistungsaufnahme ebenfalls senkt. Alle Chips - SoC, RAM, eMMC, Audio, Bluetooth/WLAN - sind verlötet. Leider hat Nintendo bei den Drahtlosverbindungen kein Update vorgenommen. 

Das gesamte System mit Tegra 210 (Erista) benötigt bei 15 Volt Spannung maximal 1 Ampere in der Spitze. Die Switch inklusive Tegra 210B (Mariko) zieht vom USB-Typ-C-Netzteil bei gleicher Spannung etwa 0,9 Ampere im Maximum. Das erklärt die bessere Akkuleistung, obwohl die Switch Lite einen merklich kleineren Energiespeicher hat. Die Abwärme scheint allerdings ähnlich hoch zu sein.

Übertragen des Nintendo-Kontos ist teilweise möglich

Nutzer, die sich neben ihrer bereits existierenden Konsole die Nintendo Switch Lite zulegen, erhalten vonseiten Nintendos ein wenig Unterstützung. Wir konnten unseren Nintendo-Account samt Spielebibliothek auf das neue Gerät übertragen und unsere Titel dort erneut herunterladen. Auch Spielkarten können mit der mobilen Konsole weiter genutzt werden. Das Betriebssystem ist dabei, bis auf den TV-Modus bezogene Systemeinstellungen, identisch.

Wenn wir allerdings auf zwei Geräten mit dem gleichen Nintendo-Account angemeldet sind, können wir Spiele nur auf Umwegen und durch Ausschalten des Netzwerkmodems parallel spielen. Und selbst dann: Spiele wie Super Smash. Bros wollen nach etwa 2 Stunden mit dem Internet verbunden werden, um die gültige Lizenz abzufragen. Online können wir generell immer nur eine Konsole mit dem gleichen Nintendo-Account nutzen. Außerdem ist das Importieren von Spielständen auf die neue Konsole recht mühselig.

Verfügbarkeit und Fazit

Nintendo verkauft die Switch Lite derzeit für etwa 220 Euro. Die Nintendo Switch kostete bei ihrem Erscheinen 100 Euro mehr und ist im Preis seitdem nicht wesentlich gesunken. Die Konsole gibt es in den Farben Grau, Pastellblau und Pastellgelb. Geliefert wird die Konsole mit dem USB-Typ-C-Netzteil, das auch der Standardversion beiliegt.

Fazit

Waren wir zuerst skeptisch, was den Sinn der Nintendo Switch Lite angeht, sehen wir nach dem Test doch eine Zielgruppe dafür: Gerade junge Nintendo-Fans, die nicht so viel Geld ausgeben möchten, können mit dem System definitiv ihren Spaß haben. Die Konsole ist nicht nur um 100 Euro günstiger, sondern auch leichter und kleiner als die Ur-Switch.

Dadurch passt sie tatsächlich auch in eine Jackentasche hinein, ohne dass das komisch aussieht. Für kleinere Hände ist zudem das Chassis ergonomischer, während Erwachsene damit eher Probleme haben könnten. Die Tasten sind mit ihrem besser definierten Druckpunkt, den weniger mausähnlichen Schultertasten und einem echten Steuerkreuz auf der linken Seite ein Vorteil. Auch die Verarbeitungsqualität des Kunststoffchassis erscheint durch die integrierten Joy-Con-Teile wesentlich besser als bei der Standard-Switch.

Das Display misst 5,5 Zoll statt 6,2 Zoll, woran wir uns im Test erst gewöhnen mussten. Zwar löst das Panel noch immer mit 720p auf, in einigen Spielen wie Legend of Zelda: Breath of the Wild sehen wir aber Menüs und Schrift noch schlechter. Das ist auch insofern ein Problem, als die Switch Lite nicht am Fernseher funktioniert.

Die Helligkeit des Bildschirms ist mit durchschnlittlich etwa 307 cd/m² die gleiche wie bei der Standard-Switch. Das ist gerade im Freien - etwa auf dem Schulfhof oder dem Uni-Campus - noch immer ein Nachteil der Plattform.

Die Akkulaufzeit gewinnt einmal mehr keine Preise, ist aber im Vergleich zur Standard-Switch höher. Der Tegra X1 in der neuen Revision B, der auch in der überarbeiteten Switch verwendet wird, ist energieeffizienter und schafft es, trotz des kleineren Akkus 3:40 Stunden durchzuhalten. Die Ur-Switch kam im im gleichen Test etwa auf 3:10 Stunden.

Die Switch Lite ist durch ihre solide Konstruktion, die sehr guten Tasten, eine mittlerweile beachtliche Spieleauswahl ein würdiger Nachfolger für den Nintendo 3DS oder die Sony Playstation Vita. Besitzer einer normalen Switch können das Gerät allerdings ignorieren - oder es ihrem Kind zu Weihnachten schenken.  (on)


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