Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/galaxy-fold-im-hands-on-samsung-hat-sein-faltbares-smartphone-gerettet-1909-143691.html    Veröffentlicht: 06.09.2019 13:32    Kurz-URL: https://glm.io/143691

Galaxy Fold im Hands on

Samsung hat sein faltbares Smartphone gerettet

Samsungs Überarbeitungen beim Galaxy Fold haben sich gelohnt: Das Gelenk wirkt stabil und dicht, die Schutzfolie ist gut in den Rahmen eingearbeitet. Im ersten Test von Golem.de haben wir trotz aller guten Eindrücke Bedenken hinsichtlich der Kratzempfindlichkeit des Displays.

Den ersten Start des Galaxy Fold hat Samsung vermasselt, beim zweiten Mal will es der südkoreanische Hersteller besser machen: Auf der Elektronikfachmesse Ifa 2019 hat Samsung den Marktstart für Deutschland bekannt gegeben, Golem.de konnte sich das Smartphone bereits in einem ersten Test genauer anschauen. Dabei haben uns die Überarbeitungen überzeugt - wir fragen uns aber, ob das Display wirklich widerstandsfähig genug ist.

Bei der Überarbeitung des Galaxy Fold hat sich Samsung auf zwei Kernprobleme der ersten Version konzentriert: den Spalt zwischen Display und Gelenk sowie die Schutzfolie auf dem Bildschirm. Diese konnten Vorabtester beim ersten Modell einfach abziehen - was allerdings keinesfalls so gedacht war und zur Zerstörung des Bildschirms führte. Beim neuen Galaxy Fold reicht die Folie bis unter den Rahmen und kann entsprechend nicht mehr entfernt werden.

Spalt ist geschlossen

Der Spalt zwischen Display und Rahmen im Bereich des Gelenks sorgte beim ersten Galaxy Fold dafür, dass winzige Fremdkörper in das Gehäuse eindringen konnten und den Bildschirm von hinten beschädigten. Samsungs Lösung ist einfach, erscheint uns aber sehr wirkungsvoll: Der Spalt wird auf beiden Seiten durch eine kleine Kunststoffnase verdeckt. Diese ist so unauffällig, dass wir sie nicht als störend empfinden.

Beide Verbesserungen wirken sich nicht negativ auf die Klappfunktion des Galaxy Fold aus. Das Smartphone lässt sich leicht auf- und zuklappen und bleibt im aufgeklappten Zustand stabil und flach. Das Gelenk fühlt sich sehr gut an, der gesamte Mechanismus macht einen sehr hochwertigen Eindruck auf uns.

Auch die Software hat Samsung sehr gut umgesetzt. Verwenden wir eine App auf dem außenliegenden, 4,6 Zoll großen Display, können wir das Galaxy Fold einfach aufklappen, um die Anwendung auf dem großen Innenbildschirm weiter zu verwenden. Dabei entsteht keine nennenswerte Wartezeit, das Umschalten erfolgt sehr zügig und ohne Grafikfehler - egal, in welcher Richtung.

Das funktioniert in unserem Test gut mit einem Browser, Google Maps oder auch der Kamera-App. Diese schaltet im Selbstporträtmodus beim Öffnen des Galaxy Fold automatisch von der einzelnen Frontkamera auf der Vorderseite auf die duale Frontkamera der Innenseite um. Lediglich beim Spiel Asphalt 9 funktionierte das Umschalten von Innendisplay auf den Außenbildschirm nicht.

Sichtbarer Falz in der Mitte des Displays

Im aufgeklappten Zustand fällt uns relativ schnell ein sichtbarer Falz in der Mitte des innenliegenden 7,3 Zoll großen AMOLED-Displays auf. Auf dem aktuellen Stand der Technik ist dies wohl nicht zu verhindern, wenn wie von Samsung ein relativ geringer Klappradius gewählt wird - das Kunststoffmaterial des Display-Panels wird dann einfach zu stark gebogen. Bei der Bedienung hat uns dieser Falz allerdings nicht gestört.

Das innenliegende große Display eignet sich sowohl gut, um Videos zu schauen, als auch zum Browsen oder Schreiben von E-Mails. Die Einbuchtung für die Frontkameras am oberen Rand hat uns bei der Bedienung nicht gestört. Praktisch ist der Multitasking-Modus: Wir können bis zu drei Apps gleichzeitig auf dem großen Bildschirm verwenden. Die Hauptanwendung ist in der linken Hälfte des Displays untergebracht, zwei weitere in der rechten Hälfte. Klappen wir das Galaxy Fold im Multitasking-Modus zu, wird auf dem Außendisplay nur die Hauptanwendung angezeigt. Das ist sinnvoll, da drei Apps auf dem kleinen Außenbildschirm nicht sinnvoll zu bedienen wären.

Kleiner Bildschirm für kurze Nutzungszeiten

Den kleinen Bildschirm auf der Außenseite sehen wir tendenziell eher als erweitertes Benachrichtigungsdisplay an. Kurznachrichten lassen sich schnell darauf beantworten, auch für Navigationsanwendungen dürfte der Bildschirm praktisch sein. Sobald wir das Galaxy Fold länger verwenden wollten, würden wir es allerdings aufklappen und den Innenbildschirm verwenden. Mit 4,6 Zoll ist das Außendisplay für uns einfach zu klein, um es über längere Zeit zu nutzen.

Wie bei seiner ersten Vorstellung bleibt das neue Galaxy Fold ein Smartphone der Spitzenklasse: Im Inneren arbeitet ein schneller Achtkernprozessor, der Arbeitsspeicher ist 12 GByte groß, der UFS-3.0-Speicher misst 512 GByte. Das Smartphone hat insgesamt sechs Kameras: Auf der Außenseite kommt eine 10-Megapixel-Kamera zum Einsatz, über dem Innendisplay ist eine duale Frontkamera mit einem 10-Megapixel- und einem 8-Megapixel-Sensor verbaut. Auf der Rückseite ist die Dreifachkamera des Galaxy S10+ verbaut. Die Bildqualität zeigt sich bereits in unserem Kurztest als sehr gut.

Innenbildschirm scheint nicht sonderlich gut vor Kratzern geschützt zu sein

Neben all den guten Verbesserungen des neuen Modells fragen wir uns nach unserem Test allerdings, wie widerstandsfähig der faltbare Bildschirm auf der Innenseite im Alltag sein wird. Technisch bedingt ist es aktuell noch nicht möglich, das Display mit einem Schutzglas zu versehen, sondern nur mit einer Kunststofffolie. Da auch das Panel selbst aus Kunststoff ist, ist die Oberfläche merklich weicher als bei herkömmlichen Smartphones.

Dass bei der Nutzung Vorsicht angebracht ist, haben wir bei dem uns zur Verfügung gestellten Testgerät gemerkt: Im unteren Bereich des Innenbildschirms war eine sichtbare kleine Macke zu sehen, die aussah, als hätte jemand mit langen Fingernägeln auf das Display gedrückt. Sicherlich ist das Galaxy Fold als eines der ersten faltbaren Smartphones ein technisches Vorreitergerät, das könnte manchem Käufer, der 2.100 Euro für das Gerät ausgibt, aber letztlich nicht sonderlich interessieren. Spannend wird zu sehen, wie Samsung mit eventuellen Garantieansprüchen bei zerkratzten Displays umgehen wird.

Fazit

Das renovierte Galaxy Fold ist Samsung gut gelungen. Die Verbesserungen machen auf uns den Anschein, als ob die beim ersten verpatzten Marktstart aufgetretenen Probleme nicht erneut auftreten werden. Genaueres lässt sich aber wohl erst nach einem längeren Testzeitraum sagen.

Von der Hardware und auch der Software her ist das Galaxy Fold ein tolles Smartphone. Die Verarbeitung ist sehr gut, das Umschalten zwischen den Displays erfolgt absolut nahtlos und ohne Ruckler. Besseres Multitasking als auf dem Galaxy Fold dürfte wohl auf keinem Smartphone möglich sein.

Nach unserem ersten Test machen wir uns aber dennoch einige Gedanken, vor allem hinsichtlich der Kratzempfindlichkeit des Innenbildschirms: Wir haben etwas Zweifel, ob das der große Bildschirm des Galaxy Fold auch nach mehreren Monaten intensiver Nutzung so gut aussehen wird wie der eines Galaxy S10 oder Galaxy Note 10. Das ist natürlich technisch bedingt, bei einem Preis von 2.100 Euro dürften Nutzer bei einem möglicherweise verkratzten Bildschirm aber dennoch etwas verärgert sein.

Das Galaxy Fold ist ab dem 18. September 2019 in Deutschland erhältlich.

 (tk)


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