Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/id-3-volkswagen-schlaegt-das-dritte-kapitel-auf-1909-143750.html    Veröffentlicht: 10.09.2019 10:17    Kurz-URL: https://glm.io/143750

ID.3

Volkswagen schlägt das dritte Kapitel auf

In einer Reihe mit Käfer und Golf sieht VW die Bedeutung seines neuen ID.3. Bei der Vorstellung der Serienversion des Autos schwärmte Vorstandschef Herbert Diess von CO2-Neutralität, Energiewende und dem großen Potenzial von Elektromobilität.

Nach Käfer und Golf markiert der ID.3 das dritte Kapitel in der Geschichte des Wolfsburger Autokonzerns. Am Vorabend der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt präsentiert Volkswagen offiziell das Einstiegs-Elektroauto für den Massenmarkt. Der Konzern hat große Ambitionen damit: Während der Käfer Mobilität und der Golf innovative Fahrzeugtechnologie für die Masse brachten, soll die ID-Fahrzeugreihe Gleiches für das elektrische Zeitalter leisten.

Gesehen hat man die poppig-bunte Version des ID.3 schon öfter. Doch in Frankfurt wurde die Serienversion vom ID.3 präsentiert - in etwas gedeckteren Farben. Nach der offiziellen Präsentation durfte man im neuen Elektroauto für jedermann Platz nehmen.

Die gesamte Führungsmannschaft um Vorstandschef Herbert Diess war auf und neben der Bühne versammelt. Marketingchef Jochen Sengpiehl präsentierte zunächst das neue, zweidimensionale Markenlogo. So neu wirkt es gar nicht - wenn man in die Geschichtsbücher des Konzerns schaut, hat man Ähnliches bereits gesehen. Doch nun prangt auf dem ID.3 das schlichtere Logo.

Grüner Vorstandschef

Genauso euphorisch gab sich Herbert Diess auf der Bühne. "In zehn Jahren wird jedes zweite Auto in Europa und China elektrisch angetrieben", prophezeite der Vorstandschef. Man könnte meinen, Diess habe ein grünes Parteibuch in seinem Vorstandsschreibtisch gefunden. Der ID.3 werde bilanziell CO2-frei hergestellt. Bedeutet: Es kommt nur grüner Strom zum Einsatz. Dort, wo CO2 in der Produktion anfällt, werden Ausgleichsprojekte finanziert.

Der Kohleausstieg müsse kommen, forderte Diess. Elektroautos müssten als Energiespeicher in die Energiewende eingebunden werden. Käufer von Elektroautos, die weniger als 20.000 Euro kosteten, sollen kostenlos laden dürfen. Schließlich müssten sich auch Geringverdiener die neuen E-Autos leisten können, ist der Volkswagen-Chef überzeugt.

Die kleinste Version des ID.3 (45 kWh) startet unter 30.000 Euro in den Markt. Der Wagen schafft bis zu 330 km (WLTP). Wer weiter fahren möchte, kann Akkugrößen mit 58 oder 77 kWh wählen. Mit dem CCS-Anschluss lädt der ID.3 mit bis zu 100 kW. Das Auto bekommt seine eigene App, um den Ladestand aus der Ferne kontrollieren zu können.

ID - Intuitive Device

Das Gaspedal heißt bei VW jetzt Play-Pedal und trägt, wie eine Wiedergabetaste, ein schwarzes Dreieck. Die meisten Funktionen lassen sich über Tasten am Lenkrad anwählen. Das Display hinter dem Lenkrad ist klein und liefert nur die wesentlichen Fahrinformationen.

Ein zweites Display (10 Zoll) ist in der Mitte, leicht zum Fahrer gedreht, angebracht. Hierüber werden Navigation, Klima, Medien und Fahrzeugeinstellungen gesteuert. Vorn und hinten sind im mittleren Ablagefach jeweils zwei USB C-Anschlüsse. Sämtliche Funktionen und Knöpfe sind selbsterklärend. "Eine Deutung des Kürzels ID ist ja Intuitive Device", sagte ID-Marketing-Chefin Silke Bagschik bei der Präsentation. Da Volkswagen seine Autos nun menschlicher gestalten möchte, zwinkert einem der ID.3 beim Einschalten zu. Die beweglichen Frontlichter erwecken tatsächlich den Eindruck eines Augenzwinkerns.

Vier Jahre Entwicklungsarbeit

Insgesamt vier Jahre hat VW von der ersten Skizze bis zum serienreifen Auto an der ID-Fahrzeugreihe gearbeitet. Der ID.3 basiert auf einer einheitlichen Plattform für alle kommenden Elektroautos aus dem Konzern, dem Modularen Elektrobaukasten (MEB). Im November 2019 startet die Produktion im Werk Zwickau. Die Auslieferung an die ersten Kunden erfolgt Anfang 2020. Laut Volkswagen liegen über 30.000 Vorbestellungen für den ID.3 vor. Die Batteriezellen sollen wenigen als 100 US-Dollar pro kWh kosten.

Die limitierte 1st Edition wird mit einem 58-kWh-Akku gebaut und zu Preisen ab 40.000 Euro verkauft. Etwas teurer dürfte die Max-Version sein. Sie kommt mit einem Augmented-Reality-Head-up-Display, einem Panorama-Glasdach, induktivem Laden des Smartphones sowie Komfortsitzen.

In den ausgestellten Fahrzeugen sitzen die Mitfahrer auf der Rückbank etwas höher als Fahrer und Beifahrer. Die Bein- und Kopffreiheit auf der Rückbank ist für Menschen bis 1,80 Meter vollkommen ausreichend. Jetzt muss eine Probefahrt zeigen, wie energieeffizient Volkswagen sein erstes Elektroauto hinbekommen hat.  (dku)


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