Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0106/14388.html    Veröffentlicht: 18.06.2001 09:18    Kurz-URL: https://glm.io/14388

70% der ITK-Anbieter rechnen für 2001 mit steigendem Umsatz

Bitkom: Software, IT-Services, Internet- und Online-Dienste als Wachstumsmotoren

Anlässlich seiner 1. Jahrestagung stellte der Bitkom Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien sein Branchenbarometer vor. Hierzu hatte Bitkom 150 maßgebliche Unternehmen der ITK-Branche befragt. Die Unternehmen realisieren insgesamt einen Umsatz von 100 Milliarden Euro und repräsentieren 80 Prozent des Gesamtmarkts. Bitkom-Präsident Volker Jung verwies bei der Vorstellung der Untersuchung auf eine überwiegend positive Entwicklung des Marktes im 1. Quartal 2001.

Im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresquartal konnten mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen steigende Inlandsumsätze verbuchen. Ein Drittel berichtet über eine stabile Situation und lediglich 14 Prozent verzeichneten im Inland fallende Umsätze. Das Auslandsgeschäft entwickelte sich etwas schwächer. Hier berichtet lediglich ein gutes Drittel der Unternehmen über Zuwächse. Insgesamt sind die Auftragsbücher bei den meisten Unternehmen dennoch gut gefüllt. Jedes zweite Unternehmen nahm im ersten Quartal 2001 mehr Aufträge entgegen als im Vergleichszeitraum des Rekordjahres 2000. Bei 29 Prozent ist der Auftragseingang stabil, bei 19 Prozent nimmt er ab.

Für das Gesamtjahr 2001 rechnen 70 Prozent der befragten Unternehmen mit steigenden Umsätzen. Jedes sechste Unternehmen erwartet hierbei sogar ein Plus von mehr als 10 Prozent. 22 Prozent der Firmen rechnen mit einem stabilen Geschäft auf Vorjahresniveau und lediglich 8 Prozent blicken pessimistisch auf das Jahr 2001. Insbesondere für die zweite Jahreshälfte erwarten die Unternehmen eine anziehende Nachfrage.

"Obwohl unter dem Strich insgesamt weiterhin ein deutliches Plus steht, weht uns momentan ein schärferer Wind ins Gesicht", betonte Jung. "Manche Marktsegmente sind stärker, andere weniger stark betroffen." Wachstumsschübe kommen auch im Jahr 2001 von Internet- und Online-Diensten, der Software sowie IT-Services. Im Vergleich zur Gesamtwirtschaft geht es der Branche nach Bitkom-Angaben insgesamt mit einem erwarteten Umsatzplus von 8,7 Prozent für das laufende Jahr weiterhin sehr gut. Allerdings sei die Ertragslage im Moment eher schwierig.

Erfreut zeigte sich Jung über das fortgesetzte Beschäftigungswachstum: "Die Beschäftigungssituation in der ITK-Branche ist insgesamt positiv." 44 Prozent der Unternehmen haben im ersten Quartal zusätzliches Personal eingestellt und lediglich 14 Prozent haben Arbeitsplätze abgebaut. In 42 Prozent der Unternehmen verbleibt die Zahl der Arbeitsplätze auf dem hohen Niveau des Vorjahres.

Als markthemmende Faktoren nannten die befragten Unternehmen den Fachkräftemangel, die schwierige Situation an den Finanzmärkten sowie politische Rahmenbedingungen. Handlungsbedarf besteht aus Bitkom-Sicht vor allem beim Rabattgesetz und der Elektroaltgeräte-Richtlinie. Bitkom kritisiert die aktuellen Verzögerungen bei der Abschaffung von Rabattgesetz und Zugabeverordnung. Beide Regelungen müssten nicht nur so schnell wie möglich, sondern auch ersatzlos gestrichen werden.

Die Altgeräte-Richtlinie befürwortet Bitkom grundsätzlich. Allerdings bestünde ein dringender Verbesserungsbedarf an einigen wesentlichen Eckpunkten. Die Industrie sieht sich hier in der Verantwortung für die Entsorgung der Geräte, hat diese Verantwortung aber nicht allein, sondern gemeinsam mit Kommunen und Verbrauchern. "Unser aller gemeinsames Interesse muss es sein, das künftige Entsorgungssystem für Altgeräte so effizient und damit so verbraucherfreundlich wie möglich zu gestalten", appellierte der Bitkom-Präsident.

Momentan sei es kaum möglich abzuschätzen, welche und wie viele Altgeräte wann in welchem Zustand wo zurückkommen. Schätzungen gehen zu Beginn von einem jährlichen Abfallpotenzial von etwa 2,2 Millionen PCs, fast 3 Millionen Faxgeräten und Anrufbeantwortern sowie über 6,5 Millionen Telefonen und Handys aus. Zusammen mit den anderen elektrischen und elektronischen Geräten würde dies rund 1 Million Tonnen Elektro- und Elektronikschrott ausmachen, der von der Industrie zurückgenommen und verwertet werden müsste. Hinzu komme eine nicht näher bestimmbare Menge an Uraltgeräten, die momentan in Kellern oder auf Dachböden lagern würden. Die Kosten, die dadurch auf die Wirtschaft zukommen, können kaum prognostiziert werden, so Bitkom. Schätzungen gehen von jährlich über 3 Milliarden DM in Deutschland und etwa 12 bis 15 Milliarden DM europaweit aus.

Das Einsammeln der Altgeräte darf laut Bitkom nicht in die Herstellerverantwortung fallen. Hier seien vielmehr die Kommunen gefragt. Von ihnen erwartet die Industrie, dass sie die überall bereits bestehenden Rücknahmesysteme aufrechterhalten und ausbauen. Die Industrie ist ihrerseits bereit, die Geräte an den kommunalen Sammelstellen abzuholen und die weitere Verwertung und Entsorgung zu organisieren. Des Weiteren haben die im Bitkom organisierten Unternehmen angeboten, die Entsorgung so genannter Alt-Altgeräte und Waisenprodukte zu übernehmen. Darunter versteht man Geräte, die bereits vor Gültigkeit der neuen Gesetzgebung im Markt waren bzw. deren Hersteller nicht mehr existieren und die deshalb zur Finanzierung der Entsorgung auch nicht mehr herangezogen werden können. Hier habe man ein ökologisch und ökonomisch vernünftiges Gesamtpaket geschnürt, das es nun politisch umzusetzen gelte.  (ad)


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