Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/saudi-arabien-drohnenangriffe-legen-halbe-erdoelproduktion-lahm-1909-143866.html    Veröffentlicht: 15.09.2019 12:41    Kurz-URL: https://glm.io/143866

Saudi-Arabien

Drohnenangriffe legen halbe Erdölproduktion lahm

Drohnen aus dem Jemen sollen die wichtigste Erdölraffinerie Saudi-Arabiens in Brand gesetzt haben. Die USA beschuldigen den Iran, die Huthi-Rebellen mit der Waffentechnik ausgerüstet zu haben.

Nach einem Drohnenangriff auf zwei wichtige Raffinerien in Saudi-Arabien ist die dortige Produktion von Rohöl und Gas um die Hälfte eingebrochen. Das teilte der saudische Energieminister Abdulasis bin Salman bin Abdulasis nach Angaben der saudi-arabischen Nachrichtenagentur SDA mit. Betroffen seien die Anlagen des staatlichen Ölkonzerns Aramco in Bakiak und Churais. Menschen seien bei dem Angriff am frühen Samstagmorgen nicht verletzt worden, die Brände seien inzwischen gelöscht.

Zu dem Angriff mit zehn Drohnen bekannte sich ein Sprecher der Huthi-Rebellen im Fernsehsender Almasirah. Der Angriff sei eine Vergeltung für die Angriffe der von Saudi-Arabien angeführten Koalition gegen den Jemen, hieß es zur Begründung. Nach einer Übersicht des Fernsehsenders Al Dschasira greifen die Huthi-Rebellen seit gut zwei Jahren das nördliche Nachbarland mit Raketen und Drohnen an. Zu den Zielen gehörten unter anderem der Flughafen der Stadt Abha im Süden des Landes. Dem Militärsprecher zufolge ging dem Angriff auf die Raffinerien eine "präzise Geheimdienstaktion" und "ehrenvolle Kooperation" aus Saudi-Arabien voraus.

USA beschuldigen Iran

US-Außenminister Mike Pompeo beschuldigte auf Twitter den Iran, einen "beispiellosen Angriff auf die Energieversorgung der Welt" gestartet zu haben. Nach Darstellung Pompeos steht der Iran hinter "100 Angriffen" auf Saudi-Arabien. Er forderte alle Staaten dazu auf, öffentlich und geschlossen die Angriffe Irans zu verurteilen. "Die Vereinigten Staaten arbeiten mit unseren Partnern und Alliierten daran, dass die Energieversorgung gesichert ist und der Iran für seine Aggression zur Verantwortung gezogen wird", twitterte der US-Außenminister.

Der Konzern Aramco gilt nicht nur als weltweit größter Ölproduzent, sondern auch eines der profitabelsten Unternehmen. Die Anlage in Bakiak könne sieben Prozent des weltweiten Rohölbedarfs produzieren, das Ölfeld in Churais liefere ein Prozent des weltweiten Bedarfs, berichtete die BBC. Es sei allerdings unklar, wie die Huthi-Rebellen an die für den Angriff erforderliche Drohnentechnik gelangt seien. Möglicherweise seien zivile Drohnen umfunktioniert worden oder die Rebellen hätten Unterstützung aus dem Iran erhalten. Der Angriff zeige jedoch, dass bewaffnete Drohnenangriffe nicht mehr technisch fortgeschrittenen Staaten vorbehalten seien.

Auch im Kampf gegen den sogenannten Islamischen Staat wurden zahlreiche Drohnenangriffe mit selbst gebauten oder umfunktionierten Quadcoptern registriert, die beispielsweise Handgranaten ins Ziel brachten. Eine traditionelle Flugabwehr kommt vor allem aufgrund der geringen Größe der Flugkörper, die überraschend auftauchen können, meistens nicht in Betracht. Die US Army und die US Air Force wollen daher Drohnen mit Mikrowellen bekämpfen, die die elektronischen Bauteile zerstören sollen.

 (fg)


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